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Ausgabe:

1917

Spalte:

353-354

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ostwald, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Moderne Naturphilosophie. I. Die Ordnungswissenschaften 1917

Rezensent:

Titius, Arthur

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begriindet von Emil SchOrer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Professor Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

. Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find aus fehl i e ß 1 i c h an no , , , . —

4.2 AahrOT Nr 18/19. Profenor D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. z£y. bePteHlDer ly 1 /

Ti.. uaur^,. a.s-va.v Rezenfionsexeniplare ausfchließlich an den Verlag: r

Naturphilofophie (Titius).

Schroeder, Das Pantheon der Stadt Uruk in •

der Seleukidenzeit (Meißner).
Fridrichfen, Hagios Qadoä (Bertholet).
Sifra, der ältefte Midrafch zu Levitikus, hrsg. j

von M. Friedmann (BifchoflF).
Burrage, Nazareth and the Beginnings of ,

Christianity (Bultmann).
Leadbeater, Urfprung und Bedeutung des

chriftlichen GlaubensbekenntnilTes (Katten-

bufch).

Mofes ben Maimon hrsg. von J. Guttmann.
2. Bd. (Bifchoff).

Geß, Akten und Briefe zur Kirchenpolitik
Herzog Georgs von Sachfen, 2. Bd. (Bollert).

Waters,Die Münfterifchen katholifchen Kirchen-
liederbiicher vor dem erften Diözefangefang-
buch 1677 (Smend).

Caffirer, Freiheit und Form (Troeltfch).
Beck, Treu und frei. Zwifchenreden (Haering).
Niedlich, Eine Gefchichte des ifraelitifchen
Volkes für Schule und Haus (Schufter).

Tb gel, Das Volk der Religion. Der Werdegang
der chriftlichen Religion, I. Bd.
(Schufter).

Referate: Berger, Das Problem der Erkenntnis
in der Religionsphilofophie Jehuda Halle-
wis. — Beiträge zur heffifchen Kirchenge-
fchichte, Ergänzungsband V u. VI. — Kirchliches
Jahrbuch 1916. — Buchmiiller-
Lütfchg, Waffen von Stahl.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Naturphilofophie. ' Synthefen, für welche man mit großer Wahrfcheinlichkeit

" " ' einen entsprechenden Zufammenhang in der Außenwelt

Dem_ Zeitalter des Spezialiftentums ift auch auf dem : erwarten darf (192). Diefer Phänomenalismus reicht

vielleicht für das Naturerkennen aus; für das Verftänd-
nis des meiifchlichen Lebens und feiner Ideale reicht er
nicht aus.

Dinglers2 anregende, in zwanglofer Form gefchrie-
bene Betrachtungen laufen auf eine Erkenntnistheorie der
exakten Wiffenfehaften heraus, nicht eine hiftorifche.pfycho-
logifche oder biologifche (obwohl auch diefe an ihrem
Teile Berechtigung haben), fondern auf eine theoretifche,
die im Sinne Hufierls die aligemeinen Gefetze oder Prinzipien
unterfucht, nach denen überhaupt die wiffenfchaftliche
Erfahrung der Natur in Angriff genommen wird.
Von dem tatfächlichen Zuftande der heutigen Wiffenfchaf-
ten als einem durch Zufälligkeiten bedingten ift dabei
abzufehen, vielmehr das Idealbild im Sinne des Laplace-
fchen Geiftes zu zeichnen. In feiner Vollendung müßte

Gebiete der Naturwiffenfchaften eine Epoche der Synthefe
gefolgt, und immer zahlreicher treten die Verfuche hervor
, ein dem heutigen Stande der Wiffenfchaft entfpre-
chendes Gefamtbild der Welt zu zeichnen und feinen
Einfluß auf die Bildung der Weltanfchauung zu beftimmen.
Eine umfaffende Würdigung der Literatur würde den
Rahmen diefer Zeitfchrift überfchreiten; eine knappe
Orientierung, wie fie hier verflacht werden foll, wird auch
den Theologen erforderlich erfcheinen.

Unftreitig hat Wilh. Oftwald durch feine ,Vorle-
fungen über Naturphilofophie' (1902) und die Herausgabe
von ,Annalen der Naturphilofophie' (jetzt Natur- und
Kulturphilofophie) weithin anregend gewirkt. Seine ganz
neu gefchriebene Naturphilofophie1, auf 3 Bände berechnet
, befchränkt fleh im vorliegenden Teile auf eine

Darftellung der Ordnungswiffenfchaften (Grundlegung der ejn f0icher Bau die Gefamtheit nicht nur der theoretifch
Logik und Mathematik) und foll fchon hierdurch die irre- , exakten, fondern auch der hiftorifchen Wiffenlchaften umführende
Identifizierung der O.fchen Naturphilofophie mit > faffen (75). Einen Unterfchied in der Methode der geifti-
dem fpeziellen Gefichtspunkt der Energetik zerftören. n Verarbeitung zwifchen dem Gebiete des Lebenden
Stofflich neu ift dem früheren Entwurf gegenüber die | und des Nichtlebenden könnte es nicht mehr geben
ausführliche Behandlung der Sinnestatigkeit, in deren fondern prinzipiell wäre die Amöbe und jede hiftorifche
konkreter Geftaltung fchon Raum- und Zeitfinn ange- , Erfcheinung ebenfo reftlos erklärbar, ja fynthetifch herlegt
find, insbefondere aber der mathematifchen Probleme
(z. B. Formulierung der Grundvorausfetzung der Algebra
nach Huntington, der der Geometrie nach Hilbert). Sach-

ftellbar wie irgend ein phyfikalifch-chemifcher Vorgang
(92 f. 151). Erft innerhalb diefes wiffenfehaftlichen Ganzen
laffen fich anftatt populärer wiffenfchaftliche Begriffe und

lieh wichtig ift die Betonung der Logik als erfter und all- richtige Frageftellungen gewinnen (82 ff), die dann prin

zipiell auch einer vollftandigen Beantwortung ficher fein
können (258f.). Die wiffenfchaftliche Aufgabe befteht in
der Logifierung der Wirklichkeit, ihrer Zurückfuhrung
auf ein Axiomenfyftem, aus dem dann alles Weitere fich
mit logifcher Konfequenz herleitete, in einer Synthefe al-
fo des logifchen Apriori mit der Empirie zu idealen
Mufterbildern der Wirklichkeit (244 vgl. 64ff. 224). Die
wiffenfchaftliche Auffaffung ift mechaniftifch, indem fie
als logifch unabhängig Gegebenes lediglich räumliche,
zeitliche und Maffenbeziehungen vorausfetzt (264), aber
fie ift zugleich antimaterialiftifch durch ihre Einficht in

gemeinfter Wiffenfchaft (noch vor der Mathemathikj und
ihre Verbindung mit der Gruppenlehre. Sie erfcheint,
wie auch die Mathematik, als reine Erfahrungswiffenfchaft;
in diefer Richtung soll die Begriffsbildung und das
Schlußverfahren (Wahrfcheinlichkeitsfchluß) ausgeftaltet
werden. Für abfolute Größen und Gewißheiten bleibt
nirgends Raum (z. B. 25. 28f. 177. 195.), vielmehr ift alles
relativ und auch die Weltanfchauung nur Zweckmäßigkeitsfrage
(151). Unter dies Verdikt fällt auch der
Gottesdanke (246ff.), der Begriff des Ewigen (158f.), des
Unendlichen (145fif.). Grundüberzeugung ift. daß ,die

Ordnungverhältniffe der Außenwelt fich getreu genug in ; die prinzipielle Unabhängigkeit der logifchen Struktur

den Ordnungsverhältniffen unferer Empfindungen zum , von allem empirifch Gegebenen (39f. 250) und durch

Ausdruck bringen' um uns praktifche Vorausficht zu { die Erkenntnis, daß es fich bei dem wiflenfehaftlichen

geftatten (181). Naturgefetze find demgemäß geiltige Bau um Logik handelti nicht etwa um Metaphyfik (171).

1. Oft wald, Wilh.: Moderne Naturphilofophie. I. Die Ordnungs- [
wiffenfehaften. (VII, 410 S.) gr. 8". Leipzig, Akad. Verlagsgefell- ! 2. Dingler, Priv.-Doz. Dr. Hugo: Die Grundlagen der Naturphilo-

fchaft 1914. M. 12—; geb. M. 13.20 | fophie. (X, 262 S.) 8". Leipzig, Unesma. M. 6—; geb. M. 7 —

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