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Ausgabe:

1917

Spalte:

157-158

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Strack, Hermann L.

Titel/Untertitel:

Jüdisches Wörterbuch. Mit besonderer Berücksichtigung der gegenwärtig in Polen üblichen Ausdrücke 1917

Rezensent:

Fiebig, Paul

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Seite 1

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157

Theologifche Literaturzeitung 1917 Nr. 8/9.

158

tifche Text wird in feinen drei Hauptrezenfionen, der des
Mittleren Reiches, der des beginnenden Neuen Reiches
und der der Spätzeit, unter Beifügung der wichtigften
Varianten für die beiden erften Perioden, in klar
gezeichneten Hieroglyphen in Autographie gegeben und
"durch. Abteilung der einzelnen Sätze überfichtlicher ge-
ftaltet. In der in Typen gedruckten Überfetzung erfcheinen
die drei Rezenfionen gleichfalls gefondert. Bei einer
Reihe ihrer Sätze find fachliche Anmerkungen beigefügt
worden. Bei diefen möchte ich den Wunfeh wiederholen,
daß bei diefer Gelegenheit die moderne Literatur für
die in Frage kommenden Stücke aufgeführt werde. Bei
einem Vergleiche der Überfetzung des Verfaffers mit der
vor Kurzem von Roeder in feinen Urkunden zur Religion
des alten Ägypten veröffentlichten wird der Lefer, trotz
der Übereinftimmung in wefentlichen Dingen, an zahlreichen
Stellen Verfchiedenheiten in der Wiedergabe und
Auffaffung einzelner Sätze begegnen. Solche Widerfprüche
find bei dem jetzigen Stande der ägyptologifchen Kennt-
niffe bei der Behandlung fprachlich und fachlich fo
fchwieriger Urkunden, wie fie das Totenbuch darbietet,
unvermeidlich. Dem Nichtägyptologen fehlt aber in derartigen
Fällen die Möglichkeit, die Gründe, welche jeweils
die Überfetzer geleitet haben, nachzuprüfen. Hierzu
würden ihn Literaturnachweife vielfach in Stand fetzen
und ihm zugleich die Gedankengänge der einzelnen Stellen

Sprache mit hebräifchen Lettern, gefchrieben meift mit
der jüdifchen Kurfivfchrift. Strack hat fich durch fein
Jüdifches Wörterbuch' und die dazu gehörigen Texte das
große Verdienft erworben, bequeme Hilfsmittel zum Eindringen
in das gedruckte Jüdifchdeutfch gefchaffen zu
haben. Beim Lefen jüdifchdeutfeher Zeitungen leiftet
fein Wörterbuch vortreffliche Dienfte. Hoffentlich irres
dem rührigen Verfaffer vergönnt, bald in einer 2. Auflage
noch eine Reihe von Ergänzungen beizufügen. In
den meiften Fällen gibt fein Wörterbuch fchon jetzt die
erwünfehte Auskunft. Jeder, der die hebräifchen Buch-
ftaben erlernt hat, kann Str.'s Wörterbuch benutzen. Auch
zum Verftändnis der hebräifchen Beftandteile gibt St. in
der Einleitung Handhaben. Die jüdifch-deutfehen Texte'
gibt St. lediglich in Umfchrift, nicht mit hebräifchen
Lettern. Das hat den Vorteil, daß auch diejenigen, die
die hebräifchen Buchftaben nicht kennen, diefe Texte
ftudieren können. Und fie bieten in der Tat des für
weitefte Kreife Intereffanten genug. In 15 Abfchnitten
lernen wir ,den Aufruf der Oberleitung der verbündeten
deutfehen und öfterreich-ungarifchen Heere an die Juden
in Polen' kennen, Wahlaufrufe aus Warfchau, rührende
Schilderungen über das Elend jüdifcher Flüchtlinge, die
foziale Not der Oftjuden, ihre Gefetzestreue, ihre politi-
fchen und religiöfen, nationalen, wirtfehaftlichen Beftreb-
ungen und Sorgen, auch einige der oft fehr treffenden

näher bringen. Bei dem Fehlen einer erfchöpfenden i und humorvollen Sprichwörter find beigefügt. Anmerk
Darfteilung der ägyptifchen Religion ift es für die Mehr- i ungen erläutern Sachliches und vor allem die bereits im

zahl der Benutzer fo gut wie ausgefchloffen, über die
Mythen und Lehren, auf welche die Formeln anfpielen,
fich zu unterrichten. So wird S. 37 der überfetzung der
Löwe mit dem Phallus des Ofiris oder des Sonnengottes
in Verbindung gebracht. Der Verfaffer verweift mit
Recht auf Götterbilder, bei denen der Phallus mit einem
Löwenkopfe verfehen ift. Eine Nennung von Hopfner,
Tierkult S. 40 ff. und Pleyte, Chapitres supplementaires
du Li vre des Morts, 162—163. S. 36 ff. hätte dem Lefer
weitergehenddieHeranziehung des LöwenkultesinÄgypten
überhaupt und damit das tiefere Verftändnis der An-
fpielung des Totenbuchtextes ermöglicht. Auch die
Statuette eines der Chnumu, bei welcher der Phallus
durch ein menfehliches Geficht erfetzt ift (Ann. Service des
Antiq. 8 S. 160), wäre in diefem Zufammenhange von
Intereffe. Eine derartige Vervollftändigung der Anmerkungen
würde dem Verfaffer, der ohnehin die ältere
Literatur durcharbeiten muß, verhältnismäßig wenig
Mühe bereiten, andererfeits aber den Nutzen der Veröffentlichung
, welche durch die kritifche Textgeftaltung

Druck hervorgehobenen hebräifchen Beftandteile. Möchte
es Str. vergönnt fein, auch an Texten in Zukunft eine
noch mannigfaltigere und für wiffenfehaftliche Unter-
fuchungen noch ergiebigere Auswahl bieten zu können,
vielleicht — vor allem für Anfänger erwünfeht — in
hebräifchem Druck. Ein weiterer Wunfeh geht dahin'
daß die in den einzelnen Gegenden verfchiedene Aus-
fprache, foweit fie wiffenfehaftlich wichtige und charak-
teriftifche Eigenheiten aufweift, in Zukunft einmal genau
aufgenommen werden möchte. Einftweilen wollen wir
uns dankbar des von Str. Geleifteten freuen. Möchten
vor allem diejenigen, die im Often mit Juden zu tun
haben, Str.'s Arbeiten praktifch erproben und eifrig benutzen
. Für den mündlichen Gebrauch des Jüdifchdeut-
fchen im täglichen Verkehr fei zur Ergänzung des von
Str. Gebotenen auf E. Bifchoff, Jüdifch-deutfcher und
deutfeh-jüdifcher Dolmetfcher verwiefen (Leipzig, Th.
Grieben, 1916, 4. Aufl.). Str. erklärt S. 35 ,barches', das
Weißbrot für den Sabbat, als ,verftümmelt aus: Berch-
tas Brot' während E. Bifchoff S. 6 auf .berachah', Seg-

und die wohl erwogene Überfetzung für das Studium des i nung verweift. Einige Ergänzungen und Berichtigungen
Totenbuches eine wichtige Grundlage gewährt, entfehieden 1 gibt Str. felbft in der ,Allg. Z. d. Judentums', 1916, Nr. 47,

erhöhen.

Bonn. A. Wiedmann.

auch Nr. 49 ift zu vergleichen.

Gotha. Fiebig.

Strack, Geh. Konf.-Rat Prof. D. Dr. Hermann L.: Jüdifches Schumacher, Dr. Rudolf: Der Alexandriner Apollos. Eine

Wörterbuch. Mit befond. Berückficht, der gegenwärtig exeget. Studie. (VII, 49 S.) gr. 8°. Kempten, J. Köfel

in Polen übl. Ausdrücke. (XVI, 204 S.) 8°. Leipzig, j 1916. M. 1 —

J. C. Hinrichs 1916. M. 5—; geb. M. 6— Diefe Arbeit gibt eine Zufammenftellung deffen, was

— Jüdilchdeutfche Texte. Lefebuch zur Einführg. in Den- das N.T. über Apollos zu fegen weiß, und was die neueren

ken, Leben u. Sprache der ofteurop. Juden. (56 S.) 8«. feit RCh- B.^ur über feine Perfon und die neutelL

t .' . t „ yt -i ir Überlieferung über ihn geurteilt haben. In der Tat ift

Leipzig, J. C. Hinrichs 1917. M. 1.50 j Apollos eine intereffente Perfon, der erfte (uns bekannte)

Die Juden Ofteuropas kann man nur richtig beurteilen ' chriftliche Jünger mit alexandrinifcher Bildung, die einzige

und verftehen, wenn man das Jüdifchdeutfche kennt, diefes Perfon zweiten Ranges, die im zweiten Teil der Apg.

eigenartige Deutfch, das von den Juden der ganzen Welt ; das befondre Intereffe auf fich zieht. Nur wiffen wir leider

verftanden und weithin von ihnen als ihre Nationalfprache wenig über feine Perfon und feine Lehrentwicklung; das

aufgefaßt wird. Deutfch find die weitaus überwiegenden ; Wenige, was die Apg. berichtet, ift undeutlich. Auch

Beftandteile diefer Sprache, nächft dem find hebräifche Schumacher kommt zu keinem abgerundeten Ergebnis.

Elemente darin und auch polnifch-ruffifche. Formenlehre, Er fucht zwar die Beziehungen des Apollos zu den

Kafuslehre, Wortftellung, Syntax folgen deutlich erkenn- ; Johannes-Jüngern möglichft zu leugnen, aber völlig kann

baren Regeln. Es gibt eine reichhaltige Literatur in j er fie nicht in Abrede ftellen. Den fchwierigen Worten

diefer Sprache, vor allem erfcheinen z. B. in Polen und ! Apg. 18, 25h, die zu manchen Interpolationshypothefen

Galizien jüdifchdeutfche Zeitungen. Gedruckt wird diefe ! Anlaß gegeben haben, wird er nicht gerecht. Ich ver-