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Ausgabe:

1916 Nr. 2

Spalte:

544-545

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zscharnack, Leopold (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

John Locke’s Reasonableneß of Christianity (Vernünftigkeit des biblischen Christentums) 1695, übers. v. C. Winckler 1916

Rezensent:

Kohlmeyer, Ernst

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 25/26.

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den reichen Inhalt diefes wichtigen Werkes aufmerkfam
zu machen gefucht. Dem gelehrten Verfaffer gebührt
unfere höchfte Anerkennung und der wärmfte Dank für
die gewaltige Leiftung, die er mit der Zufammentragung
und fyftematifchen Verarbeitung des riefigen Materials
vollbracht hat.

Erlangen. Sehling.

Galm, Lekt. Dr. P. Maurus, O. S. B.: Das Erwachen des
Miffionsgedankens im Proteltantismus der Niederlande.

(84 S.) gr.8°. St. Ottilien, Miffionsverlag 1915. M. 1.50

Seinen Ausgangspunkt nimmt der Verfaffer in der
,Stellungnahme des deutfchen und englifchen ProteMan-
tismus zur Heidenmiffion im 16. und 17. Jahrhundert'.
Die Tatfache, daß den Reformatoren das Bewußtfein der
Miffionspflicht gefehlt hat, für die fchon mancherlei Er-
klärungsverfuche vorliegen, wird von ihm aus der Preisgabe
des alten Kirchengedankens, des kirchlichen Lehr-
und Hirtenamts, aus der Proklamierung des allgemeinen
Prieftertums und aus der Verwerfung der Askefe und
des Ordenswefens hergeleitet. Das Nichtvorhandenfein
vonproteftantifchen Miffionenhat dann in der konfeffionel-
len Polemik der beiden genannten Jahrhunderte eine große
Rolle gefpielt. Diefe Erörterungen waren übrigens recht
unfruchtbar, da fie nicht von dem damaligen Stand der
kolonialen Machtverhältniffe ausgingen, von denen es abhing
, ob überhaupt Miffionsunternehmungen möglich
waren. Auf die Frage, warum der proteMantifche Mif-
fionstrieb fich zuerft in den Niederlanden geregt hat,
gewinnt der Verfaffer die Antwort, daß dabei verfchie-
dene Faktoren mitgewirkt haben: das Emporkommen
von Beftrebungen, die auf eine Vertiefung des religiöfen
Lebens abzielten, das Vorbild der katholifchen Kirche
und die kolonialen Erwerbungen der Niederlande. Im
Mittelpunkt der Schrift fteht die eingehende Würdigung
der Männer, die durch ihre literarifche Vertretung des
Miffionsgedankens dahin wirkten, daß die Niederlande
die fich ihnen darbietende Gelegenheit zu praktifchen
Miffionsunternehmungen nicht vorübergehen ließen und
durch ihre Schriften über die Grenzen des Landes hinaus
Marke Anregungen gegeben haben. Hadrian Saravia,
dem Theodor Beza von reformierter und Johann Gerhard
von lutherifcher Seite entgegentraten, iM fchon
früher von Kawerau, Drews, Gröffel zum GegenMand von
Unterfuchungen gemacht worden. Dagegen hatte Jußus
Heurnius in Groningen bisher nicht die Beachtung gefunden
, die ihm auf Grund von Helms Nachweifungen
offenbar nicht nur für die Niederlande, fondern auch für
Deutfchland zukommt. Über das Miffionsfeminar zu
Leiden werden Mitteilungen gemacht, die über das, was
bisher über diefe kurzlebige Schöpfung der OMindifchen
Kompanie — es beMand um 1622—1633 — bekannt
war, hinausführen. Von befonderem Intereffe iM es, den
berühmten reformierten Theologen Gisbert Voetius auch
auf diefem Gebiet an hervorragender Stelle anzutreffen;
er hat fich in einer Reihe von Schriften mit Miffions-
problemen wiffenfchaftlich auseinandergefetzt. Aber sein
ihm naheMehender Schüler Johannes Hoornbeek, Pro-
feffor erM in Utrecht, dann in Leiden, hat den Ruhm,
neben Heurnius nach Seiten der Belebung des Miffions-
intereffes den MärkMen Einfluß ausgeübt zu haben.

Die Anfänge des evangelifchen Miffionswefens in
den Niederlanden find durch diefe gründliche und forg-
fältige Unterfuchung nach verfchiedenen Seiten klarge-
Mellt, auch enthält die Schrift manche anregende Hinweife
auf die Beziehungen zwifchen den Niederlanden
und Deutfchland, Dänemark und England. Dagegen vermag
ich dem Verfaffer nicht zuzuMimmen, wenn er den
Nachweis geführt zu haben glaubt, daß ,das Erwachen
des Miffionsgedankens im ProteMantismus größtenteils
auf katholifche Einflüffe, insbefondere auf den Einfluß
der katholifchen Miffionstätigkeit und katholifchen Mif-

fionsliteratur zurückzuführen iM' (Vorwort). Ich beMreite
nicht, daß die Ausdehnung der katholifchen Miffion und
die dadurch angeregten ausgedehnten Kontroverfen über
die Miffionspflicht und damit in Verbindung Mehende
Gedanken geeignet waren, die Aufmerkfamkeit des ProteMantismus
auf die großen von ihm lange zurückge-
Mellten Aufgaben in der nichtchriMlichen Welt hinzulenken
. Aber damit iM noch nicht erwiefen, daß das
evangelifche Miffionsleben aus katholifchen Urfprüngen
abzuleiten iM. Zur Begründung diefer Thefe wäre der
Nachweis erforderlich gewefen, daß das religiöfe Leben,
das der Träger der Miffion wurde, in entfcheidender
Weife von katholifcher Seite beMimmt wurde. Der Verfaffer
überfchätzt die Bedeutung des Vorgangs feiner
Kirche; ihre zeitliche Priorität auf dem Gebiet des mif-
fionarifchen Handelns machte fie noch nicht zum Vorbild
für evangelifche Kreife. Wenn er feine Unterfuchungen
auf die Art, den Umfang und die Tiefe des
von der katholifchen Miffion ausgehenden Einfluffes,
den ich innerhalb beMimmter Grenzen anerkenne, ausgedehnt
hätte, würde er damit zugleich auf die Aufgabe
hingeführt worden fein, das religiöfe Leben innerhalb der
evangelifchen Kirche der Niederlande eingehender zu
erforfchen, als es gefchehen iM. Was er in dem diefem
GegenMande gewidmeten Abfchnitte vorträgt (S. 27 f.),
iM, zumal im Vergleich mit feinen anderen durch Gründlichkeit
ausgezeichneten Ausführungen doch recht dürftig.
Zu beanManden iM auch, daß der Verfaffer feine Aufgabe
in der Beziehung zu eng aufgefaßt hat, daß er mit der
Einführung in die literarifche und theoretifche Behandlung
des Miffionsproblems durch die niederländifche
Theologie des 17. Jahrhunderts die Hinwendung des
niederländifchen ProteMantismus zur Miffion erklärt zu
haben glaubt. Damit foll aber nicht beMritten werden, daß
gerade diefe BerichterMattung wiffenfchaftlich wertvoll
iM. — Wieder Verfaffer den proteMantifchenNiederländern
es als Vorwurf anrechnen kann, daß fie im 17. Jahrhundert
nicht nach Japan Prediger des Evangeliums gefandt
haben (S. 31), iM mir im Blick auf die damals dort herr-
fchenden Verhältniffe unverMändlich.

Göttingen. Carl Mirbt.

Cherbury, Des Herb, v., Religionsphilolophie. Auszüge
aus ,De verdate' (1624) u. ,De religione gentilium'
(1663), m. Einleitg. u. Anmerkgn. hrsg. v. Priv.-Doz.
Heinr. Scholz. (Studien zur Gefch. des neueren ProteMantismus
. 5. Quellenheft.) (IV, 94 S.) gr. 8°. Gießen
, A. Töpelmann I9I4. M. 3 —

Locke'S, John, Reafonableneß of ChriMianity (Vernünftigkeit
des bibl. ChriMentums) 1695, überf. v. Prof. D.
C. Winckler, m. e. Einleitg. hrsg. v. Priv.-Doz. Prof.
Lic. Leopold Zfcharnack. (Studien zur Gefch. des
neueren ProteMantismus. 4. Quellenheft.) (LXVI,
140 S.) gr. 8°. Gießen, A. Töpelmann 1914. M. 5 —

Der englifche Deismus iM eine altbekannte, aber
täufchende Etikette, es verbergen fich die verfchiedenMen
Dinge bis zu direkten Gegenfätzen darunter. Die vorliegenden
Quellenhefte find daher fehr erwünfcht; fie tragen
bei zur eigenen Kenntnis der Quellen wie auch durch
ausgedehnte Einleitungen zum gefchichtlichen VerMänd-
nis. Aus Herberts feit 200 Jahren nicht wieder gedruckten
beiden Werken De veritate und De religione gentilium
gibt Scholz gut ausgewählte Abfchnitte (vielliecht
könnten die Seitenzahlen der zu Grunde liegenden Ausg.
v. 1645 u. 1663 an den Rand gefetzt werden), welche die
Grundbegriffe feiner Philofophie behandeln. Von Lockes
Reafonableneß hat C. Winckler eine vollMändige Überfet-
zung geliefert, die erMe deutfche, welche auf das Original
zurückgeht.

1. Herbert iM nicht nur der Erfinder der fünf Lehrfätze