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Ausgabe:

1915

Spalte:

337-338

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weber, Simon

Titel/Untertitel:

Soldat und Krieg im Neuen Testament. Ein Vortrag 1915

Rezensent:

Schuster, Hermann

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack

Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

, —, _ _ Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan n t 1« mm

40. Jahrg. Nr. 15 ProfefiorD. Titius in Göttingen, Nikolausberger Weg 66, zu fenden. A^. JU.ll lvllO

Rezenfionsexemplare ausfchließlich an den Verlag.

Religiöfe Kriegsliteratur (Schufter).
Langdon, Tammuz and Ishtar (Meißner).
Baudiffin, Zur Gefchichte der altteftament-

lichen Religion in ihrer univerfalen Bedeutung

(Bertholet).

Nairne, The Epistle of Priesthood (Windifch).
Rackl, Die Chriftologie des hl. Ignatius v.
Antiochien (v. d. Goltz).

Hilgers, Die katholifche Lehre v. den Abiäffen
u. deren gefchichtliche Entwicklung
(Scheel).

Götz, Die religiöfe Bewegung in der Oberpfalz
von 1520—1560 (Schornbaum).

Hammacher, Hauptfragen der modernen Kultur
(Dorner).
Leute, Der katholifche Priefter (Eger).

Referate: Behm, Die Bekehrung des Paulus.

— Henrici, Barbarolexis. — AI therr, Albert
Bitzius. — Boßhard, Hermann Walter Bion.

— Nef, Wilhelm Wundts Stellung zur Erkenntnistheorie
Kants. — Schall, Das neue
Irrlehregefetz als Anftoß zu einer efoteri-
fchen Religionsfortbildung im Proteftantis-
mus.

Wichtige Rezenfionen — Neuefte Literatur.

Religiöfe Kriegsliteratur.

(vgl. Nr. 7, 12 und 14.)

Die Kriegsgedanken der Bibel hatEißfeldt1 in einem
Doppelheft der religionsgefchichtlichen Volksbücher be-
fchrieben. Der Hauptteil des Raumes entfällt natürlich

Wilhelm Herrmann4 bietet uns den zuerft in der
,Chriftlichen Welt' veröffentlichten Vortrag ,Die Türken,
die Engländer und wir deutfehen Chriften' in einem
Sonderdruck. Muhammed zeigt darin die echte Art des
religiöfen Denkens, daß er neben dem Gedanken Gottes
als der in allem Wirklichen fich offenbarenden Macht den
anderen völlig widerftreitenden aufrichtet, daß der Menfch

auf das Alte Teftament, das in drei Kapiteln abgehandelt j felber fich fein Schickfal bereitet. Gott ift ihm der All
wird: das alte Ifrael, die Propheten, die nachexilifche Zeit. | mächtige und der gerechte Richter; fo wird er ihm zum

Aufgefallen ift mir dabei die völlige Gleichfetzung von
Elia und Elifa. Beide follen mit ihrem Herzen auf Seiten
der Feinde Ifraels geftanden haben. Für Elifa kann als
Beleg doch nur 2 Kön. 8, 7ff. angeführt werden; aber
die fonftige, vorherrfchende Überlieferung widerfpricht
dem Urteil Eißfeldts. .Wagen Ifraels und feine Reiter

Erzieher und Befreier. In diefen Gedanken ift Muhammed
mit dem Alten und Neuen Teftament verbunden, wenn
er auch nicht aus der Überlieferung gelernt hat, wie wir
den Mut zu folchem Vertrauen finden (innere Überwindung
durch Jefu heilige Güte). Noch durch ein zweites find
wir mit den Türken verbunden: wir können gehorchen,

wird Elifa mit gutem Grund genannt (2 Kön. 13, 14), j unbedingt gehorchen; wir wiffen, daß im Gehorfam des
während für Elia allerdings diefe Bezeichnung gar nicht ; Opfers die wahre Freiheit befteht. Und hierin unterpaßt
(2 Kön. 2, 12). Zu einer padagogifchen Auffaffung | fcheiden wir beide, Deutfche und Türken, uns von den
des Krieges findet E. bei den Propheten wemgftens ,An- ; Engländern, die in Theorie und Praxis auf der Stufe der

fätze'. Ich glaube, auch das ift noch zu viel gefagt. Strafe
und Gericht ift an fich noch nicht Läuterung und Erziehung.
Im neuteftamentlichen Teil betont E. mit Recht die
übernationale, überzeitliche individualiftifche Art der
Frömmigkeit und die eschatologifche Stimmung mit ihrer
höchftens relativen Schätzung von Staat und Kultur. Die
Bergpredigt ift an den Einzelnen gerichtet, fagt zu unferer
Frage nichts. So gewiß aus den Grundgedanken Jefu der
Völkerfriede als Hoffnung und Ideal fich ergibt, fo liegt
doch kein Kriegsverbot vor: Im Gegenteil, aus der im
Neuen Teftament fo oft eingefchärften Pflicht, die Mächte
der Bosheit zu bekämpfen, möchte E. das Recht und die
Pflicht ableiten, gegen das Unrecht und für fittliche Güter
nötigenfalls auch mit der Waffe zu ftreiten. Man wird
diefer Gedankenführung in allem Wefentlichen zultimmen.
— An er2 bietet durch gefchmackvolle phantafiereiche
Ausführung altteftamentlicher Kriegsbilder aus der vor-
exilifchen Zeit nützliche Anregung für Unterricht und
Seelforge. — Weber3 war mir lehrreich durch feine katholifche
Bibelauslegung, mit deren Hilfe er befonders aus
der Offenbarung eine deutliche pofltive Kriegsanweifung
herauslieft, und erfreulich durch eine verftändige Auffaffung
der vielumftrittenen Bergpredigt.

1) Eißfeldt, Paft. Priv.-Doz. Lic. Otto: Krieg und Bibel. (Reli-
gionsgefchichtliche Volksbücher. V. Reihe, 15I16. Heft.) (VIII, 84 S.)
8°. Tübingen, J. C. B. Mohr 1015. M. 1 —; geb. M. 1.30

2) An er, Pfr. Dr. Karl: Kriegsbilder aus der Bibel. (60 S.) kl. 8».
Berlin, K. Curtius (1915). M. —40

3) Weber, Prof. Dr. Simon: Soldat und Krieg im Neuen Teftament.
Kin Vortrag. (16 S.) 8°. Freiburg i. B., Herder 1915. M. —20

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antiken ariftotelifchen Ethik des individualiftifchen Eu-
dämonismus flehen geblieben find. — Sehr viel geringer
über den inneren Wert des Islam und die äußere Kraft
der Türkei urteilt Richard Schäfer5. ,Das Sterben des
kranken Mannes kann nur verhindert werden durch Überwindung
feiner Krankheit; und das ift der Islam.' Sch.
ift als Sekretär der deutfehen Orientmiffion gewiß ein
genauer Sachkenner, aber vielleicht auch nicht ganz unbefangen
. Beide Schriften können einander ergänzen, zumal
fie in ihren praktifchen Wünfchen und Vorfchlägen
zufammenftimmen: Auch Sch. wünfeht eine Miffion durch
die Praxis des von der Liebe getragenen Lebens (ftatt
bloßer, unfruchtbarer Lehre) und rechnet dazu nicht
nur fchulifche und ärztliche Tätigkeit fondern auch nützliche
Kulturwerke. — Sehr dankenswert ift, daß Wurfter6
es unternommen hat, uns auf Grund von gedruckten
Quellen und vonBriefen über dieKriegsftimmung deseng-
lifchen Chriftenvolkes zu unterrichten: die englifchen
Chriften find faft ausnahmslos von ihrem Recht und unferem
Unrecht felfenfeft überzeugt. Die Verletzung der belgi-
fchen Neutralität' und unfere .belgifchen Greuel' flehen
dogmatifch feft. (Sogar die Hindus haben Sinn für die

4) Herrmann, Prof. D. Wilhelm: Die Türken, die Engländer und
wir deutfehen Chriften. Ein Vortrag. (26 S.) 8». Marburg a. L., Verlag
d. Chriftlichen Welt 1915. M. _50

5) Schäfer, Richard: Der Deutfche Krieg, die Türkei, Islam und
Chriftentum. Ein Beitrag zur Beurteilg. der Weltlage. (69 S.) 8». Leipzig,
Krüger & Co. 1915. M. —75

6) Wurfter,Prof. Paul: Das englifche Chriftenvolk und wir. (Durch
Kampf zum Frieden. Heft IV.) (32 S.) gr. 8». Tübingen, Kloeres 1915.
M. — 50