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Ausgabe:

1915 Nr. 15

Spalte:

357

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Boßhard, G.

Titel/Untertitel:

Hermann Walter Bion. Ein Lebensbild 1915

Rezensent:

Köhler, Walther

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357 Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 15. 358

BoBhard, Pfr. G.: Hermann Walter Bion. Ein Lebensbild. (Die j
Vorkämpfer der religiöTen Reform in der Schweiz.) (44 S. m.
6 Tafeln.) gr. 8°. Zürich, Beer & Co. (1913). M. — 60

Diefe beiden, vom fchweizerifchen Verein für freies Chriften-
tum herausgegebenen Schriften dienen im betten Wortfinne der
Apologetik der vielgefcholtenen ,Reform'. Insbefondere nach der
fozialen Seite hin, die heute von den fogen. Religiös-Sozialen gepachtet
werden will. Es ift nicht überflüffig, dem gegenüber die
foziale Tat der Vergangenheit, gerade auf dem Boden des Liberalismus
, dem fo häufig charitative Sterilität vorgeworfen wird, zu
betonen; fie ift zugleich eine Verteidigung der Landeskirche, der
die Reform dient, gegen die oft fcharfen Angriffe der Religiös-
Sozialen. Beide Führer der Reform, die in den vorliegenden
Schriften gefchildert werden, find über die Schweizerheimat hinaus
bekannt, Bitzius als Sohn von Gotthelf und durch feine
Predigten, die für mich persönlich auf bisher unerreichter Höhe
ftehen, und Bion durch feine Ferienkolonien. Aus befter Sachkenntnis
heraus find die Biographien gefchrieben, Boßhard war
Bions Vikar und konnte viele Mitteilungen Altherrs benutzen, der
die Aufmerkfamkeit der Zürcher zuerft auf Bion lenkte, und
feinerfeits mit Bitzius eng befreundet war. Die impulfivere Natur
von den beiden war Bitzius, fein Brief an die Berner Kirchen-
fynode vom 3. Juli 1871 gegen den Apoftolikumszwang ift einfach
wundervoll, mit Recht fagt Altherr: ,in Deutfchland wäre einer
folch offenen Auflehnung mit umgehender Polt die Abfetzung erfolgt
'. Gegen Bitzius wagte man nichts! Wertvoll ift der Kampf
beider, Bitzius' wie Bions, gegen die Todesftrafe. Aus Bitzius'
,Reformchronik', die er lange Jahre fchrieb, fei nur das Urteil
über des alten Kaifers Glauben an die Gottheit Chrifti wiedergegeben
: ,Dem Hohenzollern imponiert das blaue Blut, das angeblich
durch Chrifti Adern rollte, der gewaltige irdifche Herrfcher
beugt fleh willig nur vor Einem, der nach militärischem Rang und
Grad noch höher als er felber fleht'. Daran ift etwas Richtiges. !
Bion faßte feine Sozialwirkfamkeit in das feine Wort: ,ungerechte
foziale Forderungen wird man am heften dadurch bekämpfen, daß
man gerechte als etwas Selbftverftändliches erfüllt'. Beide Persönlichkeiten
find wohl nur auf Schweizerboden denkbar, aber vor- |
bildlich werden können fie in manchen Stücken auch darüberhinaus. '
Zürich. Walther Köhler, j

Nef, Dr. Willi: Wilhelm Wundts Stellung zur Erkenntnistheorie Kants.

'Bibliothek f. Philofophie. 6. Bd.) (47 S.) gr. 8». Berlin,
L. Simion Nachf. 1913. M. 1.80

Diefe Stellung ,möglichft vollftändig zufammenzuftellen', hat j
fich der Verf. zur Aufgabe gemacht, ,um fo allen, die Wundt
nach diefer Seite hin nicht beachtet oder mißverstanden haben,
den Weg in feine oft fchwierigen Gedankengänge zu bahnen', j
Er begnügt fich mit einer rein betrachtenden Darstellung, die dies 1
leibtet, ohne kritifche Erörterungen zu geben, leider auch ohne
die Darstellung auf denjenigen Primat der praktischen Vernunft
auszudehnen, von welchem man bei Wundt reden könnte.
Leipzig. Karl Thieme.

Schall, Part. em. Alfred: Das neue Irrlehregeretz als Anftoß zu
einer eroterifchen Eeligionsfortbildung im Proteftantismus.

Grundlegung e. folchen mitteilt der okkult-gläubig vertretenen
Wahrheit e. kosm. Allbefeeligung. (XX, 154 S.) 8°. Leipzig,
O. Mutze 1914. M.3—; geb. M. 4 —

Der Titel deckt den Inhalt der Schrift nicht. Schall geht
zwar vom Irrlehregefetz aus, das er Scharf bekämpft; im Gegenfatz
dazu wünfeht er, daß der Kaifer, wie er es 1902 verfprochen habe,
wirkliche Freiheit zur Weiterbildung der Religion verfchaffe.
Solche Weiterbildung fei angefichts der Entfremdung von der
Kirche und der Wirkungslosigkeit ihrer Predigt nötig, und Schall
verrucht fie auf okkultiftifchem Grunde: Wiederverkörperung
(Seelenwandlung, d. h. Wiedergeborenwerden in anderen Menfchen,
nicht Seelenwanderung in Tieren), kosmifche Allbefeligung, fpiri-
tirtifiche Gedanken — das ift der Hauptinhalt feiner Schrift.
Ohne Wiederverkörperung und Allbefeligung fei die Welt mit
all ihren Ungerechtigkeiten, fittlich beurteilt, eine Gemeinheit;
daß geborene Verbrecher fchließlich noch ewig verdammt werden
follen, fei eine Graufamkeit. Die Religion, die folche Gemeinheit
befchönigt, verdiene, als unwürdig vom Materialismus beseitigt
zu werden. Solchem verftändlichen Empfinden des Vf. foll
man gerecht zu werden verfuchen, im übrigen aber vermag ich
feinen methaphyfifchen Lehren nicht zu folgen, für die er ftolzefte
Ansprüche erhebt und die er z. T. mit fehr fragwürdigen Redeblumen
Schmückt.

Berlin. H. Mulert.

Wichtige Rezenfionen.

Von Prof. Lic. Paul Pape in Berlin W. 57, Manfteinftr. 10.

Bezügl. Hinweife und Sendungen find Jederzeit erwünfeht,

Caufield: The early persecutions of the Christians (Athen 1913, 3oaug;

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Neuelte Literatur

ausgewählt von P. Pape.

RG: Cook, AB: Zeus: a Study in ancient Religion. Vol. I. Zeus,
the God of the bright sky. 8". London, Cambridge Uuiversity Press '15.
s. 45 | Davis, GMN: The Asiatic Dionysos. 8«. London, Bell & Sons
'15. s. 10.6 | Filippi, FB: Religioni dell' India: Jainismo e Buddhismo.
8° Pifa, Spoerri T5. L. 1.50 | Hartland, EJ: Ritual and Belief. Studies
in the History of Religion. 8» New York, Scribner '15. $ 3 — | Meißner
, B: Grundzüge der babylonifch-afiyr. Plaftik. (156 m. 261 Abb.)
gr8° Lpzg, Hinrichs '15. 3.50; geb. 4.50 | Muuß, R: Die altgerman.
Religion nach kirchl. Nachrichten aus d. Bekehrungszeit d. Südgermanen.
T. I. Diff. (57) 8» Bonn '14. | Phythian-Adnms, WJ: Mithraism.
(108) S11 Lndn, Constable'15. s. I— | San Nicolö, M: Ägypt. Vereins-
wefen zur Zeit der Ptolemäer u. Römer. II. Bd., 1. Abtlg. (204) Münch.,
Beck '15. 6 — | Spence, L: The Myths of the North Amei ican Indians.
8» New York, Crowell & Co.'15. # 3 — | Zimmermann, J: The God
Juggernant and Hinduism in India. 12° New York, Revell Co. '15
S 1.50

AT: The Codex Alexandrinus (Royal MS. 1 D. 5—8), in reduced
photogr. facsimile. Old Test. Pt. I: Genesis-Ruth. 4') Lndn, Milford