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Ausgabe:

1915

Spalte:

131-132

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kaajan, Hendrik

Titel/Untertitel:

De Pro-Acta der Dordtsche Synode in 1618 1915

Rezensent:

Köhler, Walther

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 6.

132

Werke gibt, fondern auf Publikationen de9 18. Jahrhdts.
zurückgegriffen werden muß. Aber die Frage erhebt
fich, ob es überhaupt möglich ift, auf Grund diefer Quellen
allein Fabri gerecht zu werden. Es handelt fich doch
vor allem darum: inwieweit war er ein Kind feiner Zeit?
inwieweit ragte er überdiefelbe hinaus? Häußler behandelt
diefe Fragen im Schlußkapitel. Aber die kurzen Ausführungen
dürften hier nicht genügend fein. Eine eingehende
Schilderung des damaligen geiftigen Lebens in
Ulm und in Schwaben überhaupt hätte die befte Folie
abgegeben, um feine Perfönlichkeit im rechten Lichte
erfcheinen zu laffen. Es hätte alfo das 12. Kapitel eigentlich
ein 2. Teil fein follen. An den Refultaten dürfte
aber nichts geändert fein; dem maßvollen und wohlbegründeten
Urteile des Verfaffers kann man nur zuftimmen.

Alfeld bei Hersbruck. Schornbaum.

Miller, Dr. Alfred: Die Jefuiten. Ordensleben und Schick-
fale. (Voigtländers Quellenbücher Bd. 77.) (149 S.) 8°.
Leipzig, R. Voigtländer (1914). Kart. M. 1.20

Der unbekannte Verfaffer (Kürfchner und Degener
kennen ihn nicht) muß dem Jefuitenoden fehr nahe ftehen
und fein befonderes Vertrauen genießen, denn er benutzt
Quellen, die vom Jefuitenorden ,als Manufkript gedruckt'
und im ,Selbftverlag' des Ordens erfchienen find (S. 69.
80. 145). Diefe Stellung macht fich auch im Literaturverzeichnis
' (S. 4) geltend: von 21 als benutzt angegebenen
Werken find 16 jefuitenfreundlich, darunter 8 von Jefuiten

verfaßte; während Forfcher wie Döllinger, Druffel, Reufch, i tinger — ante annos 100 clementissimus deus, miseratio
Friedrich, Buchmann gänzlich fehlen. j num pater, patriae nostrae dilectae Tiguro per Zwinglium

Fehler-Reihe: 1. Der Verfaffer nennt fich nachdrucksvoll einen I restituere COepit lucem evangelii salubeirimam. Mit Rück-

.Hiftoriker' (S. 5); aber er läßt gerade dort, wo er es tut, die Eigen- ; flcht auf die Auswärtigen wurden die Verhandlungen in

fchaften eines, ,Hiftorikers' empfindlich vermiffen; indem er, gegen mich lateinjfcher Sprache geführt; wie bei den Reichstagen

der arminianifchen Streitigkeiten und Fixierung der reformierten
Orthodoxie. Aber fchon Chr. Sepp hatte darüber
geklagt, daß mit dem Problem des Remonftrantentums
die Bedeutung der Synode keineswegs erfchöpft fei und
man zu Unrecht die fonftigen Leiftungen der großen,
internationalen Verfammlung unbeachtet gelaffen habe.
In der Tat liegt hier eine Einfeitigkeit der Betrachtungs-
weife vor, und man ift über die Reichhaltigkeit der Lorverhandlungen
' überrafcht, wie fie in vorliegendem Buche
Kaajan, ein Schüler von H. H. Kuyper, eingehend und
forgfältig vorführt. Verf. hat die zur Verfügung flehenden
gedruckten und ungedruckten Quellen, vorab die
Relationen der auswärtigen Deputierten (Schweizer, Engländer
, Pfälzer, Heffen), genaueftens benutzt und dem
Lefer die Nachprüfung durch Abdruck der wichtigften
Stücke, teils unter dem Texte, teils hinten im Anhang,
fehr erleichtert. Nach einem einleitenden, orientierenden
Abfchnitt über die Zufammenfetzung und den Verwaltungsorganismus
der Synode werden die vorhandenen fünf
Verhandlungsgegenftände vorgeführt, i. Die Bibelüber-
fetzung 2. die katechetifche Ünterweifung 3. die Taufe
von Heidenkindern, die unter Chriften aufgenommen
werden 4. die Vorbereitung der Kandidaten 5. die Bücher-
zenfur. Mancherlei für die Gegenwart noch Beherzigenswertes
oder kulturgefchichtlich Intereffantes wäre zu notieren
. Aufgefallen (S. 11) ift den Deputierten die Toleranz
der Dordrechter Katholiken, die aufs freundlichfte Reformierte
herbergten, feftlich hat man am 1. Januar 1619
den Tag gefeiert, quo — fo berichtet der Zürcher Brei-

(,14 Jahre Jefuit' II 149fr.) Stellung nehmend, meine ausführliche Begründung
der Annahme, daß neben den öffentlich bekannten Satzungen
des Ordens auch noch geheime exiftieren, völlig übergeht und .Beweife'
gegen das Vorhandenfein geheimer Satzungen anführt, die mit ,hifto-
rifcher' Forfchung nichts zu tun haben. Auch von der Streitfrage über
die Monita secreta weiß der ,Hiftoriker' nichts. 2. Der Titel der Schrift:
,Die Jefuiten, Ordensleben und Schickfale', ift ganz und gar irreführend
. ,Ordensleben' und ,Schickfale' deuten notwendig auf gefchicht-
liche Darfteilung. Davon ift, mit Ausnahme der Bekehrung des Ignatius,
nichts vorhanden. Die Schrift ift lediglich Überfetzung von Bruch-
ftücken der Ordensfatzungen, der AufhebuDgs- und Wiederherftellungs-
bullen (Klemens 14. und Pius 7.) und enthält außerdem ftatiftifche Angaben
. 3. Die Überfetzung, mit Ausnahme eines verfchwindend geringen
Teiles, ift nicht eigene Arbeit des Verfaffers, fondern Abdruck
aus: Büß, die Gefellfchaft Jefu, Mainz 1853. Büß gehört aber zu
den kritiklofeften Lobrednern des Jefuitenordens (er ift der vergröberte
Cretineau-Joly) und ift ein fo fanatifcher Gegner des Proteftantismus, daß
er als Freiburger Univerfitätsprofeffor den Ausfpruch tat: ,Mit einem
Netz von katholifchen Vereinen werden wir den proteftantifchen Herd
in Preußen von Offen und Werten umklammern, durch möglich!!
viele Klöfter diefen Klammern Halt geben , fo den Proteftantismus
erdrücken, die katholifchen Provinzen, die der Kirche zum Hohn der
Mark Brandenburg zugeteilt worden find, befreien und die Hohenzollern
unfchädlich machen' (Ev. K.-Ztg. f. Öfterreich 1. Dezember 1902 und:
Stenogr. Bericht des preuß. Abgeordnetenhaufes vom 7. Mai 1875). 4.
Die offiziellen und, was Autorität angeht, mit dem ,Text' gleichwertigen
Deklarationen' zum Text der Ordensfatzungen druckt der Verfaffer fo
ab, daß Niemand, außer ein fehr Bewanderter, erkennen kann, ob es .Deklarationen
' oder Anmerkungen des Verfaffers find. 5. Der S. 8 angegebene
Unterfchied zwifchen ,einfachen' und .endgültigen' Gelübden ift
falfch. Falfch ift auch, daß die, Profeffen' fich von den übrigen Gliedern

hatten die Vertreter ihre gravamina eingereicht. Lebhaft
wird man bei den Verhandlungen über die Bibelüber-
fetzung an die Tätigkeit unferer derzeitigen Züricher
Bibelüberfetzungskommiffion erinnert — hoffentlich können
die Züricher in nicht allzu ferner Zeit auch von fich fagen,
was einer der Reviforen von der ,Staten-Bijbel' bekannte:
Exegimus monumentum aere perennius, pyramidumque
situ altius. Ein lebhafter Streit entbrannte damals über
Aufnahme oder Nicht-Aufnahme der Apokryphen, und
ganz im Gegenfatz zum heutigen Verfahren der britifchen
Bibelüberfetzung haben namentlich die Engländer für Beibehaltung
plaidiert und drangen im Bunde mit Heffen
und Schweizern damit durch, allerdings unter allerlei
Kautelen, wie z. B. kleiner Typendruck. Nicht minder
lebhaft war die Debatte, ob Gott mit ,Du' oder ,Sie' angeredet
werden müffe; die Engländer traten für ,Du' ein,
drangen aber damit nicht durch, da im Holländifchen
,Du' verächtlich und herablaffend klingt. Die Verhandlungen
über den Katechismus geben dem Verf. Gelegenheit
, Nachrichten über die damalige katechetifche Ünterweifung
in den verfchiedenen Ländern zu bieten; es ift
bezeichnend, daß der englifche Bifchof mitteilte, in feinem
Lande helfe eine Geldbuße am beften gegen mangelhaften
religiöfen Sinn (S. 166). Zur Gefchichte der Konfirmation
wird der Vorfchlag der Weifchen S. 198 intereffieren, die

des Ordens Dur durch ein viertes Gelübde, Gehorfam gegen den Papft, ; Kinder der Chriften am Schluß der Kinderjahre durch

unterfcheiden. Die übrigen fünf Sondergelübde: der Profeffen' find eben- j dj titelten dem Bifchof vorftellen und durch ihn prüfen

foviele weitere Unterfchiede. 6. Die amtliche Bezeichnung der deutfchen J t ,1 -itr at-/y- r ,• ,, , ,, -

Ordens.provinz'und der deutfchen Ordens.affifteuz' ift (in der Überfetzung ZU laffen- Fur dle MllllOnsgelchlChte wertvoll find die

nie (wie der Verfaffer öfter fchreibt) .Germanien', fondem ftets ,Deutfch° ' Verhandlungen über die Taufe der Heidenkinder, veran-

land'. i laßt durch die Kolonifation der oftindifchen Kompagnie;

(Voigtländers Quellenbücher' find durch die Schrift I die Synode befchloß, Heidenkinder erft nach empfangenem

des Verfaffers nur "der Zahl nach ,bereichert' worden. Unterricht zu taufen. Daß die Bücherzenfur eine ftrenge

n—h- Traf t-t,^„ u l * fein follte, erwartet man nicht anders, ebenfowenig aber

Berl!n-_________Graf Hoensbroech. , aucfa die 'ftrenge Einhaltung der Verbote; gerade £ Ho!.

Kaajan, Hendrik: De Pro-Acta der Dordtfche Synode in 1618. land find viele ,Ketzerbücher' gedruckt worden.

Academifch Proeffchrift. (Amfterdam.) (V, 392 S.) Zürich. Walther Köhler.

gr. 8°. Rotterdam, T. de Vries Dz. 1914.

Die Dordrechter Synode ift bekannt als der Abfchluß