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Ausgabe:

1917 Nr. 1

Spalte:

363-364

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Friedmann, Meïr (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Sifra, der älteste Midrasch zu Levitikus 1917

Rezensent:

Bischoff, Erich

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3Ö3

Theologifche Literaturzeitung 1917 Nr. 18/19.

364

S. 65). Mit ebenfoviel Gewiffenhaftigkeit als Feinheit
dringt er in den Sprachgebrauch erft des hebräifchen
A. T. (S. 3—32), dann der LXX (S. 33—53), endlich der
üdifch-griechifchen Literatur ein (S. 53—67). Nur feiten
dürfte hier etwas überfehen fein (zu ttnp=Heiligtum S. 6
wäre Pf. 20,3, zu Br*JprT==das Heilige als Teil des Heiligtums

geber der Midrafchwerke Sifre (zu Num. und Deut),
Mechiltha (zu Exod.), Pesikta rabbathi (zum Feftzyklus
und den ausgezeichneten Sabbaten) und anderer rabbi-
nifcher Werke bekannt. Von feiner kritifchen Ausgabe
des älteften Midrafch zu Lev., ,Sifrä* genannt (mit hebr.
ausführlichem Kommentar), waren die erften 9 Druck-

S. 7 I Kön 8,8 hinzuzufügen). Ich weiß freilich nicht, ob j bogen (bis III 9 reichend) fertig, als ihn der Tod ereilte,

es über der Feinheit der Einzelanalyfe dem Verfaffer i Die ,Gefellfchaft zur Förderung der Wiffenfchaft des

gelungen ift, die Gedankenentwickelung im Großen lebens- i Judentums* hat nun durch Herrn Rabbiner Profeffor

voll und deutlich genug in die Erfcheinung treten zu : Dr. Porges-Leipzig diefen Torfo, wie er felbft ihn nennt,

laffen. In diefer Hinficht lege ich perfönlich das Buch | herausgegeben und mit dem Kranze einer kurzen Biogra-

nicht mit voller Befriedigung aus der Hand. Eine in I phie und einer ausführlichen Bibliographie aller Schriften

ftrengerem Sinne hiftorifche Darfteilung, die aus der I F.'s umranken laffen. Da laut S. VI die Vorarbeiten

genaueren Unterfuchung der verfchiedenen Schichten der
Überlieferung zu gewinnen wäre — das felbftändige Recht
einer folchen Art der Darftellung anerkennt auch der
Verfaffer, ohne felber darauf abzuzielen (S. 65) — würde
m. E. noch mehr zu bieten imftande fein. Des Ver-
faffers Arbeitsweife ift für mein Empfinden zu einfeitig
begrifflich orientiert. Aber freilich in der Wiedergabe
der einzelnen Begriffsfchwingungen bewegt er fich mit
fo viel Gefchick, daß er fich darin als zuverläffigen Führer
erweift.

Es wird richtig fein: qds bezeichnet ursprünglich

Gegenftände, Örtlichkeiten, Menfchen, in denen die myfti- i „_______ n, i:_ u t.-h-. w„,»nn, ,„j *u„ n. •„ •„.

r 1 TT- r,t 1 r j j j i v i. _ Burraqe, Gnamplin, B. Litt: Nazaretn and the Beginning

fche (Kraft* häufte, und wurde dann, als perfonhch um- : "» ...... * ■ » , ... , . ,

riffene Göttergeftalten fich ausbildeten, einerfeits das »f Christianity. A new view, based upon philological

charakteriftifche Wort für das erhabene Wefen und die evidence. With cnttcal appendices, including unno-

gewaltigen Eigenfchaften der Götter, andererfeits machte ticed precanonical readings; a discussion of the birth-

zur gefamten Sifra-Ausgabe von F. fo gut wie abge-
fchloffen, auch der hebr. Kommentar etwa zur Hälfte ausgearbeitet
war, fo wäre zu wünfchen, daß Herr Dr. P.,
der zu diefer Arbeit wie kein anderer berufen ift, die
Herausgabe vollendete. Dem jetzigen ,Torfo* ift außer
dem Bilde des Verftorbenen je ein Fakfimile des Codi
Vat. Ebr. XXXI von 1073 und des Co d. Vat. Ebr. LXV.
beigegeben.

Leipzig. E. Bifchoff.

es eine kultifch-terminologifche Entwicklung durch (S. 30),
wobei man geradezu von einem fyftematifchen Ausbau der
primitiven Gedanken durch die Theologie reden kann
(S. 13). Die beiden Gefichtspunkte, der geiftig-perfönliche
und der materiell-magifche, gehen nebeneinander her(S. 10),
jener freilich als übergeordneter, wie fich fchon darin
zeigt, daß er weiterlebt, nachdem die andern Motive ge-
ftorben find (S. 11). Die Betonung der negativen Seite
der Heiligkeit (S. 15), die Steigerung des Momentes

place of Jesus; and the text of what is believed to be
the hitherto undiscovered source of the prophecy,
that the Messiah ,should be called a Nazarene*. (68 S.)
8°. Oxford 1914. London, H. Milford. s. 3.6

Der Verf. ift der Meinung, daß auf Grund von Jf. 11,1
,nS3 or Netser (Neser) or Nötser (Noser)' im Judentum
wie im Chriftentum ein geläufiger Meffiastitel, ja mit

der ,Vd35tÄ und der (S 1 60^ die t***™' gleichbedeutend gewefen fei. Von diefem Titel

Ethifierutrg des Heiligkeitsbegriffes (S. 18. 25/32) Wie i ^^^^c^^A d"

feine eschatologifche. Färbung in den Zukunftsausblicken | ^S^U™Ä ^TjSZ^T^G^t

(S. 20), feine Einbeziehung in das rehgiofe Sonder- und , , , T , , , n-V u c j ^

ofthch des Jordan und des galilaifchen Sees ausgewandert,

Selbftbewußtfein, fo daß den Heiden gegenüber alle Juden
heilig find, unter den Juden felber aber die Kluft zwifchen
Heiligen und Gottlofen entfteht (S. 22. 58ff.), der Übergang
des urfprünglichen Kultterminus in die erbauliche
Sprache als Ausdruck der traditionellen religiöfen
Haltung (S. 21.65), dl*3 Entfärbung des Begriffes der
göttlichen Heiligkeit in der Transzendentalifierung des
Gottesgedankens (S. 61) u. a. — das alles ift zweifellos
richtig beobachtet. In der noch unerledigten Frage,
warum LXX zur Überfetzung von qds ajioc. wähle und
nicht ItQoq, wird die Möglichkeit erwogen, ob nicht die
Gleichung qados-äv«o? fchon vor der Überfetzung der
hebräifchen h. Schriften vollzogen fein könnte, fo daß
alfo die LXX einer längft eingebürgerten Praxis gefolgt
wäre. Das führt den Verfaffer zu einer eingehenden
Unterfuchung der Gefchichte und Bedeutung von ayiog
(S. 41—53), auf die noch befonders hingewiefen fei.
Göttingen. Alfred Bertholet.

Sifra, der ältette Midrafch zu Levitikus. Nach Handfchriften
neu hrsg. u. m. Anmerkgn. verfehen v. weil. Lekt.
Lehr. M. Friedmann. Ein v. dem mitten in feiner
Arbeit abberufenen Verf. hinterlaffenes Fragment.
Text u. Anmerkgn. bis 3, 9. Mit e. Vorworte v. Rabb.
Prof. Dr. Porges. (Schriften d. Gef. z. Förderg. d.
Wiff. d. Judentums.) (XV, 144 S. m. 1 Bildnis u. 2 Taf.)
gr. 8°. Breslau, M. & H. Marcus 1915. M. 3—

Meir (Markus) Friedmann (1831 —1908), Lektor am
Wiener ,Beth ha-Midrafch', ift als verdienftvoller Herauswelche
Gegend als die ,Christian country' den Namen
Nasara (NaOaga), constr. Nasareth oder Nasarath (I), erhalten
habe. Vom Landfchaftsnamen fei dann als andere
Bezeichnung der Chriften NaOagr/voi abgeleitet worden,
die mit Na^ojQuioi, äquivalent wurde.

Unter diefen alten Nazarenern oder Nazoräern habe
fich alte Tradition erhalten, fo das Hebräerevangelium,
das der Verf. als die Urform des kanonifchen Matthäus
und als das Evangelium des Paulus anfleht, und das
Ebionitenevangelium, das er für die Urform des kanonifchen
Markus hält

Matthäus, der Verf. des Hebräerevg., fuchte für den
Nazoräer oder Nazarener Jefus eine Weisfagung im AT,
verfiel aufjudic. 13, 5 und machte Jefus zum "PT3 {Na&Qcüoq.)
Der griechifche Bearbeiter von Matth. 2,23 habe dann
ftatt des 1 ein 1 gelefen und damit Jefus zum Na^mgalog
gemacht. Hierdurch fei die Schreibung Na^mgaloq anflehe
von Naomgaloq getreten, indem das den T ent-
fprechende C das dem 2 entfprechende ö verdrängt
habe.

Eine Kritik erübrigt fich. Die leicht wiegende Schwierigkeit
des £ in den griechifchen Formen wird durch
eine komplizierte Hypothefe erklärt. Die übrigen großen
Schwierigkeiten der Ableitung und des Verhältniffes der
verfchiedenen Formen werden ignoriert.

Einige Anhänge, die befonders die Stellen des Epi-
phanius über die Nazaräer und Nafaräer behandeln, und
die einige Lesarten des Epiphanius zu neuteftamentlichen
Texten bringen, schließen das Büchlein.

Breslau Bultmann.