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Ausgabe:

1917 Nr. 12

Spalte:

236-237

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Peters, Norbert

Titel/Untertitel:

Die Weisheitsbücher des Alten Testamentes 1917

Rezensent:

Beer, Georg

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Theologifche Literaturzeitung 1917 Nr. 12.

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Bes, Plutarch (de Iside cap. 43) für die Mondgottheit
belegen. Wieder andere Texte, welche Erman (Nr. 1
Die Entftehung des Thoth) befpricht, deuten darauf hin,
daß Min mit Set Unzucht trieb. Der gefchwängerte Gott
gebar dann Thoth.

Seit dem neuen Reiche heißen der Apis und Mnevis
nicht feiten änh nem (uhem) eines Gottes, was man vielfach
als die Wiederholung des Lebens, die Verkörperung
des Gottes in dem heiligen Tiere auffaßte. Erman (Nr. 3 Zu
Apis und Mnevis) zeigt, daß die Worte zwei gefonderte
Epitheta bilden. Durch änh wird die Geftalt als lebend
bezeichnet, durch uhem als Sprecher, Vertreter des
Gottes, dem fie über Vorkommniffe auf Erden Meldung
zu erftatten hatte. Von diefer Vorftellung ausgehend
wird man die Tiere weiter als die Herolde des betreffenden
Gottes auch auf Erden aufzuraffen und in dem Titel einen
Hinweis zu fehen haben auf die wenigftens für Apis
durch die Klaffiker verbürgte (Hopfner, Tierkult der
alten Ägypter S. 81 f.) Bedeutung als Orakelfpender. — An
letzter Stelle macht Erman (Nr. 4 Herz und Zunge)
darauf aufmerkfam, daß die Anfchauungen Horapollo's
I. 21 über Herz und Zunge in einer ägyptifchen Infchrift
auftreten.

Bonn. A. Wiedemann.

Duhm, Bernhard: Ifraels Propheten. (Lebensfragen 26.)
(VIII, 483 S.) 8k Tübingen, J. C. B. Mohr 1916.

M. 6—; geb. M. 7. 50

Es war ein guter Griff von dem Herausgeber der
Lebensfragen, Heinrich Weinel, wenn er für die Vorführung
der Propheten Ifraels Bernhard Duhm gewann. Hat diefer
doch feit feiner einfchlagenden Schrift über die Theologie
der Propheten die Befchäftigung mit den religiöfen Heroen
in Ifrael nicht mehr ruhn laffen und feine Auffaffungen
Gelehrten und Laien in wiffenfchaftlichen und populären
Arbeiten vorgelegt. Es ift alfo der Ertrag einer Lebensarbeit
, die uns hier geboten wird: eine Gefchichte der
Religion Israels für gebildete Laien wie eine kurze Angabe
des Inhalts zeigen mag. Duhm bringt nämlich das
Ganze in folgenden Teilen unter: I. Einführung, II. die
Vorzeit, III. die altprophetifche Zeit, IV. die Weltreligion,
V. Arnos Hosea Micha, VI. Jefaja und feine Nachfolger,
VII. das Deuteronomium. Hefekiel, VIII. die letzten großen
Propheten, IX. die Propheten des letzten Jahrhunderts
nach der Rückkehr, X. das Volk der Thora und fein
Prophetentum, XI. die makkabäifche Zeit und ihre Propheten
. Wer Duhms Weife kennt, wird manchen alten
Vertrauten hier wieder finden, fei es in den gefchickt ausgewählten
Überfetzungsproben, die mein: fchon vorher von
ihm für Laien gedruckt waren, fei es in feinen befonderen
Anfchauungen über Schriften und Perfönlichkeiten auf
dem Gebiet des Alten Teftaments. Aber manch neue
Bemerkung dürfte auch für den Gelehrten von Intereffe
fein, wenn er gleich vielfach anderer Meinung fein muß.
Duhm geht eigenwillig feinen eigenen Weg. So hält er
die Gefchichte von Kain und Abel für einen alten Be-
ftandteil der I-quelle, in die der Kain-Stammbaum fpäter
eingearbeitet wurde; fo glaubt er, daß Japhet' erft fpäter
in die Noafprüche Eingang fand, als die Nachkommen
des Japetos, die Griechen, die femitifchen Länder erobert
und befiedelt hatten. Ob aber nach Alexander noch folche
Einarbeitungen in die Thora ftatt fanden, ift doch recht
zweifelhaft. Daß die Jacobfprüche von Ebjathar flammen,
das Zweitafelgefetz (Ex. 34) vor dem Tempel aufgeftellt
war, Jephtah urfprünglich Geburtsgott war, daß der iTO
in PC. aus dem Buch Hiob entnommen, fmd fo einige der
vielen Bemerkungen, die zunächft ftutzig machen. Gerade
daß Duhm viele Vermutungen als Gewißheiten nimmt und j
gibt, könnte Bedenken erregen. Man nehme nur die !
EinordnungbeftimmterPfalmen,Schriftftücke,Apokalypfen
in ganz beftimmte Zeiten, ihre Beziehungen auf ganz be- |
fondere Ereigniffe der Makkabäerzeit (überh. Kap. XI) — I

in all dem wird ein anderer fich gewiß mit mehr Zurückhaltung
äußern. Aber es ift nicht zu leugnen, daß diefe
Sicherheit Duhms der Darfteilung eine befondere Kraft
und Stärke gibt. Vor allem aber ift nun doch zu bemerken
, daß namentlich die Propheten, der Prophetismus und
ihr Gegenfpiel vortrefflich herausgearbeitet find. Man
nehme nur die Zeichnung des Jefaja, des Deuterojefaja,
Jeremia, Pliob — man wird an all dem feine Freude haben;
desgleichen aber auch an der fcharfen Heraushebung des
jüd.-gefetzlichen in feinen Anfängen und feiner Entwicklung
. Daß ein Mann wie Hefekiel mit feiner tiftelnden,
ausrechnenden, kultifch intereffierten Art überhaupt nicht
zu den Propheten gehört, hat Duhm ganz zu Recht hervorgehoben
. Die fchwierige Aufgabe, dem Judentum gerecht
zu werden, es nach den verfchiedenften Ergänzungen
und Einfätzen richtig zu faffen und zu fchildern, hat Duhm
m. E. gut gelöft. Kurzum, Laien und Fachgenoffen werden
gern zu Duhms Propheten greifen und in ihnen Belehrung
und Anregung buchen und finden. Druck und Ausftattung
find gut, Druckfehler feiten.

Bonn. Meinhold.

Peters, Prof. Dr. Norb.: Die Weisheitsbiicher des Alten
Teltamentes. Überf. u. durch kurze An merkgn. erläutert
nebft e. textkrit. Anh. (X, 295 S.) 8k Münfter i. W.,
Afchendorff 1914. M. 3.80

N. Peters, der fich bereits durch verfchiedene Arbeiten
und befonders durch feinen größeren Kommentar 1912
überjefus Sirach auch bei Protestanten vorteilhaft bekannt
gemacht hat, will in feinen ,Weisheitsbüchern des A. T.'
— darunter faßt er die Sprüche Salomos, Jefus Sirach und
Weisheit Salomonis zufammen — eine neue Überfetzung
diefer drei Stoffe bieten und fo eine Art erbauliches
/Volksbuch' (S. IV) herftellen. ,Denn die Bücher der Sprüche
Salomons und des Jefus Sirach find eine faft unerfchöpfliche
Fundgrube der edelften fittlichen Unterweifungen, namentlich
auch ein Kompendium von Standeslehren' (IV).
Und in dem Buch der Weisheit werde auch der heutigen
falfchen und fleifchlichen Weisheit die wahre göttliche
Weisheit gegenübergeftellt.

Der Proteftant wird diefe überfchwengliche Auffaffung
nicht teilen — fie ift nur möglich, wenn man allerhand
Geheimniffe in die Schriften hineinlieft und den konkreten
Inhalt verfchleiert — immerhin wird auch er zugeben,
daß Schriften wie die Sprüche, Jefus Sirach und die
Weisheit Salomos in den Pländen verftändiger Laien
noch heute Nutzen ftiften können und daß manche Ab-
fchnitte und befonders einige Kernfprüche zu dem religiöfen
Stammkapital gehören, von dem Völker und Menfchen
zehren! Nach diefen Äbftrichen kann ich dem Ziel des
Unternehmens zuftimmen — auch darin, daß der Lefer in
den ganz auf die realen Verhältniffe gerichteten zwei
Spruchfammlungen: Sprüche Salomos undjefus Sirach allerhand
Hinweife ,auf die einfache nüchterne Alltagspflicht'
zu finden vermag, wie Peters (S. V), ein Zitat aus
Niebergall's Prakt. Auslegung des A. T., I, 42 verwertend,
hervorhebt.

Nach einer Einleitung über die altteftamentliche
Weisheitsliteratur im Allgemeinen, worin u. a. auf den
Urfprung, die Form und die außerbiblifchen Parallelen
hingewiefen wird, folgen die Spezialerörterungen über die
Proverbien § 2, Jefus Sirach § 3 und die Weisheit § 4. Der
wunde Punkt für den modernen katholifchen Gelehrten
bleibt immer die biblifche Kritik. In der inneren Seele
ftimmt er ihr zu, fagt er's offen, fo macht er fich in feiner
Kirche auf die Dauer unmöglich. Wie machts nun Peters?
I Auch nach P. ift, wie von der Kritik jetzt allgemein
I angenommen wird, das Spruchbuch fucceffive entftanden.
Der jüngfte Teil ift ihm der Abfchnitt K. 1—9, formell
und inhaltlich aus der griechifchen Zeit. Die ältefte
' Grundlage bildet K. 10, 1—22, 16 — leider erfahren wir