Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1915 Nr. 6

Spalte:

134-137

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Esser, Gerh.

Titel/Untertitel:

Religion, Christentum und Kirche. 3 Bde 1915

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

!33

i

Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 6.

134

Cook, Sir Edward: The Life of Florence Nightingale. In aus Briefen der deutfchen Kronprinzeffin und der Groß

2 Volumes. gr. 8IJ. London, Macmillan 6t Co. 1913.

s. 30 —

1. (1820—1861) (XXI, 507 S. m. 3 Bildniffen.) — 2. (1862- 1910.)
(XV, 510 S. m. 3 Bildniffen u. I Fakf.)

Es gab fchon eine Reihe englifcher und deutfcher
Publikationen über Florence Nightingale, die der Herausgeber
am Schluß des zweiten Bandes in einer forgfältigen
Bibliographie zufammenftellt, die alles enthält, was von
Florence Nightingale oder was über fie gedruckt worden
'ft. Die Evangelifche Gefellfchaft in Stuttgart veröffentlichte
1912 eine kürzere populäre Biographie für deutfche
Lefer von J. Friz, die ich zu kürzerer Orientierung empfehle
. Der Herausgeber der vorliegenden großen Biographie
hat den umfangreichen handschriftlichen Nachlaß
der Florence Nightingale benutzen können, ebenfo die
Akten des englifchen Kriegsminifteriums. Das überreiche
Material hat er wohl zu ordnen und zu flehten verftanden.
Er gibt eine fympathifche und klare Darfteilung, in der
alles den größeren Gefichtspunkten des Ganzen fich unterordnet
. Sehr viel Einzelheiten, befonders in dem Kapitel
über die Sanitätsreform in Indien, gehen ja über das hinaus
, was deutfche Lefer intereffieren kann. Aber es bleibt
doch genug, was unfere Aufmerkfamkeit auf fich zieht.
In dem erften Abfchnitt über die Jugendzeit (1820 bis

herzogin Luife von Baden. Im Jahre 1866 erkennt fie die
deutfche Arbeit lebhaft an, im Jahre 1870 gibt fie fehr
einfeitige Urteile und fcheint ganz von den Berichten der
Kronprinzeffin abhängig. Eine tiefer greifende Wirkung
hat fie nicht mehr ausüben können. War fie doch fchon
bald nach dem Krimkriege erkrankt, fo daß fie alle ihre
Arbeiten vom Krankenzimmer aus dirigierte. Bis 1910
hat fie noch gelebt, und bis in ihre letzten Lebensjahre
hinein find wichtige Anregungen von ihr und ihrem
Namen ausgegangen.

Die Bedeutung diefer Biographie liegt darin, daß fie
uns die Entftehung der Kriegskrankenpflege anfchaulich
vor Augen führt. Dabei wird verftändlich, daß der Einfluß
Kaiferwerths nicht unbedeutfam gewefen ift, daß aber
doch die englifche Entwicklung andere Wege gegangen ift.

Mag das Buch in diefer Zeit bei Seite gelegt werden;
man wird fpäter immer wieder darauf zurückkommen,
weil es auch für die Gefchichte der Diakonie, des Roten
Kreuzes und der chriftlichen Humanität von dauerndem
Werte bleibt.

Greifswald. Ed. von der Goltz.

Meiler, Prof. Dr. Aug.: Gefchichte der Philolophie vom Beginn
des 19. Jahrb.. bis zur Gegenwart. (Wiffenfchaft
1854) gewannt man ein intereffantes Charakterbild von dem u. Bildung. 109. Bd.) (VIII, 166 S.) 8°. Leipzig,

Leben eines jungen Mädchens aus vornehmer englifcher Quelle & Meyer 1913. M. 1 —; geb. M. 1.25

Familie, wie fie unbefriedigt bleibt in dem Wechfel von ■ »/r.v n r u v 4. -n. c j

,.. ,,■ j ixujiir u 1- r 112 1 -4. r> -r u ' Mit eritaunhcher Konzentration ift auf dem engen

landlicher und Itadtifcher Gefelligkeit, von Reifen nach -d______T^ 1 k „ a u- c cc a &

T. ,• , v . , u a Vv u t>a Raum von 10 Druckbogen der gewaltige Stoff der neu-

Italien und Ägypten, von der oberflächlichen Pflege ver- 1 „u:i„r__t,:cv„ c 1 1 4.- r 1, r~ ^1 t~ 77

r , . , t °/lr ' tt- j • n.- 1 j _j _ eiten philolophilchen Spekulation von Joh. Gottl. Fichte

ghiedener" Intereffen Für den immer ftarker werdenden big J{ RudVEuck&n *cht nur dar ftJellt fondern auch
Berufstneb der.der_ Krankenpflegerin .fehl-jede Gelegen- krit;fch dj Eg {U fa S > Abfchnitten,

«S fa Suf t Fkf 1"; ° ; f F'.orencr%Nlgh- S die die breiteren kulturhiftorifchen Zufammenhänge zwb
tinga e faft neid.fch hinuberbhck auf die Orgamfationen , fchen den g ft kurz f fa , ( Fichte-Kap.
der romifchen Kirche. Da hört fie von Kaiferswerth. e rrjn. 1 „ j r ... , ■ , . , , 7 7F

cu» k-;„ 4- ' l iL t u j 4. j tu j c-r j ?o: ,Das Erltarken des religioskirchhchen und des natio-

Sie bringt ein halbes Jahr dort zu, und Theodor P liedner Li_j:u*ü.u, ; rT 1 T^ 8 „_ „ , . , ,,

'S

gewinnt einen gewaltigen Einfluß auf fie. Obwohl in
technifcher und hygienifcher Beziehung die damaligen

Finrk^f.m™ i. Lr„:r»~ 4-U ru rLiu r u •s ' darftellung ift regelmaßig eine biographifcheSkizze voran-
Linrichtungen in Kaiferswerth fehr primitiv erfcheinen, i lre.rrhuu^(n a,H nnr}l %r nPPröSl,vL Fnlew HPrPh,k.

nalen Gefühls', im Hegel-Kap. §9: .Nachwirkungen Hegels'
u. a. ,auf politifchen und fozialem Gebiet'). Der Syftem-

die Perfö^ i f*hickt- fo **™<* der perfönliche Faktor der Philo-

Haufes üben einen großen Einfluß auf fie; ein Jahr "darauf gPhfmfe ,zurM 7V rS a?^ klUg ^bSe)v0§enen
freilich lernt fie auch bei katholifchen Schwertern in Paris Werturteile Meffers find fehr beherzigenswert und können
- in der Heimat aber fucht fie vergebens nach dner 5U deferem Nachdenken anregen, auch wenn fie manchen

„u r ■__tj___ ^„ nof^;„ & Gr j T ■ Lefer an einigen Stellen zum Widerfpruch reizen follten.

ebenfo geeigneten form der Betätigung. Weder das eine t-. t_- u • 7 o t r> 1 j • 4. -IT

n„ u j & j 4ii c-v, ;„ au L it u a ^ r. Dahin gehört z. B. die Bemängelung der intuitiven Me-

noch das andere wfi fielm die enghfche Art fugen. thode d*s Modephilofophen Bergfom Alles in allem ein
So findet fie ihre Lebensaufgabe erft bei Ausbruch ächti Büchlein für junge %nd alte Freunde der
des Krimkrieges, als der ihr nahbefreundete englifche ; vhA^u^hU
Minifter Sidney Herbert fie in das Kriegslazarett zu | nuoloPme-

Skutari fchickt. Hier hat fie nicht nur mit den Folgen 1 Königsberg i. Pr. Kowalewski.

des Krieges, fondern auch mit den Vorurteilen medizi- j -

nifcher und militärifcher Inftanzen zu kämpfen. Als Heldin j Effer, Gerb.., u. Jof. Mausbach: Religion, Chriitentum und
kehrt fie in ihr Vaterland zurück. Die Darfteilung diefer Kirche> Apologetik f. wiffenfchaftlich Gebildete. 3 Bde.

&V?"-Hen ufbfT° ir ^V^uA n r 80. Kempten, J. Köfel. M. 14 — ; geb. M. 17 -

Kapitel ift wohl der intereffantefte Abfchnitt des Buches. s f » j t . & /

Wir fehen, wie hier fchon vor der Entftehung des Roten '■ (XX, 803 S.) 1911. M. 6—; geb. M. 7—. - 2. (VII, 500

Kreuzes die erften Grundlagen für die gefamte Kriegs- S.) 1913. M. 4 — ; g«b. M. 5—. — 3. (VI, 392 u. 42 S. Sachkrankenpflege
gelegt wurden. Das ift ja auch die Leiftung, regifter) 1912. M. 4 — ; geb. M. 5—.

die: Florence Nightingale's Namen für alle Zeiten unfterb- j Diefe drei umfangreichen Bände find gedacht als eine
^?macht hat. ! .Apologetik für wiffenfchaftlich Gebildete'. Sie bringen

. Weniger bekannt, aber nicht unwichtiger ift das, was , eine Anzahl felbftändiger Auffätze (diejenigen des 2. und

ie in Friedenszeiten in der englifchen Heimat leiftete: 3. Bandes haben auch neben der durchgehenden Seiten-
dle Keform des gefamten Militärlazarettwefens, überhaupt ; Zählung eine befondere für jeden Auffatz; die einzelnen

er Gefundheitspflege im englifchen Heer (1856—1858). find alfo auch darauf eingerichtet, für fich im Buchhandel

ann hat fie fich den allgemeinen Aufgaben der Kran- j vertrieben zu werden). Nicht nur die beiden auf dem
^enhausreform zugewandt, und das Nightingale-nurses- j Titel genannten Theologen haben fie verfaßt, fondern

raining College ift eine Mufteranftalt zur Ausbildung von auch einige weitere; fie alle find Männer von wiffenfchaft-
^rankenpflegerinnen geworden. Später hat viele Jahre [ lichem Anfehen. Es ift leicht zu erkennen, daß die
o-et 'i ^r ,eh der Reform des indifchen Medizinalwefens Themata einen Fortfehritt vom Allgemeinen zum Befon-
ge?°hen. Für die Genfer Konvention inftruierte fie die ' deren darfteilen. Schon der Gefamttitel verrät das, vol-
187 <> Dele?ierten' in den Kriegen von 1864, 1866 und lends die Einzeltitel Ich nenne diefe:

fch^i f'e m Vefhindung mit den Arbeiten des deut- ßd. I, 1. ,Die Religion und das moderne Seelenleben', von Joh.

jen Koten Kreuzes; das Buch bringt auch einen Auszug Mausbach (Münder), s. 1—134; 2. ,Gott und Welt', von Gerhard Effer