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Ausgabe:

1915 Nr. 22

Spalte:

475-476

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Groth, Adolf

Titel/Untertitel:

Jesuslegende und Christentum 1915

Rezensent:

Hoffmann, Richard Adolf

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475

Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 22.

476

(Vgl. aber die Anm. zu S. 352.) Zur Befeitigung der
vorliegenden Unklarheiten tritt Fr. für eine reichgefetz-
liche Regelung des Militärkirchenwefens ein; die Kompetenz
des Reiches zu folcher Regelung erfcheint ihm auch
Bayern gegenüber nicht zweifelhaft. Im Schlußwort
wendet er fich mit erheblicher Schärfe gegen die Angriffe
auf die exemte Militärfeelforge in älterer (v. Ketteier) und
neuefter Zeit; die Gründe der Gegner hätten hier m. E.
eingehender und verftändnisvoller gewürdigt werden follen.
So große Vorzüge das ,preußifche Syftem' der vom Pfarr-
und höheren kirchlichen Verband exemten Militärfeelforge
hat, fo find mit dem Syftem doch zweifellos auch gewiffe
Mängel verbunden, nicht nur vom katholifchen, fondern
auch vom evangelifchen Standpunkt aus. — Verf. hat fich
durch die oft fehr mühfame Zufammenftellung, fowie
durch die klare Darfteilung und gründliche Durcharbeitung
des umfangreichen Stoffes ein großes Verdienft
erworben.

Halle a. S. K. Eger.

Referate.

Lindemann, Gymn.-Prof. Dr. Hubert: Florilegii hebraici lexicon
quo illius vocabula latine et germanice versa continentur. (VII
82S.) gr.8». Freiburg i. B., Herder 1914. M. 1.50; geb. M.2 —
Seinem ,Florilegium Hebraicum', das in diefer Zeitung 1913,
Nr. 11 befprochen worden ift, hat Prof. Lindemann (Cöln) nun
ein SpezialWörterbuch dazu folgen lallen. Gegen ein folches habe
ich ftets das prinzipielle Bedenken gehegt, daß es viele Schüler
davon abhalten wird, (ich auch ein vollftändiges Wörterbuch der
betreffenden Sprache anzufchaffen. Wenn ich aber von diefem
allgemeinen Gegengrund gegen die Abfaffung von Spezialwörter-
büchern abfehe, fo kann das jetzt zur Befprechung vorliegende
Buch als eine gute Arbeit bezeichnet werden. Um ein Urteil
fällen zu können, habe ich nämlich beifpielsweife die Behandlung
des Buchitaben Nun in ihm und meinem Hebr. WB. verglichen
und dabei nur folgende zu beanftandende Punkte bemerkt: nä' 11
wird ungenau als ,halb gar, halb gekocht' gedeutet. Bei nabi' ift
,Prophet, Wahrfager' nicht gut. BefTer wäre ,Weisfager', weil
,Wahrfager' ja qösem heißt. Ein nüs, Hiph.,Blüten bringen, blühen
ift nicht zu konftatieren (die in Hohesi. 6,11, 7,13, Qoh. 12,5 (teilenden
Formen kommen von nasas; mein WB. 285f.). Die Setzung des
Cholempunktes bei rx=3 über dem Kaph anftatt über dem rechten
Ende des darauffolgenden quieszierenden Aleph ift ein auch bei
andern Autoren häufiger Fehler. Bei stjs hat aber auch Lindemann
das Richtige.

Bonn. Ed. König.

Hudal, Prieft.-Sem.-Subdir. Dr. Alois: Die religiöfen u. fittlichen
Ideen des Spruchbuches. Kritifch-exegetifche Studie. (Scripta
pontiflcii instituti biblici.) (XXVIII, 261 S.) gr. 8". Rom,
M. Bretrchneider 1914. M. 4 —

Die breit angelegte Schrift behandelt vor allem die beiden
Fragen, ob die Weltanfchauung der Sprüche vor- oder nachexi-
Iifch fei und ob fie auf dem Boden der altteftamentlichen Offenbarungsreligion
fleht oder durch die Kulturwelt des Hellenismus
beeinflußt fei. Verf. unterfucht die religiöfen, fittlichen und escha-
tologifchen Ideen des Spruchbuchs, den fubjektiven und den
objektiven Begriff der ,Weisheit', in einem kurzen Anhang auch
die fprachliche Seite. Er kommt zu dem Refultat, daß das Spruchbuch
vorexilifch und von auswärtigen Einflüffen unabhängig fei;
weder ein Zufammenhang mit der griechifchen Kulturwelt noch
auch mit der altorientalifchen Literatur laffe fich erweifen. Ausführlich
befpricht Verf. die Stelle 8, 22—31; er findet hier eine
zwifchen Hiob 28 und J. Sirach mitten inne flehende Stufe der
Weisheits-Idee, die als dichterifche Perfoniflkation erfcheine, aber
doch die Keime der fpäteren Spekulation enthalte. Verf. fetzt
fich eingehend und felbftändig mit der wiffenfchaftlichen Literatur
über das Spruchbuch auseinander, wobei er die katholifche und
die ,akatholifche' Forfchung wie zwei gefonderte Gruppen behandelt
; wertvoll ift das aus der altchriftlichen Literatur beigebrachte
exegetifche Material.
Tübingen. Volz.

Groth, Adolf: JefiHegende und Chriftentum. (III, 191 s.) 8«.
Leipzig, O. Hillmann 1914. M. 3 —; geb. M. 4 —

Ein älterer Naturwiffenfchaftler, der fich aber viel mit religiöfen
und theologifchen Fragen befaßt hat, fpricht hier feine
Zweifel an der Gefchichtlichkeit Jefu aus, die er durch religions-
gefchichtliche und fagenetymologifche Erwägungen zu ftützen
fucht. So fympathifch auch einzelnes an dem Buche berührt,
fo trägt das Ganze doch einen Mark dilettantifchen Charakter, fo
z. B. die etwas billige Kritik an der Matth.-Erzählung von den
«rfyot (nicht Königen!) aus dem Morgenlande (S. 44f.) oder die
Erörterungen S. 151 f. über das Däumlingsmotiv und über das
Gleichnis von den zehn Jungfrauen. Auch ftört fehr der Mangel
an einer einheitlichen, ftraffen Gedankenführung.

Verf. hält es an fich fchon für unwahrfcheinlich, daß aus
dem damaligen Judentume ein Prediger der Wahrheit und Wahrhaftigkeit
und Vertreter der gefchlechtlichen Reinheit wie Jefus
hervorgegangen fein follte! Auch flößt er fich daran, daß die
Umwelt der damaligen Zeit von dem großen Lehrer und Wundertäter
fo wenig Notiz genommen haben follte, — als ob es nicht
auch fonft genug Beifpiele dafür gäbe, daß die Menfchheit für
das wahrhaft Große und Außerordentliche, zumal, wenn es fich
mit Befcheidenheit und Zurückhaltung paart, zunächft wenig Ver-
ftändnis gezeigt hat.
Königsberg i. Pr. R. A. Hoff mann.

Gauß, Pfr. D. Karl: Reformationsverruche in der Bafler Birchofs-
ftadt Pruntrut. (Schriftendes Vereins f. Reformationsgefch'chte.
31. Jahrg. 2. Stück.) (III, 83 S.) 8». Leipzig, P. Haupt 1913.

M. 1.20

Ein intereffantes, lehrreiches, und wie Verf. herauszuheben
gut verftanden hat, vielfach typifches Bild aus der Gegenreformation
wird in diefer Schrift geboten. Die Verhältniffe lagen in
Pruntrut eigenartig: feit 1271 war die Stadt durch Kauf in den
Befitz des Bifchofs von Bafel übergegangen, der geiftliche Herr
aber war der Erzbifchof von Befancon; doch revidierte feit 1528,
als ihn die Reformation vertrieb, der Bafler Bifchof in Pruntrut,
fein Domkapitel in Neuenburg a/Rh. bez. fpäter in Freiburg i. Br-
— Grund genug für Verwicklungen! Die erften evangelifchen
Regungen zeigen fleh feit 1534; find fie rein religiöfer Art, fo
verbindet fich fehr bald mit ihnen das Ringen um bürgerliche
Rechte und Freiheiten gegenüber dem bifchöflichen Regimente.
Der Schulmeifter Bernhard v. Clairefontaine, deffen Kanzel ähnlich
wie bei dem Berner Manuel die Volksbühne war, und dann
Farel tragen die evangelifche Bewegung; der Verfuch Farels jedoch
, Calvin für Pruntrut zu gewinnen, fcheitert, und mit dem
Jahre 1560 etwa geht die Reformation zurück. Die Stadt Bafel
hat fich in den ganzen Verlauf nicht eingemifcht, dank der luthe-
raniflerenden Neigungen Sulzers und perfönlichen Intereffen im
Delsberger Tal und in den Freibergen; den endgültigen katholifchen
Sieg bringt dann Bifchof Jak. Chriftoph Blarer von Wartenfee
. Am 28. Sept. 1579 wurde in Luzern zwifchen den 7 katholifchen
Orten und dem Bifchof von Bafel ein Bund gefchloffen,
der nichts Anderes bezweckte, als die evangelifchen Untertanen
des Bifchofs zur katholifchen Kirche zurückzuführen, und die
7 Orte verpflichtete, dem Bifchof, falls er von Bern oder Bafel
angegriffen würde, zu Hilfe zu kommen. Natürlich fehlten auch
die Jefuiten nicht, umgekehrt war die Hilfe Bafels, das ,damals
nahe daran war, die lutherifche Konkordienformel anzunehmen',
lau und nicht gerade; der Bifchof wußte, daß von Bafel nichts
für ihn zu fürchten war. So gelang nicht nur die Ausweifung der
Proteftanten aus Pruntrut, fondern die Stadt wurde auch Vorort
des Katholizismus, 1585 wurde ein jefuitifches Kollegium gegründet,
und Pruntrut wurde die fichere Balis der Gegenreformation im
Bistum Bafel. — Die fehr forgfältige Arbeit ift auf Akten der
Archive in Bafel, Bern, Pruntrut, Biel u. a. aufgebaut.
Zürich. Walther Köhler.

Haack, Hans Geo.: J. G. Fichtes Theologie. (Das Chriftentum in
der Philofophie des fpäteren Fichte.) (VIII, 84 S.) gr. 8°.
Borna, R. Noske 1914. M. 2.40

Nach einer Einleitung werden als ,Vorfragen' (S. 5—15) behandelt
die Hauptfätze der Fichte'fchen Religionsphilofophie und
die Faktoren, durch die nach Mutmaßung des Verfaffers die Stellung
des fpäteren Fichte zum Chriftentum bedingt worden ift. Die
,DarftelIung' beginnt mit Fichtes Äußerungen über die einzelnen
bibhTchen Bücher und über die Perfon Jefu (S. 15—34), geht dann
über zur Stellung des Chriftentums in der Menfchheitsgefchichte
(S. 34-51) — hierbei nehmen Fichtes Reflexionen über Kirche
und Kirchengefchichte den größten Raum ein — und fchließt
(S. 51—80) mit einer nach dem üblichen dogmatifchen Schema
gegliederten Skizze der Lehre. Dazu kommen dann noch (S.81—84)
kurze Richtlinien für die Beurteilung.