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Ausgabe:

1919 Nr. 1

Spalte:

232-234

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Anthologie der neueren Philosophie. Mit einer Einleitung von Paul Deussen 1919

Rezensent:

Jordan, Bruno

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Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 19/20.

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von diefen nachweifen läßt. Mit Recht zählt ihn darum
HL zu den .Pietiften vor dem Pietismus' S. 70 und
fchließt feine Arbeit mit dem Satze S. 73: Es ,zeigt
fich, daß Spener und Francke zwar die Hauptgrößen,
nicht aber die Begründer des Pietismus find, daß vielmehr
diefe Richtung in Religion und Pädagogik fchon vor
ihnen vorhanden war'.

Göttingen. K. Knoke.

Haug, Prof. Dr. Eugen: Gefchichte der Friedrichsuniverfität

Ellwangen 1812—1817. Erinnerungsfchrift zur feierlichen
Eröffnung des Königl. Württemb. Gymnafiums
Ellwangen am 4. November 1817. (65 S.) Lex. 8°.
Ellwangen, F. Bucher 1918. M. 4 —

Schon 1889 hat der f Prof. Funk in Tübingen die
katholifche Landesuniverfität Ellwangen und ihre Verlegung
nach Tübingen behandelt. Der Gegenftand verdiente
Beachtung, war doch die Stiftung der nur aus
einer theologifchen Fakultät beftehenden neuen Univer-
fität, aber auch ihre Einreihung in die Tübinger Univer-
fität 1817 ein ftarker Beweis der treuen Fürforge der
evangelifchen Könige Friedrich und Wilhelm für ihr neugewonnenes
kathohfches Gebiet, während die evangelifche
Fakultät in Wien noch heute auf Anfchluß an die Uni-
verfität warten muß. Haug hat die Sache neu angefaßt
und mit gründlicher Benützung der Akten und der gedruckten
Literatur eine weit klarere und umfaffendere
Darfteilung gefchaffen, als Funk, dem die Verlegung der
Univerfität den Schwerpunkt bildete. Jetzt tritt die
Schwierigkeit des Aufbaus und der Gewinnung der Lehrer
, ihr rafcher Wechfel, ihre Abhängigkeit vom Zeitgeift
und ihre Bevormundung durch die Behörden, ihr Fleiß in
meift lateinifchen Vorlefungen, Disputationen und literari-
fchen Arbeiten, aber auch der fchwache Befuch und die
Armut der Studenten in helles Licht. Statt jährlich erhoffter
120 waren es in 5 Jahren nur 99, 1816 nur 22.
Willkommen find die Lebensbilder der Profefforen, nur
fällt bei mehreren die mangelnde Angabe der Herkunft
auf. Lehrreich für die Beurteilung des wiffenfchaftlichen
Geiftes ift die Mitteilung der Prüfungsaufgaben 1813—17
und die aus Hefeies Vorlefungen S. 32, 36, die Selbft-
charakteriftik Dreys S. 41 ff, das ungünftige Urteil des
Möhler-Biographen Wörner S. 39 und die Anfechtung
durch Pius VII. und Confalvi S. 40. Die ftrengen wöchentlichen
Repetitionen glichen militärifchen Exerzitien S. 48.
S. 26,9 L Buxtorff, S. 55, 36 ergo, die Daten S. 30,1. 22,
33 Bimmen nicht zufammen.
Stuttgart. G. Boffert.

Wagner, Pfr. J.: Jofeph (Ludwig Aloys) von Hummer, Bifchof
v. Trier. (VI, 199 S.) gr. 8". Trier, Petrus-Verlag 1917.

M. 3 —

Dem Buche, das Fleiß und Heimatliebe gewiß nicht
vermiffen läßt, merkt man es allzufehr an, daß es aus
,Forfchungen über die Gefchichte der Pfarrei Ehrenbreit-
ftein' hervorgegangen ift; weder in der Anordnung der
Überlieferung noch in der Gedankenentwicklung erfüllt
es mehr als die befcheidenen Anforderungen einer halb-
dilettantifchen ortsgefchichtlichen Forfchungsweife. Wichtiges
ift flüchtig und ohne rechtes Verftändnis behandltt,
gleichgültige Notizen werden umftändlich ausgebreitet.
Durch manche Mitteilungen gewinnt das Buch doch auch
für die Wiffenfchaft einen befcheidenen Wert. Ich hebe
einiges hervor.

S. 61 f. ift erwähnt, daß Hommer als Pfarrer von Ehrenbreitftein
(1802—10) zwei Jahre hindurch wöchentlich einmal mit zwei benachbarten
Pfarrern zufammentraf, um fich über die Kritik der reinen Vernunft
und andere Werke Kants zu befprechen. S. 52 ff. finden fich
Notizen über Hommers Armenfürforge und feine perfönlichen Bemühungen
um das Schulwefen. Seine Beftellung zum Generalvikar für
den preußifchen Teil der Trierer Diözefe wurde (8. Aug. 1816) durch
das in Augsburg fitzende Trierer Domkapitel vollzogen (S. 71 ff.), aber
er mußte, da der Kurie diefe Beftallung nicht als kanonifch galt, fich
durch den Papft (März 1817) zum apoftolifchen Vikar für jenes Gebiet
ernennen laffen; der Schriftwechsel ift nicht ohne Bedeutung, zumal
lieh H.s Anfprüche mit denen eines von Dalberg beftellten Generalvikars

in Limburg kreuzten. (Vgl. dazu den Auflatz von L. Kaas, Das Trierer
apoftol. Vikariat Ehrenbreitftein 1816—24, Zeitfchr. d. Savignyftiftg.,
Kanonift. Abtlg. 7 [1917].) Zwei Briefe Niebubrs an H. (19. Aug. 1818,
25. Aug. 1821) find S. 93h veröffentlicht. Aus der Vorgefchichte der
Erhebung H.s zum Bifchof beachte man den Brief, den ihm der Oberregierungsrat
Schmedding 14. Juni 1823 febrieb (S. ioof.), befonders
wegen der Bemerkung über das Domkapitel (dazu S. 118 ff.). Der Bifchofs-
zeit H.s gilt nur das letzte Drittel des Buches. Dabei ift allem Äußerlichen
, wie den Förmlichkeiten und Feierlichkeilen bei der Einführung,
übermäßig viel Raum gegönnt, während die allgemein-kirchlichen und
kirchenpolitifchen Gedanken H.s nirgends im Zufammenhang betrachtet
und nach Inhalt und Herkunft klargelegt, fondern nur in gelegentlichen
Mitteilungen berührt werden. H. erfetzte die fcholaftifch gerichteten
Profefforen des Trierer Priefterfeminars durch Schüler von Hermes; was
ihn gerade auf die Hermefianer brachte, hat er felbft auseinandergeletzt
(S. 150). Wie er Hontheim hoch verehrte (von W. S. 156 ganz nebenbei
vermerkt), fo war er perfönlich von den Gedanken der Aufklärung
zwar nicht beherrfebt, aber noch ftark beeinflußt. Bereit, ,aus Friedensliebe
auf Unwefcntlicb.es zu verzichten' (S. 166), unterfagte er z. B. ge-
wiffe Prozeffionen, hielt es fich aber in Betrachtungen von 1828 (S. 167t.)
als Pflicht vor, ,in der Abfchaffung und Reformierung der fog. Mißbrauche
' ,recht vorfichtig' zu fein. Daß ,die Beerdigung evangelifcher
Glaubensgenoffen auf Kirchhöfen katholifcher Gemeinden' uutcr Teilnahme
evangelifcher Gciftlicher gefchehen dürfe, beftimmte er 1830.
Über H.s Haltung in der Frage der gemifchten Ehen erfahren wir
nichts neues von Belang; das berühmte Schreiben, das er vom Krankenbette
aus am 10. Oktbr. 1836 über die Kölner geheime Inftruktion
an den Papft fchickte, ift in Überfetzung mitgeteilt. Das Urteil Brücks
(Gefell, d. kathol. Kirche I, 470) über den Myftiziften Boos wird S. 165
berichtigt.

Gießen. F. Vigener.

Lindeberg, G. W.: Proteltantismen i Japan 1859—1913.

Hiftorilk-prinzipiell underfökning. (V, 246 S.) gr. 8°.
Stockholm, A.-B. Svenfka Kyrkans Diakoniftyrelfes
Bokförlag 1918. 5 Kr. 50 ö.

Als die Frucht eines durch ganze fechs Jahre hin
betriebenen Studiums bezeichnet Raoul Allier fein 1908
erfchienenes Buch von nur 266 Seiten ,Le Protestantisme
au Japon'. Nicht weniger Jahre fleißiger Vorbereitung
find gewiß auch der Veröffentlichung diefes gleichbetitelten
Werkes von G. W. Lindeberg voraufgegangen.
Es bietet am Schluffe ein Literaturverzeichnis mit über
100 Schriftentiteln, eine Lifte, in der auch der Kenner
kaum einen Titel vermiffen wird, den er in ihr zu finden
erwarten mag. Die Durchficht des Buches felbft aber
zeigt, diefe Literatur ift vom Verfaffer nicht etwa nur
zitiert, fie ift wirklich ausgebeutet, auch und vor allem
die deutlchfprachige Literatur. Die Gefchichte der pro-
teftantifchen Miffion in Japan, die bei Allier bis 1907,
in Cary's ,History of Christianity in Japan. Protestant
Missions' bis 1909 reicht, ift hier fortgeführt bis 1913.
Die Perioden, in die fie zergliedert ift, umfaffen die Zeiträume
von 1859—1873, 1873—1883, 1883—1889, 1889—
1900, 1900—1913. Voraus geht ein Abriß der Gefchichte
der alten katholifchen Miffion des 16. und 17. Jahrhunderts.
Ein zweiter Hauptteil (Prinzipiell belysning) läßt fich
aus über Chriftentum und die japanifchen Religionen,
über Chriftentum und japanifcher Volkscharakter, über
die japanifchen Kirchentypen, und erörtert in einem
Schlußkapitel bisherige Erfolge und Zukunftsausfichten
der Miffion in Japan. Eine eingehendere Befprechung
des Buches, auf das an diefem Orte nur eben empfehlend
hingewiefen werden kann, werden Intereffenten von der
Zeitfchrift für Miffionskunde und Religionswiffenfchaft
erwarten dürfen.

Leipzig. H. Haas.

AnthologiederneuerenPhilofophie. Mite.Einleitg.v.PaulDeuf-
fen. (Anthologie der Wiffenfchaften, hrsg. v. F. Ram-
horft, Bd.I.) (XVI, 552 S.) gr. 8°. Berlin, Askanifcher
Verlag 1919. Geb. M. 15 —; m Leinen M. 18 —

An philofophifchen Lefebüchern ift wahrlich kein
Mangel. Ihre flattliche Reihe um ein neues Werk diefer
Art zu vermehren, könnte bedenklich erfcheinen, zumal
wir einige vorzügliche Arbeiten auf diefem Gebiet bereits
befitzen. Ich erinnere nur an Deffoir-Menzer und Frifch-
eifen-Köhler, die, in Auswahl und Anlage völlig ver-
fchieden, eine notwendige Ergänzung zu einander bilden