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Ausgabe:

1915 Nr. 5

Spalte:

100-101

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Walde, Bernhard

Titel/Untertitel:

Die Esdrasbücher der Septuaginta. Ihr gegenseitiges Verhältnis untersucht 1915

Rezensent:

Beer, Georg

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 5.

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bare Erinnerungskraft, und Buddha läßt dann, um diefe
noch viel gründlicher zu erweifen, den Jünger Änanda
berichten, was er, Ananda, aus feinem, Buddhas, Munde
über feine, Buddhas, eigene Empfängnis, embryonale
Periode und Geburt vernommen habe!

Wir wollen zugunften D.s annehmen, daß feine Worte
zuweilen bildlicher gemeint find, als fie klingen. Was
nützt uns aber eine Darfteilung, die fo mißdeutbar ift?
Dient fie wirklich dem Zwecke, den Buddhagedanken
verftändlicher zu machen, und nicht vielmehr, unbewußt,
nur der Abficht des Verfaffers, feine eigene Weltanfchauung
zu verbreiten? Dem Ref. erfcheint der Buddhismus, mit
D.s Augen angefehen, wenig klarer als zuvor.

Zu den aus der Grundauffaffung fich ergebenden
Schwächen kommen natürlich gelegentliche Einzelverftöße
philologifchcr und hiftorifcher Art, die wir aber dem
Arzte D., der nebenbei das Gebiet feiner Privatneigung
anbaut, nicht ernftlich übel nehmen wollen. Wer die
Dokumente der Wiffenfchaft, über die er nebenher
fchreibt, nur in Überfetzungen lefen kann oder mindeftens
nicht in genügendem Maße die Originale zu benutzen
imftande ift und dann auch noch an den fchlechteften
Uberfetzer gerät, den er hätte ausfindig machen können,
von dem ift es fchon viel, daß er nicht noch mehr in
die Irre gegangen ift. Ich hebe nur einige der philo-
logifchen und hiftorifchen Mißgriffe hervor.

Die zum Glück nicht fehr wichtigen Worte ditthigatam ufw.
von Majjhimanikäya 2 (I, 8 Z. 27 t.) z. B. find fall alle falfch überfetzt
(I S. 78). samucchati (Dighanikäya XV, 21) bedeutet nicht ,fich differenzieren
' (von der Individualität im Mutterleibe getagt, I S. 7°)i f°n"
dem ,Geftalt gewinnen' oder ähul. ähäratthitikä nicht ,ihrer Natur
nach Ernährung' (I S. 133), fondern ,durch Nahrung beftehend'. Siddhattha
war nicht der Familien- (I S. 33!, fondern der angebliche Eigenname
des Gotama Buddha. Es ift aber am beften, überhaupt auf ihn zu verzichten
, da er in den älteftcn Quellen nicht belegt ift. Die Anficht, daß
der Reliquieuhügel bei Piprävä Buddhas Grab fei (I, 34), hat nicht die
geringfte Wahrfcheiulichkeit, obwohl D. fich für fie auf einige Fachgelehrte
berufen kann. Senarts und Barths Deutung der darin gefundenen
Infchrift ift allein richtig. Vom .Grabe' Buddhas könnte man, genau
befehen, überhaupt nicht reden, auch wenn die darin gefundenen Knochen
wirklich als die Gotamas bezeichnet wären, was fie nicht find, fondern
günftigften Falles vom Beftattungsplatze des 8. Teiles der Refte von
feinem Leichenbrande, f. Dighanikäya XVI, 6, 25. Zwar gebräuchlich,
aber ebenfalls willkürlich ift die Datierung Buddhas um 500 v. Chr.
(I S. 34). In Wirklichkeit kennen wir die Zeit Gotamas nicht.

Indeffen, wer, mit kritifchen Sicherungen ausgerüftet,
einfach eine fehr anregende ernft-geiftreiche Lektüre
wünfcht, dem darf namentlich die erfte von D.s hier be-
fprochenen beiden Schriften empfohlen werden.

Königsberg i. Pr. R. Otto Franke.

Dussaud, Rene: Les Monuments palestiniens et judatques

(Moab, Judee, Philistie, Samarie, Galilee). (Musee du
Louvre. Departement des Antiquites orientales.) (VII,
131 S. m. 82 Abbildgn. u. i Tafel.) Lex-8». Paris,
E. Leroux 1912.

Die vorliegende Arbeit ift dazu beftimmt, das feit
1876 wiederholt gedruckte Buch von H. de Villefosse
,Notice des monuments provenant de la Palestine et
conserves au musee du Louvre' zu erfetzen. Das ift
zweifellos ein fehr dankenswertes Unternehmen, und der
Verfaffer hat die Brauchbarkeit feiner Schrift in gefchickter
Weife dadurch zu erhöhen gewußt, daß er von den 226
Gegenftänden der Sammlung die fchönften und wichtigften,
82 an Zahl, in photographifchen Abbildungen dem Texte
beigegeben hat. Bisweilen durch paffende Einleitungen
(S. 4off, IGT ff. I20f.), in der Regel nur durch längere
oder kürzere Bemerkungen verfucht D., den Lefer mit dem
Alter und der Wichtigkeit der einzelnen Nummern bekannt
zu machen.

Zu den beiden Denkmälern, die den Reigen eröffnen,
follen hier einige Bemerkungen folgen. D. hat das von
F. deSaulcy 1851 entdeckte merkwürdige Relief aus Moab
(mangelhafte Abbildung z. B. bei Riehm, HWB unter

Moab) an die Spitze geftellt, hat es entgegen der bisherigen
Auffaffung, nach der es der affyrilchen Kunft
| des 8. oder 7. Jahrhunderts feine Entftehung verdanken
1 follte, teils aus ägyptifchen, teils aus hethitifchen Einflüffen
j erklärt und deshalb über das 12. Jahrhundert hinaufgerückt,
i Den Widerfpruch gegen die bisherige Auffaffung halte
ich für berechtigt, bin aber der Meinung, daß der von D.
eingefchlagene Weg zu einem anderen Ziele führen wird.
Das zweite Denkmal ift die Mefa-Infchrift, dargeftellt durch
einen ausgezeichneten Kupferlichtdruck, der vermutlich
die fchon feit 1878 zur ,edition definitive' in Ausficht
geftellte Abbildung an die Öffentlichkeit bringt. Er bietet
ohne Zweifel die befte, mir bisher bekannt gewordene
Wiedergabe des Steins; da er aber das 1876 nach Maßgabe
des viel befprochenen Abklatfches durch Gipsflächen
ergänzte Denkmal zur Anfchauung bringt, fo ruft er
einem jeden, der die Erwerbungsgefchichte des Steins
kennt, deffen jetzigen beklagenswerten Zuftand ins Gedächtnis
: die angefügten Gipsflächen zeigen eine Anzahl
von Buchftaben, die jetzt als falfche Lesart gelten, und
zeigen eine Anzahl von Buchftaben nicht, die jetzt allgemein
gelefen werden. Nur wenn man darüber unterrichtet
ift, kann man die fchöne Tafel, foweit fie der
Gips darfteilt, ohne Gefahr des Irrtums gebrauchen. Darüber
fagt jedoch D. dem Lefer kein Wort. Statt daß er
die Fehler und Lücken im Gips hätte namhaft machen
follen, ift er in der Überfetzung und im Kommentar
(S. 5—20) ftillfchweigend von dem Gipsbilde abgewichen.
Diefes Verfahren ift nicht nur unvollftändig, es ift auch
unftatthaft, weil es den Lefer nicht über den ungleichen
Wert der beiden Teile der Tafel, Stein und Gips, aufklärt
und fo zu Irrtümern veranlaßt.

Auf Einzelheiten der Lefung und Auffaffung einzugehen, geftattet
der Raum nicht. Nur möchte ich bemerken, daß Z. 11 ] 12 nicht gelefen
und überfetzt werden kann: Ipfl BSC1 S3 51!"IR1 = ,ich tötete das
ganze Volk der Stadt' (S. 5 und 7). D. will freilich nach dem Vorgang
von Clermont-Ganneau diefe Aufläffung rechtfertigen durch Hinweis auf
Jer. 45, 16: yiRn C"n bs; aber erftlich ift die Stelle unrichtig angegeben
— es muß heißen Ezech. 45, 16 — und zweitens ift der Text diefer
Stelle unficher (vgl. die Kommentare). Es ift jedoch uuzuläffig. durch
einen zweifelhaften Text des AT. eine zweifelhafte Stelle einer Infchrift
rechtfertigen zu wollen; in der kritifchen Unterfuchung läßt fich x nicht
durch y erklären. Man wird am Ende von Z. 11 doch ein » annehmen
müffen = "ipna - ÜTtl • b2 und überfetzen: ,ich tötete das ganze Volk
aus der Stadt hinweg', wie A. Socin, deffen Arbeit an der Infchrift D.
möglichft gering einschätzt, vorgefchlagen hat. Es ift ein Irrtum D.'s,

| Smend und Socin die Meinung zuzufchreiben, daß die Präpofitiou auf
der Mefa-Infchrift den Genitiv vertrete (S. 8, Anm. 4). Socin felbft hat

I feine Auffaffung in den Berichten der k. Sächf. Gefcllfchaft der Wiffeu-
fchaften vom 4. Dez. 1897 (Sonderdruck S. 9 f.) klar zum Ausdruck gc-

j bracht, auch das falfche Zitat Jeremia 45, 16' (f. oben) berichtigt. Da
D. diefen Auffatz S. 20 felbft anführt, fo muß man annehmen, daß er

I ihn gar nicht oder nur flüchtig gelefen hat.

Leipzig-. H. Gut he.

Walde, Dr. Bernhard: Die Esdrasbücher der Septuaginta.

Ihr gegenfeitiges Verhältnis unterfucht. (Biblifche
Studien, 18. Bd., 4. Heft.) (XIV, 164 S.) gr.8n. Freiburg
i. B., Herder 1913. M. 5 —

Bei dem altteftamentlichen Apocryphon III Efra,
I das ein gewiffes Seitenftück zu den beiden letzten Kapiteln
der Chronik und einzelnen Abfchnitten der kanonifchen
Bücher Efra und Nehemia ift, die es aber um die inter-
effante Einlage, den Pagenwettftreit vor Darius III Ef. 3,1
bis 5,6 übertrifft, häufen fich für den modernen Forfcher
die verzwickten Probleme. Was ift der Zweck und Plan
von III Ef.? Welchen Wert hat der griechifche Text von
III Ef. gegenüber der LXX von Chronik, Efra und
Nehemia? Wo der Inhalt, namentlich die Chronologie
von III Efra mit Chron.-Ef.-Neh. differiert, kommt da
dem Apocryphon oder dem kanonifchen Werk der Vorzug
zu? Wie fteht es mit dem Plus von III Ef. 3,1 — 5,6?

Auf alle diefe Fragen geht die fleißige und forg-
fältige Arbeit von Walde mit Takt ein; mit der ein-
fchlägigen Literatur ift der Verf. vertraut. Über Efra III