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Ausgabe:

1916 Nr. 22

Spalte:

478

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Blatz, Josef

Titel/Untertitel:

Die Freiheit des Papstes und das italienische Garantiegesetz im Lichte des Weltkrieges 1916

Rezensent:

Mulert, Hermann

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Seite 1

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477 Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 22. 478

Dufft, Paft. Ernft: Jehls der Mann. Altes Bild in neuem Kriegs- im Textteil nicht fehlen dürfen, um fo dem Ganzen mehr Zufam-
rahmen. Mit e. Geleitwort v. Prof. D. Dunkmann. (39 S.) 8°. menhalt zugeben, d.h. für die einzelnen Sätze der hiftorifchen EinLeipzig
, Krüger & Co. 1915. M. — 75 leitung die nötigen Belege zu geben und anderfeits keinen Text
Der Gedanke, die Männlichkeit Jefu zu fchildern, ift in ohne die nötige Erläuterung inmitten der Einleitung zu laffen.
diefer Zeit ebenfo naheliegend wie dankenswert. Dufft hat in Berlin-Steglitz. Leopold Zfcharnack.
dem Heft ,Jefus der Mann' diefe Aufgabe von einem hiftorifch Adickes, Prof. Dr. Erich: Kants Anrichten über Gerchichte und Bau
und dogmatifch altgläubigen Standpunkt aus unternommen. Trotz- derErde. (VIII, .) gr.8°. Tübingen, J. C. B. Mohr. M. 4.60
dem das eine Erfchwerung der Aufgabe bedeutet, Tagt er vieles, Die Arbeit ift dem Verf. aus der Herausgabe des hand-
dem auch andere zultimmen werden. Befonders intereffant ift fchriftlichen NachlafTes Kants verwachfen. Auf mühfame Ver-
der letzte Teil (,Wir'), in dem ein eigenartiger und anfprechender gieichung der vorhandenen Manuskripte Kants und der Nach-
Verfuch gemacht wird, die Wertung Jefu als unferes Vorbildes rcnriften feiner Vorlefungen geftützt, gibt Adickes eine in allem
mit der als unteres Erters zu vereinigen, und zwar für eine Wefentlichen gewiß abfchließende Überficht der Kantirchen Anausgeprägt
männliche Auffaffung der Frömmigkeit. (Leider fehlt flehten über Gefchichte und Bau der Erde, ihre allmähliche

es nicht an hörenden Druckfehlern. Dunkmann, der ein Geleitswort
voranfehickt, wird S. 28 Anm. zu Dunkelmann).

Hannover. Schufter.

Entwicklung und ihr Verhältnis zur zeitgenöffifchen Wiffenfchaft.
Kant ,gehört in die Reihe der damals fo zahlreichen aprioriftifchen
Träumer, die, ohne genügende Erfahrungsgrundlage, oft auf ein

Berg. Ob.-Realfch.-Relig.- u. Ob.-Lehr. Prof. D. Ludw.: Gero, Minimum eigner Anfchauung geftützt, ihr geogonifches Syftem, wie
Erzbifchof v. Köln 969—976. Mit e. Exkurs: Verfuch, die Echt- j die Spinne ihr Netz, aus fich heraus fpannen' (190). Doch fcheidet
heit der Gladbacher Kloftergründungsgefchichte MixjtoXdyo^ ihn von Sendling, dem gleichfalls eine große Kraft der Intuition
ttnXaOTOi zu beweifen. (Studien u. Darftellungen auf dem ; und der Synthefe eignet, feine Selbftkritik, fein Wirklichkeits-
Gebiete der Gefchichte. VIII. Bd., 3. Heft.) (XI, 96 S.) gr. 8°. j Ann und fein gichtiger Gefchmack' in naturwiffenfchaftlichen
Freiburg i. B., H rder 1913. M. 3— ! Dingen 196f.). Den Theologen wird vor allem die Zurückdrän-
Der ,AnteiI Geros an dem kirchlich religiöfen Leben j gung der alten hyfikotheologifchen Auffaffung zu Gunften der
zeigt in ähnlicher Weire wie Geros politifche Tätigkeit, daß der | mechanifchen intereffieren (z. . 48. 72. 96. 133), was keineswegs
große Geift des Vorgängers Bruno auch in Gero begeifterte Nach- i mit dem Ausfchluß der religiöfen Betrachtungsweife zufammen-
ahmung fand. Die Sorge Geros für den würdigen Ausbau und ! fällt, da Kant vielmehr die Grundmaterie, aus deren Wefen die
die Ausftattung der Kirchen und Klöfter feiner Diözefe, die Siehe- ! ganze weitere Entwicklung mit Notwendigkeit hervorgeht, als ,eine
rung kaiferlichen Schutzes und kaiferlicher Vorrechte für kirch- ! Folge aus der ewigen Idee des göttlichen Verftandes' faßt (9. 75f).
liehe Stiftungen, felbft außerhalb feiner Diözefe, vor allem die , Göttingen. Titius.
durch die fpäteren Jahrhunderte noch überaus fegensreich wir- | Blatz, Pfarrkurat Jofef: Die Freiheit des Papftes und das italie-
kende, gut dotierte Kloftergründung vonM.-Gladbach im Jahre 974, ] niTcrie Garantiegeretz im Lichte des Weltkrieges. (76 S.) 8".
die Reformierung der Klöfter im Geilte der Kluniazenfer, die Bühl, ,Unitas' 1915. M. —50
erfolgreiche Unterftützung von Kunft und Wiffenfchaft, alle diefe Die Schrift enthält nützliches Material, z. B. die wichtigften
in der damaligen Zeit hervorragenden Betätigungen feines bifchöf- Beftimmungen des italienifchen Garantiegefetzes von 1871 (1881
liehen ifers werden von den zeitgenöffifchen Schriftftellern wie auf S. 21 ift Druckfehler) und längere papftfreundliche Äuße-
auch von der dankbaren Nachwelt hoch anerkannt'. Infolgedeffen rungen katholircher wie nichtkatholifcher Blätter; leider fehlt
darf man zugLich auch dem Verfaffer fürdiere zufammengedrängte, hier mehrfach der genaue Beleg. Sie tritt dafür ein, daß die ,volle
nur das Wefentlichfte bietende Biographie Geros dankbar fein. Freiheit und fouveräne Unabhängigkeit' des Papftes nach dem
Gero, aus einem oftfächfifchen Grafengefchlechte, das am Harz Kriege wirklich ficher geftellt werde. Bl. würde ftärker wirken,
begütert war und dem der berühmte Markgraf Gero, der Gründer wenn er Übertreibungen vermieden hätte, z. B. daß der Osservatore
von Gernrode, entflammte, hervorgegangen, kam früh in die könig- Romano das amtliehe vatikanifche Organ fei, daß das Garantieliche
Kapelle und hattedamit Ausfichten und Anwartfchaften auf die gefetz eigentlich nichts weiter' fei, ,als eine feierliche Regiftrie-
höchften Ehrenftellen in der deutfehen Kirche. Wie Gero fo rung von Rechten göttlichen Urfprungs', die der Katholik dem
fchnell auf den Kölner Erzftuhl kam, ift mir aus Bergs Darle- Papfte ohnehin beilege — dabei hat es aber z. T. finanziellen
gungen doch noch nicht klar geworden. Vor allen Dingen fähe Inhalt! — oder daß als ,Zeugniffe' dafür, ,wie die von den Schre-
man gerne ein näheres Eingehen auf die zwifchen dem Kaifer cken des Weltkrieges heimgefuchte Menfchheit über das Papfttum
und Geros Haufe waltenden Mißhelligkeiten. Oft ift die Dar- urteilt', ein Artikel der Münchener N. N. und einer der Berliner
ftellung ein wenig erbaulich, und die legendenhafte berlieferung Finanzzeitfchrift Plutus angeführt werden. Gewiß ift die jetzige
wird gelegentlich fo in den Vordergrund gerückt, daß man nicht Lage des Papftes, an feinen Anfprüchen und an den Wünfchen
weiß, ob fich der Verfaffer mit diefer Darftellung völlig einver- der Katholiken gemeffen, unbefriedigend, aber fo leicht es ift, das
(fanden erklärt. Die große Reihe der angeführten Literatur fcheint zu zeigen, fo fehr kommt es andererfeits darauf an, wirklich
mir recht fonderbar: eine Angabe wie Zeitfchrift des Aachener : greifbare Vorfchläge zur Befferung zu machen, das Ideal, das
Gefchichtsvereins 34 Bde oder Oncken, Allgemeine Gefchichte man hat, in Paragraphen eines Gefetzes oder Vertrags zu formu-
in Einzeldarftellungen u. a. m. Tagt doch garnichts. Heren. Daran fehlt es auch bei Bl.

Leipzig. Otto Lerche. Berlin. Mulert.
Ortertag, Pfr. Dr. Heinrich: Friedrich der Große. (Die Religion ; Bettac, Paft.: Unlere Gottesdlenfte. Ein Dorfkirchen-Beitrag zur
der Klaffiker. 5. Bd.) (112 S.) 8". Berlin-Schöneberg, Prote- Agenden-Reform. (39 S.) 8<>. Berlin, Deutfche Landbuch-
ftantifcher Schriftenvertrieb 1913. M. 1.50; geb. M. 2— handlung 1915. M. —.80
Kein Zweifel, daß Friedrich der Große in der bekannten 1 Ein anregendes Reformfchriftchen zur Gottesdienftfrage legt
Pfannmüllerfchen Sammlung einen Platz verdiente, — nicht als uns B. vor. Zuerft befpricht er die gegenwärtige Notlage: viele
religiöfer Klaffiker, aber doch als eine Perfönlichkeit, deren Öde, Langeweile, unverftandene Form in unfern Gottesdienften
religiöfe Haltung in ihrer Bedeutung für den Gang der gefchicht- und deshalb Intereffeloflgkeit grade der Landgemeinden — dem
liehen Entwicklung auch dann nicht gering veranfchlagt werden gegenüber fei in der katholifchen Kirche Reichtum, Volkstüm-
kann, wenn man ftärker, als es oft gefchieht, den Gedanken be- lichkeit, Intereffe. ,Die katholifche Kirche „Die Priefterkirche" ift
tont, daß Friedrich der Große in feiner Weltanfchauung durchaus in Wirklichkeit die Volkskirche, wir, die Kirche des allgemeinen
nicht bloß als wirkender Faktor, fondern ebenfofehr als Produkt Prieftertums, find die Priefterkirche'. Aus diefem einen Satz
feiner aufgeklärten Zeit gewertet werden muß. Die Sammlung von heraus erkennt man, daß der Verfaffer in der kritifchen Beurtei-
Zitaten aus Fr.s Schriften, Briefen, Marginalnotizen, Gedichten lung des Eigenen ungerecht verallgemeinert, die andere Seite da-
ufw., die Oftertag vorlegt (Gott und Welt; Religion und Sittlich- gegen idealifiert. Das Volk will ,finnlich fromm' fein — gewiß,
keit; Toleranz und Humanität), verdient Anerkennung; fie läßt Es fragt fich nur, ob unfer evangelifches Volk fich die, Sinngut
die verfchiedenen Gruppen feiner Äußerungen, die religiöfe, lichkeit' des Kultus würde wieder gefallen laffen. Dies Bedenken
pofitive wie die kritifche, ja frivole und irreligiöfe, zur Geltung wird beftärkt, wenn man die praktifchen Reformvorfchläge des
kommen, zeigt alfo in der Materialauswahl jene Viel- bezw. Doppel- Verfaffers lieft. Vieles ift durchaus beachtenswert. Die Schaffung
feitigkeit, die in der dem Textteil vorausgeschickten Einleitung einer kirchlichen Kultusfitte auch für das Land ift notwendig. Aber
neben Fr.s Wirklichkeitsfinn geradezu als fein hervorftechendfter was B. wünfeht, fchließt fich in vielen Dingen zu wenig an das
Charakterzug gewertet wird. Die religiöfe Entwickelung Fr.s hätte gefchichtlich Gegebene an. ,Feftfpiele' wie er fie zuweilen auch
u. E. in diefer Einleitung doch noch eingehender dargeftellt wer- | für den Hauptgottesdienft wünfeht, bringen ein völlig fremden
follen, und vor allem hätten hier die Hinweife auf die Texte 1 des Moment in das ,gottesdienftliche' Leben. Auch kann ich