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Ausgabe:

1916 Nr. 1

Spalte:

396-397

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mayer, Gottlob (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Das Alte Testament in religiösen Betrachtungen für das moderne Bedürfnis. 10. - 15. Bd 1916

Rezensent:

Niebergall, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 18/19.

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indifcher und perfifcher Götter zeigen unferm Autor den
Weg, auf dem er, was diefe Arier bieten, auch bei den
übrigen Indogermanen gefunden hat (I, 445, 446 u. ö.).

Es nimmt zunächft für den Verfaffer ein, daß er fein
dogmatifches Syftem religionsphilofophifch zu fundieren
gewillt war und daß er Wert darauf legte, in der Reli-
gionsgefchichte der Indogermanen die religiöfen Faktoren
nachzuweifen und eine arifche Religion zu fchreiben. Wir
werden jedoch enttäufcht: Religion wird nur als Moral
enthüllt (I, I39ff); für den Eigenwert der Religion (außerhalb
der Moral) ift kein Spielraum gelaffen l. Sehr fchlecht
ift L. v. Schroeder auf feine Zeitgenoffen zu fprechen, die
durch Sonderung der Begriffe ,Zauber' und ,Religion' die
religiöfe Erkenntnis zu fördern gedachten und ihm dadurch
feine Kreife ftörten. Er konnte aber doch nicht
umhin, den Männern, die von Zauber und Theriomorphis-
mus fprachen, Zugeftändniffe zu machen. Er ift freilich
dadurch zu einer Chronologie der arifchen Religions-
gefchichte gelangt, die fich nicht gerade durch Klarheit
auszeichnet (II, 567). Anfänglich hatte er den Therio-
morphismus als Verirrung abgelehnt (I, 402. 415), dann
leife zweifelnd eingeführt (II, 11. 65. 751*.) und fchließlich
hat er ihn grundfätzlich anerkannt (II, 565 f.). Ebenfo ift
es dem Zauber, infonderheit dem Sonnenzauber ergangen
(II, 82.84.96.98 128. 131); nach einigen Hemmungen ift
fchlechtweg von Bewegungs- und Symbolzauber (II, 193.
225 ufw.; Regenzauber 242ff.) und von Göttern gar nicht
mehr die Rede: der Sonnenzauber verläuft, ohne daß ein
Gott, oder gar ein ,höchftes gutes Wefen' beteiligt wäre
(II, 238 u. ä.), obwohl es fich um die höchften Probleme
des menfchlichen Lebens (Feuer, Waffer, Zeugung II,
654), um feine Förderung durch zaubermäßig ablaufende
,Fefte des Lebens' handelt (II, 265). Wie fich damit die
arifche Sonnenreligion (.Mythus von der himmlifchen
Hochzeit', II, 392 ff) mit dem Himmelsgott verträgt, wird
eine offene Frage bleiben müffen (vgl. II, 88. 435). Als
Hilfskonftruktion dient eine fehr leiftungsfähige ,fakrale
Stilifierung' der Zaubergebräuche (II, 209. 211 f. 215. 315)
und unverfehens taucht aus den götterlofen Zauberfeften
(II, 600f.) ein urarifcher Lichtgott und Feuergott (Agni —
Apollon — Loki) auf (II, 436. 466fr.). Es wird zwar von
,der Herrfchaft einer neuen Religion höherer Ordnung'
(II, 569) gefprochen, das Nähere bleibt aber der Einbildungskraft
des Lefers überlaffen.

Kiel. Friedrich Kauffmann.

vereint mit der Beobachtung ewiger Ordnungen in der Natur', 363. Man
vergleiche hiermit beifpielshalber K. Beth, Religion und Magie bei den
Naturvölkern (Leipzig 1914), S. 123 ff.

1) ,Die Moral zeigt fich uns als wefentlicher Teil des Inhalts, der
jenes Abhängigkeitsgefühl ausmacht, welches für die Religion fo eminent
charakteriftifch ift' (I, 33); .Glaube an eine moralifche Weltordnung'
(I, 270) u. a. Auf eine ganz neue Welt ift der Verf. Bd. II, 112 ge-
ftoßen: Die Ekftafe (,hier liegt vielleicht der Schlüffel für viele uns unerklärliche
Dinge, die den gelehrteften und fcharffiunigften Forfchern viel
Qual bereitet haben'); er hält fich aber lieber zu der .normalen Phanta-
fie' (!), II, m-_

Roeder, Günther: Urkunden zur Religion des alten Ägypten,

überf. u. eingeleitet. (Religiöfe Stimmen der Völker.
Hrsg. v. W. Otto.) (LX, 332 S.) 8°. Jena, E. Diederichs
1915. M. 7.50; geb. M. 9 —

Für die von W. Otto herausgegebenen Religiöfen
Stimmen der Völker hat G. Roeder das alte Ägypten
übernommen. Da für diefes keine fyftematifchen religiöfen
Werke aus dem Altertume vorlagen und als kanonifch
geltende Schriften dort ftets fehlten, fo mußte er fich auf
eine Auswahl aus den erhalten gebliebenen, fehr zahlreichen
Einzeltexten befchränken. Hierbei ift eine lange
Reihe wichtiger Urkunden berückfichtigt worden. Ver-
miffen wird freilich der Philologe und Theologe dieTempel-
und Totenrituale, welche in ihren Schilderungen des
Kultus wichtige Äuffchlüffe über eine Reihe Grundfragen
des religiöfen Empfindens des Volkes geben. Der Be-

fucher Ägyptens wird das Fehlen des Buches von dem,
was ift in der Unterwelt, und des Buches von den Toren
bedauern, welche die Darftellungsreihen der thebanifchen
Königsgräber beherrfchen und fich auf Sarkophagen und
in Papyris wiederfinden. Freilich wären diefe Texte ohne
die Beigabe von Vignetten kaum verftändlich, und auf
folche verzichtet das Buch durchweg. Die Rückficht auf
die Einhaltung eines beftimmten Umhanges wird in derartigen
Fällen ebenfo wie bei der Fortlaffung anderer
intereffanter Stücke (Klagegefänge der Ifis und Nephthys,
pantheiftifche Hymnen, fynkretiftifche Texte der Spätzeit
u. f. f.) den Ausfchlag gegeben haben. Die aufgenommenen
Texte find meift vollftändig gegeben worden,
nur bei den Formularen für den Gebrauch des Verewigten
im Jenfeits, welche trotzdem noch über ein Drittel des
Buches füllen, hat fich der Verfaffer mit der Wiedergabe
charakteriftifcher Abfchnitte begnügt und von den fonftigen
Kapiteln nur die Überfchriften aufgeführt. Eine folche
Streichung konnte gerade hier um fo eher erfolgen, als
die Ägypter felbft jedes derartige Kapitel als eine felb-
ftändige Einheit auffaßten, welche auch ohne Verbindung
mit dem fonftigen Werke wirkfam blieb.

Den Überfetzungen wird von dem Verfaffer eine Überficht
über die ägyptifche Religion vorangefchickt, welche
vor allem die in den überfetzten Texten zum Ausdruck
gebrachten Lehren befpricht. Als Abfchluß des Ganzen
dient ein fehr eingehendes Sach- und Namen-Regifter zu
den Überfetzungen und eine kürzere Überficht der Stellen,
an denen beftimmte Angaben der Urkunden in der
Einleitung Erörterung gefunden haben. Jedem überfetzten
Texte geht eine kurze Bemerkung über feine Bedeutung
und eine Aufführung feiner wichtigften Literatur voran.
Auf die Beigabe erklärender Anmerkungen zu den einzelnen
Stellen der Urkunden ift verzichtet worden.

Die Überfetzungen enthalten zunächft eine Reihe von
Hymnen an die Sonne und einen Hymnus an den Schreibergott
Thoth, dann auf Ofiris bezügliche Texte, flehentliche
Anrufungen von Gottheiten durch niedere Beamte, Hymnen
an die Sonnenfcheibe aus der Zeit der Religionsreform
Amenophis' IV., einige der aus dem Altertume erhaltenen
Zufammenftellungen von Befchwörungen, vier umfangreiche
Mythen, Dekrete von Göttern und zu Ehren be-
ltimmter Gottheiten erfundene Legenden, endlich Todten-
texte. Der Wortlaut der ägyptifchen hieroglyphifchen
und hieratifchen Texte ift möglichft getreu wiedergegeben.
Freilich wird man, auch an manchen Stellen, an denen
kein Fragezeichen beigefügt worden ift, über die Auf-
faffung einzelner Worte und Lehren abweichender Meinung
fein können. So beifpielsweife, wenn der Verfaffer (S. 186)
auf kannibalifche Vorftellungen in den Pyramidentexten
hinweift. Er geht hierbei offenbar von einer Schilderung
(S. 191 f.) aus, der zufolge der zum Himmel gelangte
tote König die Gottheiten und ihre Machtzeichen verzehrte
. Hier handelt es fich aber um eine poftume Theo-
phagie eines mit befonders großer Zauberkraft aus-
geftatteten Verdorbenen und erfcheint es Ref. kaum
möglich, aus diefer Rückfchlüffe auf fonft unbekannte
irdifche Zuftände zu ziehen. Für den größern Leferkreis,
an den fich das Buch wendet, kommen derartige fragliche
Einzelpunkte weniger in Betracht. Ihm wird die
Urkunden-Sammlung eine fühlbare Lücke in der bisher
für die ägyptifche Religion vorliegenden Literatur ausfüllen
.

Bonn. A. Wiedemann.

Das Alte Teltament in religiöfen Betrachtungen für das moderne
Bedürfnis. In Verbindung m. Andern hrsg. v. Pfr. Lic.
Dr. Gottlob Mayer, gr. 8°. Gütersloh, C. Bertelsmann.

10. Bd.: Hackenfchmidt, Pfr. D. K.: Der Prophet Jeremia.
(VIII, 234 S.) 1912. M. 3.60; geb. M. 4 20

11. Bd.: Mayer, Pfr. Lic. Dr. Gottlob: Der Prophet Hefekiel.
(VI, 173 S.) 1915. M. 3.60; geb. M. 4.20