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Ausgabe:

1915

Spalte:

425

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Die Religionen des Orients und die altgermanische Religion. 2., verm. u. verb. Aufl 1915

Rezensent:

Schuster, Hermann

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur TitiuS und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

r r t 1 -*-r Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find au s fc h 1 i e ß 1 i c h an «-»,-, . -, v ^_ _ M

4t(J. Jaiirff« Nr« 20/21 Profeflbr D. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. 23. OktODer 1915

° Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Die Religionen des Orients und die altgermanifche

Religion (Schufter).
Siecke, Der Vegetationsgott (Greßmann).

Baumgärtel, Elohim außerhalb des Pentateuch
(König).

Mowinkel, Zur Kompofttion des Buches Jere-
mia (Lohr).

MacNeill, The Christology of the Epistle to

the Hebrews (Bouffet). .
Harnack, Die Entftehung des Neuen Teftaments

und die wichtigften Folgen der neuen Schöpfung

(R. A. Hoffmann).
Schilling, Naturrecht und Staat nach der Lehre

der alten Kirche (Troeltfch).
Schneider, Die abendländifche Spekulation des

12. Jahrhunderts in ihrem Verhältnis zur ari-

ftotelifchen und jüdifch-arabifchen Philofophie
(Horten).

Zibermayr, Die Legation des Kardinals Nicolaus
Cufanus und die Ordensreform in der
Kirchenprovinz Salzburg (Ficker).

Bellee, Polen und die römifche Kurie in den
Jahren 1414—1424 (Wotfchke).

Althaus, Die Prinzipien der deutfchen reformierten
Dogmatikim Zeitalter der ariftotelifchen
Scholaftik (Lobftein),

Schönhuth, Methodenlehre für den Unterricht

in Religion (Niebergall).
Referate: Vernes, Les Emprunts de la Bible
hehraique au Grec et au Latin. — Walther,
Das Ichbewußtfein Jefu gegenüber dem Men-
fchengefchlecht. — Peake, The Bible. —
Trzeciak, Quaestio alcoholica apud Judaeos
temporibus Domini Nostri Jesu Christi. —
Theobald, Die Einführung der Reformation
in der Graffchaft Ortenburg. — Stoeckius,

Shore, John Woolman (W. Köhler). Parma und die päpftliche Beftätigung der Ge-

M a f a r y k, Rußland u. Europa. I. Folge (Katten-
bufch).

Rademacher, Gnade und Natur (Thimme).
Häberlin, Über das Gewiffen (Rod).
Deichmann, Eine neue Evangelienreihe
(Schian).

fellfchaft Jefu 1540. — Renouvier, Essais
de Critique generale. — Michel, Deutfche
Zukunftsreligion in ihren Grundzügen. —
Zeller, Andachten für Kinder. — Spiritual
Healing.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefte Literatur.

Die Religionen des Orients und die altgermanifche Religion.

Von Edv. Lehmann, A. Erman, C. Bezold, H. Olden-
berg, I. Goldziher, A. Grünwedel, J. J. M. de Groot, K.
Florenz, H. Haas, F. Cumont, A. Heusler. 2., verm.
u. verb. Aufl. (Die Kultur der Gegenwart, Tl. I, Abtlg.
III, i.) (X, 287 S.) Lex. 8°. Leipzig, B. G. Teubner
1913. M. 8—; geb. M. 10—; in Halbfrz. M. 12 —

Die 1. Auflage habe ich 1908, Sp. 97 ff. angezeigt. Die
vorliegende 2. Aufl. ift mit Recht als ,vermehrt und ver-
beffert' bezeichnet. Die alten Beiträge find alle mehr oder
minder verändert, und zwar mehr verkürzt als verlängert
. Beträchtlich verkürzt, mit vollem Recht, ift der Auf-
fatz von Grünwedel über den Lamaismus (15 S. ftatt
25). Er ift dadurch überfichtlicher geworden, leider kommt
das fpezififch Religiöfe immer noch nicht zu feinem Recht.
Auch die Darfteilung des japanischen Buddhismus von
Haas ift (um 8 S.) verkürzt. Umgekehrt ift Bezolds Be-
fchreibung der babyl. Religion um 6 Seiten vermehrt.
Diefer Zuwachs ift wefentlich der Schilderung der aber-
gläubifchen Volksreligion (Leberfchau, Befchwörungen),
aber auch der Mythologie und Kosmologie zugute gekommen
. Die Darfteilung hat dadurch an Anfchaulichkeit
wefentlich gewonnen. Oldenberg hat feine wundervolle
Schilderung der indifchen Religion um vier Seiten erweitert
, hauptfächlich weil er zwei früher nur ganz kurz
angedeutete Gegenftände, denjainismus und das Mahayäna,
jetzt in zwei befonderen Abfchnitten (zwei und eine S.) behandelt
. Die Veränderungen der anderen alten Beftand-
teile des Werkes find unbedeutend.

Zwei Kapitel, beides Glanzftücke, find dem Werke
neu zugefügt. Cumont behandelt die orientalifchen
Religionen in ihrem Einfluß auf die europäifche
Kultur des Altertums. Er war durch fein bekanntes
(von Gehrich überfetztes und feit Herbft 1914 in 2. deutscher
Ausgabe vorliegendes) Werk über die orientalifchen
Religionen im römifchen Heidentum zu diefer Aufgabe berufen
. In einem Punkte bietet nun Cumonts Beitrag zu
unferm Sammelwerk noch mehr als fein Buch. Während er
nämlich hier auf die heikle Frage nach dem Einfluß der
orientalifchen Religionen auf das Chriftentum grundsätzlich
verzichtet, widmet er ihr in unferm Sammelband einen
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Schlußabfchnitt von drei Seiten. Er findet trotz aller fitt-
lichen Überlegenheit des Chriftentums doch in ihm und
den orientalifchen Myfterienreligionen denfelben Typus
repräfentiert — in fcharfem Unterfchied von dem damaligen
Buddhismus und dem fpäteren Mohammedanismus.
Aber Ähnlichkeit ift noch kein zwingender Beweis für
Nachahmung. Vieles ift einfach antik, und manches war
fchon vom Judentum übernommen, und fomit für die
Kirche nur Erbgut. Aber ein merklicher Einfluß reicht
von Paulus (,Er icheint auf das Leben und Leiden Chrifti,
des Weltheilandes, nicht nur die Ausdrücke fondern fo-
gar die Vorftellungen diefer fakramentalen Kulte übertragen
zu haben'. ,Der gewaltige Myftiker, in der Atmo-
fphäre der orientalifchen Religionen lebend, eignet fich
ihren Gehalt an, wandelt ihn um, verchriftlicht ihn und
predigt ihn kraft göttlicher Infpiration') über Origenes bis
zum Ende diefer Religionen (Weihnachtsfeftl).

Cumonts Auffatz bildete einen fchönen natürlichen Ab-
fchluß des gediegenen Sammelbands; doch wir bekommen
noch einen unerwarteten Nachtrag: Heusler, die altgermanifche
Religion. Die Begründung des Gefamtleiters,
weshalb er diefen Beitrag hierher ftellt und nicht zu der
(noch ausftehenden) Darftellung der griechifchen und
römifchen Religion, hat mich freilich nicht überzeugt. Aber
Heuslers Skizze hat mich durch ihre methodifche Vorficht
und die trotzdem erreichte Anfchaulichkeit fo ftark
gefeffelt und überzeugt, daß ich dem Herausgeber dankbar
bin, daß er uns diefe fchöne Gabe fo bald wie möglich
befchert hat (über die natürliche Seelenverwandfchaft
zwifchen Germanentum und Chriftentum äußert fich H.
übrigens, wie mir fcheint mit Recht, zurückhaltender als
die populäre Anfchauung). Trotzdem möchte ich glauben,
daß diefer Teil in Zukunft beffer mit der leider immer
noch ausftehenden griechifchen und römifchen Religion
(mit der griechifchen ftellt H. öfter Parallelen oder Kon-
trafte an) verbunden wird, zumal wenn wir bei diefer
Gelegenheit auch über die keltifche Religion etwas hören.
Oder ift das wirklich garnicht vorgefehen?

Hannover-Kleefeld. Schufter.