Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1915 Nr. 1

Spalte:

410-412

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kierkegaard, Sören

Titel/Untertitel:

Kritik der Gegenwart 1915

Rezensent:

Schwartzkopff, Paul

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

409 Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 18/19.

410

900. Wiederkehr seines Todestages eine Biographie des j einige Zufätze, zumal eine Erklärung des U. V., meift
dritten Bifchofs von Meißen (992—1015), Eid, ausgehend [ wörtlich nach Luthers Kl. Katechismus, befchränkt. B.
von der Skizze, die deffen Zeitgenoffe Thietmar aus j ftellt ferner die Lebensdaten des Steeger Pfarrers Andreas
Merfeburg in feiner Chronik (VIII 25) von ihm gegeben Nonius Diftelheufer (1575—77) feft. Archivar F. W. E.
hat. Daß Eid Slave war, ist fehr zweifelhaft, daß er ! Roth behandelt den katholifchen Polemiker Johannes zu
dem Gefchlechte der Grafen von Rochlitz entfproffen, ! Wege aus Köln, den Schriftführer beim Wormfer Reli-

ganz gewiß falfch. Er war vielmehr Sachfe aus dem
Harzgau. Schon als Kanonikus von St. Moritz in Magdeburg
lebte er in apoftolifcher Armut, als Bifchof hat
er dann fleißig gepredigt und mufiziert. Unter den Polen

gionsgefpräch 1557. Dr. W. Ho 11 weg-Gildehaus ergänzt
feine Studie über Johannes Badius (ThA N. F. XIV, 1. ff.)
durch neue Dokumente. Ed. Simons berichtigt die Coll-
mannfche Auffaffung (ThA N. F. IV, 109. ff.), wonach die

einfüllen hatte feine Diözefe furchtbar zu leiden. Weil er rheinifche Kirche bei ihrer Verfaffungsrevifion 1853 beffer

eine Erftürmung Meißens durch die Polen befürchtete,
wollte er auch in feiner abgelegenen Heimat begraben
fein — denn unter dem Colibici der Dresdner Handfchrift
der Chronik Thietmars verfteht B. mit guten Gründen
nicht Colditz, fondern das anhaltinifche Kölbigk. Er
wurde dann aber doch in der Meißner Kathedrale beigefetzt
.— Ins Reformationszeitalter verfetzen uns zwei
Auffätze: Franz Tetzner hat alle ihm erreichbaren Nachrichten
über Hieronymus von Hirfcheide zufammengeftellt,
den Verfaffer eines Büchleins: Unterfcheid zwifchen des

als auf des .örtlichen' Nitzfehs Rat auf Friedrich Wilhelms
IV. Ideen eingegangen wäre, und zeigt, wie weife
die Provinzialfynode daran tat, gegenüber dem romantifch-
hochkirchlichen Kirchentraum des Königs an ihrem bewährten
Vätererbe feftzuhalten. Der einzige allgemein-
theologifche Beitrag von H. Girkon über den religiöfen
Illufionsbegriff Feuerbachs faßt fein Ergebnis dahin zu-
fammen, daß F., indem er das Chriftentum für Illufion
erkläre, damit das wahre Wefen des Menfchen verkenne,
welches ohne dogmatifche Voreingenommenheit aus rein

Bapftes und Luthers Lahr, von dem die Kgl. Bibliothek j pfychologifcher Notwendigkeit und Vernunftgemäßheit,
in Berlin und das Britifche Mufeum je ein Exemplar nämlich mit der Tatfache des Überfichhinausftrebens des
befitzen (das letztere mit dem Impreffum des Wolf Gün- ! menfehlichen Geiftes, die objektive, reale Exiftenz eines
ter in Leipzig 1551); dazu kommt eine fekundäre, aber | transfzendenten Gottes als abfoluter Subjektivität, d. h.
für die Textkonftitution wichtige (in der Zeit 8. Juni —2. als abfoluter Perfönlichkeit poftuliere: ein Refultat, deffen
Juli 1567 gefertigte) Abfchrift in der Kgl. Bibliothek zu Hegelifch-logiziftifche Zuverficht von dem fchwerften
Bamberg. Die Familie flammt aus Hirfcheid in Ober- Problem theologifch-philofophifcher Arbeit der letzten

franken, Hieronymus wird als aus Werdau gebürtig bezeichnet
. 1535 war er Schulmeifter in Reichenbach i. V.
und erhielt als folcher am 14. Auguft vom Rektor der
wegen der Peft nach Jena geflüchteten Wittenberger
Hochfchule das Zeugnis, daß er auf Grund feines von
einigen Theologieprofefforen mit ihm abgehaltenen Exa-

Jahrzehnte und ihren mühfam erarbeiteten Ergebniffen
wenig berührt fcheint.

Stolberg (Rheinland). Alfred Zilleffen.

Kierkegaard, Sören: Der Pfahl im Fleifch. Zum erften Mal

mens zum geiftlichen Amte tauglich fei. Er wurde dann j ins Deutfche übertragen u. m. e. Vorwort verfehen v.

Pfarrer in Kürbitz und Stolberg i. H., endlich erfter | Theodor Haecker. (47 S.) gr. 8°. Innsbruck, Brenner-

evangelifcher Pfarrer in Lengefeld, wo er 5. SepL 1560 Verlag 1914. M. 1_

ftarb. — Erich Stange behandelt die Amtsentfetzung des j__n_________1 /o_ c- on t?lj /

ICSI angetretenen Vnl,nit7er Pfarrer« Ahraham Pieri,,« ~ Kritik der Gegenwart. (87S.)gr.8°. Ebd. (l9I5)

1581 angetretenen Pulsnitzer Pfarrers Abraham Riccius ~ »nu,u«rB.s»™r.ri. _Wo.;g..o-. ~uu. t.yi>,. M. i-
durch feinen Kollator Hans Wolf von Schönberg, der erft Dallago, Carl: Uber eine Schrift (v. Thdr. Haecker) Sören
als Oberft im franzöfifchen, dann als Oberhofmarfchall Kierkegaard u. die Philofophie der Innerlichkeit. (48 S.)

und Hauptmann der Ämter Stolpen und Radeberg in kur- gr. 8°. Innsbruck, Brenner-Verlag (1915). M. 1—
fächfifchen Dienften ftand. R hatte fich feinen Zorn Es ift ein Verdienft des Überfetzers der beiden erft-

dadurch zugezogen, daß er fich auf die Seite der durch genannten Schriften des großen Dänen, diefe nachdem
Baufrohnen und Wachen arg befchwerten Bürgschaft ge- , fie zuerft in der Halbmonatsfchrift ,Der Brenner' veröffent-
ftellt hatte. — Weiter beantwortet e Nied nenn allerdings «cht worden, nun in deren Verlage auch gefondert her-
nicht ganz einwandfreier Beweisführung die Frage: Seit 1 auszugeben. Verf. erfcheint hierzu um fo mehr berufen
wann wird in Sachfen das Erntedankfeft gefeiert? dahin. als er, wie das Vorwort der erften und das Nachwort
daß es vor c. 1750 in Sachfen allgemein beftanden habe, der zweiten Schrift dartun, K.s wahlverwandter Schüler
vor c. 1700 nicht eingeführt worden fei.—Endlich fchenkt ift, der auch, mit echt K.fcher herber Verachtung jede
uns Arnold Weidauer die zweite Hälfte feiner prach- Spur eines natürlichen Innenlebens Gottes in Welt und
tigen lebensvollen Charakterbilder erzgebirgifcher Pafto- Menfchenfeele aus der Religion ausfeheidet. Beide Ab
ren aus der erften Hälfte des vergangenen Jahrhunderts
(Annaberger Ephorie).

Zwickau LS. O. C lernen.

handlungen zeigen fchon völlig das Gepräge von K.s
einzigartiger Perfönlichkeit. Zwar bedeutet des Paulus
.Pfahl im Fleifch' ein äußeres Gebrechen, nämlich eine
epileptifche Schwäche, die ihn, in den Augen der damaligen
Welt, als dämonifch befeffen bloßftellte und fo feine
Theologifche Arbeiten aus dem Rheinifchen Wilfenfchaftlichen Apoftelwirkfamkeit zu fchädigen drohte. Dies ficht inPrediger
-Verein. Hrsg. v. Prof. D. Simons. N. F. 15. deffen K. nicht an. Er fieht davon vielmehr mit vollem
Heft (III 143 S) gr.8°. Tübingen, J.C.B.Mohr 1914. Bewußtfein ab (S. 8ff. 47). Es kommt ihm einzig darauf
1 ' 46 ; S S M 640 a"' ubefhauPt an des Apoftels innere Erfahrung etwas

allgemein Menfchliches anzuknüpfen, was diefer befonders
Es entfpricht durchaus der Richtung, in der der ge- , tief erlebt hatte (47). So verfteht er unter ,Pfahl im
nannte Verein feine erfprießlichfte Kraft entfalten kann, Fleifch' rein innere, fittlich-religiöfe Anfechtungen, die bis
wenn das vorliegende Heft von den fechs Beiträgen, die es zur Verzweiflung gehen; im befondern: das Sich-getrennt-
neben der Rotfcheidtfchen Bibliographie für 1913 bringt, fühlen von Gott, und zwar gerade nach Augenblicken
fünf der rheinifchen Kirchengefchichte widmet. P. Bock- höchfter religiöfer Begeifterung (7. 30«". 36f.). Gleichartige
mühl bringt neues Quellenmaterial bei über den früheren . Zuftände entfpringen bei K. aus einem teilweife über-
MTnoriten Joh. Meynertzhagen, einen der Mitarbeiter an reizten Schuldbewußtfein. Er rettete fich aus dem pein-
der Kölner Reformation Hermanns von Wied, wirkend liehen Grübeln über eine perfönliche Jugendverfchuldung
in Köln, Bonn, Linz (Andernach?), f 1549 zu Königftein durch ausfchließende Hingabe an überfchwenglicheGnaden-
im Taunus, und ftellt feft, daß M.s Anteil an ,Amt von erfahrungen (36. 39fr.). So fchaut K. in des Paulus ,Pfahl
Aichs' Handbüchlein eines evangelichen Bürgers lieh auf im Fleifch' feine eigene Lebensangft.