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Ausgabe:

1917

Spalte:

123-124

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kohler, Kaufman

Titel/Untertitel:

Hebrew Union College and other Addresses 1917

Rezensent:

Goldziher, Ignác

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Theologifche Literaturzeitung 1917 Nr. 6/7.

124

im Innern (des Silberberges)', ift alfo nicht Loc. von anta, fondern =
Sanskr. antah wie in antepura. — Das immer wiederkehrende ,feine
Wiedergeburt nahm' für patisandhigahana ,fich aufs neue empfangen
ließ' geht etwas auf die Nerven, ebenfo ,die Majeftät' für mahäräja ftatt
.der Groß-König' oder dergl. Ungefchickt ift auch ,Niederkuuft' in 12 ftatt
.Entbindung1. Gerade Mäyä's Mutterwerden war ja eine .Niederkunft"
da fie im Stehen gebar, uttara in 17 und auch S. 30 heißt nicht ,die
befte' (es ift ja auch kein Superlativ, fondern Komparativ), fondern doch
wohl wie gewöhnlich ,die nördliche (Himmelsrichtung)'. — vltihära in
17 bedeutet nicht ,groß', fondern in der Verbindung mit pada- einfach
die Tätigkeit des Schreitens, padavitihära alfo ungefähr dasfelbe wie
pada allein. In 21 ift ekamsabuddhavyäkaranam nicht ,die einzige
Deutung . . .', fondern die ganz beftimmte Deutung, daß er ein Buddha
werden würde'. In 24 (und auch S. 36) bildet der Schatten des Baumes
nicht fchlechthin eine Kreisform, fondern bleibt (dauernd) als .Kreis um
(pari-)' den Bodhifatta. darauf kommt es ja an. Am Schluß der längeren
Infchr, 42 nicht ,und wie fie' (d. h. die Gottheiten) ,das große Tor der
Stadt erreichten', fondern ,und wie er fo . . . erreichte'. Und einiges
andere.

Die (S. 24—57) ins Buch eingefügte Überfetzung eines
Teiles der großen Einleitung des kanonifchen Jätaka-Werkes
ift, fo weit Ref. fie nachgeprüft hat (S. 24—42), im ganzen
richtig.

Von kleinen Verbefferungen. die anzubringen find, fei nur erwähnt,
daß addhatiya natürlich nicht ,zwei' (S. 26 oben links), fondern .drittehalb
'bedeutet (es iftaugenfcheinlich nur ein Druckverfehen), sunivattham
supärutam nicht .fauber und nach Vorfchrift gekleidet' (S, 38 b und In-
fchrift 33), fondern ,unten und drüber recht gekleidet', ,mit rechtem Gewand
und Mantel verfehen', divasabhägam nicht ,den übrigen Teil des Tages'
(S, 39 a), fondern ,einen Teil des Tages', eko nicht ein beftimmter' (S.
39 b), fondern ,ein', nicht ,denn wonach ich im Leben fuche, ift die in
diefem Verlöfchen beftehende Glückfeligkeit' (S. 40 b), fondern ,ich will
die Glückfeligkeit fuchend wandeln', vippaviddha nicht .völlig entftellt'
(S. 41 a), fondern .umhergeworfen, hingeftreut'. U. a. In der überfetzung
eines Stückes aus Dighanil-äya XIV, S. 38 Amn. * *, ift ficherlich nicht
.und mancherlei rote Gewänder [im Feuerbrande] verzehrt wurden', ftatt
delfen wohl vielmehr zu überfetzen: ,und wie fie ihre mannigfach bunten
Gewänder unfcheinbar machten', denn miläta, Part, von Sanskr. mlä",
wird wie das Sanskr.-Part. mläu a .fchmutzig' und .Abwefenheit des Glanzes'
od, ähnl. bedeuten können.

Wer Intereffe am«Buddhismus und an feiner fpäteren
Gefchichte nimmt, dem kann, um zufammenzufaffen, S.'s
Veröffentlichung zum Studium empfohlen werden.

Nr. 2 und 3 der ,Südbuddhiftifchen Studien', deren
Erfeheiuen man mit beftem Wohlwollen und Vertrauen
entgegenfehen darf, follen (2) ,die vorgeburtliche Buddha-
Legende (Jätaka) in zweihundert Skulpturen desfelben
Tempels und in etwa zweihundertfünfzig Fresken einer
Tempelruine' und (3) ,eine Darfteilung der Mythologie
des füdlichen Buddhismus im Anfchluß an eine Befpre-
chung einer Anzahl von Fresken' enthalten. ,Die ikono-
graphifche und kunftgefchichtliche Würdigung des Materials
dagegen' foll .einer fpäteren befonderen Abhandlung
Vorbehalten bleiben'.

Königsberg i/Pr. R. O. Franke^

Kohler, President Dr. Kaufman: Hebrew l'nion College
and other Addresses. (IX, 336 S.m. Titelbild) 8°. Cincin-
nati, Ark Publishing Co. 1916.

Die religiöfen Gefichtspunkte und Beftrebungen der
jüdifchen Reformbewegung, die in Nordamerika breiten
Boden gewonnen hat (es find ihr bereits an 180 Kongregationen
angefchloffen), find hier von einem gelehrten
Führer derfelben in pofitiver, von ernftem theologifchen
Denken durchdrungener Weife dargeftellt. Der ftattliche
Band enthält einesteils Gelegenheitsreden, die der Verf.
als Leiter des Hebrew Union College in Cincinnati (gegründet
durch Dr. Wife, eröffnet 1875), deffen Aufgaben
S. 39—50 umfchrieben find, an diefer theologifchen Bildungsanftalt
gehalten hat, andernteils fynagogale und
Konferenzvorträge, in denen Fragen von prinzipieller Bedeutung
(z. B. die Bibel im Lichte moderner Forschung,
S. 173—183; die biblifchen Wunder, S. 253—266; Stellung
der Frau im Judentum, S. 273—296; über das Zeremonial-
gefijtz S. 297—322 u. a. m.) in freifinnigem Geifte verhandelt
werden.' In der Entftehungs- und Entwicklungsgefchichte
der Reform orientiernd find die in Form von Gedächtnisreden
gefaßten Effays über Vorkämpfer derfelben
(Abraham Geiger in Deutfchland, Ifak M. Wife, David

Einhorn, Sam. Adler, Sam. Hirfch in Amerika). Trotz
der Entfchiedenheit des Standpunktes des Verf.'s ift in
allen diefen Auffätzen der polemifche Ton vermieden;
durch das ganze Buch betätigt fich vielmehr der Geift
der einfichtsvollen Achtung und ruhigen Würdigung
gegenüber den Vertretern der den Zielen der Reform
entgegenftrebenden konfervativen Richtung (S. 30. 40.).
Befonders bemerkenswert ift hierfür (S. 322—336) die
Gedächtnisrede auf Solomon Schechter (geft. in
New York 20. Nov. 1915). — Für die Kenntnis der Stellung
der Reformbewegung innerhalb des traditionellen Judentums
können die in diefem Bande vereinigten Auffätze
als klare und fichere Informationsquelle empfohlen werden.

Budapeft. I. Goldziher.

Hempel, Johs.: Die Schichten des Deuteronomiums. Ein

Beitrag zur ifraelit. Literatur- u. Rechtsgefchichte.

(Beiträge zur Kultur- u. Univerfalgefchichte. 33. Heft.)

(IX, 288 S.) gr. 8°. Leipzig, R. Voigtländer 1914. M.9—
Das Buch, das zugleich als Leipziger philofophifche
Doktordiffertation erfchien, entwickelt im erften Kapitel
(S. 1—50) im Rahmen eines kritifchen Überblicks über
die Vorarbeiten die Aufgaben, die einer neuen Unter-
fuchung erwachfen. Es find das folgende: 1) die text-
kritifche, insbefondere die Scheidung der LXX-Rezen-
fionen und die Feftftellung ihres Verhältniffes zu einander
und zu MT, wozu der Verf. auf S. 9fr. und im Anhang
S. 27off. einige Beiträge liefert, ohne jedoch im
folgenden davon viel Gebrauch zu machen; 2) die me-
trifche Analyfe, von der der Verf. fich jedoch nur an
wenigen Stellen Erfolg verfpricht und die er auch nur
vereinzelt verwertet, und im Zufammenhang damit die
Beachtung der beabfichtigten Klangwirkung der Wortfolge
, der die kritifche Verwertung der Sprachftatiftik
Rechnung tragen müffe (beachte z. B. S. 69f.); 3) die Er-
forfchung der Vorgefchichte der in den verfchiedenen
Schichten des Dtns. verarbeiteten Stoffe, und das ift die
Aufgabe, die der Verf. fich befonders geftellt hat, und
deren Löfung namentlich die Analyfe des gefetzlichen
Abfchnittes (S. 181—260) gewidmet ift.

Das Jofiagefetz, in den letzten Lebensjahren Hiskias
oder im Anfang der Regierung Manaffes von einem die
fingularifche Anrede gebrauchenden Schriftfteller (Sga)
verfaßt und mit einer paränetifchen Einleitung fowie einer
Segen- und Fluchankündigung umrahmt, geht in der Hauptfache
auf ein der Zeit Salomos entflammendes Tempelgefetzbuch
(die .Tempelregel') zurück. Diefe enthielt
teilweife uraltes, von den Kananitern übernommenes oder
aus der Beduinenzeit beibehaltenes Material in einer dem
Geifte der ifraelitifchen Religion entfprechenden Umarbeitung
, wie fich an dem Durchfchimmern von uraltem Dämonen
- und Seelenglauben, der Furcht vor der Blutrache, der
Gerichtsbarkeit der Älteften der Stämme und Sippen
erkennen läßt. Mit der Abfaffung der Quelle aber etwa
bis in die Zeit Salomos hinabzugehen zwingt die Tatfache
, daß Hilkia nach II Reg 22,8 dem Schaphan ,das'
Gefetzbuch übergibt, das alfo .feiner Exiftenz nach noch
bekannt gewefen fein' muß. Sga benutzte ein mit einigen
jüngerern Nachträgen verfehenes Exemplar diefes Werkes
und bearbeitete es fo, daß es feiner Grundforderung der
Konzentration des Kultus entfprach. Neben diefer Quelle
benutzte er gelegentlich noch eine zweite, über die jedoch
nichts Genaueres zu ermitteln ift, und das Bundesbuch.
Außerdem enthält das Jofiabuch noch eine weitere Quelle,
die zur Zeit Manaffes (übrigens z. T. unter Verwertung
viel älteren Materials) entftand und fich gegen die FQyiri
i-nrri richtet; ob diefe noch von Sga nachträglich in fein
Werk eingearbeitet wurde oder erft von einem andern,
wagt der Verf. nicht ficher zu entfcheiden. Nach 621
entftanden verfchiedene Sonderausgaben des Jofiagefetzes,
welche die Rahmenftücke des Sga teils durch andere mit
fingularifcher oder pluralifcher Anrede erfetzten, teils fie