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Ausgabe:

1915

Spalte:

121

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ebeling, Erich

Titel/Untertitel:

Aus dem Leben der jüdischen Exulanten in Babylonien 1915

Rezensent:

Ungnad, Arthur

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

p Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find a u s f c h 1 i e ß 1 i c h an rr 1 n '• 1 m e-

^U. JallrS. IMr. 6 Profeflbr D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. CJ. IVlarZ lyiö

" Rezenfionscxemplarc ausfchließlich an den Verlag.

Eßeling, Aus dem Leben der jüdifchen Exu- I Häußler, Felix Fabri aus Ulm (Schornbaum). | Referate: Rapaport, Das religiöfe Recht

lanten in Babylonien (Ungnad). Miller Die Tefuiten (Hoensbroech). Ullcl deffen Charakterifierung als Rechtstheo-

,r • ' rs r. . , , . c . logie. —- Glawe, Buddhiftifche Strömungen

KaaJ(VQ« Dordtsche Synode j ^ Q „t< J_ Naville, Archaeology of

in ibib (Komerj. h qjj Teftament. _ Marfilius von

Cook, lhe Life ol rlorence Nightingale „ , , „ . „, , .k-sr

6 b Padua, Defensor Pacis. — Warneck, Abriß

(v. d. Goltz).
M effer,Gefchichte d. Philofophie (Kowalewski).

Effer u. Mausbach, Religion, Chriftentum

u. Kirche (Kattenbufch).
Royce, The Problem of Chriftianity (Beckwith)
Wuftmann, Joh. Seb. Bachs Kantatentexte
(Smend).

Gunkel, Reden und Auffiitze (Xowack)
Gnthe, Gefchichte des Volkes Israel. 3. Aull.
(Meinhold).

Jones, The New Testament in the twentieth

Century (W. Bauer).
Kroll, Die Lehren , des Hermes Trisniegistos

(Bouffet).

Hänlein, Die Bekehrung der Germanen zum

Chriftentum (Grützmacher).
Hoppe, Klofter Zinna (Clemen).

einer Gefchichte der proteftantifchen Miffionen
von der Reformation bis auf die Gegenwart. —
Friedrich, Paul de Lagarde und die deutfche
Renaiffance. — Dunk mann, Das Erlebnis
Gottes. — Benedix, Redekunft.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Ebeling, Oberlehr. Dr. Erich: Aus dem Leben der jüdi- Gunkel, D. Hermann: Reden und Auffätze. (VIII, 192 S.)
fchen Exulanten in Babylonien. Babylonifche Quellen, ; gr. 8°. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht 1913.
überfetzt. (Programm.) (32 S.) 40. Berlin, Weid- j M. 4.80; geb. M. 5.60

mann 1914. M. 1 — D[e hjer vereinigten Reden und Auffätze waren fchon

Im Jahre 1893 wurden bei den Ausgrabungen der j früher in verfchiedenen Zeitfchriften erfchienen, die aber
Pennsylvania-University im alten Nippur zahlreiche Ge- I doch nur einem befchränkteren Leferkreis zugänglich waren,
fchäftsurkunden gefunden, die das Archiv des Bankhaufes 1 So erklärt es fich, daß fie namentlich in Fachkreifen nicht
Muraäü und Söhne unter den Perferkönigen Artaxerxes I. i die Beachtung gefunden haben, die fie verdienten. Es ift
und Darius II. (464—405 v. Chr.) darfteilten. Was diefe daner mlt Freude zu begrüßen, daß fich G. entfchloffen
Urkunden dem Forfcher des AT befonders beachtenswert i hat. diefe Arbeiten einem größeren Kreife zugänglich zu
machte, war die Tatfache, daß unter den in den Urkunden machen.

genannten Perfonen fich eine ganze Anzahl folcher be- | Von den elf Auffätzen befchäftigen fich eigentlich
fanden, deren Namen jüdifchen Urfprung verrieten: vor 1 nur drei nicht mit altteftamentlichen Problemen; der erfte
allem waren es Namen, die mit Jäwa, Jähü zufammen- 1 zeichnet uns ein Bild des der Wiffenfchaft leider zu früh
gefetzt find, wie Gadal-Jäwa, Jähü-natan u. a. entriffenen Stade, des Vorgängers Gunkels. Er hatte zwar

Allerdings muß hier bemerkt werden, daß fämtliche das Zie^ feines Lebens erreicht, eine Gefamtanfchauung
Urkunden aus einer Zeit flammen, die fpäter liegt als die von der Gefchichte der Religion Ifraels auf Grund der
Rückkehr der Exulanten mit Esra unter Artaxerxes I. j kritifch verarbeiteten Quellen zu gewinnen und eindrucks-
1458), und auch fonft bieten diefe Urkunden nichts was vo11 darzuftellen, aber da zu der Zeit, als Stade diefe
irgendwie für die in Babylonien wohnhaften Juden ch'arak- ! Entwicklung zeichnete, die Welt des Israel gleichzeitigen
teriftifch fein könnte, wenn man von ihren Namen ab- Orient noch wenig bekannt war, gelang es ihm nicht, den
fieht. Die Rechtsentwicklung, die uns hier entgegentritt Einfluß der großen Kulturvölker jener Zeit richtig für
'ft von Anfang bis zu Ende babylonifchen Urfprungs ' die("e Entwicklung einzufchätzen. Darin teilt St. das Gemfi
gewiffen perfifchen Einfchlägen. j fchick aller Forfcher, daß ihre Arbeit nicht das endgültige,
Trotzdem wird es manchen Altteftamentler inter- j fondern nur ein vorläufiges Ziel auf dem Wege zur Wiffenfchaft
erreicht hat, und St. felbft, dem es nur um die
Wahrheit zu tun war, wäre der letzte gewefen, fich gegen
diefe Erkenntnis zu fträuben. In den beiden letzten Auf-

effieren, aus einer zuverläffigen Uberfetzung über das
Leben jener Juden etwas Näheres zu erfahren, auch wenn
diefes fich in keiner Weife von dem Leben der Babylo-
n.ier, unter denen fie lebten, unterfchied. So ift Eberings mtzen befchaftigt fich G. mit Jenfens Gilgamefch-Epos
Uberfetzung von über 50 Urkunden, in denen jüdifche ! und den Oden Salomos. In jenem zeigt G., daß Jenfen's
"— oder doch möglicherweife jüdifche — Namen be- Behauptung: der größte Teil der altteftamentlichen Er-
2"egnen, gewiß zu begrüßen, zumal bisher nur wenige ! Zählungen, dazu die Gefchichte Jefu feien nichts als Ab-
diefer Texte einem größeren Publikum zugänglich ge- : fenker des altbabylonifchen Gilgamefch-Epos, auf vermacht
waren fehlter Methode der Beweisführung beruht. Während er
Auch der Rechtsforfcher wird noch mancherlei Neues nachzuweifen hätte, daß die miteinander in Zufammenhang
zu dem bisher bekannten Bilde des Rechts- und Wirt- gebrachten Sagen in den Grundzügen mit den altteftament-
fchaftslebens jener Zeit hinzufügen können; man vgl. z. B. j Imhen Fühlungen übereinftimmen, hat fich Jenfen um
d>e btereffante Urkunde BE IX 55 (Abmachung über d»e zum Organismus der Sagen gehörigen Beftandteile
Biftandfetzung von Kanalanlagen), die der Verfaffer fehr gar nicht gekümmert, fondern zumeift ganz beliebige, für
gefchickt o-edeutet hat das Ganze oft §"anz unerhebliche Zuge herausgegriffen.
.. Ein .Verzeichnis' der vorkommenden Juden' fchließt ! Ein weiterer Fehler ift der, daß Jenfen das &
d'e dankenswerte Arbeit ab. EP°S als Ganz,,s mi ganzen b!bllfclen E'zahjongsreihen
t zufammengeftellt, während es doch darauf ankommt, die
•|ena- A. Ungnad. Sagen aus dem Sagenkranz, in dem fie jetzt flehen, zu

löfen und die einzelnen Sagen für fich zu vergleichen.

Dasfelbe gilt auch vom Gilgamefch-Epos; auch hier liegen
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