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Ausgabe:

1915 Nr. 2

Spalte:

34-36

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Laible, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Moderne Irrtümer im Spiegel der Geschichte 1915

Rezensent:

Hoffmann, Heinrich

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 2.

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der Quellen Mützen. Eigentlich nur in dem zum Sondergut
des Luk. gehörigen Vers 19,10 ift die Verbindung
hergeftellt.

Verf. hat feiner Schrift zwei Anhänge beigegeben. Im erften fucht
er zu zeigen, daß z.wifchen Mk. 11,27 a und b eine Erzählung ausgefallen
ift, die von einer großen, durch Jefus abfolvierten Sünderin
handelte.

Der zweite Anhang hat das Logion Mtth. 11,25—30 zum Gegen-
ftand. Hier treibt Verf. Polemik gegen Norden. Er konfluiert den
uifpriinglichen Zufammenhang des Wortes in der Quelle. Diefem ging
dort eine Darlegung voraus, wie fie fich Luk. 7, 18—35 f+ Matth. II,
22—24 = Luk. 10, 13 ff.) findet. Aus dem Logion ift v. 27 als den
Zufammenhang ftorend auszufcheiden. Der Reft ift von Sirach (Kap. 51,
23ff.) abhängig. Von lefus flammt er nicht, vielmehr vom Verf. der
Quelle Q. Er hat auch bereits v. 27 hinzugefügt und dadurch veranlaßt
, daß Luk. die Verfe 28—30 fortließ und durch Luk. 10, 23—24
erfetzte. .Hinter der Eröffnung Jefu, in Matth. II, 27 = Luk. 10,22
fchienen unterem dritten Evangeliften die Verfe Matth. 11,28—30 mit
ihrer Einladung an die Mühfeligen uud Beladeneu wenig zu paffen1 (S. 98).

Breslau. Walter Bauer.

Bertrand, Louis: Saint Augustin. Translated by Vincent
O'Sullivan. (VIII, 396 S.) London, Constable & Co.,
Ltd. 1914. s. 7.6

Auch abgefehen davon dürfte im Einzelnen an B.s Werke noch
manches anzufechten fein. Warum wird beifpielsweife das große hoch-
dramatifche Religionsgefpräch mit den Donatiften in Carthago, das die
gefchickte Eeder B s leicht zu einem prächtigen Gemälde hätte geftalten
können, kaum erwähnt, während die für Auguftiu nur indirekt bedeutfame
Zerftörung Roms durch Alarich in eiuem ganzen Kapitel eingehend ge-
fchildert wird? Manche andere Epifoden aus dem Leben Auguftins fehlen
überhaupt. Es dürfte kaum möglich fein, eine wirklich ausreichende Biographie
Auguftins in eiuem Bande zu fchreiben, der Stoff ift zu gewaltig.

Wenn wir in B.s Auguftin alfo auch noch nicht die
Auguftinbiographie haben, fo verdient fein Werk doch
zweifellos ins Deutfche übertragen zu werden. Bis jetzt
wenigftens befitzen wir noch kein Leben Auguftins, das
diefem das Waffer reichte. Die englifche Überfetzung O'
Sullivans lieft fich wie das Original.

Iburg. W. Thimme.

de Vogüe, Marquis: La Citerne de Ramleh et trace des
arcs brises. (Extrait.) (20 S. m. 3 Taf. u. Abbildgn.)
Lex-8°. Paris, C. Klincksieck 1912. fr. 2 —

Unter diefem unfeheinbaren Titel veröffentlicht der
85jährige, als Diplomat und Forfcher bekannte Verf. eine

Abhandlung, die für die Gefchichte des Spitzbogens im
Ich habe dies neue Leben Auguftins mit Spannung . *>' ,. , , r f~

a r . • t-_ 1 , r to -fr r rr :a ir;,na Orient Beachtung verdient. In der fogenannten Helena-
von Anfang bis Ende gelefen. Der Verfaffer llt ein Kunft- „.„ , .. , £ c. , . D ,

ler. Das beweifen fchon die kurzen, oft überaus charak- Zlftfune bei der 716 nach Chr. gegründeten Stadt e -Ramie
teriftifchen und treffenden Kapitelüberfchriften. Z. B. ! zwlbbhen Jafa und Jerufalem ift eine in den fnfehen Be-
,Süße Tränen', .das Schweigen Gottes' für das erfte Jahr I wurf eingetragene arabifche Infchnft - bereits 1897 yon
des Rhetorenberufs in Thagtfte und die folgenden 9 Jahre | Dr-M; vanT Berchem veröffentlicht — noch foweit erhalten,
in Carthago, beide Überfchriften in Anlehnung an Wen- ' daß das Iahr. lhr,r Anlage mit Sicherheit daraus ent-
dungen der Konfeffionen; oder ,die goldene Stadt', Über- ; "rmme,n werden kann namheh 172 d H =789 nach
fchnft des Kapitels, das die Schilderung Roms zur Zeit ! £hr" a^ JJ^er der Regierung des Khahfen Harun er-
Auguftins bietet, und fpäter im Gegenfatz dazu,die Gottes- *"**Id 786-809. Damit ift zugleich das Alter der

n. iL j lr u 1 :„ „.i„v,„m;:u„ „.-„n-o*.. n0; Spitzbogen beftimmt, die fich ausnahmslos über den
(ladt, das Kapitel, in welchem über De civitate Dei „f.. ö,. . „.„ • , , „ ... ...

berichtet wird, ufw. B. befitzt die für einen Biographen ! Pfe,le.rn *fer ™er™ erheben Vogue zieht nun zum

Auguftins notwendige Gabe feinfinniger Seelenanalyfe, er i Vergleich den_Felfendom in Jerufalem heran, der in feiner

verfteht es ferner vortrefflich, kurz andeutende Bemer- i urfprunglichen Anlage (691 nach Chr.) nirgends einen

kungen Auguftins zur Zeichnung anfehaulicher und ab- Spitzbogen hatte, und kommt fo zu dem Ergebnis, daß

gerundeter Bilder zu verwerten. Dabei kommt ihm vor d'e Baukunft des muslimifthen Orients zwifchen 691 und

allem eine genaue, auf eigenen Reifen beruhende Kenntnis i 789. d- b- ") 6er zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, diele

von Land und Leuten der afrikanifchen Heimat des 1 Neu,e,un§. eingeführt hat — etwa 4CX) Jahre früher als dm

Kirchenvaters, gründliches Studium der Zeitverhältniffe ähnliche Entwickelung im Abendlande vor fich ging. Damit

und endlich auch feine dichterifche Phantafie zu Matten verbindet der Verl. lehrreiche Angaben über die theore-

So fehen wir fall zum Greifen deutlich vor uns Aueuftins ! tifche Berechnung und die praktifche Herftellung ver-

Heimatftadt Thagafte mit ihrer reizvoll üppigen Umeebuno- fchledener Formen des Spitzbogens, teilt die fehr einfache

in fcharfem Kontraft dazu Madaura den Ort feiner erften ! Art mit- wie die Maurer des jetzigen Jerufalem mit Hülfe

Studien, heiß, nackt und Öde, vor' allem aber Carthago einer Schnur ohne Jede Rechnung einen Spitzbogen ent-

diefe Stadt des Prunks, der Wolluft und des Aberglaubens' werfen- und befpneht fchließlich die Präge, in welchem

Die beiden Kapitel Carthago Veneris und The African 1 Grade und wann ein Emfluß des Morgenlandes auf das

Rome find vielleicht die glänzendften des Buches Faft ' Abendland und umgekehrt bei diefer Bauweife ftatt-

allzuviel Sorgfalt verwendet B. auf Ausführung des geo- i Sefunden hat- Dle . Unterluchung zeichnet fich durch

graphifchen und zeitgefchichtlichen Rahmens. Doch wird
auch das Charakterbild Auguftins, zumal des jugendlichen
Auguftin, mit ficheren Strichen und in warmen Farben-
tönen gemalt. Die ganze Biographie erinnert faft zu fehr
an einen Roman, etwa von Anatole France. Der große
Mangel des Buches fcheint mir zu fein, daß feine ganze
Aufmerkfamkeit konzentriert ift auf die Seele Auguftins
(cf. S. 345 ,Our sole aim is to study Augustins soul'),
während Auguftins Geift zu kurz kommt. Was Auguftins
geiftiges Ringen, fein geiftiges Fortfehreiten anlangt, fo
begnügt B. fich im Wefentlichen damit, die Angaben der

Sorgfalt und Klarheit aus, die als Vorzüge der früheren
Arbeiten des Verf. in weiten Kreifen bekannt find.

Leipzig. H. Guthe.

Laible, Wilhelm: Moderne Irrtümer im Spiegel der Gefchichte
. Bilder aus der Gefchichte des Kampfes der
religiöfen Richtungen, hrsg. v. L. (VI, 282 S.) 8°.
Leipzig, Dörffling & Franke 1912. M. 4 — ; geb. M. 5 —

Auffätze verfchiedener Verfaffer, die unter dem ge-
— — meinfamen Gefichtspunkt flehen, den der Titel angibt,
Dekenntniffe zu reproduzieren. Die Gefamtweltanfchauung, : zuerft in der .Allgemeinen evangelifch-lutherifchen Kirchen-
die theologifchen Fundamentalgedanken, die Grundzüge j zeitung' erfchienen, find zu einem Buche vereinigt, und
aer Lrömmigkeit des Bifchofs findet man bei ihm kaum ; der Herausgeber hat ein Vorwort und eine Schluß-
a" Iw -Utet' Mancb eine der wichtigften Schriften wird 1 betrachtung dazu verfaßt. Schon der Titel zeigt, daß es
nient einmal erwähnt, der pelagianifche Streit mit wenigen 1 fich um kein eigentlich wiffenfehaftliches Buch, fondern
Worten abgetan. Wie man aber die Seele des Malers | um .angewandte Gefchichte' handelt. Das ift an fich bevor
a,lern in feinen Bildern, des Mufikers in feinen Kom- j rechtigt. Wir dürfen, ja follen die zunächft wiffenfehaft-
rjolitionen, lo muß man die Seele eines Geifteshelden wie j lieh erforfchte Gefchichte als Lebensinacht und Lehr-
Auguftm m erfter Linie in feinen Geiftesprodukten, feinen j meifterin auf uns wirken laffen. Aber was der Heraus-
pniiolophilchen, theologifchen, religiöfen Gedanken und 1 geber aus ihr herauslieft, kann ich zum großen Teil nicht
Schritten fuchen. Diefer Aufgabe, fo fchwierig fie fein als richtig anerkennen. Er meint, alle modernen Gegner
mag, darf fich der Biograph Auguftins nicht entziehen. des Chriftentums — und darunter verfteht er nicht' nur