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Ausgabe:

1919

Spalte:

217-218

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Mythologische Bibliothek. 8. Bd., 4. Heft 1919

Rezensent:

Franke, R. Otto

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiUS und Professor D. Hermann Schuster

jätirlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 12 Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlich an
AA Tabrp- Nr 19 20 Profeflbr D.Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden. 25 OktohfT 1Q1Q

t'*. UcUHg. Hl. Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag. ^ v-fXVIA-UJOA AC7i.t7

Mythologifche Bibliothek. 8. Bd. 4. Heft
(Franke).

Biffing, Die Kultur des alten Ägyptens.

2. Aul l. (Ranke).
Jeremias, Die Vergöttlichung der babylonifch-

alfyriichen Könige (Meißner).
Uckeley u. Richter, Die Bibel und der moderne
Menfch (Niebergall).
Frövig, Das Selbftbewußti'ein Jefu als Lehrer

und Wundertäter (M. Dibelius).
Stet tinger, Textfolge der Johanneifchen Ab-

fchiedsreden (Wendt).
— Gefchicbtlichkeit der Johanneifchen Ab-

fchiedsreden (Derb).
Nederlandsch Archief voor Keerkgeschiedenis

N. S. 14 (Köhler).
Differtationes philologae Vindobonenses. Vol.

XII (Grützmacher). Ellwangen (Boffert).

Wärt hie, Die Monodie des Michael Pfellos
auf den Einfturz der Hagia Sophia (Meyer).

Moritz, Beiträge zur Gelchichte des Sinai-
kloflcrs im Mittelalter nach arabifchen Quellen
(Duenfing).

Murner, Von dem großen Lutherifchen Narren.

Hrsg. v. Merker (Petfch).
Luthervorträge (Schornbaum).
Kirche und Reformation. Hrsg. v. Jofeph Scheu-

ber (Benrath).
Vrijer, Henricus Regius (Windifch).
Beiträge zur fächfilchen K'tchengefchichte.

32. Heft (O. Clemen).
Jahrbuch des Vereins für die Evangelifche
Kirchengefchichte Wcftfalens, 14—20 (Gohrs).
Hülfter, Georg Grabow (Knoke).
Haug, Gefchichte der Friedrichsuniverfität

Wagner, Jofeph von Hommer (Vigener).

Lindeberg, Proteftantismen in Japan l8cn—
1913 (Haas). * 5y

Anthologie der neueren Philofophie (Jordan).

Herrmann, Die Religion unlerer Erzieher
(Troeltl'ch).

Michel, Der Weg zum Mythos (Merkel).

Steiner, Ein Weg zur Seibuerkenntnis des
Mcnfchen (Hoffmann).

— Die Schwelle der geinigen Welt (Derb).

Leefe, Moderne Theofophie (Derb).

Werdermann, Katechetifches Pflichtbewußtfein
(Bornemann).

Schwab, Die rechtliche Stellung der ifraeli-
tifchen Religionsgemeinfchaft in Württemberg
(Sehling).

Bibliographie.

Mythologifche Bibliothek. Hrsg. v. der Gefellfchaft f. vergleichende
Mythenforfchg. 8. Bd., 4. Heft. Vier Abhandlungen
. (Zur Erinnerg. an Franz Bopp und den
16. V. 1816 v. Ernft Siecke.) 1. H. Eunike: Visnu,
e. Mondgott. — 2. H. Eunike: Amerikanifche u. afiat.
Mondbilder. Mit 4 Abb. — 3. C. Fries: Mytholo-
gifches in den Gefta Romanorum u. der Legenda
aurea. Mit e. Anh.: Zur Seelenwanderungslehre. —
4. E. Siecke: Über einige mythologifch wicht. Tiere.
(82 u. III S.) Lex. 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1916.

M. 3.80

Diefe vier gelehrten Abhandlungen des vierten Heftes
vom achten Bande der Mythologifchen Bibliothek: „Visnu
ein Mondgott' von Hugo Eunike, ,Amerikanifche und
afiatifche Mondbilder' von demielben, ,Mythologifches in
den Gefta Romanorum und der Legenda aurea mit einem
Anhang: Zur Seelenwanderungslehre' von C. Fries, ,Über
einige mythologifch wichtige Tiere' von Ernft Siecke)
werden auch innerlich durch die gleiche, ethnologifche,
Methode und durch die Vorliebe für den Mond als angeblichen
Wefenskern mythifcher Figuren zufammenge-
halten. Da ich der einen gleich ablehnend gegenüber-
ftehe wie der anderen, verfage ich mir ein Eingehen auf
die Einzelheiten und gebe nur einige kritifche Bemerkungen
über wenige Einzelpunkte, über die beide Parteien,
die kritifierte wie die kritifierende, bei objektiver Beurteilung
vielleicht einer Anficht werden können.

Es ift methodifch nicht richtig (entfpncht aber im Kleinen ganz
dem Verfahren der ethnologifchen Richtung im Großen), wenn Kumke
feiner Betrachtung Visnus als Mondgott .insbefondere die Lberfetzung
des Vlsnu-Pmäna voii Wilfon', alfo ein fpätes Werk, zugrundelegt, als

Rgvcda-Götter als ,Stier' etwas anderes als deren angebliche ,urfprüng-
liche Mondwefenheit' (S. 65) bedeutet, und würde feine Mufterkarte fgve-
difcher .Mondgötter' (S. 65 ff.) auf Null zufammenfehrumpien laffen.
Das Zitat ,IV, 56' auf S. 67 ift, beiläufig bemerkt, fall'ch für IV, 58.
Wie kann man nur glauben, daß fogar ein Milra und Varuna, von Haufe
aus den zunehmenden und den abnehmenden Mond' .bezeichnen' (S. 70).
Er fleht auf gleicher Höhe, wenn man auf S. 80 von Apollos .urfprüng-
licher Mondnatur' lieft. Auf weitere Einzelheiten einzugehen hat keinen
rechten Zweck. Nur zu Siecke's progranimatilchem Einleitungsartikel
.Erinnerung an Franz Bopp und den 16. Mai 1815' fei noch bemerkt
daß im Widerfpruch hierzu und zur erften Zeile des Artikels die Jahreszahl
auf dem Titelblatt des ganzen Heftes richtig 1816 heißt.

Eönigsberg i. Pr. R. Otto Franke.

Biffing, Prof. Fr. W. von: Die Kultur des alten Aegyptens.

2. Aufl. (Wiffenfchaft u. Bildg. 121. Bd.) (VIII, 88 S.
m. 58 Abbildgn.) kl. 8°. Leipzig, Quelle & Meyer 1919.

Geb. M. 1.50

Die neue- Auflage bringt an vereinzelten Stellen _

mit Berückfichtigung der inzwifchen erfchienenen Literatur
— einige Veränderungen und Zufätze, im übrio-en
ift fie ein unveränderter Abdruck der erften. Anftatt
der ,Meyer-Breaftedfchen' Chronologie ftellt v. Biffing jetzt
für die Frühzeit und das alte Reich die von Borchardt
neuerdings vorgefchlagenen Daten feiner eigenen — von
diefer nicht fehr verfchiedenen — Chronologie an die
Seite. Ein Verfahren, das nicht unbedingt gebilligt
werden kann, da es den Fernerftehenden nicht genügend
darüber orientiert, wie weit die Meinungen der Fachleute
auf diefem Gebiete noch auseinander gehen.
Nach Ed. Meyers Anfetzung lebte Menes um rund ein
Jahrtaufend fpäter als nach der von Biffing und Borchardt
und fo beftechend Borchardts Beweisführung zunächft

ob es keinen Rgveda gäbe, der doch fehr viel, vielleicht um Jahrtau- I erfcheint — die Annahme eines Zwifchenraumes von
fende, älter ift. Selbft wenn berechtigte Zweifel darüber beliehen konnten, £ , d ß bJ Beginn der 11 DvnaftU

oh im Visnu-Puräna Visnu eine Perfonifikation des Mondes fei oder 3 A , , - .____ um ucpiui uer I L iJynaltie

ob im Visnu-Puräna Visnu eine Perfonifikation des Mondes fei oder
nicht, im Rgveda ift er fi'cher keine. Nebenbei: Chändogya Upanisad
ift der richtige Name, nicht Chandagoya Up. (S. 9), und Brahman,
nicht Brahman (ebd. u. S. 13); Trimürti ift ein femininer Sing., kein
maskuliner Plural (S. 13). Grotesk ift die Auffaffung fogar Brahmä's
als .urfprünglicher Mondgott' (S. 14) und ein wenig fpaffig die Erklärung
der Buddha-Inkarnation Visnu's als Mond (S. 12) auf Grund der
Tatrache, daß Buddha als Gelchorener, wie wir gelegentlich fagen, einen
Vollmond hat. Etwas Ahnliches (.Kahlhcitsmotiv') findet fich in Frie-
fens Artikel. S. 47; uud S. 46 hätte Fries ftatt ,in den Jätakam' entweder
,im Jätakam' oder ,in den Jätakas' fagen follen. Auch Siecke
wäre etwas tieferes Eindringen in den Geift des Rgveda zu wünfehen.
Es würde ihn z. B. zu der Erkenntnis führen, daß die Bezeichnung der

muli doch fehr ftutzig machen.

Unverftändlich bleibt mir Biffings Vorliebe für
Namensformen wie Rameffes und Amenophthes ftatt der
eingebürgerten und befferen Formen Ramfes und
Menephtah oder für die Formen Suphis und Eamare ftatt
der wenn auch nicht befferen, fo doch ebenfoguten und
nun einmal gebräuchlicheren Formen Cheops und Hatfche-
pfut. In populären Schriften sollte doch hierin endlich
einmal Einheitlichkeit erzielt werden.

Heidelberg. Ranke.

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