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Ausgabe:

1916 Nr. 1

Spalte:

389

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hoffmann, Georg

Titel/Untertitel:

Die altlutherische Orthodoxie vor 250 Jahren im Kampfe wider das Apostolikum 1916

Rezensent:

Zscharnack, Leopold

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3§9

Theologifche Literaturzeitung 1916 Nr. 16/17.

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meine deutfche Bildungsgefchichte To wichtigen fächfifchen Schul-
wefens. Die Klippe folcher gedrängter volkstümlicher Darftellun-
gen, daß es auf Allgemeinheiten oder Aufzählung von Nummern
und Daten hinauskommt, ift nicht überall vermieden. Doch gibt
es auch Stellen, die Leben und Farbe haben, wie das Bild des
Frühhumaniften Paul Schneevogel (S. 19) oder der Abfchnitt über
die Schulkomödien (S. 104). Die Urteile über das Verhältnis von
Mittelalter, Humanismus und Reformation gehen ftark durcheinander
, fo daß fleh kaum lösbare Widerfprüche ergeben. Es
muß hier wider Willen des Verfaffers deutlich werden, daß gerade
in der Wirkung auf die Gelehrtenfchulen Humanismus und
Reformation es nicht über leichte Abwandlungen mittelalterlicher
Ideale hinausgebracht haben. Auch follte in der Reformationszeit
deutlicher unterfchieden fein, was das kurfürftliche und was das
herzogliche Sachren angeht (S. 59, durchweg in § 3 und 4). Die
Vorftellung, daß in mittelalterlichen und humaniftifchen Schulen
der Lefeunterricht gleich in lateinifcher Sprache begonnen habe,
ift doch nicht fo einfach abzutun, wie Verfaffer meint (S. 55).
In der württ. Schulordnung von 1559 wenigftens (Vormbaum I
S. 76) ift es ganz klar, daß der erfte Anfang mit dem lateinifchen
ABC und dem Pater gemacht wurde. Die ,Moderniften' in Luthers
Schrift an die Ratsherren find nicht in ,Modiften' zu ver-
beffern (fo S. 42 wohl nach Buchwald 3, S. 33). Modiften find
Berufsfehl eiber, Kanzliften. Gemeint Find bei Luther die Anhänger
der via moderna der Scholaftik, in deren Reihen vielfach
gerade die Gegner der Humaniften fleh finden.
Markgröningen. R. Schmid.

offmann, Prof. D. Georg: Die altlutherifche Orthodoxie vor 250
Jahren im Kampfe wider das Apoftolikum. (Aus: ,Preuß. Kir-
chenztg'.) (42 S.) 8°. Bunzlau, L. Fernbach 1912. M. 1—
In der .Zeitfchrift für Kirchengeichichte' 3, 1879, S. 63—92
hatte Wilhelm Gaß unter der Überfchrift: ,Die Stellung des apofto-
lifchen Symbols vor 200 Jahren und jetzt' über die diesbezüglichen
Kämpfe zwifchen dem calixtinifchen Synkretismus des 17. Jahrhunderts
und der Spätorthodoxie gehandelt. Sein Thema greift
Hoffmann wieder auf und gibt in Anlehnung an fein umfangreiches
Werk über die Fides implicita, in deffen 3. Band er auch
jene Bewegungen zu behandeln gehabt hat, zu Gaß's Ausführungen
mancherlei Ergänzungen und Berichtigungen. Nach kurzem
Rückblick auf die Stellung des Apoftolikums im Reformationszeitalter
, wo man Melanchthon ungern vermißt, weil er es gerade
war, der den Übergang dazu gemacht hat, das Glaubensfundament
in dem Apoftolikum ausgedrückt zu finden (vgl. Otto Ritfchls
Dogmengefchichte des Proteftantismus, Bd. L), behandelt er die
Stellung des Synkretismus zum Apoftolikum, das jenem als das
Hauptftück in dem consensus quinquesaecularis der älteften
Kirche und als prägnante Zufammenfaffung der articuli fundamentales
galt, und fchildert befonders ausführlich die durch
diese fynkretiftifche Wertfehätzung des Apoftolikums veranlaßte
Polemik der Strengorthodoxen gegen dasfelbe, — eine Polemik und
Kritik, die fleh nicht nur dagegen wehren wollte, daß das Neue
und Reformatorifche dem Antiken, das doch einerfeits nicht hinlänglich
fein könne, andererfeits Überflüffiges enthalte, untergeordnet
werde, fondern zugleich dagegen, daß die Tradition über
die Schrift geftellt werde. H. analyfiert ziemlich eingehend die
betreffenden Anfchauungen von Hülfemann, Abr. Calov, Mufäus,
Quenftedt, Kromayer, Heinrich Zobel, und veranfehaulicht an Hun-
nius' Gedanken über fundamentale und nichtfundamentale Glaubenswahrheit
, wie es zur inhaltlichen Kritik des Apoftolikums im
Luthertum hat kommen können. Der Exkurs über den Grundt-
vigfehen Streit (S. 33 ff.) weift eine intereffante neuere Parallele
zu jener älteren kirchlichen Abwehr einer Überfchätzung des
Apoftolikums nach, um dann in einem Schlußwort, geftützt auf
diele hiftorifchen Erinnerungen, vor parteileidenfchaftlichen Übertreibungen
in der Apoftolikumfrage zu warnen und für die Berechtigung
der Apoftolikumskritik fowohl wie der einer falfchen
Wertung des Apoftolikums wehrenden liturgifchen Reformen einzutreten
.

Berlin-Steglitz. Leopold Zfcharnack.

Voranzeige.
Von Profeffor Dr. Peter Thomfen's bekannter Bibliographie
der Paläftina-Literatur (vgl. in diefem Blatt 1908,
Sp. 584 f; 1912, Sp. 133f.) erfcheint demnächft im Verlage von
J. C. Hinrichs in Leipzig trotz der durch die Kriegszeit ge-
fchaffenen Schwierigkeiten der III. Band, welcher in etwa
4200 Nummern die fämtlichen einfehlägigen Arbeiten der Jahre
1910—1914 fowie zahlreiche Nachträge für die vorhergehenden

Jahrgänge verzeichnet. Wie in den früheren Bänden find auch
in diesem etwa 25 Bogen umfaffenden neuen alle Paläftina auch
nur irgendwie berührenden Vorgänge und Ereigniffe bibliographifch
feftgehalten worden. Nach möglichfter Vollftändigkeit und weite-
lter Abfteckung der Grenzen wurde fchon deshalb geftrebt, weil
mehrere bewährte Bibliographien inzwifchen eingegangen find.
Aus verfchiedenen Gründen empfahl fich auch eine räumliche
Ausdehung des berückflchtigten Gebiets, fo daß Syrien bis zu
feiner Nordgrenze mit einbezogen wurde. Den wirtfehaftlichen
und fonftigen Gegenwartsfragen ift dabei die gleiche Sorgfalt gewidmet
wie der wiffenfchaftlichen Paläftinaforfchung. In zahlreichen
Fällen find den Titeln Erläuterungen zum Inhalt beigefügt
. Die Menge diefer Einzelangaben erfchließt ein Regifter,
das fich mit feinen etwa 5700 Stichworten (Verfaffer, Orte, Sachen)
jedem Benutzer fehr brauchbar erweifen dürfte. Bis zum Er-
fcheinen des Bandes gilt ein Vorzugs-Subfkriptionspreis von 12 M.

Berichtigung.

In Nr. 13, Sp. 292 f. find durch ein bedauerliches Verfehen_ohne

Schuld des Herrn Referenten — folgende Setzfehler fteheu geblieben:

2. Abf., vorletzte Z. L Verfaffer ft. Profeffor; 3. Abf., Z. 2 L D. Plooij
ft. Perrij.

4. Abf. (Kleindruck), Z. 5 1. zeg (meisje, sta op) lt. zag meiije, . . .;
Z. 6 1. jongens ft. jongeur; Z. 9 1. aan het kruis er me ft. . . kreis en . . .•
ebd. 1. Bataillon ft. Defaillon; Z. 12 1. volgd . . . volgde ft. volga
volgae; Z. 14. 1. wat hij u te zeggen heeft ft. wat bij u te seggen heeft;
Z. 4 v. u. 1. gerust ft. gernot; Z. 3 v. u. 1. wel verzekerd ft. wel vergekerd.

Sp. 293 Z. 7 v. o. 1. Baijon ft. Beijon; Z. 17 v. o. fuge Mc. 4,40 zu
Mt. 6,25 ff zu.

Wichtige Rezenfionen.

Von Prof. Lic. Paul Pape in Berlin W. 57, Manfteinftr. 10.
Beziigl. Hinweife und Sendungen find jederzeit erwünfeht.

Gall: Der hebr. Pentateuch d. Samaritaner (v. OTAllis: PrincetonTh
Rev. 1914, 3; v. JWRothftein: DtfchLtz 1915, 3; v. WCafpari: ThLtbl
1916, 6).

Gaenßle: The hebr. particle IVUit (v. W. Cafpari: ThLtbl 1915, 22;

v. Riggenbach: ThLtber 1915, 8; v. LW: AmerJournTh 1916, 1).
Geißler: Die evang. Gemeinden i. d. Kriegsgebieten (v. Jordan: Th

Ltber 1915, 12; v. Härtung: ThLtbl 1916, 1; v. OClaufen: EvgFreih

1916, 4; 6).

Glas: Die Krchgefch. d. Gelafius v. Kaifareia (v. NBonwetfch: ThLtbl
1915, 12; v. Bees: BerlPhilWochfchr 1915, 39; v. GFicker: ZKgefch
36, 1/2, 1915; v. KBihlmeyer: ThQuartfch 1915, 4).

Grabau: Das evang.-luth. Predigerminifterium der Stadt Frankfurt a. M.
(v. DBornemann: HiftZ III, 19,2, 1915; LtZtrbl 1915, 38; v. AUcke-
ley: ZKgefch 36, 1/2, 1915).

Greiff: Das Gebet i. A. Teft. (v. WCafpari: ThLtbl 1915, 23; v. Sachffe:
ThLtber 1915, 12; v. Rießler: ThQuartfch 1915, 4; v. FFeldmann-
ThRev 1916, 7/8).

Gr eß mann: Das Weihnachtsevangelium (v. GWohlenberg: ThLtbl

1915, 2t; v. HUMeyboom: Mufeum 1915, oct; v. Stocks: ZKgefch

36, 1/2, 1915; v. SJCase: AmerJournTh 1916, 1).
Grofch: Die Echtheit d. 2. Petrusbrf. (v. WBauer: ThRdfch 1915, 9;

v. Stocks: ZKgefch 36, 1/2, 1915; v. Stier: AltGlb 17, 12, 1915).
- Die angefochtenen Grundwahrheiten d. Chriftentums (v. Stier: Th

Ltbl 1915, 22; v. Zänker: ThLtber 1915, Ii; v. Pf: AltGlb 17, n,

1915; v. Bakel: NThTijdsch 1916, I; v. WOCarver: RevExpos 1916, 1;

v. Simon: RefKz 1916, 1; v. Str: Wartbg 1916, 2).
Günter: Gerwig Blarer, Abt v. Weingarten (LtZtrbl 1915, 33; v. GBof-

fuet: DtfchLtz 1916, 2; v. WKoehler: HiftZ 19, 3, 1916).
Haafe: Litkrit. Unterff. z. oriental. apokryphen Evangelienlit. (v. Behm:

ThLtber 1914, 4; v. ASeeberg: ThLtbl 1915, 9; v. EJGoodspeed:

AmerJournTh 1916, 1).
Häberlin: Über d. Gewiffen (v. JMausbach: ThRev 1915, 13/14'

v. Jelke: ThLtbl 1915, 23; v. Thilo: ThLtber 1915, 8).
Hansjakob: Die Toleranz u. Intoloranz d. kathol. Kirche (v. Lemme:

ThLtbl 1915, 16; v. FRenz: DtfchLtz 1915, 38; v. Roennecke: Th

Ltber 1915, 10).

Harms: Das Domkapitel zu Schleswig (v. Uckeley: ThLtber 1915 9-

LtZtrbl 1915, 45; v. GBonwetfch: DtfchLtz 1916, 6).
Hefele: Der hl. Bernardin v. Siena (ThZtrbl 1915, 35; v. Vorberg:

ThLtber 1915, 11; v. Walter: ThLtbl 1916, 5).
Heinrici: Paulin. Probleme (v. PFeine: ThLtbl 1915, 14; v. EVifcher:

ThRdfch 1915, 5; v. Jordan: ThLtber 1915, 6).
Herrmann: Die Wirklichkeit Gottes (v. Hupfeld: ThLtber 1915, 6; v.

CWHodge: PrincetonThRev 1916, 1; v. Schoepp: Wartbg 1916, 2).
Hertling: Albertus Magnus (v. Hofer: ThLtber 1915, 7; v. BFunke-

ThGlb 1916, 4; ZKathTh 1916, 2).
Herzog: R. W. Emerfon (v. FKattenbufch: StudKrit 1915, 2; v. FPreu-

fchen: DtfchLtz 1915, 20; v. LJakobskötter; ThLtbl 1915,'18).
Heuffi: Kompend. d. Kirchengefch. (v. HPreuß; ThLtbl 1914, 5; v.

JMarx: ThRev 1915, 3/4; v. LZfcharnack: DtfchLtz 1916, 8).