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Ausgabe:

1916

Spalte:

265-267

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Westermann, Diedrich

Titel/Untertitel:

Die Verbreitung des Islams in Togo und Kamerun 1916

Rezensent:

Mirbt, Carl

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Professor Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich IO Mark

Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan ,
AI TafVTO- TTr* 19 ProfelTor D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden. Ii). ,111111 liilr»

Htl. Udlllg. lL. IkS Rerenfionseaemplare aukchließlich arT den Verlag. xlUlll XCrAVJ

Wellermann, Die Verbreitung des Iflams in

Togo und Kamerun (Mirbt).
Killermann, Die Blumen des heiligen Landes

(Dalman).

Erbt, Unterfuchungen zur Gefchichte der
Hebräer, 2. Heft: Jefus (M. Dibelius).

Harnack, Die Million und Ausbreitung des
Chriftentums. 3. Aufl. (v. d. Goltz).

Lewi ben Gerfon, Die Kämpfe Gottes (Bloch).

Lang, Zwingli und Calvin (Lobftein).

Petrich, Paul Gerhardt (Kawerau).

Aellen, Quellen und Stil der Lieder Paul Gerhardts
(Derf.).

Fleifcher's Briefe an Haßler, hrsg. v. C. F.
Seybold (Horten).

Wright, What Nietzsche taught (Strunz).

Foerfter-Nietzfche, Wagner und Nietzfche
zur Zeit ihrer Freundfchaft (Derf.).

Buchenau, Kants Lehre vom kategorifchen
Imperativ (Jordan).

— Grundprobleme der Kritik der reinen Vernunft
(Derf.).

Vorträge über wiffenfchaftliche und kulturelle
Probleme der Gegenwart (Titius).

Zurhellen, Helden und Heilige des Prote-
ftantismus (Niebergall).

Hackmann, Am Strande der Zeit (Derf.).

Eberle, Sonn- und Fefttagsklänge aus dem
Kirchenjahr (Derf.).

Referate: Tfchernowitz, Die Entftehung des
Schulchan-Aruch. — Moog, Antoine Ar-
naulds Stellung zu den kirchlichen Verfaffungs-
fragen im Kampf mit denjefuiten. —Pfann-
kuche, Staat u. Kirche in ihrem gegenfeitigen
Verhältnis feit der Reformation. — Bergmann
, Frnfl Platner. — Hoffmann, Die
Aufklärung. — Wolf, Angewandte Kirchen-
gefchichte. — Everling, Der preußifche
Beamteneid. — Fifcher, Die ^kirchliche
Gleichgültigkeit unferer Gebildeten. — Skov-
gaard-Peterfen, Kurze Worte von großen
Dingen.— Schüth, Theorie des mündlichen
Vortrages.

Wichtige Rezenfionen. ■— Neuefte Literatur.

Weltermann, Diedrich: Die Verbreitung des Iflams in Togo
und Kamerun. Mit Beiträgen v.Eugen Mittwoch. (90S.)
gr. 8°. Berlin, D. Reimer 1914. M. 2 —

Als auf dem deutfchen Kolonialkongreß zu Berlin
1910 das Thema verhandelt wurde, welche Aufgabe die
Ausbreitung des Iflams den Miffionen in den deutfchen
Schutzgebieten ftelle, wurde es fchmerzlich vermißt, daß
über den Umfang der Erfolge der mohammedanifchen
Propaganda in ihnen keine wiffenfchaftlichen Unterfuchungen
vorlagen. Da diefer Mangel auf miffionarifcher
Seite fchwer empfunden worden ift, hat der von der
Edinburger Weltmiffionskonferenz gefchaffene Händige
Arbeitsausfchuß es unternommen, auf dem heutzutage
beliebten Wege einer Umfrage zuverläffiges Material
herbeizufchaffen. Von Profeffor Weftermann wurde ein
Fragebogen entworfen — abgedruckt in: ,Die Welt des
Iflams', Band I 1913 S. 44—47 — der nach einigen allgemeinen
Vorfragen über die Art der Propaganda, über
die fittlichen und religiöfen Verhältniffe der Mohammedaner
, über ihre fozialen Einrichtungen, über Bildung
und Erziehung, fowie über die Orden Auskunft erbat
und an Offiziere, Beamte und Miffionare in Togo und
Kamerun verfandt wurde. Bei der Verarbeitung der eingelaufenen
Antworten hat W. zugleich die Mitteilungen
verwerten können, die Prof. Martin Hartmann auf feinen
einige Monate früher über den gleichen Gegenftand aus-
gefandten Fragebogen — abgedruckt ebendort S. 43 f. —
zugefloflen waren; auch war er in der Lage, zur Ergänzung
noch Erkundigungen bei anderen Europäern und
einem Eingeborenen Adamauas einzuziehen. Dadurch ift
es gelungen, über fämtliche Bezirke Togos und wenigftens
über die meiften Kameruns brauchbare Nachrichten zu
gewinnen und auf diefer Grundlage von dem gegenwärtigen
Stand des Iflams in diefen beiden Kolonien ein
Bild zu zeichnen, das für fich in Anfpruch nehmen darf,
dem zurzeit erreichbaren Grad von Zuverläffigkeit zu
entfprechen. Durch die im Wefentlichen unveränderte
Wiedergabe der erteilten Auskünfte kommen diefe voll
zur Geltung, während die darauf folgende ,Zufammen-
faffung' die Ergebniffe darlegt, die aus den Einzelausfagen
hervorgehen.

W. ftellt zunächft im Allgemeinen feft, daß der aus
dem Innern nach der Küfte vorwärts dringende Iflam
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alle Teile Togos und Kameruns erreicht hat, aber doch
noch einen Fremdkörper darftellt, und daß fein Einfluß
dadurch befchränkt wird, daß die Zahl feiner Anhänger
gering ift und nur wenige anfäffig find.

Für Togo ift die Feftftellung von Wichtigkeit, daß
hier noch keine rein iflamifchen Gebiete oder Ortfchaften
zu finden find, auch nicht folche, deren Bevölkerung ihrer
Mehrheit nach mohammedanifch ift. Aber große Verbreitung
hat der Iflam im Norden der Kolonie in dem
Bezirk Mangu-Jendi gefunden, wo die Orte diefes Namens
feine Hauptzentren bilden. Die in diefen Gegenden
lebenden Stämme, die Gurma, Moffi, Tfchakoffi und
befonders die Dagomba find durch ihre alten Beziehungen
zu den an das Schutzgebiet nördlich und örtlich angrenzenden
Ländern der mohammedanifchen Einwirkung
fchon längere Zeit ausgefetzt und zeigen bereits eine
Iflamifierung des Volkslebens. Der übrige Norden Togos
ift aber noch ganz heidnifch, während der Süden unter
den Einfluß des Chriftentums gerückt ift.

In Kamerun flößen wir dagegen auf ganz oder faft
ganz iflamifierte Gebiete, in den Tfchadfeeländern und
in Adamaua. Durch die Fulbe, Hauffa und Kanuri ift
der Iflam dann in die fiidlicheren Bezirke Banjo und
Ngaundere gedrungen und hat hier große Fortfehritte
zu verzeichnen. Diefe Entwicklung vollzieht fich auch
unter den Baya im mittleren Neukamerun, während fich
in anderen Diftrikten zwar iflamifche Minderheiten finden,
aber die Mafle der Bevölkerung noch heidnifch ift oder
bereits die Einwirkung des Chriftentums erkennen läßt.

Im wirtfehaftlichen Leben Kameruns nehmen die
Mohammedaner eine hervorragende Stellung ein, und
zwar nicht nur die Hauffahändler, die den Höhepunkt
ihres Einfluffes überfchritten zu haben fcheinen, fondern
auch die Bewohner der nördlichen Landfchaften, fodaß
die ftaatlichen Abgaben vorwiegend von ihnen geleiftet
werden. Auch in geiftiger Beziehung heben fie fich von
ihrer heidnifchen Umgebung ab. Daß der Iflam Buchreligion
ift, wirkt fich in der Form aus, daß bei feinen
Anhängern Intereffe für Schulwefen befteht und aus-
nahmsweife fogar eine beträchtliche Gelehrfamkeit erworben
wird. In ihrer religiöfen Literatur überwiegt das,
Arabifche die Landesfprachen, es ift auch zumeift die
Sprache des brieflichen Verkehrs. Ihren religiöfen Pflichten
kommen die Mohammedaner in weitem Umfaqg nach,

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