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Ausgabe:

1917

Spalte:

52-56

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wilpert, Joseph

Titel/Untertitel:

Die Römischen Mosaiken und Malereien der kirchlichen Bauten vom 4. bis 13. Jahrhundert 1917

Rezensent:

Harnack, Adolf

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(Bj IV 8,2). Des Raumes wegen muß ich mich auf einige
Bemerkungen zu der Arbeit des Verf. befchränken.

Bei der Befprechung der Grenzen wäre vor Allem die Frage
wichtig gewefen, ob und wann Samaria und Peräa wirklich politifche
oder anders beftimmte Grenzen gehabt haben, und wie die Angiben
darüber bei Jofephus zu verliehen find. Betreffs Peräas lagt freilich H.
S. 69, daß die Grenzangaben nicht in der natürlichen BorJenbefchaffen-
heit ihren Grund hätten, fondern fich nach den letzten überwiegend
jüdifchen Örtlichkeiten richteten. Aber diele beiden L'mllände bedingen
fich gegenfeitig gerade bei dem jüdifchen Peräa, das fich im letzten
Jahrhundert vor Chr. gegen die Dekapolis im Often a' grenztet die zer-
riffene I.andfchaft der Abhänge verblieb den Juden, die Hochebene den 1
hellenifi.iten Städten. — Über Peräa lieft man S. 83 die auffallende
Angabe nach Jof. Bj. III 3, 3 in der Kohout'fchcn Überfctzung, daß
das Land auch von falzhaltigen Quellen, die nie ausbleiben (ntjyai
ätvvaioi fiXi?) befruchtet werde. Salzhaltige Quellen auf der Höhe von
Peräa? Da der Verf. die griechifchen Worte in Klammern hinzufügt,
macht er es zwar dem aufmerkfamen Lefer möglich, den Irrtum zu entdecken
, beweift aber damit, den groben Fehler Kohouts nicht gemerkt
zu haben, daß diefer «At? •= genügend als eine Form von «Ag = Salz
angefehen hat! — Sichern bedeutet nicht Sattel oder Paß (S. 20), fon-
dem Kücken, und die alte Stadt lag wirklich auf dem Rücken des
Landes auf der Wafferfcheide.

Wenn ich recht fehe, fo fehlt dem Verf. die eigene
Anfchauung. Ich wünfehe ihm, daß er für die Fort-
fetzung feiner Studien über Palältina recht bald in die
Lage komme, fich auch diefes wichtigen Hilfsmittels zu
bemächtigen.

Leipzig. Guthe.

Rolenthal, Rabb. Dr. L. A.: Der Rahmen der Mifchna. Die

jüngfte Mifchnaquelle (R 2). Ein mifchnifcb.es Lehr-
u. Lefebuch. (Schriften zur Beleuchtg. der Lehrweife
u. Entwickelg. des Talmuds.) (X, 57 u. 17 S.) gr. 8°.
Berlin, L. Lamm 1915. M. 3 —

Diefe mit großem Scharffinn geführte Unterfuchung
fucht zu erweifen, daß gewiffe Anfangs- und Schlußftücke
der Milchnatraktate, die freilich als folche z. T. erft von
dem Verf. erwiefen werden müffen, Refte von lange
mündlich überlieferten Aufzählungen und Auseinander-
fetzungen find, die fich über die gefamte Mifchna er-
ftreckten, ,von der Zeit herftammend, da zuerft f Iii]el und
die beiden Schulen eine fachliche Ordnung einführten und
diefe dem Gedächtnis leicht faßlich bieten mußten'.
Diefe zuerft felbftändig beftehende Quelle foll dann von
den jüngern Tannaiten in die Mifchna lange nach deren
Abfchluß eingeordnet fein. Den Inhalt diefer in Hinficht
auf ihre Einfügung in die Mifchna jüngften, ftofflich aber
alten Quelle beftimmt der Veifaffer a's eine Mahnung
zur Erforfchung der Mifchna und zur Treue gegen das
Judentum felbft, z. T. auch als eine nur trümmerhaft erhaltene
Einleitung in die Mifchna und ihre Teile. Diefe
vom Verfaffer mit R 2 bezeichnete Quelle, an deren
Aufbau fich alle tannaitifchen Gefchlechter beteiligt haben,
foll erwachfen fein aus dem Bedürfnis, die Lehre und den
Glauben gegen fadduzäifche, minäifche und gnoftifche
Angriffe zu fchützen. Es wird hier alfo die Methode
zeitgefchichtlicber Betrachtung auf die Mifchna angewandt.
So lehr man fich damit grundfätzlich einverftanden erklären
und fo wenig man folche Auskünfte gefchichtlicher
Forfchung wie Quellenfcheidung von vornherein ablehnen
wird, fo wird man den Verfuch des Verfaffers doch als
verfehlt anfehen müffen. Der Scharffinn des Verfaffers
ift der der Rabbinen, der in die Textworte allerlei hin-
eingeheimnißt, was nicht darin liegt, fich Umbiegungen
und Verengerungen des Sinnes erlaubt und mit dem alfo
Aufgefaßten weiter operiert und daraus von vornherein
hinfallige Folgerungen zieht. Vor al'em ift aber der Ge-
famtfinn der vom Verfaffer angezogenen Stellen in de
Regel ein anderer als der einer Einleitung in die Mifchna.
Der Ausgangspunkt für die Abfonderung diefer Quelle
find auch nicht Widerfprüche oder Brüche im Text,
welche gebieterifch eine Löfurg und Erklärung forderten,
fondern ift eine meinetwegen durch Intuition gefundene
Anfchauung, die der Verfaffer am Stoff durchzufechten

fucht. Es fehlt die Evidenz. Die Einheit der Quelle, die
der Verfaffer gern anerkannt fehen möchte, befchränkt
fich auf einen einheitlichen Geift. Aber der ift kein
anderer als der, welcher auch fonft in der Mifchna herrfcht.
Wird man fo das Ergebnis des Verfaffers wohl ablehnen,
fo ift darum feine Arbeit keineswegs als überflüffig abgetan
. Hervorgegangen aus der Beherrfchung des getarnten
mifchnifchen Materials, bietet fie wertvolle Zu-
fammenftellungen gleichartiger Stoffe und wirft hier und
da intereffante Schlaglichter auf Bekanntes, fo daß man
Belehrung oder mindeftens Anregung darin nicht ver-
miffen wird. Man würde dem Verf. Recht geben, wenn
er behaupten würde, daß die heutigen Schlußabfchnitte
mancher Mifchnatraktate fehr fpäten Urfprungs feien.
Das wird fchon dadurch bewiefen, daß fie textlich fehr
verfchieden überliefert, ja teilweife überhaupt nicht vorhanden
oder als Baraitha angefehen find. Das werden
wir aber nicht mit dem Verf. fo erklären, daß fie, lange
mündlich überliefert, an diefen Stellen endlich ein Ruheplätzchen
gefunden haben, fondern fo, daß fie lokale An-
wüchfe an den fchon abgefchloffenen Text find.

Daffenfen Kr. Einbeck. H. D u e n fi n g.

Die Schriften des Neuen Tsftamcnts neu überfetzt u. f. die
Gegenwart erklärt. In 1. u. 2. Aufl. hrsg. v. weil. Prof.
D. Joh. Weiß, in 3. Aull. hrsg. v. Proff. DD.W.Bouffet
u. W. Heitmüller. 3., verb. u. verm. Aufl. 21.—28.
Tauf. (In 8 Halbbdn.) gr. 8°. Göttingen, Vandenhoeck
& Ruprecht 1916 17.

Vorzugspreis M. 18—; in 4 Leinenbdn. M. 24—

Nachdem von diefem unter der Leitung von Johanne s
Weiß gefchaffenen Bibel werke in 10 Jahren 20020 Stück
abgefetzt find und die Nachfrage auch noch während des
Krieges lebhaft geblieben ift, haben an Stelle des der
Wiffenfchaft zu früh entriffenen Begründers Bouffet und
Heitmüller die Leitung der neuen verbefftrten und
vermehrten Auflage übernommen. Das Werk foll jetzt
in 4 Bänden erfcheinen: I. Gefchichte des Neuen Tefta-
ments; Markus, Matthäus, Lukas; II Paulusbriefe und
Paftoralbriefe;IIIApoftelg.,Hebr,kathol.Briefe;IVJohannes-
Schriften. I und III unter Bouffets, II und IV unter Heit-
müllers Leitung. Die neue Auflage will an wichtigen um-
ftrittenen Stellen mehr als bisher auf die exegetifihen
und literarifchen Probleme aufmerkfam machen. Das
Hauptbeftreben bleibt aber, den religiöfen und religions-
gefchichtlichen Gehalt der Schriften herauszuarbeiten und
leine Beziehung zu der religiöfen Gegenwart, fowie feine
Bedeutung für uns aufzuzeigen. Da der Druck fchnell
fortfehreitet (vom I. Band liegen 17, vom II. 14 Bogen
vor), hoffen wir bald das Ganze gebührend würdigen zu
können.

Hannover-Kleefeld. Schuft er.

Wilpert, Jofeph: Die Römifchen Mofaiken und Malereien der
kirchlichen Bauten vom 4. bis 13. Jahrhundert. Unter
den Aufpizien u. m. allerhöchfter Förderg. Sr. Maj.
Kaifer Wilhelm II. 2 Bde. (1226 S. m. 542 Textbildern
u. 2 Bde. m. 300 färb. Tafeln.) gr. Fol. Freiburg i. B.
Herder 1916. M. 1000 —

Meine Anzeige des großen, alle früheren Publikationen
antiquierenden Katakombenwerks W il p e r t' s (I heol.
Litztg. 1904Nr. 1) fchloß ich mit den Worten: ,Wer fchafft
uns ein ähnliches Werk für die außerrömifchen altchrift-
lichen Malereien? Wer läßt diefe Farben noch einmal
leuchten, bevor fie auf immer verfchwinden? Wir hoffen
auf Wilpert, da ein- zweiter Wilpert nicht leicht gefunden
werden wird!'.

Als ich diefe Worte niederfchrieb, war der verehrte
Verfaffer fchon am Werk, um feiner erften monumentalen