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Ausgabe:

1915 Nr. 22

Spalte:

463-464

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kolmodin, Adolf

Titel/Untertitel:

Inledning till Nya Testamentets Skrifter. Dl. 1 1915

Rezensent:

Eidem, Erling

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 22.

464

Glofie zum Urtext von 7,9 ins DiSJjjn IMN; beide Stellen miifien alfo
in parallelen Kolumnen auf etwa gleicher Höhe gefianden haben —
w:"in Glofie zur mittleren Glofie in den zu riiBiajrj 2, 13 an den Rand
gefchriebenen drei Gloffen Üri2*ijl riOin njrt.

Ich geftehe, daß ich nach diefen und anderen von P.
vorgebrachten Gründen für die Entftehung des heutigen
Textes von Hofea außerftande bin, mir eine Vorftellung
von der buchtechnifchen Anlage des Urtextes zu machen.
Verftehe ich feine Worte auf S. 77 und 83 richtig, fo hat
er felbft noch kein klares Bild davon. Damit fcheint mir
aber der ganzen kunftvollen Beweisführung ein gut Teil
des Fundamentes entzogen zu fein. Doch ich bin gern
bereit, aus weiteren Proben mich eines befferen belehren
zu laffen.

Jena. W. Staerk.

Kolmodin, Prof. D. Adolf: Inledning tili Nya Testamentets

skrifter. Dl. I. (Handböcker i Teologi III.) (VIII,

432 S.) gr. 8°. Stockholm, P. A. Norftedt & Söner

(ic-U)- Kr. 10 —

Das Buch, das hier in Kürze angezeigt werden foll,
erfcheint an dritter Stelle einer neu gegründeten Reihe
fchwedifcher ,Handböcker i Teologi', die mit Prof. D.
Erik Staves gründlicher Einleitung in die kanonifchen
Schriften des A. T., 1912, eröffnet wurde, und die fich
allmählich auf alle theologifchen Hauptfächer erftrecken
foll. Der Verfaffer der Einleitung in das N. T., Ordinarius
der neuteftamentlichen Exegefe zu Upfala, hat feine Dar-
ftellung auf zwei Bände angelegt, deren erfter, nebft einer
allgemeinen Einleitung die Briefe umfallend, foeben er-
fchienen ift.

Die theologifche Gefamthaltung des gelehrten und
fcharffinnigen Werkes geht fchon aus den tiefempfundenen
Worten der Dankbarkeit und Verehrung deutlich hervor,
die der Verfaffer im Vorwort an den Altmeifter Theodor
von Zahn richtet, deffen Name auch den Titel ziert. Auf
faft jeder Seite des Buches macht fich der Einfluß Zahns
bemerkbar. Überall begegnen diefelben Vorzüge und
Schwächen, die die Zahnfche Exegefe überhaupt auszeichnen
. Es wäre aber im höchften Grade ungerecht
gegen den Verfaffer, wenn man ihn irgendwie für einen
bloßen Nachbeter feines Meifters ausgeben wollte. Jeder
forgfältige Lefer wird leicht bemerken, wie Verfaffer felbft,
in heißer und treuer Mühe, auf dem fo oft durchgepflügten
und deshalb fo undankbar fcheinenden Acker der
neuteft. Einleitungswiffenfchaft gearbeitet und gefucht hat.
Sympathifch klingt fein befcheidenes Bekenntnis, daß er
nicht eben viel Neues zu bringen fich getraut.

Unter den Vorzügen des Kolmodinfchen Werkes
möchte Ref. die genaue Durcharbeitung und das reiche
Ausnutzen des biblifchen Textes befonders hervorheben.
Die ausführlichen Inhaltsüberfichten, die den betreffenden
Briefen vorausgefchickt werden, kommen doch dem Ref.
öfters allzu ftraff difponiert und unnötig abftrakt formuliert
vor. Angenehm wird ficher manchen Lefer auch
der warme echt paftorale Ton berühren, der das Ganze
trägt und in einem Studentenbuch für angehende Geift-
liche wohl am Platz ift.

Als Schwächen rechnet Ref. eine, feines Erachtens,
gar zu unterfchätzende Wertung des argumentum e
silentio — daß tacere nicht dasfelbe heiße wie negare,
wird fehr ftark unterftrichen — und ein ungehöriges Beladen
ganz zufalliger oder unbedeutender Angaben. Vor
allem ift es zu bedauern, daß die höchft verfchiedenen
Gewißheitsgrade, die bei den wechfelnden Problemen
möglich find, fo wenig fcharf herausgearbeitet oder hervorgehoben
werden. Man begegnet im Buche zum Ermüden
einem .unzweifelhaft', ,klar', ,gewiß' ufw., auch wo
nach des Verfaffers eigener Verficherung einige Seiten vorher
die Sachlage als fchwierig betont worden ift.

Jetzt einige Bemerkungen zum Inhalte. In den Pro- ;
legomena (S. 1—43) befteht Verfaffer ausdrücklich darauf,

daß Begriff und Umfang der neuteftamentlichen Einlei-
tungsdifziplin aus dem Namen hergeleitet werden follen,
daß alfo außerkanonifche Schriften aus Prinzip ausge-
fchloffen werden müffen. Ref. teilt das Bedenken des
Verfafiers gegen die Zugehörigkeit der Textgefchichte
zur Einleitung bezw. die Zweckmäßigkeit diefer Anordnung
. Dagegen findet er keinen hinreichenden Grund
für das nach Zahns Beifpiel erfolgte Aufnehmen des Kapitels
über die Sprache des N. T.

Die neuteftamentlichen Briefe werden in zwei Gruppen
vorgeführt, je nachdem fie juden- oder heidenchrift-
liche Lefer vorausfetzen. Ob diefe neue Anordnung
wirklich einen Fortfehritt bedeutet, mag dahingeftellt
bleiben; die Gegengründe liegen jedenfalls auf der Hand.

Zur erften Gruppe (S. 45—139) rechnet Verfafter Jak.,
II Petr., Jud., Ebr., wobei die Ordnung der angenommenen
Zeitfolge ihrer Entftehung entfpricht. Die drei erften
find an Lefer gerichtet, die in der Hauptfache in den-
felben Gegenden, Paläftina und angrenzenden Gebieten,
wohnhaft zu denken feien. Aber auch bei Ebr. tritt Verfaffer
für paläftinenfifche näher jerufalemifche Adreffe
(gegen Zahn) mit aller Entfchiedenheit ein. Die Authentie
diefer vier Briefe fteht dem Verfaffer feft. Von der inneren
Entwicklungsgefchichte des Herrnbruders Jakobus
wird (S. 64 f.) ein Bild gezeichnet, das den Ref. als eine
wenig wahrfcheinliche, dogmatifche Konftruktion anmutet.

Unter den an Heidenchriften gerichteten Briefen (S.
139—431) erfcheint Gal. als der ältefte uns erhaltene.
Die Adreffaten diefes Schreibens feien in Süd-Galatien
zu fuchen. Bei der breiten Behandlung der beiden Theff.
vermißt man eine Erwähnung — wenn auch ablehnende
— des Vorfchlages Harnacks betreffs der Empfänger. So
fcheint auch an anderen Stellen die neuere Literatur,
befonders die nicht-deutfehe, im Texte ein wenig zu
kurz davon zu kommen. II Kor. ift einheitlich; bei I Kor.
wird die Frage der Einheitlichkeit nicht einmal aufgeworfen
. Die Integrität des ganzen Rom. wird bejaht.
Die römifche Gemeinde fei zu der betreffenden Zeit ent-
fchieden als heidenchriftlich (gegen Zahn) zu beurteilen.
Auch bei Eph. und Paft. finden , fich bei genauerer Prüfung
keine durchfchlagenden Gründe, um ihre Echtheit
zu bezweifeln. Doch werden bei I Tim. größere Um-
ftellungen des Textes angenommen. — Simon Petrus hat
den I Petr. felbft von Rom aus, unmittelbar vor der
neronifchen Verfolgung, gefchrieben. Die johanneifchen
Briefe gehören ins Greifenalter des Zebedaiden hinein.

Für den Stil des Verfaffers ift die ftarke Befchäftig-
ung mit der deutfehen Literatur nicht ohne Einfluß ge-
wefen, wie aus verfchiedenen Germanismen hervorgeht.
Ein paar ftörende Druckfehler werden wahrscheinlich im
folgenden Bande berichtigt werden.

Lund, Schweden. Erling Eidem.

Schermann, Theodor: Die allgemeine Kirchenordnung, früh-
chriltiiche Liturgien und kirchliche Überlieferung. 1. Tl.

Die allgemeine Kirchenordnung des 2. Jahrh. (Studien
zur Gefchichte u. Kultur des Altertums. 3. Ergänzgsbd.)
(VIII, 136 S.) gr. 8°. Paderborn, F. Schöningh 1914.

M. 6 —

Die ,Apoftolifche Kirchenordnung' und die fog. ,Ägyp-
tifche Kirchenordnung' find hier der lateinifchen und
ägyptifchen Überlieferung gemäß als Teile eines Werks,
ferner aber als ,Die allgemeine Kirchenordnung des
zweiten Jahrhunderts' zufammengedruckt und mit ausführlichem
Apparat, fehr fleißig zufammengeftellten,
Parallelftellen und dankenswerten, die Unterfuchung vorbereitenden
Regiftern verfehen. Die bisher bekannten
handfehriftlichen Quellen konnten nicht vermehrt werden.
Die Arbeit gibt fich als erften Teil, dem zwei weitere
bereits im Manufkript fertig geftellte, folgen follen. Der
zweite verheißt die Prüfung Sämtlicher liturgifcher An.