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Ausgabe:

1917 Nr. 2

Spalte:

405-406

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schulte, Adalbert

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Erklärung und Textkritik des Buches Tobias 1917

Rezensent:

Beer, Georg

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Seite 1

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405

Theologifche Literaturzeitung 1917 Nr. 22/23.

406

Schulte, Dr. Adalb.: Beiträge zur Erklärung und Textkritik fetzung auf Grund von Cod. Vatic. gegeben mit text-
des Buches Tobias. (Biblifche Studien, XIX. Bd., ' kritifchen und erklärenden Bemerkungen und Exkurfen.

tt r , „ttt , c on t7 -i, ■ ü it j ' Diefer 2. I eil liefert allerlei Material zu einem modernen
2 Heft.) (VII, 145 S.) gr. 8". Breiburg 1. B., Herder. •«-_/• u &r 1 1 , ri ir ^ r t> e

• *i(="-;vv"' » & > wiffenfcnaftlichen deutfchen Kommentar zu unferem Buch,

M' 4-5° der ein Bedürfnis iE.

Die Textgefchichte des Buches Tobit ift ein verzwick- Bei dem Literaturverzeichnis S. 42—44 »ft man

tes Problem. In die Löfung desfelben verfucht der erfte ! verwundert, hier nicht den Namen> Nöldeke, Lohr und
Teil von Schulte's mit vielem Fleiß, mit Sachkenntnis ! Schürer zu begegnen. Simpfon s Bearbeitung des
und Gelebt famkeit gearbeiteten Beiträgen zum Buch To- 1 Buches in Charles' Apocrypha I 1913 wird Sch. noch nicht
bit einzugreifen. zugänglich gewefen fein.

Der griechifche Text fpaltet fich, wie bekannt, in Heideiber"-. Georg Beer.

drei Rezenfionen: 1. den Vulgärtext repräfentiert im Cod. !_____

Vatic. (= B) und Alexandr. (== A). 2. den Cod. Sinait. 1

(= Si und 3. die in den Codd. 44, 106 und 107 er- Klein, Dr. Otto: Syrilch-griechilches Wörterbuch zu den vier

haltene Überlieferung. Sch. hält A für eine Verbefferung kanonifchen Evangelien nebft einleitenden Unterfuchun-
yon B. Der Vulgärtext und S gehen beide auf die ur- n< (Zeitfchrjft f. d. aitteft. Wiff. 28. Beiheft.) (IV, 123 S.)

fprüngliche LXX zurück. S hat das lemitilche Original- „„ „. Q . „.. , , .„

kolorit der LXX am beulten bewahrt, wenn er fich auch 8°" Gleßen- A. Topelmann 1916. M. 6.60

einige Zufätze erlaubt hat. Gewiffe Doppelüberfetzungen Der Verfaffer berichtet im Vorwort über die Ent-

und Sinnlofigkeiten in S feien fpäteren Händen zuzu- ftehungsgefchichte diefes Buches. Er hat es 1911 be-
fchreiben. A B ift eine Glättung der LXX, zuweilen auch gönnen und nach zwei Jahren vollendet. Die Drucklegung
eine abfichtliche oder unabfichtliche Kürzung. Die dritteRe- wurde durch den Krieg verzögert, in den auch der Verf.
zenfion ift eine gefchickte Glättung von S. Es ift erfreu- hinausgezogen ift. Bei den fchweren Kämpfen in der
lieh, daß S als" relativ befter LXX Text immer mehr Champagne 1915 verwundet, hat er dann die Druckle-
Anklano- findet. I SunS mi Lazarett vollendet und den griechifchen Index

Nach dem griechifchen Vulgärtext, genauer A, ift 1 angefertigt, nachdem Bezold den Druck von Bogen 5 an
gearbeitet 1. die Pefchito 1—7, 10. 2. der von Dillmann ! bis zum Schluß des Gloffars überwacht hatte. Das Vor

1894 herausgegebene äthiopiiehe Text. 3. die koptifch-fa-
hidifche Überfetzung, nach Fragmenten veröffentlicht von
Ciasca 1885, 4. die armenifche Überfetzung, unterfucht von

wort ift im Beobachtungsftand vor Riga gefchrieben.
Sein Entftehen verdankt das Buch der Freude an der
fyrifchen Sprache und dem Wunfeh, Theologen Luft zu

Welte und Reufch. Auf S bafiert 1 dieltala. 2. der hebräifche machen, fich mit den verwickelten Fragen der fyrifchen

Text des Seb. Münfter. Freilich ift derfelbe nicht un- Evangelienüberfetzungen zu befaffen und fie aus den

mittelbar nach S, fondern nach dem nach S angefertig- ' Quellen zu ftudieren. Ein Buch von einer folchen wiffen-

ten Italatext (genauer der im Cod. Vat. 7 enthaltenen lchaftlichen Eigenart, mitten im Toben des Weltkrieges

Rezenfion) hergeftellt. 3. Nach dem hebräifchen TextM( ün- | teils im Schützengraben, teils im Lazarett und teils in

Her)ift gearbeitet die von Neubauer 1878 veröffentlichte ara- j einer deutfchen Univerfität zur Vollendung geführt und

mäifche Überfetzung. Jedoch hatte der Überfetzer auch 1 damit zum Zeugnis deutfchen Geiftes und deutfeher

noch einen anderen Text vor Augen. 4. Nach M her- Spannkraft geworden, zwingt im Grunde die Kritik zum

gefleht ift auch der kurze hebräifche Auszug, mitgeteilt | Schweigen. Dennoch wäre es unrecht an dem Verf.

gehandelt und fchwerlich in feinem Sinne, die Mängel
I der Arbeit zu verheimlichen und fich mit Rückficht auf

von Gaffer an zweiter Stelle in den Proceedings of the
Soc. of Biblic. Archaeol. 1896. Abhängig von der dritten
griechifchen Bearbeitung ift der zweite Teil der Pefchito die Entftehungsverhältniffe mit einer nichtsfagenden all-
7,10 bis Ende. j gemeinen Anerkennung von der kritifchen Pflicht loszu-

Die Vulgata ift von Hieronymus hergeftellt auf Grund kaufen,
der hebräifchen Wiedergabe, die ein des Aramäifchen und I Daß ein Wörterbuch, das neben die fyrifchen Wör-
Hebräifchen kundiger Mann nachdem aramäifchen Original : ter die griechifchen Äquivalente ftellt, für mancherlei
des Buches bot. 1 Iieronymus hat aber dabei fich gewiffe Studien, vor allem für eine eingehende Befchäftigung
Freiheiten erlaubt, und fich auch tunlichft an die Itala 1 mit den fyrifchen Überfetzungen der Evangelien eine
anu-efchloffen. Der Vulgatatext berührt fich vielfach mit ! wertvolle Hilfe darftellt, kann keinem Zweifel unterliegen

dem von Neubauer 1878 publizierten aramäifchen Text
Beide Texte erzählen z. B. von Tobias in dritter Perfon.
Schließlich müffen aber beide Texte wegen mancherlei
Verfchiedenheiten auf eine gemeinfame Quelle zurückgeführt
werden. Jedenfalls ift „eine unmittelbare Benutzung
des einen Textes zur Herftellung des andern ausge-

Andererfeits ift ebenfowenig zu verkennen, daß eine derartige
Arbeit ein außergewöhnliches Maß von Entfagung
erfordert, und fchon deshalb des höchften Dankes wert
ift. Befäßen wir erft einmal eine fyrifche Bibelkonkordanz
, fo wäre die Arbeit wefentlich vereinfacht; da eine
folche fehlt, muß der Bearbeiter von Grund auf neu ar-

fchloffen" (S. 11). Größer find die Berührungen mit dem beiten. Eine wertvolle Hilfe hätte dem Verf. allerdings
vonGafteranerfterStelle mitgeteilten hebräifchen Text (Cod. : das Lexicon Syriacum concordantiale von K. Schaaf
Add. 11639). Die Vulgata und diefer hebräifche Text gehen i (Leiden 1717) bieten können, das nach Stämmen und
auf die gleiche Textgeftalt zurück, Vulgata hat aber die ; Wortformen geordnet die Stellen zwar nicht ganz vollgrößere
Treue bewahrt. Nach der Vulgata angefertigt j Händig, aber doch überaus reichlich darbietet. Da K.
ift die 1629 von F'abianusjuftiniani bekannt gemachte arabi- | dies Buch, wie es fcheint, nicht gekannt hat, war ihm
fche Überfetzung. die Arbeit wefentlich erfchwert. Vorausfetzung ift, wenn

Eine eigentümliche Stellung nimmt nach Sch. S. 29 f.
die hebräifche Überfetzung des Fagius ein. Sie ift felb-
ftändig und geht mit keinem der vorhandenen Texte.

Pur die Stellung Sch. zu dem Inhalt des Buches T.
fei (S. 36) darauf hingewiefen, daß neben der hiftorifchen
auch eineallegorifche Auslegungsweife berechtigt ift! S.39ff.
verteidigt Sch. die Infpiriertheit des Buches. Der Engelglaube
verftoße nicht wider die Glaubensfätze der katho-
hfchen Kirche. Die Abhängigkeit von gewiffen Märchen

die Abficht erreicht werden foll, größte Sorgfalt im Punzeinen
. Da Vollftändigkeit nicht erftrebt wurde (S. IV),
obwohl ohne fie die Arbeit doch nur für den nächften
praktifchen Zweck brauchbar wird, kam es darauf an,
den Stoff überfichtlich und in folgerichtiger Anordnung
vorzulegen und die getroffene Auswahl mit peinlicher
Genauigkeit in allen Angaben aufzuarbeiten. Die Wörter
werden, wie das in den fyrifchen Wörterbüchern üblich
ift, nach Stämmen geordnet angeführt, dazu die griechi-

fei unbewiefen. .. | fchen Äquivalente notiert und hinter diefen die Stellen

S. 45 ff. eröffnet den 2. Teil. Hier wird eine Über- | in der Weife vermerkt, daß die Zahl der übereinftimmen-

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