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Ausgabe:

1915 Nr. 6

Spalte:

129

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hänlein, Theodor

Titel/Untertitel:

Die Bekehrung der Germanen zum Christentum. 1. Teil 1915

Rezensent:

Grützmacher, Georg

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129 Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 6. 130

Buches zu beanftanden. Wie der altteftamentliche und j Stadt und Land Magdeburg XI, 290 ff.) hatte fich vorder
neuteftamentliche Forfcher allmählich mühfam erkannt ! nehmlich mit der Befitzentwicklung befchäftigt, Georg Sello

haben, daß es bei feiner Aufgabe nicht auf eine Darfteilung
der Lehren und Lehrbegriffe in erfter Linie ankomme,
fondern auf Religion und Frömmigkeit, fo wird man in
derfelben Weife auch die Offenbarungsfchriften des Hermes
behandeln muffen. Das alles hat Reitzenftein bereits
beffer gefehen als K., der auszog ihn zu bekämpfen. Es
soll aber noch einmal hervorgehoben werden, wie unendlich
wertvoll infolge feiner Gründlichkeit und des aufgewandten
Fleißes das Werk für unfere Erkenntnis im
einzelnen ift. Jeder Forfcher, der auf diefem Gebiet weiter
arbeiten will, wird es als unentbehrliches Hilfsmittel mit
Freuden begrüßen.

Göttingen. Bouffet.

Hänlein, Prof. Theodor: Die Bekehrung der Germanen zum

Chriftentum. 1. Teil. Die Bekehrung der Franken und
Angelfachfen. (Voigtländers Quellenbücher, Bd. 78.)
(102 S.) 8Ü. Leipzig, R. Voigtländer (1914).

Kart. M. 1 —

In der Einleitung handelt Hänlein kurz über die reli-
giöfen Zuftände der Germanen vor ihrer Bekehrung zum
Chriftentum und betont mit Recht, daß das, was wir überhaupt
von der Art und dem Wefen germanifchen Glaubens j wirtfchaftung des ausgedehnten Grundbefitzes, den Ein-

(ebd. XXI, 415 ff) die Quellen zur Gefchichte des Klofters
beleuchtet, Wilhelm Jung (Die Klofterkirche zu Zinna im
Mittelalter 1904) die Baugefchichte der Klofterkirche gefördert
. So war für eine alle Lebenserfcheinungen des
Klofters berückfichtigende Gefchichte Zinnas noch Raum.
Den Höhepunkt bildet fein Anteil an der Kolonifation
Oftelbiens. In der Einleitung handelt Hoppe über Quellen
zur Gefchichte des Klofters, befonders über das Urkundeninventar
, das 1539 Erzbifchof Albrecht aus Magdeburg
durch eine Kommiffion aufftellen ließ, über die erhaltenen
5 Landbücher, die auf die 1471 und 1480 angefertigten zurückgehen
, und über Refte in Zinna ausgeübter hiftoriogra-
phifcher Tätigkeit. Im I. Kapitel ftellt er fodann die äußere
Gefchichte des Klofters dar von feiner Gründung durch
Erzbifchof Wichmann von Magdeburg i. J. 1170 und feiner
Neugründung durch Erzbifchof Albrecht i. J. 1221, befonders
eingehend die Befitzentwicklung und die Mittelfteilung
Zinnas zwifchen Erzftift Magdeburg und Mark
Brandenburg. Im 2. Kapitel verbreitet er fich unter der
Überfchrift: .Zinna als geiftliches Inftitut' über die Klofter-
infaffen, ihre wiffenfchaftlichen und künftlerifchen Beftre-
bungen und über das Verhältnis Zinnas zum Ciftercienfer-
orden und andererfeits zur Kurie und zum Diözefanbifchof.
Nachdem er fich dann noch im 3. Kapitel mit der Be-

wiffen, uns nicht berechtigt, eine vorherbeftimmte Har- j künften und dem Beamtenapparat des Klofters befchäftigt
monie zwifchen Germanentum und Chriftentum anzu- ; hat, fchildert er im letzten Kapitel Verfall und Ende
nehmen. Dann gibt Hänlein eine Überficht über die ; Zinnas. Nicht eigentlich direkt das Eindringen der ReAusbreitung
des Chriftentums unter den germanifchen formation, fondern innerer Verfall, fchlechte Finanzen,
Stämmen und eine allgemeine Charakteriftik der Quellen | Mißwirtfchaft und Disziplinlofigkeit, namentlich unter dem
der Bekehrungsgefchichte. Da diefe von chriftlichen liederlichen Abt Matthäus Kagel, hat die Auflöfung her-
Klerikern gefchrieben find, geben fie uns faft nur über beigeführt; fein Nachfolger Valerian zog 1553 ab. Für
die Tatfache, nicht die inneren Wurzeln der Bekehrung den in den dreißiger Jahren in Zinna herrfchenden refor-
Auffchluß. Im erften Teil bringt Hänlein die wichtigften ; mationsfreundlichen Geift (S. 183) fpricht auch, daß Fürft
Quellen für die Bekehrungsgefchichte der Franken, die j Georg von Anhalt dort den Winter 1531/32 verbrachte
Briefe der Bifchöfe Remigius von Rheims, Nicetius von (vgl. deffen Brief an feinen Präzeptor Helt nach II. Okt.

Trier, Avitus von Vienne, die den Übertritt Chlodovechs
behandeln, nebft der z. T. legendarifchen Darftellung des-
felben Ereigniffes in der Frankengefchichte Gregors von
Tours. Den zweiten Teil füllt die Bekehrungsgefchichte der
Angelfachfen. Die erfte römifche Miffion in Kent wird
auf Grund der Briefe Gregors des Großen und von Ab

1531 in meinem Briefwechfel Georg Helts, Leipzig 1907,
S. 25). Zwei Karten illuftrieren die Entwicklung des Be-
fitzes Zinnas im Lande Jüterbog und im Barnim. Ein
Anhang bringt wertvolles ungedrucktes Quellenmaterial,
befonders aus dem Geh. Staatsarchiv in Berlin und dem
Staatsarchiv in Magdeburg.

fchnitten aus Bedas Gefchichte der Angelfachfen darge- 7 • 1 ; e r> r

boten. Für die Bekehrung von Northumberland und der Zwickau 1. b. u. deinen,

übrigen angelfächfifchen Reiche ift lediglich Beda Quelle.
Die Quellenabfchnitte find gefchickt ausgewählt, in trefflicher
Überfetzung vorgelegt und mit kritifchen Bemerkungen
über ihren Wert verfehen, fo daß fich der Lefer
ein Bild von Beftand und Wert der Quellen machen kann.
Ja es fcheint mir faft, als ob es auf diefe Art dem Lefer
zu bequem gemacht wird, da er jedes eigenen Nachdenkens
und Forfchens überhoben wird. Bei einem Neudruck
möchte ich den Wunfeh ausfprechen, daß der Text
der Quellen von den Bemerkungen des Herausgebers im
Druck deutlicher unterfchieden wird, da fich beides jetzt
'"einander fchiebt, und ein der Quellen unkundiger Lefer
bisweilen unficher fein wird, ob er einen Quellenabfchnitt
oder eine Notiz des Herausgebers vor fich hat.

Münfter i. W. G. Grützmacher.

HoPPe, Willy: Klofter Zinna. Ein Beitrag zur Gefchichte

des oftdeutfehen Koloniallandes u. des Ciftercienfer- I Er behandelt Fabri als .Beobachter der Umgebung:

ordens. (Veröffentlichungen des Vereins f. Gefchichte

Hau Bier, Dr. Max: Felix Fabri aus Ulm u. feine Stellung zum
geiftigen Leben feiner Zeit. (Beiträge zur Kulturge-
fchichte des Mittelalters u. der Renaiffance. 15. Bd.)
(VII, 119S.) gr.8°. Leipzig, B.G.Teubner 1914. M. 4 —

Felix Fabri ift kein Unbekannter. Seit Seb. Frank
ift er bis in die neuefte Zeit vielfach benutzt worden;
befonders wenn es fich handelte um die Pilgerfahrten ins
heilige Land. Man fchätzte ihn als .offenen Kopf, guten
Beobachter, Sammler vieler merkwürdiger Dinge, als den
hervorragendften und belehrendften unter den pilgernden
Schriftftellern des 15. Jahrhunderts'. Es lag daher nahe,
ihm einmal eine eingehende Unterfuchung zu widmen.
Häußler hat fich diefer Aufgaben unterzogen und ver-
fucht feine Perfönlichkeit in helles Licht zu rücken, indem
er auf Grund feiner Schriften feiner Stellung zum geiftigen
Leben feiner Zeit eine eingehende Darftellung widmet.

nämlich feinen Sinn für öffentliches Leben, Handel ufw;

der Mark Brandenburg.) (XIV, 275 S. m. 2 färb. Karten.) I £ufS .;ntf e« fe .nen Naturrnn'. AiL^f^l^
„r o0 »«■.. , ' f v?-. ' tut „ Perfönlichkeit; den Patnotismus Fabri, feine gefchicht-

gr. 8 . München, Duncker & Humblot 1914. M. 7— Richen Anfchauungen, feine Stellung zur Antike, als
Die bisher erfchienenen Arbeiten über Zinna griffen ! Gelehrter, feine Quellen, feinen Sinn für Kritik, feine
Linzelheiten aus der Gefchichte des Klofters heraus. Franz j Technik in der Schriftftellerei, feine Religofität.' Eine
Winter (Die Ciftercienfer des nordöftlichen Deutfchlands, | mühevolle Arbeit; es fei nur daran erinnert, daß es bis
befonders II, 171 ff, und in den Gefchichtsblättern für (jetzt noch keine handlichen Ausgaben feiner fämtlichen