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Ausgabe:

1916

Spalte:

117

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Descartes Meditationes de prima philosophia, curavit Artur Buchenau 1916

Rezensent:

Kowalewski, Arnold

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 5. 118

Erwiderung.

Auf die Ausführungen von O. Uttendörfer in Nr. 25/26 vorigen
Jahrgangs über mein Buch Erdmuthe Dorothea Gräfin von
Zinzendorf fei es mir geftattet, kurz zu erwidern.

1. Wie es allgemein üblich ift, fo hätte wohl auch mein
Kritiker über die Anlage meines Buches etwas verraten dürfen.

:"j------hir, rtiorpn Reeeften 1 Wenn ein Buch von 507 Seiten nur 331 Seiten Text enthält und

tet waren. Es ift gewiß richtig, daß ^f/"^J"J'e'^" a,.^and 1 in 176 Seiten Anhang neben einer ausführlichen chronologifchen
zutage tritt, wenn es auch,neben Verw.lt u"«!^ ' überficht drei z. T. größere Studien zur Gelchichte Zinzendorfs

Art nicht beronders deutlich wird. r ^ ^ ' 1 a ß t fi cn na tür 1 ich und der Brüdergemeine und über 60 Beilagen bringt, die zum
Klöfter und für deutfche Familien- und Ortsnamen laisiucnnamrm.. größten Teü Erftveröffentijchungen von Quellen find und durch

deren Beigabe verfucht wurde, dem Buch zugleich den Charakter
eines Quellenwerkes zu geben, fo brauchte dies wohl ebensowenig
wie das Vorhandenfein von vier Regiftern verfchwiegen zu
werden.

2. Wenn mir mangelnde Benutzung eines Teiles der Quellen
vorgeworfen wird, fo wäre es Pflicht gewefen, das wenigftens an
einem durchgeführten Beirpiel nachzuweiren. Der zur Verfügung
flehende Raum hätte dafür genügt.

3. Wenn mein Kritiker mir ungenügende Kenntnis oder doch
ungenügende Darftellung der Zinzendorffchen Eheaufaffung vorwirft
, fo hat er überfehen, daß ich mich auf Grund von G. Reichels
Darfteilung der einfchlägigen Frage in feiner Gegenschrift gegen
Pfifter kürzer zu raffen ein Recht hatte. Ich fehe nicht ein, was
gefchichtliche Forfchung für einen Wert haben foll, wenn man
jedesmal gezwungen ift, bereits feftgelegte Ergebnilfe in ihrer

werden uns einen altgewohnten Lieblingsftoff philofophifcher j Breite wieder auszuschreiben. Einer Täufchung gibt fleh mein
Seminarübungen noch anziehender machen. B. min der Erft- j Kritiker hin, wenn er meint, daß Zinzendorf mit Entschiedenheit

Loyafa Generalprokurator war. Die Regelten Hammen fämtlich
aus Handfchriften des Archivs des Dominikanerordens in Rom. Da
eine Verarbeitung des Inhalts von der Leitung der ,Quellen' in Ausficht
gefiellt ift, fo wäre es voreilig, fleh hier über den Wert diefer
Quellenpublikation zu äußern. Der Herausgeber macht darauf
aufmerkfam, daß die Beftrebungen der Ordensmagifter auf Reinerhaltung
der Ordenszucht, Hebung und Förderung der Studien gench

Vieles entnehmen. Dafür ift der Index nominum et locorum,
der lieh auch auf das 6. und 7. Heft erftreckt, fehr nützlich. Nach
Stichproben zu urteilen, ift das Regifter Sorgfältig gearbeitet. Unter
Nicolaus Gerbort fehlt der Verweis auf S. 7; leider ift die Verschiedenheit
in der Schreibung der Ortsnamen im Regifter garnicht
berückfichtigt; es ift auch fehr zu bedauern, daß nicht ein lateinifch-
deutfehes Verzeichnis der Ortsnamen gegeben wird; S. 90 wird
conv. Mergeneydenfis mit Marienheide identifiziert, im Regifter
mit Mergentheim; Mirica Marie S. 143 fehlt im Regifter. Durch
folche Fehler wird der Wert des Regifters beeinträchtigt.
Kiel. G. Ficker.

Descartes Meditationes de prima philosophia, curavit ArturBuche-
nau. (Bibliotheca Philosophorum, vol.I.) (IV,68S.)8°. Leipzig,
F. Meiner 1913. M. 1.50; geb. M. 2 —

Die hier im Urtext neugedruckten Meditationen Descartes,

ausgäbe, berückfichtigt aber die Verbefferungen der zweiten
Ausgabe fowie Abweichungen der erften franzöfifchen Überfetzung,
die einen gewiffen authentifchen Wert befitzt. Auch die Drucke
der großen Akademieausgabe (Adam — Tannery) und von Güttier
(2. Aufl. 1912, München) find herangezogen, manchmal auch um
ihre falfchen Lefungen anzumerken. Für eine zweite Auflage
des verdienftvollen Bändchens ift dringend die Beifügung der
Objectiones fowie eines Namen- und Sachregifters zu empfehlen,
gerade im Hinblick auf den akademifchen Benutzerkreis.
Königsberg i. Pr. Kowalewski.

Mitteilung.

4. von Harnack behandelt die aus dem Jahre 318/19 ftam-
mende I n f c h r i f t1 über der Tür einer M a r c i o n i t e n k i r c h e (Ditten-
berger Or. inscr. II 608) ovvaywyi] MagxKoviaxüiv x<bfi{rjq) I Aeßcißwv
rov x(vg!o)v x[a]l a(wxij)g(oi;) Irj(aov) Xgxjaxov j ngoroia TlaiXov
ngeaß'rj: - iiv ruf exovq. Die Infchrift zeigt, daß Licinius die
häretischen Kirchen in die Reftitutionsbeftimmungen mit einge-
fchlolfen und fie fomit als öffentliche Korporation anerkannt hat.
Sie illuftriert uns ferner die Ausbreitung des Marcionitismus auf
dem Lande. In der Datierung hat fich die Sekte dem weltlichen
Brauche angefchloffen, was nach Tertull. adv. Marc. I 10 nicht
zu erwarten war. Die Bezeichnung des Gebäudes als avvaywyfj
ift vermutlich aus einem lokal befchränkten, aus der Umgebung
(lammenden Sprachgebrauch von ovvuywytj (= KtWQS) zu erklären
. Die Sekte bezeichnet fich auffälligerweife felbft als ,Mar-
cioniten', nennt fich alfo nach einem Menfchen, weil fie die Erscheinung
Marcions zur Heilsgefchichte rechnet. Die Kirche
nennt fich nicht xov Ssov, weil diefe Bezeichnung dem Marcioniten
doppelfinnig ift, fondern ,Chrifti' als des erschienenen guten Prinzips
. Xprjoxoil ift nicht bloßer Itazismus, fondern abfichtliche
Schreibung: Xg>iax6f ift ihnen ,der Gute'; Xgiaxug ,der Gefalbte'
konnte ihnen, den Gegnern des Alten Teftaments nicht willkommen
fein. An der Spitze der Dorfgemeinde lieht wie in der
katholifchen Kirche ein Presbyter: der zuftändige Bifchof mag
feinen Sitz in Damaskus gehabt haben. Da nur das Jahr, nicht
auch ein Tag genannt ift, hat fchwerlich eine feierliche Einweihung
ftattgefunden. Eine befondere Feinheit liegt darin, daß die drei
Zeilen die heilige Trias Marcion, Chriftus, Paulus entfprechend
dem Kanon (Evangelium, Paulusbriefe, Antithefen Marcions) enthalten
.

Jena. Hans Lietzmann.

für chriftliches Familien leben eingetreten fei. Gerade Zinzendorf
hat das Familienleben in feiner Gemeinde zugunften des Gemeindelebens
aufgelöft; es bedeutet daher eine ungefchichtliche
Modernifierung, bei ihm von chriftlichem Familienleben zu reden;
wohl aber kann man, und das habe ich in meinem Buche zur
Genüge getan, bei ihm von Eheführung unter religiöfem, ja ausschließlich
religiöfem Gefichtspunkt fprechen; das ift aber kein
,Familienleben'l

4. Daß ein Buch über die Gräfin Zinzendorf den Grafen
nicht von allen Seiten zeigt, fcheint mir in der Natur der Sache
zu liegen und keineswegs auf einen fchiefen Maßftab hinzudeuten.
Für einen fchiefen Maßftab aber halte ich es, wenn man, wie
auch Uttendörfer es tut, den Grafen vorzugsweife in feinem,
fagen wir ,amtlichen' Gewände fleht, ohne zu bedenken, wie eng
Amtliches und Perfönliches bei ihm verquickt find. Daß Zinzendorf
Anna Nitfchmann amtlich brauchte und amtlich naheftand,
habe ich deutlich genug gefagt, ohne, wie Uttendörfer beinahe
verlangt, eine Biographie der Anna Nitfchmann in die Biographie
der Gräfin einfügen zu müffen; daß er von feinen alten Mitarbeitern
nach der Rückkehr aus Amerika merklich abrückte, habe
ich, was aus Uttendörfers Kritik niemand entnehmen wird, S. 251
—255 dargelegt. Für das nun einhetzende Zurücktreten der Gräfin
aber liegt darin kein ausreichender Grund; denn fie war eben
doch nicht nur Zinzendorfs Mitarbeiterin, fondern, was Uttendörfer
völlig zu überfehen fcheint, feine Gattin. Und Anna war
eben nicht nur die Amtsperson an Zinzendorfs Seite. Die wäre
fie überhaupt nie in dem Maße geworden ohne die Marken per-
fönlichen Sympathien, die er für fie hatte. Und wenn Zinzendorf
nun — in diefem kritifchen Augenblick — bereits die zweite
Gattin in ihr fleht, wenn fie felbft um diefen Plan Befcheid weiß,
wenn das perfönliche Verhältnis zwifchen ihm und ihr bereits
fo eng ift, daß er felbft gelegentlich einmal fein Bedenken äußert,
ich meine, dann ift das durch die gewundenen Erklärungen des
Grafen bei feiner zweiten Ehefchließung beftätigte Urteil nicht
zu gewagt, daß nichts den Grafen fo fehr von feiner Gattin abgedrängt
habe, als fein — trotz taufendfacher amtlicher Beziehungen
— doch im letzten Grunde perfönliches, feiner ehelichen
Treue gegen Erdmuth felbllverlländlich keineswegs nahetretendes
Verhältnis zu Anna Nitfchmann.

Daß im übrigen mit meiner Arbeit über einen fo verwickelten
Charakter wie Zinzendorf nicht das abfchließende Wort gefagt
ift, das kann ich — bei allem Gegenfatz gegen meinen Kritiker —
nur aus vollfter Überzeugung unterftreichen. Vielleicht gehört
Zinzendorf zu denen, über die nie ein annähernd letztes Wort
gefagt wird.

1 Harnack, Adf. v.: Die ältefte griechifche Kircheninfchrift.
(Aus: ,Sitzungsber. d. preuß. Akad. d. Wiff.') (S. 746—766.) Lex.-8». 1 L"beck. W. Jannafch

Berlin, G. Reimer 1915. M. 1 —