Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1919 Nr. 1

Spalte:

182

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Seeberg, Reinhold

Titel/Untertitel:

Ewiges Leben. 3. Aufl 1919

Rezensent:

Schuster, Hermann

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

?8l Theologifche Literaturzeitung 1919 Nr. 15/16. j83

fchrei an den Proteftantismus der ganzen Welt ergehen: 1 mancher alten im Laufe der Jahrhunderte eingegangenen Kirchen-
,Laßt nicht zu, daß die Evangelifchen der Provinz Pofen < §emSj"dl? nach Warfchau gekommen find. Auch eine Abfchrift
lmtpr „„lnifrhV- Herrfrhaft LQf™ !< Ak Reoründuno- t der »heften kleinpolmfchen Synodalprotokolle, die Dalton nach
unter polmiche Herrlchalt geraten! Als Begründung , einer ,n S]uzk gefundenen Handfchrift herausgegeben hat, findet
dient eine ganz knappe, von D. Wotfchke mit völliger f1Ch hier. Vielleicht ift fie voliftändiger als die Sluzker, und haben
Beherrfchung des Materials gegebene Darfteilung der wir von ihr neue reiche Auffchlüffe zu erwarten. Es wäre zu
bitteren Leidensgefchichte des polnifchen Proteftantismus wünfchen, daß das vor. Bickerich in Warfchau fertgertellte urkund-
im 18. Jahrhundert. Die Daten über den Raub evange- j hc^p^eTi'il ba,d wiffenfchaftlich durchforfcht würde

lifcher Kirchen, die Verfolgung der Paftoren und Laien, | J5res'au'_Wotfchke.

die. fonftigenDrangfalierungen find fchlicht.nebeneinander- ! Bartmann, Prof. Dr. Bernh.: Lehrbuch der DogmatutTä^eTm. u.
geftellt. Das entfliehende Bild wirkt eindringlich genug. j verb. Aufl. 2 Bde. (Theologifche Bibliothek.) (XII, 452 u. IX,

Die Erinnerung an den häßlichften, untilgbaren Flecken
polnifch-katholifcher Gefchichte mag uns dazu dienen,
von den Zukunftsausfichten der Evangelifchen in dem
neuen großpolnifchen Staate nicht zu optimiftifch zu
denken. Weifen das polnifche Volk und fein Klerus an
Fanatismus fähig ift, hat die Vergangenheit gezeigt. Man
wird nun freilich die Antwort auf die Themafrage: ,Was
haben die Evangelifchen unter polnifcher Herrfchaft zu
erwarten?' nicht einfach durch Befinnung auf das Vergangene
gewinnen können. Infofern bedarf Wotfchkes
Heft der Ergänzung durch Betrachtung der gegenwärtigen
Verhältnis. Diefe laffen aber Prophezeiungen
entgegengefetzter Art zu und bieten keine fichere Auskunft
. Wird es erfchwerend für die Lage der Evangelifchen
fein, daß fie zum größeren Teile Deutfche find
und völkifchen Haß zu ertragen haben? Oder wird die
Tatfache, daß einige Zehntaufende Evangelifcher in Polen
bewußte polnifche Nationaliften, wenigftens aber polonifiert
find, vielleicht auch die deutfche Mehrheit der evangelifchen
Kirche vor Bedrängnis fchützen? Möglicherweife wird man
theoretifch, offiziell, im Großen toleranter fein als praktifch,
im Einzelnen, im Kleinen. Denn die Durchdringung von
Katholizismus und Nationalismus befteht noch wefentlich
unverändert fort, weniger theoreti lch-ftaatsrechtlich als praktifch
. Indeffen die derzeitigen Führer der evangelifchen
Kirche im bisherigen Kongreßpolen haben eine nicht ein-
flußlofe Stellung in der maßgebenden polnifchen Gefell-
fchaft und find ebenfo entfchloffen wie befähigt, die evangelifchen
Intereffen wahrzunehmen. Dazu kommt die rein
zahlenmäßige Bedeutung des Proteftantismus im neuen
polnifchen Staate: im Ganzen werden fleh etwa 2 Millionen
Evangelifcher ergeben — eine Macht, mit der der
Staat rechnen muß, felbft wenn die tiefen politifch-völki-
fchen Gegenfätze — wie mir wahrlcheinlich ift — die
Evangelifchen Kongreßpolens, Weftpreußens, Pofens, Ga-
liziens, Mafurens nicht zur gefchloffenen Gemeinfchaft
kommen laffen. Zu befonderer Sorge, daß die Evangelifchen
um ihres Bekenntnifles willen leiden müßten, fehe
ich vorerft keinen Anlaß. Doch darf nicht vergehen
werden, daß die Lebenskraft des Luthertums in Polen
im Deutfchtum wohnt. Die Gefahr der Poloniflerung ift
nun aber feit den Ereigniffen des November 1918 fehr
viel ernfter als bisher zu nehmen, und Poloniflerung bedeutet
vielfach den erften Schritt zum Aufgeben des ent-
fchloffenen evangelifchen Bewußtfeins. So find unfere
völkifchen Sorgen zugleich doch auch evangelifche.
Göttingen. p- Althaus.

Aus Porens kirchlicher Vergangenheit. Jahrbuch des Evangel. Vereins
f. die Kirchengefchichte der Prov. Pofen. 6. Jahrg. 1917/18.
(III, 162 S.) gr. 8". Pofen, Ev. Vereinsbuchh. 1918. M. 6 —
Abgefehen von meiner Studie über den bedeutendften luthe-
rifchen Superintendenten Großpolens, Erasmus Glitzner, den
namhaften Schriftfteller und Kirchenpolitiker, und einem kleinen
Auffatze Gürtlers über Tag- und Jahrhundertfeiern der Reformation
aus alten Frauftadter Kirchenbüchern bringt das vorliegende
Jahrbuch nur Beiträge von dem Liffaer Pfarrer Bickerich, dem in
Anerkennung feiner Verdienfte um die Erforfchung der Kirchengefchichte
des Oftens die Breslauer theologifche Fakultät unlängft
den Licentiatengrad verliehen hat. Er behandelt die früheren
Reformationsjubelfeiern und die Einführung des jährlichen Refor-
mationsfeftes im Pofener Lande, bringt den Schluß des wertvollen
Tagebuches der polnifchen Unität von 1643—1751 mit einem wichtigen
Anhange zum Abdrucke, er berichtet über das Ergebnis
feiner im Auftrage des Pofener kirchengefchichtlichen Vereines
nach Warfchau unternommenen Forfchungsreife, über die kirchen-
gefchichtlich wichtigen Akten, die er dafelbft gefunden hat. Sie
find zahlreicher, als man vermuten konnte, da die Archivalien

551 S.) gr. 80. Freiburg i. B., Herder 1917/18. M. 19.50;

geb. M. 23 —

Die neue Aufl. der Dogmatik v. B. ift äußerlich von 861 S.
auf 1003 S. angefchwollen; die Vermehrung ift werentlich auf die
Verarbeitung der neueren Literatur zurückzuführen. Daher ift
das Buch in 2 Bände zerlegt. Da nach 6 Jahren eine neue Aufl.
nötig geworden ift, muß fie fich für das Einlernen der katholifchen
Dogmatik nützlich erwiefen haben. Jhr allgemeiner Charakter
ift derfelbe geblieben (vgl. ThLZ 1912 Sp. 7591). Da die oberfte
Inftanz die unfehlbare Lehrentfcheidung der Kirche ift, fo ift die
kluge Umficht und Vorficht, die jeden Verfloß gegen'kirchliche
Lehrentfcheidungen meidet, die größte Tugend des Dogmatikers.
Der reichlich berückfichtigte hiftorifche Stoff wird von vornherein
unter dem Gefichtspunkt herangezogen, in wiefern er als Beweismittel
für die vatikanifchen Dogmen dienen kann. Die gefchicht-
liche Entwicklung der Dogmen ift daher ,nicht mit wirklich hifto-
rifcher Methode' dargelegt, wie ein katholifcher Beurteiler der
vorigen Aufl. (Wilhelm Koch DLZ 1912 Sp. 2450) betont, der im
übrigen diefe Dogmatik für die bebte vorhandene katholifche Dogmatik
erklärt. Ich Itimme infofern Koch zu: eine nach wirklich
hiftorifcher und wahrhaft wiffenfchaftlicher Methode gearbeitete
katholifche Dogmatik ift in der Gegenwart nicht möglich. Der
Katholizismus felbft müßte fich wefentlich wandeln, fein äußeres
Autoritätsprinzip abwerfen, um eine wiffenfehaftliche Dogmatik
erzeugen zu können, die die dem menfehlichen Glaubensleben
fich darbietende göttliche Offenbarung mit wiffenfchaftlicher Erfahrung
darftellt. Die vorliegende Dogmatik gibt ein gutes Spiegelbild
der an Händen und Füßen gebundenen katholifchen Dogmatik.
Bafel. Johannes Wendland.

Seeberg, Reinhold: Ewiges Leben. 3. Aufl. (VIII, 113 S) 8".
Leipzig, A. Deichen 1918. M. 2.40; geb. M. 3.50

Da es dem Verf. jetzt nicht an der Zeit zu fein fcheint, eingehende
theologifche Erörterungen anzuflehen, um fich mit den
erhobenen Einwänden auseinanderzufetzen, fo läßt er feine Schrift
unverändert ausgehen. Möge ihr weitherziger und innerlicher
Glaube an die Überwindung des Todes weiter Hülfe und Troft
bringen. (2. Aufl. f. 1916. 415)
Hannover-Kleefeld. Schufter.

Schriften zur Kirchenfrage.

I

Im Augenblick der Revolution hat eine Hochflut
von Schriften eingefetzt, die fleh teils ausdrücklich mit
der Frage der Trennung von Kirche und Staat, teils mit
der notwendig werdenden inneren Neugeftaltungder evangelifchen
Kirchen befchäftigen. Es find alles Gelegen-
heitsfehriften; meift knappe, oft ganz dünne Hefte, die
durchaus auf die Lage zugefchnitten find. Nur in der
Abzweckung find fie verfchieden. Teils wollen fie weite
Kreife über die Trennungsfrage aufklären, teils mehr den
in erfter Linie Verantwortlichen Stoff und Richtlinien zur
Urteilsbildung bieten; teils entwerfen fie Pläne für einen
Zukunftsbau, die natürlich nur begrenzte Ausficht auf
Verwirklichung haben. Der Verfuch, fie in Gruppen zu
gliedern, ftößt auf Schwierigkeiten; dennoch foll er o-e.
wagt werden.

1. Theoretifche Erörterungen der Trennun^s -
frage. Der katholifche Kirchenrechtler Lux1 gibt eine
außerordentlich ftoffreiche Darfteilung in glatter Form
Er befpricht den richtigen Begriff der Trennuno-, die tat-
fächlichen Trennungsmodi in anderen Ländern die Lao-e
in Preußen, die gegenwärtige Stellungnahme' der ver-
fchiedenen Religionsgemeinfchaften; endlich fügt er prak-
tifche (fehr weitgehende) Forderungen der katholifchen
Kirche hinzu. Uberall finden fich Beziehungen auf andere

t) Lux, Prof. Dr. Karl: Trennung von Staat und Kirche.
(Politik: he Bildung, Heft 4.) (54 S.) gr. 3". Münder, Afchendorfl" 1919.

M. 1.20