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Ausgabe:

1916 Nr. 7

Spalte:

147-148

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ridderbos, I.

Titel/Untertitel:

Israel en de Baals 1916

Rezensent:

Gressmann, Hugo

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147

Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 7.

148

Zimmern als ,feffeln', nicht als .verbrennen' zu nehmen. — S. 86, 6ff.
ift die Anfpielung auf Gilgames im Monat Ab leider noch nicht recht
verftändlich, W.s Überfet/ung aber auch nicht über Zweifel (KAL ■=
edlüti = die Eingefchloffenen?) erhaben. — S. 86, 33 f. überfetze: Das
reine Jahresopfer der Länder wird(!) den Anunnaki geopfert. Das folgende:
Das Thor des (himmlifchen) Ozeans wird geöffnet, möchte ich dahin verliehen
, daß im Tilchri wieder der erfte ausgiebige Regen fällt. Das
ftimmt auch für die Jetztzeit: Ende Oktober muß man wieder in den
Häufern fchlafen, weil man vom Dache häufig durch Platzregen verjagt
wird. Zum Ausdrucke vgl. Gen. 7, Iii inn{J3 Omaren miNl. W.s Auf-
faffung der Stelle S. 97 erfcheint mir zu gezwungen. — S. 86,43 ift
vielleicht gismahhu zu lefen, das einen Teil der Bewäfferungsmafchine
bezeichnet. — S.'lOl nagmaru ift nicht neu; vgl. Radau BE. XVII, I,
23, 5 — S. 116. Die Ergänzung und Überfetzung: ana su-ub-bi i-[ltab]-
bi GtD-DA . . . . = es (das Viereck) entfpricht einem Wagen möchte
ich keinesfalls als ficher anfeilen. — S. 117 säru ift als Tier, fpez. als j
Fifch bekannt; vgl. Holma, Kl. Beitr. 41. Vielleicht bezeichnet es nach
unferer Stelle den Delphin. — S. 122 SAB refp. RIN = zibanitu war
bekannt; vgl. VR. 26, 12c und Harper, Lettr. Nr. 292 (K. 938) Rf. 6
mit ib. 9.

Breslau. Bruno Meißner.

Ridderbos, I: Israel en de Baals. Afval of Ontwikkeling.
(95 S.) 8°. Bosch, Nijverdal 1915. fl. o,8o

Ift der Baaldienft als Abfall oder als Entwicklung zu
betrachten? Schon Kuenen hat die beiden Standpunkte
gegenübergeftellt: Entweder glaubt man, daß die Propheten
die alte Offenbarungsreligion des Mofe verteidigen,
von der das Volk abgefallen ift; oder man ift der Überzeugung
, daß das Volk die ältere Form der Gottesverehrung
bewahrt hat, während die Propheten durch ihre
innere Entwicklung darüber hinausgewachfen find. Die
meiften altteftamentlichen Forfcher huldigen diefer modernen
Auffaffung, Ridderbos dagegen erneuert jene
traditionelle Anfchauung. Es bedarf keines Beweifes, daß
er damit auf dem Boden des Alten Teftamentes fteht;
für die Propheten felbft gilt der Baaldienft zweifellos als
Abfall von der wahren Jahvereligion. Die Frage ift nur,
ob für uns die Meinung der Propheten maßgebend fein
darf. Mag man die Antwort, die Ridderbos darauf gegeben
hat, vom dogmatifchen oder vom hiftorifchen Ge-
fichtspunkt aus würdigen, in jedem Falle ift fie unbefriedigend
.

Ridderbos wirft der modernen Forfchung vor, fie
ftütze fich auf eine entwicklungsgefchichtliche Theorie.
Sein Bemühen, diefe Theorie nicht nur durch Behauptungen
, fondern auch durch überlieferte Tatfachen zu
Fall zu bringen, muß man als durchaus achtenswert anerkennen
; er begnügt fich nirgends mit Redewendungen,
fondern fucht durch das Gewicht innerer und äußerer
Gründe die Pofition feiner Gegner zu unterminieren und
zu fprengen. Aber feine Beweife find nicht durchfchlagend;
auch dann nicht, wenn man ihm in vielen Einzelpunkten
Recht gibt, z. B. in feiner Lieblingsthefe, daß weder die
Baale der Kanaaniter noch die Götter der vormofaifchen
Hebräer ,Dämonen' waren (S. 18.21.33), oder darin, daß in
dem vom Richterbuche behaupteten Wechfel von Abfall
und Bekehrung ein hiftorifcher Kern fteckt (S. 52), oder
daß der Baaldienft in gewiffen Kreifen der Jahvereligion
fchon lange vor Hofea als Götzendienft verurteilt wurde
(S. 45. 54). Aber die Tatfachen laffen fich auch anders
deuten, als es Ridderbos unter dem Einfluß eines veralteten
Offenbarungsbegriffes tut, mit dem die moderne
Wiffenfchaft nicht arbeiten kann. Hier fteht Glaube wider
Glaube, über den die Dogmatiker fich ftreiten mögen.

Nachdem Ridderbos die ,evolutioniftifche Vorftellung'
bekämpft hat (S. 1—49), entwirft er nun feinerfeits ein
Bild von der,Gefchichte' desBaaldienftes, wie es angeblich
durch ,die heilige Schrift' bezeugt ift (S. 49-66). Von
einer .Gefchichte' kann hier freilich nicht gut die Rede
fein, oder höchftens von einer folchen Gefchichtsbetrach-
tung, wie fie etwa dem Priefterkodex oder der Chronik
eigentümlich ift: denn es fehlt das Leben, die Perfpektive,
die Entwicklung. Mit Mofe war die ifraelitifche Religion
fertig. In Kanaan fpaltete fie fich in eine ,illegitime Verehrung
Jahves', die ftark vom Baaldienft beeinflußt wurde,
und in eine,legitime, auf befonderer Offenbarung beruhende
Religion', die im Grunde mit der mofaifchen Religion
identifch ift und fich nur in Form und Ausdrucksweife
ein wenig wandelte. Ridderbos bleibt den Nachweis
fchuldig, wo diefe ,legitime Religion' blühte und warum
eine neue ,Offenbarung' durch die Propheten notwendig war.

Schlachtenfee. Hugo Greßmann.

Smit, Prof. DD. Johannes: De daemoniacis in historia evan-
gelica. Dissertatio exegetico-apologetica. (XXIII, 590 S.)
gr. 8°. Rom, (M. Bretfchneider) 1913. M. 5.60

Die umfangreiche Unterfuchung zerfällt in einen allgemeinen
und einen fpeziellen Teil. Diefer befaßt fich
mit der Erklärung von vier Erzählungen — vom Dämo-
nifchen in Kapernaum, vom Dämonifchen im Gebiet der
Geratener, von der Tochter der Kanaanitin und vom
mondfüchtigen Knaben —, jener erfte Abfchnitt gilt der
Erörterung allgemeiner Probleme: Gefchichte der Interpretation
, possibilitas et natura possessionis, Dämonenglaube
der Juden, sententia Christi de possessione daemo-
niaca. Das ganze Werk, zumal aber diefer erfte Teil, beweift
, daß der Autor mit Scharffinn, der natürlich meift
apologetifchen Zwecken dient, und Belefenheit, die von
den Vätern bis zu den Neueften, auch den acatholici,
reicht, ausgerüftet ift. Aber nähere Prüfung zeigt doch,
daß mit diefer Anerkennung mancherlei Einfchränkungen
j zu verbinden find.

Unter den Textzeugen für rsQyeorjviöv Mk. 5, 1 fehlt die syra sin.
Schlimmer ist fchon, daß ein Werk, das es gerade auf weitgehende Be-
rückfichtigung der Literatur abgefehen hat, Luther S. 12 nach Janffen
und Döllinger und ,Nietfche' S. 37 nach Schettler (Jefus in der modernen
Kritik) zitiert. Aber am meiften möchte ich dem Autor die ungenügende
Behandlung der rabbinifchen Literatur zum Vorwurf machen.
Das dritte Kapitel, das auf über achtzig Seiten die daemonologia Iu-
j daeorum behandelt, widmet fechs gauze Seiten den ,scripta rabbinica et
| papyracea'. Darin werden ein paar Texte aus Zauberpapyri nach Deiß-
mann und Tambornino mitgeteilt, ein Verfahren, das lediglich dem Be-
I weife dienen foll maximam esse differentiam inter exorcismos Domini
nostri atque modum Iudaeorum daemonem expellendi, zu diefem Zwecke
aber keineswegs ausreicht. Auf S. 138—140 aber wird verfichert: in
scriptis rabbinicis plurima de daemone et operibus eius disseruntur, dann
folgen einige Bemerkungen allgemeiner Art nach Edersheim, Wettftein
und Eifenmenger (I), und endlich fchließt der Abfchnitt mit der bekannten
Gefchichte vom Zerpflücken des Namens Schabriti (Aboda zara
12b, Pefachim 112a), aber nicht aus dem Talmud zitiert, fondern aus
Sepp, Leben Jefu!

Was die Interpretation einzelner Erzählungen anlangt,
fo bietet das Buch gelegentlich Ausführungen, die Beachtung
verdienen; zumal an topographifchen Fragen
fcheint der Autor Intereffe zu haben, wie die Behandlung
der Kapernaum- und Gerafa-Probleme beweift.

Aber feine Methode hindert den Verfaffer fowohl im
zweiten wie im erften Teil, ganze Arbeit zu tun und
wichtige wiffenfehaftliche Fragen, die der Löfung harren,
zu bearbeiten. Diefe Methode, unter deren Künften die
Einftellung der ganzen gelehrten Arbeit auf Abwehr der
Gegner die vornehmfte iftl Es ift zwar eine bunte Menge,
diefe Schar der Gegner, alte und neue, Theologen, Philo-
fophen, Ärzte, — für ihn ift's aber nur ein Heerbann,
aufgeboten die kirchlich approbierte Wahrheit anzugreifen
. Diefe Fiktion, als ob die adversarii eine Sache
verträten, erlaubt es dem Autor, die verfchiedenen Anflehten
diefer fehr verfchiedenen Leute zu konfrontieren
und dann triumphierend zu erklären: „hisce veris deli-
ramentis adversariorum fides nostra valde confirmatur ....
Plura inaudita, incomprehensibilia et impossibilia cre-
duntur ab adversariis nostris, ne existentiam spirituum
malorum, ne realitatem possessionis daemoniacae ad-
mittere cogantur" (S. 416). Nur die Folge davon ift, daß
dem Autor der Wille fehlt, eine wirkliche Gefchichte des
Problems zu fchreiben. Was hätte fich aus dem Material,
| das er im erften und vierten Kapitel und dann nicht ohne
| Wiederholungen im exegetifchen Teil vorträgt, machen