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Ausgabe:

1916

Spalte:

145-147

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weidner, Ernst F.

Titel/Untertitel:

Handbuch der babylonischen Astronomie. 1. Bd. Der babylonische Fixsternhimmel 1916

Rezensent:

Meissner, Bruno

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiU8 und Professor Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hiririchs'fche 'Buchhandlung, ^Leipzig__Halbjährlich IQ Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchl ie ß 1 i c h an , _ «

•41 JahriT Nr 7 Profeflbr D. Titius in Göttingen, Ntkolausberger Weg 66, rufenden. 1. APFll lyiO

-xj.. uom 5. xxx « / Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag. r

Weidner, Handbuch der babylonifchen Aftro-

nomie (Meißner).
Ridderbos, Israel en de Baals (Greßmann).
Smit, De daemoniacis in historia evangelica

(Martin Dibelius).
Patrologiae cursus completus. Migne. Series

Graeca. lndices (Jülicher).
Epiphanius. Hrsg. v. K. Holl. I. Bd. (Lietz-

mann).

Dehio, Innozenz IV und England (Wenck).
Witte, Aus Kirche und Kund (Stuhlfauth).

Wehberg, Das Papfttum und der Weltfriede
(Mulert).

Liebert, Das Problem der Geltung (Dorner).
Schaeder, Theozentrifche Theologie. 2. TT.
(Lobftein).

Gutberiet, Experimentelle Pfychologie mit
befond. Berücklicht. der Pädagogik (Knoke).
Uckeley, Die moderne Dorfpredigt(Bussmann).
Heffelbacher, Aus der Dorfkirche (Derb).
Eckert, Bauernpredigten (Derb).
Seeber, Chriftus (Koppelmann).

Referate: Jsgßoq, 'EyyeigliSiov Xgianavixrji;
'AgyjawXoyiaq. — Salvatorelli, Saggi di
storia e poliHca religiosa. — Düker, Gis-
bertus Voetius. •— Ritter, Über den Ur-
fprung e. kritifchen Religionsphilofophie in
Kants ,Kritik der reinen Vernunft'. — Weigl,
Kind und Religion. — Jaeger, ,Ich glaube
keinen Tod ..."

Entgegnung von Fries und Erwiderung von
v. Dobfchütz.

Wichtige Rezenftonen. — Neuefte Literatur.

Weidner, Ernft F.: Handbuch der babylonifchen Aftronomie.

1. Bd. Der babylon. Fixfternhimmel. Beiträge zur
älteften Gefchichte der Sternbilder. (Affyriologifche
Bibliothek. XXIII.Bd., i.Lfg.) (146 S.) Lex. 8°. Leipzig,
J. C. Hinrichs 1915. M. 18 —

Aus äußeren Gründen, die er im Vorwort angibt, ift
W. gezwungen worden, den Druck feines Handbuches der
babylonifchen Aftronomie abzubrechen; er hat fich daher
entfchloffen, jetzt wenigftens die erfte Lieferung feines
Buches in die Welt zu lenden. Diefe bringt neben einer
kurzen Einleitung und einer gedrängten Überficht über
die bisherigen Arbeiten über die babylonifche Aftronomie
vor allem die Quellen für die Rekonftruktion des babylonifchen
Fixfternhimmels. Es kommen zuerft die Sternliften
. Hervorheben unter ihnen möchte ich h) = Br.
M. 86378, deffen Text W. durch mehrere neue Duplikate
(f. S. 141 f.) vollftändig wiederherftellen kann. In ihm
werden verfchiedene Materien behandelt: Aufzählung von
33 Sternen Enlils, 23 Sternen Anus, 15 Sternen Eas; die
heliakifchen Aufgänge der wichtigften Fixfterne; die Gegen-
geftirne, die zu gleicher Zeit auf- und untergehen; ein
Fixfternkalender; Zeitangaben über die Sichtbarkeit der
Fixfterne im Orten und Werten; Tierkreisgeftirne; Gegen-
überftellung von Geftirnen, die in den einzelnen Monaten
zu der gleichen Zeit kulminieren, wo andere heliakifch
aufgehen; die Mondftationen. 1) Eine Sternlifte aus Bog-
haz-köi verbunden mit einem Befchvvörungstext. m) Das
Aftrolab mit der fehr wertvollen Hemerologie des Aftrolabs
B, in der die zwölf Monate inbezug auf allerlei Tätigkeiten
erklärt und gedeutet werden, o) Die Planifphäre ilt trotz
vieler Unverltandlichkeiten vielleicht doch der erfte Vernich
einer Himmelskarte.

Dann werden als zweiter Teil die aftrologifchen Omina-
texte und Rapporte kurz erwähnt und charakterifiert.

Als dritter Abfchnitt folgen zwei aftronomifche Texte,
die fich ausfchließlich mit dem Fixfternhimmel befaffen,
eine bisher nur in Transfkription bekannte Infchrift aus
Nippur mit Angaben über Entfernungen dreier Sterne
von einander, und befonders die von Thureau-Dangin
publizierte Tafel AO. 6478, die auf drei Arten, zuerft nach
Gewicht d. h. nach dem Gewichte des Waffers, das in der
Zeit aus der Wafferuhr fließt, die zwifchen den Kulminationen
zweier beftimmter Sterne verläuft, dann ,auf der
Erde' d. h. wohl nach den Abteilungen der Parallele, auf
welcher die Sterne fcheinbar flehen, und fchließlich ,im

Himmel'd.h. nach den vermeintlichen wirklichen Diftanzen, 1 fertigen läßt, ift" mir unerklärlich. Ebenfo ift DIB — kamfl natürlich mit
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die Entfernungen verfchiedener Fixfterne von einander
angibt.

Das find die Texte, die uns W. vorlegt, und die fich
ihm unter den Händen immer noch vermehrt haben, wie
die Nachträge zeigen. Diefe reichlichen Nachträge zeigen
aber meines Erachtens auch, daß W. doch zu fchnell
produziert. Sobald fich ihm eine Erkenntnis erfchließt,
wird fie als unumftößlich ficher von ihm hingeftellt, aber
ebenfo fchnell ift er auch bereit, fie aufzugeben, wenn er
fich felbft oder andere Forfcher ihn von deren Unrichtigkeit
überzeugen. Das ift gewiß an und für fich kein
Fehler, aber wenn der Verfafler auf 140 Seiten in den
Nachträgen c. 1 >l2 Dutzend Streichungen und Veränderungen
von bis zu 2 Seiten Umfang (S. 80—82) vornimmt,
fo wird man fagen müffen, daß er zu haftig gearbeitet
und die vorgebrachten Ergebniffe nicht ordentlich durchdacht
hat. Ich möchte daher an den begabten Autor
immer von neuem die Bitte richten, fich etwas Zügel anzulegen
und fich von dem Temperament nicht hinreißen
zu laffen. Auch in fprachlicher Beziehung find mancherlei
Unebenheiten flehen geblieben, die bei einiger Auf-
merkfamkeit wohl hätten vermieden werden können.

Hierzu bemerke ich uocb folgendes: S. 9, 27 lies (kakkab) ÜG(I)-
GA; zu diefem Lautwert des Zeichens vgl. SAI. 2916. — S. 13,11a.
Der (kakkab) LIK-BAT ift doch wohl der bekaunte ur-idimmu. —
S. 13. Die Zufammenftelluug des ganz unficher ergänzten hutuj mit
njn fcheitert fchon am Guttural (r = affyr. ', nicht |jj außerdem kann
der Pluralis eines Subftantivs hu nicht hfltu lauten! — S. 14. Die
Gleichung marratu = uuku ift recht unficher, jedenfalls möchte ich aus
ihr keine großen SchlülTe ziehen, ja wenn W. S. 48 bei SE§ =- marajtuj
(an der Stelle Br. 6441 ift übrigens nicht maraftuj, fondera maräjruj zu
ergänzen), das ficher ,bitter fein' bedeutet, Ideogrammverwechflung annimmt
, lo ift das mehr als kühn. — S. 16, 12 lieft W. den Stern (kakkab)
Uffi-dar, S. 18, 6 u. ö. (kakkab) Ne-gun. Die richtige Lefung wird wohl
(kakkab) Ussi-gun fein. — S. 20 muß ich die Erklärung von Tixnv, als
von einem nicht nachgewiefenen tltfviu = erdgeboren entlehnt, immer
noch als recht unbefriedigend ablehnen. —■ S. 35. Die mir unbekannte
Bedeutung von karufl hätte bewiefen werden mülTen. — S. 45. Da W.
in den Nachträgen feine Erklärung von zikpu mit Recht zurücknimmt,
wird auch die Exiftenz feines rekonftruierten aftronomifchen Iuftruments
wohl berechtigten Bedenken unterliegen; gleichwohl fetzt er S. 49 u. ö.
die Exiftenz der Armille im alten Babylon als ficher voraus. — S. 85, 22
wird rutubtu nur .Feuchtigkeit' bedeuten; auch das Ideogramm charakterifiert
das Wort nicht als Inftrument. Dagegen hat fich W. fchon in
den Nachträgen Uberzeugt, daß epinnu nicht .Bewäfferungsröhre' fein kann;
es ift die Bewäfferungsmafchine, deren Teile wir aus einem Vokabular
genau kennen. — S. 85, 37. Zu dem unetklärten GUL-LA = g/kul-la
(Var. Ii) vgl. Voc. Brüffel 1, 43: GUL-LA = kul-la-tum. — S. 85,45fr.
Die Überfetzung betreffend den Monat Tammuz kann nicht richtig fein.
In ihm wird nicht ausgefät, fondern das geerntete (harpu) Getreide auf-
gefchüttet (sapaku). Der Text von Z. 48 fcheint nicht ganz in Ordnung
zu fein. Wie für äitaddalu (S. 93) die Überfetzung ,Riegler' fich recht-