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Ausgabe:

1915 Nr. 24

Spalte:

524

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Tisserant, Eugenius

Titel/Untertitel:

Specimina codicum orientalium 1915

Rezensent:

Rahlfs, Alfred

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523 Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 24. 524

lieh dienende Stellung zu'. Bedenklich erfcheint mir der , erweift fich als ein inhaltsreicher Abfchnitt eines wichtigen
Rat, Einträge in das ,Tagebuch', das der Pfarrer, um feine I Teiles deutfeher Kulturgefchichte, für deffen Erfcheinen
einzelnen Gemeindeglieder genauer kennen zu lernen, ' nicht nur Pädagogen dem Verf. dankbar fein werden.

Göttingen. K. Knoke.

führen foll, in Gegenwart der betr. Gemeindeglieder
felbft zu machen. — Warum über freie Texte nur jeweils
ei" ganzes Jahr hindurch gepredigt werden darf, und
warum ein gelegentliches, naturlich triftig begründetes ! Referate.

Abweichen von einer Perikopenreihe im Laidh eines Jahres j Tisserant, Eugenius: Specimina codicum orientalium. (Tabulae
.zuchtlos', ein .Vagabondieren in der Schrift' fem foll, ift | in usum scholarum 8.) (XLVII S. Text u. 80Taf.) Lex. 8°.
mir nicht recht verftändlich. Was Verf. über die Behana- . Bonn, A. Marcus & E.Weber 1914. Geb. M. 20 —

lung der ,Heilstatfachen' an den hohen Feften fagt (150 ■ Dies lehr nützliche Buch enthält Proben aus 3ramaritanirchen,
bis 152), trägt zur Löfung des Problems, um das es fich i 24 hebräifchen, 27 fyrifchen, 3 fyropaläftinifchen, 1 mandäifchen,
handelt, nicht viel bei. Da rächt fich auch wieder die : 42 arabifchen, 6 äthiopifchen, 15 koptifchen Handi'chriften und aus
zu große Knappheit der Behandlung. — Die Zufammen- einer Polyglotten-Handfchrift, einem armenifch-arabifch-koptifch-
ftellung von P>zeugniffen der neueften Predigtliteratur tyrifch-äthiopifchen Pfalter. Die Ausführung der Tafeln ift Co
(S. 183—185) ift verdienftlich. Die Auswahl kann natür- vorz«8l>ch, wie man es bei den ,Tabulae in usum scholarum«
lieh nur fubjektiv fein; fie ift aber durchaus nicht einfeitig. f ™ htnt ,i?ie Vorbemerkungen Tifferants zeugen von ausge-
y , .n ' • ui ..p.. 1« r j breitetem Wirten. Eine Anzah Errata hat er felbft auf einem

Ich weiß nur nicht warum die Charakterifierung der zu- mjr erft zugegangenen Blatte verbeffert; wer es nicht

fammenge^ in der Mitte des : mitbekommt ^ es ficn *achlliefern. Hie und da find aber noch

VerzeichniiTes, auf einmal abgebrochen worden ift — da Fenler ftehen geblieben. Ich erwähne nur einen, der mich per-
die Charakterifierung oft fehr treffend ift, kann man das fönlich angeht. Auf S. XXX heißt es vom fyropaläftinirchen
nur bedauern, . Evangeliar der Vaticana, Alfridus (fo) Rahlfs habe es ,ex apo-

Halle a S K E^er grapho Pauli de Lagarde' in Bibliothecae syriacae a P. de Lag.

collectae quae ad philologiam sacram pertinent (Gottingae 1892)
herausgegeben. Ein fo großes Verdienft kann ich nicht für mich
Zwerger, Prof. Dr.Fi anz: Gefchichte der realiltifchen Lehr- in Anfpruch nehmen, vielmehr lag der Druck des Evangeliars,
f. ,. . _ „ „ wie ich ausdrucklich in meinem Nachwort S. 403 angegeben habe,

anltalten in Bayern. (Monumenta Germaniae Paedago- bei Lagardes Tod vollendet vor.

gica. Bd. LIII.) (XX, 463 S.) gr. 8°. Berlin, Weid- Göttingen. A. Rahlfs.

mann 1914. M. 12— Kratzer, Dr. Aloys: Die Erkenntnislehre des Aurelius Augustinus.

Spezififch theologifche Fragen werden in diefem Bande ^ <82t.s-) 8°- 'junchen,.1K913- c , . . M
j r- üj • ki 1 u i.ii c.iua n, ,,■ , ObesnotigwannochemmaluberdieErkenntnislehreAuguftins

der Mon Germ. Padag nicht behandelt. Selbftverftandhch eineUnterfuch*ng 2'uveröffentlichen, ift mir zweifelhaft. Jedenfalls
finden fich in ihm auch Beftimmungen über den Rehgions- fchejnt mir das Ergebnis der von Kratzer vorgeiegten Unterfuchung
Unterricht erwähnt. Es gefchieht z. B. S. 216, 221 und aus- eine Veröffentlichung nicht zu fordern. Denn eine erhebliche För-
führlicher S. 370 — 372. Sonft ift jedoch nur mehr gelegent- derung des Verftändniires, — bedarf es derer noch? — gefchweige
lieh von Religion, dem römifchen Katechismus, der biblifchen denn eine Neuorientierung des Problems hat K. nicht zu bieten
Gefchichte, der Sittenlehre, der ,moralifchen Religionslehre' vermocht. Wir hören im allgemeinen nur, was fchon bekannt ift.
S. 339, der .rationalen Theologie' S. 339, und dgl. die Rede. Mit der Literatur fetzt fich K. nur feiten auseinander. Warum die
Über die Methode, wie diefe Gegenftände unterrichtlich zu JugendfchriftenAuguftinsunterfchiedslosmitdenfpäterenSchriften
behandeln fein möchten, erfolgen kaum andeiitungsweifebe- benutzt find, wird nicht deutlich.

fondere Winke. Der Inhalt des Buches gehört faft aus- Tübingen. Otto Scheel,

fchließlich dem Gebiete der hiftorifchen Pädagogik an. Schauerte, Heinrich: Reinoltl, der Stadtpatron Dortmunds. (VI,
Trotzdem bereitet es mir große Freude, auch diefe neufte 52 S.) 8«. Dortmund, Gebr. Lenfing 1914.
Publikation de. ,Gefellfchaft für deutfehe Erziehungs- und Die Dortmunder Reinoldi-Gemeinde hat in letzter Zeit mehr-

SchuWefchichte' in der ,Theol. Lit.-Ztg.' zur Anzeige zu ; fach das kirchenpolitifche Intereffe weiter Kreife vereinigt. Sch.
bringen, weil das, was in ihr geboten wird, auch vom all- ! berchäftigt fich mit dem nicht. Er geht den Spuren und Merkmalen
gemein wiffenfehaftiiehen Standpunkte der Kulturgefchichte ^r Dortmunder Reinoldiverehrung in Sage und Gefchichte nach.
s. , , . , t, , , Ar u „„u 1 ~n '■ Die kleine Schrift bietet über das lokale Intereffe hinaus mancher-

eine beachtenswerte Bedeutung in Anfpruch nehmen kann. M Wertvo„es für den Kirchenhiftoriker. Vor allen Dingen ift fie
DerVerf hat aufgrund umfaffender eingehender und forg- ; wertvol| a,s ejn ßeif ,e, daffi wje der Gerchichtsunterrjcht auf
fältiger Studien die Entwicklung des Realfchulwefens in 1 den Qberftufen unfrer höheren Lehranftalten gefchickt belebt
Bayern von den erften Anfangen feit etwa 1711 in der werden kann und damit leicht auf den Univerfitätsbetrieb hin-
,internationalen' Ritterakademie des Klofters Ettal bis auf uber führt- Solche Verfuche tollten recht häufig gemacht werden,
die einfchläglge Minifterialverfügung aus dem Jahre 1809 | Für das Mittelalter bietet die lokale Kirchengefchichte intereffante
dargeftellt. Er weift im einzelnen nach, wie dasfelbe in Themen wohl an jedem Ort. Die bei diefem Gefchichtsunterricht
feinen Anfängen wie in feiner fpätern Entwicklung die gemachten Erfahrungen und erzielten Erfolge follten zufammen-
manigfachften, nicht feiten entfeheidenden Anregungen geftellt worden!

von den entfprechenden Beftrebungen und Einrichtungen Leipzig. Otto Lerche,

in Norddeutfchland erhalten hat, und macht uns einge- Trine, Ralph Waldo: Der Neubau des Lebens. Richtlinien. Einzig
hender mit den Bemühungen derjenigen Perfönlichkeiten ; berechtigte Überfetzg. aus dem Engl. v. Dr. Max Chriftlieb.
bekannt, welche als die Träger der Fürforge für eine 1.—5.Tauf. (235S.)8". Stuttgart, J Engelhorn 1914. Geb. M. 4 —
realiftifcheSchulbildung neben der humaniftifchen inBayern Diefes neue Lebensbuch des in Deutfchland viel gelefenen

bezeichnet werden müffen. Es find dies namentlich der ; amerikanifchen Schriftftellers bringt in leichtflüffiger und anmu-
Direktor der Univerfität Ingolftadt Freiherr v. Ickftatt ! tender Form feinen idealiftifch-optimiftirchen Grundgedanken von
(1702—1776) das Mitglied der Münchner Akademie der der Macht des Gedankens über Leib und Seele, Leben und Schickrai,
Wiffenfchaften Heinr. Braun (1732-1792), den Zwerger angelehnt andie verwandten Grundanrrt

mir k^rhr Hm havrifrhen Schulreformator nennt der fon und James und geftutzt auf die Verkündigung Jefu von der Ein-
mit Recht den r ^ TZ heit des Göttlichen und Menfchlichen und der Menfchen unter-

Stud.endirektonalrat: Jof. Wismayer 1767-1858) und der einander_ ln rc!iarfem Gegenfatz gegen die peffimiftifch-ruper-
Zentralfchulrat Friedr.^^ naturaliftifche Dogmatik von Paulus an bis zur gegenwärtigen

Die Verdienfte diefer Männer, die fich mit ihren Or-
ganifationsp änen unter den wechfelnden Strömungen
des Parteigeiftes ihrer Zeit und ihres Vaterlandes durch-
zufetzen verftanden, werden von Z. in gebührender Weife
dargeftellt und gewürdigt, und das Ganze der Darfteilung

Kirchenorthodoxie vertritt Tr. ein pantheifierendes optimiftifches
Syftem, dem er die Kraft zufchreibt, den Neubau des Lebens zu
vollziehen. Die gute Überfetzung ift das letzte Werk das um die
Einführung Trines fehr verdienten Dr. Chriftlieb.
Heidelberg. Niebergall.