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Ausgabe:

1917

Spalte:

176

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zurhellen-Pfleiderer, Else

Titel/Untertitel:

Biblische Geschichten und Persönlichkeiten in ihrem historischen Rahmen für Jung und Alt dargeboten 1917

Rezensent:

Alvermann, Karl

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Seite 1

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176

manns feinfühlig Rechnung tragen. .Meute ackert er den
Acker droben an der Sonnenliete, morgen den drunten
am Bachgraben. Eins nach dem andern, fo will er es.
Auch für die Predigt in feiner Kirche will er Klarheit,
Schlichtheit und Einheit'. So mit Recht das Vorwort;
gerade auf diefe Dinge kommt es an. Freilich, was von
Anknüpfungen ans tägliche Leben, von Gleichniffen und
Bildern in die Predigt verwoben wird, das muß auch der
ländlichen Art enti'prechen. Nach diefen Grundfätzen
haben die Mitarbeiter diefes Buches im allgemeinen mit
Glück und Gefchick gearbeitet. Sie tragen nur zum Teil
Namen, die fchon weiterhin bekannt geworden find; aber
ich möchte alle Beteiligten, bekannte wie unbekannte
nennen: Albrecht, Balzer, Bocb, Bührlen, Degen, Fenner,
Koch, Juft, Klähre, Langenfaß, v. Lüpke, Mahr, Maurer,
Pennewiß, Peterfen, Rahn, Reiß, Riebeling, Ritzhaupt,
Schäfer, Traugott, Wenzel. Sie entflammen fehr verfchie-
denen deutfchen Landfchaften; Orten, Werten und Süden
find vertreten, am ftärkften wohl der Südweften. Daß
bei fo vielen Helfern auch die Beiträge nach Art und
nach Wert verfchieden ausfallen, verrteht fich von felbft.
Für Studien über die Sonderart Einzelner fehlt hier der j
Raum. Es find einige darunter, die den herkömmlichen 1
plerophorifchen Predigtton nicht ganz zu meiden wiffen;
auch Gedankenreihen, die wir fchon recht gewohnt find, 1
finden fich hier und da. Aber in fehr vielen Predigten
gelingt es, ganz einfach natürlich zu reden und ohne jede
Sentimentalität ans Herz heran zu kommen. Dabei erfreut
manche fehr einleuchtende neue Wendung oder 1
Einkleidung eines religiöfen oder ethifchen Gedankens.
Geradezu überrafchend ift, daß theologifche Verfchieden- |
heiten überhaupt nicht hervortreten. Das Vorwort fagt:
,Die Stellung der Mitarbeiter zur Zeitfchrift ,Die Dorf- j
kirche' bürgt auch dafür, daß dies Buch kein geiftlicher j
Guckkaften, fondern von einer einheitlichen Grundftimmung 1
und Grundanfchauung getragen fein foll'. Daß diefe Grund-
anfchauung theologifch einheitlich fei, ift fehr unwahr- 1
fcheinlich; fo ift denn jenes gänzliche Zurücktreten theo-
logifcher Verfchiedenheiten nur daraus zu erklären, daß
die Predigtweife aller Mitarbeiter grundfätzlich untheo- i
logifch ift. Des freue ich mich von Herzen. Wenn damit
zufammenhängt, daß die Predigten überhaupt keine |
.Probleme', weder theologifche noch andere, behandeln,
fo wird das vielleicht nicht für alle Verhältniffe das Rieh-
tige fein; aber für fchlichtländliche Gemeinden ift es ficher
das Gewiefene. Eine vielen Mitarbeitern gemeinfame 1
Methode ift auch die nachdrückliche, ausgiebige Anknüpfung
an biblifche Erzählungen; fie wirkt um fo erfreu- 1
licher, als fie ebenfowohl jede dogmatifche Auswertung ]
wie jede kritifche Anfpielung vermeidet. Bei aller Bibli-
zität findet fich doch (glücklicherweife!) keine Sprache
Kanaans; alles ift einfach und natürlich gefagt. .Bilder'
find ziemlich reichlich verwendet; aber abfichtlich nicht
fo, daß vielerlei Bilder geftreift werden; eher wird zuweilen
eine ganze Predigt an eine beftimmte bildliche Wendung
angefchloffen; und diefe Predigten gehören zu den ge-
lungenften. Prächtig find die Predigten über den .Befuch'
Chrifti (87fr), über das Anklopfen (107fr.), über die Glok-
ken (117fr.). Ob dabei nicht zuweilen die gedankliche
Vertiefung allzu kurz wegkommt, diefe Frage möchte ich
nur aufwerfen. Der Kriegszeit ift dadurch Rechnung getragen
, daß das erfte der 4 Hefte, die die Sammlung bilden,
Kriegspredigten bietet (14 Nummern); auch die Predigten
der anderen drei, nach der Kirchenjahrszeit geordneten
Hefte kommen hier und da, aber mehr beiläufig, auf den
Krieg zu fprechen. So wird das Buch freilich auch feine
Zeit haben. Aber es wird fich während des Krieges fo
viel Anerkennung erwerben, daß es nach Friedensfchluß
ficher einen Nachfolger finden wird.

Einige Bemerkungen zur äußeren Gtftaltung: Das Buch ift auch
für die häusliche Andacht beftimmt; dann müßten aber manche nur für
den kirchlichen Gottesdienft paffenden Wendungen geändert werden.
Dem Landmann, der daheim feine Predigt lieft, würde Durchführung
größeren Gleichmaßes in der Länge der Predigten m. E. lieb fein. Es

finden fich folche von nur reichlich 3 Seiten und daneben andere, die
doppelt fo lang find. In der Kenntlichmachung der Predigtteile empfehle
ich gerade mit Rückficht aufs Dorf größere Einheitlichkeit. Die
Markierung der Teilung mit A. 1. 2. u. 3. B. (185fr.) will mir überhaupt
nicht paffend erfcheinen.

Gießen. M. Schian.

Zurhellen-Pfleiderer, Elfe: Biblifche Gefchichten und Per-
fönlichkeiten in ihrem lfiftorifchen Rahmen f. Jung und
Alt dargeboten. (XI, 332 S. m. 4 Karten.) 8U. Tübingen
, J. C. B. Mohr 1916. M. 3—; geb. M. 4 —

Das Buch ift ein neuer Verfuch, unferm Volk die
Bibel nahe zu bringen. Es ift kein biblifches Gefchichten-
buch, auch kein biblifches Lefebuch, auch keine populäre
Bibelerklärung, aber es hat von allen etwas. In der
Hauptfache bringt es biblifchen Text, aber nicht in der
Anordnung der biblifchen Bücher, fondern in hiftorifcher
Reihenfolge, beim Alten Teftament durchweg in Anlehnung
an Gunkels Schriften des Alten Teftaments, beim
Neuen Teftament foweit es nötig ift zum Verftändnis
von Jefus und Paulus. Die Texte find zu Gruppen vereinigt
, die durch kurze Einleitungen und Überleitungen
mit einander verbunden find. Der biblifche Text ift mög-
lichft beibehalten, aber alles Störende ift fortgefallen, gelegentlich
find auch kleinere Zufätze gemacht.

Ich halte den Grundgedanken des Buches und durchweg
auch feine Ausführung für fehr glücklich, namentlich
die Behandlung des Alten Teftaments ift in hohem Maße
geeignet, das Verftändnis der ifraelitifchen Religion zu
erleichtern. Bei der Unficherheit der Datierung der einzelnen
Ereigniffe und Worte Jefu, würde ich es für richtiger
gehalten haben, wenn fich das Buch auf die Gruppierung
inhaltlich zufammengehöriger Stücke befchränkt
hätte. Daß z. B. die Verfuchungsgefchichte in 3 Teile
zerriffen wird (die 2. Verfuchung bei der Zeichenforderung,
die 3. bei der Speifung der 5000), oder daß beim erften
Auftreten Jefu in Kapernaum die Seligpreifungen, die
Aufforderung zum Bittgebet und das Gleichnis vom verlorenen
Schaf hintereinander geftellt werden, halte ich
nicht für glücklich. Bei Paulus hätte ich eine eingehendere
Einführung in feine Gedankenwelt gewünfeht, die
das Religiöfe vom Theologifchen gefchieden hätte.

Das Buch kann denen dringend empfohlen werden,
die ein gefchichtliches Verftändnis der Bibel fuchen, denen
aber die Kommentare von Gunkel, Weiß o. a. zu umfangreich
find. Ob es als Schulbuch Erfolg haben wird,
ift mir zweifelhaft. Für die oberen Klaffen der höheren
Schulen würde ich ein gutes biblifches Lefebuch vorziehen
, damit die Schüler lernen, aus der Bibel felbft die
gefchichtliche Entwicklung zu erarbeiten. Wohl aber
kann es für den Unterricht in den mittleren Klaffen der
höheren Schulen vielfache Anregung geben.

Gütersloh. Alvermann.

Bartels, Adolf: Ein feite Burg ift unler Gott. Deutfch-
chriftliches Dichterbuch, hrsg. v. B. (LVI, 682 S.) 8».
Halle a. S., R. Mühlmann 1916. Geb. M. 6 —

,Dies Buch verdankt, wie fo viele, dem großen Kriege
feine Entftehung. Kriegsftimmungen waren es, die mich
zur Befchäftigung mit unferer religiöfen Lyrik trieben
und dann den Wunfeh in mir wachriefen, auch andere
zu ihr zu führen. Ein ftarkes Bedürfnis nach Troft und
Erhebung ift ja unzweifelhaft in weiten Kreifen unferes
Volkes, vor allem in den von fchweren Verluften betroffenen
, vorhanden — wo wäre es beffer zu befriedigen
als bei unfern frommen Dichtern. Aber weiter kann die
deutfch-religiöfe Lyrik, die unfer Höchftes und Tiefftes
enthält, für die Erneuerung deutfchen Volkstums die
nach dem Kriege eintreten muß und wird, von Bedeutung
werden, fo daß mir auch in diefer Hinficht ein
„deutfeh-chriftliches Dichterbuch" notwendig erfchien.