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Ausgabe:

1916 Nr. 4

Spalte:

76-78

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Monse, Frz. Xav.

Titel/Untertitel:

Johannes und Paulus. Ein Beitrag zur neutestamentlichen Theologie 1916

Rezensent:

Windisch, Hans

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 4.

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Diefe vierte Auflage von Pirqe Aboth ift vom Ver-
faffer mit Recht als »ganz neu bearbeitet' bezeichnet Die
innere Einrichtung ift völlig umgeftaltet und der Anlage
der andern vom Verfaffer herausgegebenen Traktate'Aboda
Zara, Joma, Sanhedrin-Makkoth und Pefahim angeglichen,
d. h. die Anmerkungen der dritten Auflage, die unter-
fchiedslos Textkritifches, Sprachliches und Erläuterndes
enthielten, find gefondert nach textkritifchen und fprach-
lichen Bemerkungen auf der einen Seite, fachlichen Erläuterungen
auf der andern; jene find unter den für fich
gedruckten hebräifchen Text verwiefen, diefe unter eine
diefem Hefte zum erften Mal beigegebene Überfetzung.
Außerdem find die Regifter geändert und vermehrt. Anflehe
des Verzeichniffes der erklärten Wörter der dritten
Auflage ift ein Vokabular getreten und hinzugefügt find
ein Verzeichnis der aus dem N. T. angeführten Stellen
und ein Sachregifter. In dem beibehaltenen Verzeichnis
der Schriftgelehrten ift Fehlendes ergänzt. Das Büchlein
ift aber nicht nur in äußerlicher Beziehung völlig neu
angelegt, fondern weift auch in fachlicher Beziehung
manche Veränderungen auf. Schon für die Herftellung
des Textes war ein etwas abweichender Grundfatz maßgebend
. Strack hat ftatt der bisherigen acht Textzeugen
jetzt deren zwölf verwertet, darunter — und das ift ein
großer Fortfehritt — die wichtigen Hff. de Roffi 138 und
den Kaufmannfchen Mifchnakodex, und formuliert feine
bei ihrer Verwertung befolgten Grundfätze auf S. 6* alfo:
,Wo die drei Misnahandfchriften C K R denfelben Text
boten, bin ich ihnen gefolgt. Wo das nicht der Fall war,
gab ich einen Text, in Bezug auf den aus jeder der
beiden anderen Gruppen Zeugen mit zwei oder doch
einer der drei genannten Handfchriften übereinftimmten'.
Bei diefem rein mechanifchen Verfahren, das übrigens
mehrfach eine veränderte Geftaltung des Textes gegenüber
dem bisherigen herbeigeführt hat, kann unmöglich immer
ficher das Richtige getroffen werden. III 7 a verwirft
z. B. Strack die Ausfprache Birtotha. weil fie durch den
paläftinifchen Talmud, K und einige wenige andere Zeugen
nicht genügend beglaubigt fei, als ob bloßes Zählen der
Zeugen entfeheiden könnte. Hier muß man wägen. Birtotha
gibt allein als Ortsname einen klaren Sinn (Maulbeerbrunnen
), und der päl. Talmud ift hinfichtlich der
paläftinifchen Lokaltradition der befte Zeuge. Übrigens
Ichlägt Str. die Wichtigkeit der verfchiedenen Lesarten
für die Auslegung nicht hoch an, dafür fei ein großer
Teil derfelben wenig oder gar nicht von Belang. Wohl
wahr, aber in anderer z. B. fprachlicher Hinficht ift manches
bemerkenswert; z. B. ift die von Schechter und Taylor
zu rWtn 2, 7 nachgewiefene, von Strack nicht verzeichnete
Variante fn von hohem fprachlichen Intereffe, weil fie
die ehemalige Einbürgerung diefes aramäifchen Wortes
auch im Hebräifchen bezeugt, und das ift wichtig für
gewiffe Stellen im hebr. Sirach, wo das Wort z. T. ent-
ftellt auftritt. — Auch die fachlichen Erläuterungen haben
— neben durch das Vokabular und die beigegebene
Überfetzung ermöglichten Streichungen — Veränderungen
und Zufätze erfahren. Das Material ift mannigfaltig und
mit Ausnahme einer Stelle überall ausreichend. Zu IV
4a hat Str. nicht bemerkt, was Smend erkannt und in
feinem Kommentar zum Sirach ausgefprochen hat, nämlich
daß diefer dem R. L"vitas aus Jabne in den Mund
gelegte Spruch in Wahrheit ein Zitat aus dem Sirach ift
(7,17). Im Übrigen möchte ich folgende Zufätze bzw.
Veränderungen empfehlen:

Zu V 3: Schon Jubil. (19,8) kennt zehn Verluchungen Abrahams.
Zu V 20b Anm. d: eiu gleicher Wunfeh findet fich Tamid VII 3 Ende,
wo auch noch ein Nachtrag folgt. Zu I 7 Anm. 1: die Beftimmung der
Lage Irbids ift, fo ausgedrückt, nicht empfehlenswert. Zieht man den
üblichen Weg nach Tiberias hinunter, fo berührt man dasfelbe nicht; geht
man durchs Taubental in die Genefarebene, fo bleibt es füdlich oben auf
der Hochebene liegen. S. 3 Z. 5 v. u. 1. Lk. Ii, 13; entfprechend im
Regifter II.

Möge diefes nützliche Buch in feinem neuen Gewände
wieder viele Liebhaber gewinnen.

Berakhoth. Zum erften Traktat der Mifchna waren
im letzten Jahrzehnt mehrere Arbeiten erfchienen, die
deffen Kenntnis in weitere Kreife tragen follten. 1906
erfchien die deutfehe Überfetzung Fiebig's, die mit Anmerkungen
unter dem Texte und mit einem die im Traktat
vorausgefetzten liturgifchen Gebete enthaltenden Anhang
ausgeftattet war. 1910 gab Staerk in der Lietzmannfchen
Sammlung kleiner Texte den hebräifchen Text vokalifiert
und mit fprachlichen und fachlichen Bemerkungen ver-
fehen heraus. 1912 endlich kam die Holtzmannfche Arbeit
über Berakhoth heraus. Strack's Arbeit erweift: ihre
Exiftenzberechtigung neben den beiden erften diefer Arbeiten
durch ihre größere Vollftändigkeit, in der fie das
in fich vereinigt, was jene getrennt enthalten, neben der
letzteren durch ihre Zuverläffigkeit gegenüber den mannigfachen
Fehlern derfelben und wird deshalb geeignet fein,
die Vorgänger und Konkurrenten aus dem Felde zu
fchlagen, zumal fie im Preis bei reicherem Inhalt der
Fiebig'fchen Arbeit gleichkommt, bei doppeltem Inhalt
aber mit Recht den doppelten Preis der Staerk'fchen
Ausgabe beanfprucht. — Die Einrichtung ift diefelbe wie
die der oben genannten Traktate und der Neubearbeitung
von Aboth. Als Beigaben find der Einleitung im Urtext
einverleibt die das Schema' morgens und abends umrahmenden
Gebete, ferner das .Ächtzehn-Gebet', diefes
im Anhang auf S. 2 5* f. außerdem in der von Schechter
(bei Strack verdruckt in Schlechter) entdeckten paläftinifchen
Rezenfion — fämtlich kommentiert. Für die Feft-
ftellung des Textes hat Strack hier nur fechs Zeugen verhört
; es fehlt z. B. der bei Aboth benutzte de Roffi 138.
Bei der Auswahl der Lesarten hat ihn ein ganz ähnlicher
Grundfatz geleitet wie dort; er folgt CK, bei deren Auseinandergehen
hat er fich an die Erftausgaben der Mifchna
und des Paläftinifchen Talmuds gehalten. Was Überfetzung
und Anmerkungen betrifft, fo ift eigentlich bei
diefem fo oft fchon beackerten Stück Mifchnabodens wenig
zu bemerken.

Hervorzuheben ift, daß Strack I i Ö333 nicht auf das Eintreten in
den Tempel bezieht, fondern von dem Eintritt in einen Zuftand, eine
Tätigkeit verlieht und ,fich anfehicken' überietzt. Das ift möglich, aber
dann ift die von Strack gleichwohl feilgehaltene Deutung auf unrein ge-
wefene Priefter nicht mehr durchaus notwendig, wennfehon fie möglich
bleibt. Im Übrigen ift Folgendes zu bemerken. In III 4 fehlt vor ,aber
keine Lobfagung' in der Überfetzung das Verbum ,fpricht'. V 1 ift ftatt
,Stunde' beffer .Weile' zu iiberfetzen. Ebenda beftreitet Strack die Richtigkeit
der Überfetzung von VJX1 132 "pP.B mit ,in ernfter Stimmung'. Aber
1SR1 132 ift das genaue Gegenteil von U3R1 nibp (Tor. Ber. III 21,
Aboth 3, 14); muß man diefes und IX, 5 HL'RI TR bpfl in übertragenem
Sinne und nicht etwa .erhobenen Hauptes' überfetzen, fo auch den genau
entfprechenden gegenteiligen Ausdruck. Die von Strack angeführte Stelle
widerlegt das noch nicht. Außerdem fpricht das "pno gegen Stracks
Überfetzung ,mit gerenktem Haupt'. Man follte in diefem Falle "3 erwarten
. Zu IV 4 hat Strack nicht erkannt, daß die Worte .Hilf, Ewiger,
deinem Volke, dem Überreft Ifraels' wörtliches Zitat aus Jerem. 31,7 b
find. In dem Stellenregifter I ift Mk. 11,25 (zu) v Ia nachzutragen.

Es ift zu wünfehen, daß diefe zuverläffige, reichhaltige
und doch billige Ausgabe ihren Weg ebenfogut finde wie
die andern früher erfchienenen Traktate.

Daffenfen, Kr. Einbeck. Hugo Duenfing.

Monte, Kapl. D. Frz. Xav.: Johannes und Paulus. Ein

Beitrag zur neuteftamentl. Theologie. (Neuteftament-
liche Abhandlungen. V. Bd., 2. u. 3. Heft.) (VIII, 213 S.)
gr. 8°. Münfter, Afchendorff 1915. M. 5.60

_ Über das Verhältnis des Johannes zu Paulus hat die
Kritik noch ebenfowenig ihr letztes Wort gefagt als über
das Verhältnis zu den Synoptikern. Eine Anregung zu
neuen gründlicheren Studien über das erftgenannte Problem
wünfeht der fchlefifche Kaplan Monfe in einer
Breslauer Differtation zu geben. Eine Anregung dürfte
die Schrift jedenfalls enthalten, mehr freilich nicht, keineswegs
eine irgend befriedigende Löfung. Diefen Erfolg
haben ihm fchon feine literarifchen Anfchauungen verlegt:
er ift als Katholik fo glücklich, nicht nur 14 (I) echte Paulus-