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Ausgabe:

1916 Nr. 6

Spalte:

123

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Paquet, Alfons

Titel/Untertitel:

In Palästina 1916

Rezensent:

Guthe, Hermann

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123

Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 6.

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Außentafel den Abdruck eines fchönen Siegelzylinders,
der ganz im Stile der Arbeiten aus der Zeit der Dynaitie
von Akkad gehalten ift. Ift das der einzige vorhandene
Siegelabdruck? Wo nicht, fo wäre es wünfchenswert, auch
die andern der Öffentlichkeit nicht zu entziehen.

Mehrere fehr gut reproduzierte Photographien geben
uns ein treffendes Bild vom Ausfehen der Originale.

Breslau. Bruno Meißner.

Paqu et, Alfons: In Paläftina. 1. bis3.Taufend. (199 S.) 8°.
Jena, E. Diederichs 1915. M. 3—; geb. M. 4 —

Es tut wohl, neben den vielen Reifebefchreibungen
über Paläftina ein Buch zu lefen, das einen Befuch um
Oftern 1914 zum Anlaß von feffelnden Betrachtungen
nimmt, zu denen die Gefchichte des Landes fo reichlich
auffordert. Von befonderem Belang für die Gegenwart ift
die Würdigung des Zionismus S. 69—108, dem der Verf.
von weit- und religionsgefchichtlichen Gefichtspunkten
aus gerecht zu werden verfucht (bef. S. 97 und 105). Ich
ftimme ihm bei, wenn er die Stellung des Zionismus zur
Religion, die Th. Herzl bekanntlich durch das Schlagwort
.Trennung von Staat und Kirche' nur beifeite gefchoben
hat, noch als eine offene Frage betrachtet (S. 99fr.). Da
ich ebenfo wie der Verf. im Frühjahr 1914 den mächtigen
Eindruck mancher gut fortfchreitenden Unternehmungen
des Zionismus auf mich habe wirken laffen, fo begreife
ich wohl fein Urteil S. 90: ,Die Zukunft in Paläftina, fo-
wohl die wirtfchaftliche, als in gewiffem Sinne auch die
der Verwaltung, gehört den Juden', kann es aber nicht
für richtig halten, weil es noch keine jüdifchen Bäuerinnen
gibt, die das fichere Gedeihen der landwirtfchaftlichen
Kolonien der Juden verbürgen, da die jetzigen zioniftifchen
Frauen mit ihren Humpelröcken und Modehüten noch
im Durchfchnitt den Übergang zu eigener Arbeit in Hof,
Garten und Feld ablehnen. In dem Gefamtbilde fehlt
ferner die genügende Betonung der bedeutfamen Unter-
fchiede zwifchen den einzelnen Zweigen des jüdifchen
Volks im Welten und Offen fowie der Hinweis auf die
Tatfache, daß fich der Zionismus im Allgemeinen auf
die englifche Weltherrfchaft eingeftellt hat, wie diefe auch
mit ihm rechnet. — Das Buch zehrt in hohem Grade vom
perfönlichen Denken und Empfinden des Verf. Dafür
fpricht vor Allem deffen eigentümlichfter Abfchnitt, mehrere
Vifionen S. 33—68, in denen ,die drei Geftalten des Jofef
von Arimathia' dem Lefer vorgeführt und die Fragen
über Begräbnis und Auferftehung Jefu behandelt werden.
Sie find mit großem Gefchick und reizvoll gefchrieben,
würden aber, wie mir fcheint, in knapperer Faffung wirk-
famer fein. Der Verf. hat aber auch gefchichtliche Studien
für fein Buch getrieben, auf die er nur gelegentlich verweift
, deren Spuren jedoch erkennbar find, am deutlichften
in dem Abfchnitt .Tempel' S. 109—168, der fich eingehend
mit den Gründergeftalten Hardegg und Hoffmann be-
fchäftigt. Wären fie noch ausgedehnter und gründlicher
gewefen, fo würde man gewiß die einfeitigen Urteile über
die arabifchen Bewohner des Landes S. 193. 199 nicht
lefen, würde man an Stelle mancher in die Weite greifenden
Ausblicke fettere und klarere Umriffe vor fich haben
und nicht auf fo zahlreiche Irrtümer ftoßen, von denen
hier nur der eine dahin berichtigt fei (zu S. 38. 66), daß
Jefu Füße bei der Kreuzigung nicht von einem Nagel
durchbohrt wurden.

Leipzig. H. Guthe.

Pott, Divif.-Pfr. Priv.-Doz. Lic. Auguft: Das Hoffen im Neuen

Teftament in feiner Beziehung zum Glauben. (Unter- I
fuchungen zum Neuen Teftament, Heft 7.) (IV, 203 S.) J
8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1915. M. 6.50; geb. M. 7.50

Die vorliegende biblifch-theologifche Unterfuchung ift
durch Schlatters bekanntes, mehrfach aufgelegtes Buch:

Der Glaube im NT angeregt. Das Problem find die
Beziehungen, in denen die beiden zentralen Begriffe:
Glauben und Hoffen im NT zu einander ftehen, und zwar
wird die Grenze der Unterfuchung noch enger fo gezogen,
daß der pfychifche Akt des Hoffens in feiner Beziehung
zum pfychifchen Akt des Glaubens dargeftellt werden foll.

Die Einleitung bringt eine kurze Begriffsbeftimmung
von iXnlg und jciörig mit Hilfe des allgemeinen lexiko-
graphifchen Materials. In I Die Vorausfetzung wird das
Hoffen in der fpätjüdifchen Literatur behandelt: inHenoch,
Baruch, IV Efra, Jubiläen, Salomopf., Sirach, Weish., IV
Makk., Philo (ganz kurz) und den kanonifchen Pfalmen.
Dann folgt in II die eigentliche Darfteilung, die in 4
Kapiteln die Schriften des NT durchgeht: 1. Ilebr., I Petr.
Kol.; 2. Syn.; 3. Paulus (I Theff., Gal., I Kor., II Kor.,
Rom., Phil.); 4. die übrigen ntl. Schriften (die ekklefiaftifche
Strömung: Eph., Patt. (Philem.), II Theff., Jud., II Petr.,
Jak., Apgfch.; die apokalyptifche Strömung: Offenb. Joh.;
die myftifche Strömung: Ev. Joh. und I—III Joh.). Die
Unterfuchung geht jeweils fo vor, daß zunächft an der
Spitze jedes Unterabfchnittes, in einem beftimmten Schema
geordnet, die Stellen angeführt werden, an denen die betreffende
ntl. Schrift von Hoffen und Glauben redet, dann
folgt die Unterfuchung und am Schluffe jedes Kapitels
fleht eine Zufammenfaffung, die auch am Ende des ganzen
Buches, auf den Gefamtftoff zurückblickend, nicht fehlt.

Im Ganzen ift zu fagen, daß P. eine ficher fehr notwendige
Arbeit in Angriff genommen hat, und daß er
bei ihrer Löfung fehr umfichtig und forgfältig zu Werke
gegangen. Er hat in der getrennten Behandlung der einzelnen
Schriften eher zu viel als zu wenig getan, um die
verfchiedenen möglichen Faffungen des Hoffens und feines
Verhältniffes zum Glauben darftellen zu können. Auch
ift er mit gutem Erfolge bemüht, das religiöfe Leben zu
erfaffen, das hinter den großen, oft fo feierlichen Worten
fleckt, und die Entwicklung der Frömmigkeit zu zeichnen,
die von Jefus an bis ins 2. Jahrh. hin an Glauben und
Hoffen fo vortrefflich beobachtet werden kann. Die merkwürdige
Anordnung, die Hebr., I Petr., Kol. an die Spitze,
vor Syn. und Paulus ftellt, läßt fich für eine Unterfuchung
gerade des ntl. Hoffens immerhin verteidigen.

Ein paar kurz gefaßte Einwendungen, die nicht auf
Einzelnes, fondern auf Allgemeineres gehen: das helleni-
ftifche Material mußte trotz handgreiflicher Schwierigkeit
doch irgendwie berückfichtigt werden; unbedingt gehörten
die Apoftolifchen Väter in den Kreis der zu verwertenden
Quellenfchriften; die Synonyma zu llmg wie jttjcoi-
d-rjOig, JiaQQTjOia, JcQOööoxia, auch vxo/iovt'i mußten berückfichtigt
werden (vgl. z. B. Pf. 4,9 Hof. 2,18, wo LXX
hXn'ig, Aquila aber jttJiol&rjOig hat); nicht ganz einwandfrei
ift das Verfahren, die jüdifchen Apokalypfen nur
nach der Kautzfch'fchen Überfetzung zu bringen; griechifch
fchreibt und druckt man mit Akzenten und Spiritus, nicht
aber, wie P. es durchwegs tut, ohne diefe Lefezeichen;
der Stil zeigt öfters unnötige Härten und eine gewiffe
Schwerfälligkeit, auch ftören unnötige Fremdwörter.

Bonn. Rudolf Knopf.

Loofs, Friedrich: Zwei macedonianifche Dialoge. (Sitzungsberichte
der KönigLPreuß.Akad. der Wiff. 1914. XIX.)
(S. 526—551) Lex.-8°. Berlin, G. Reimer.

— Das Bekenntnis Lucians, des Märtyrers. (S. 576—603)
Ebenda 1915.

— DieChriftologlederMacedonianer.In:GefchichtlicheStudien

für Albert Hauck. (S. 64—76) Leipzig, Hinrichs 1916.

Fortgefetzte Studien haben Loofs die Einficht aufgedrängt
, daß die Auffaffung der mazedonianifchen Chri-
ftologie, die er im Einklang mit der traditionellen Auffaffung
in der Realencyklopädie vertreten hat, unrichtig
fei. Die Macedonianer find — fo legt Loofs in dem an