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Ausgabe:

1915 Nr. 14

Spalte:

332-333

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Porten, Max von der

Titel/Untertitel:

Die Grundlagen der Kantschen Philosophie 1915

Rezensent:

Jordan, Bruno

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 14.

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ift beachtenswert. Im zweiten Kapitel behandelt der Verf.
Gottesdienft und Gemeindeleben. Der Liturgiker erhält
hier wertvolle Auffchlüffe, die er in diefer Kürze und
Überfichtlichkeit fonft nicht leicht findet; die Mitteilungen
über die Entwicklung des kirchlichen Gemeindelebens
zeigen, wie ähnlich die Verhältniffe den unfrigen find;
fie haben daher auch zu denfelben neuen Lebensformen
(Gemeindeabende, Gemeindehäufer, Gemeindediakonie ufw.)
geführt. Auch der nächfte Abfchnitt III ,Vereinsleben.
Aeußere Miffion' bringt noch einiges hierher gehörige
(Ev. Vaterlandsftiftung und ähnliches). Die Teilung des
Stoffes ift hier nicht ganz klar. Der Abfchnitt über die
fchwedifche Heidenmiffion bringt nur eine ganz kurze
Überficht. Sehr inftruktiv find die beiden letzten Ab-
fchnitte IV. Kirche und Schule, V. die theologifche und
die kirchliche Lage. Befonders der letztere wird weite
Kreife intereffieren. Die Probleme und Gegenfätze find
in Schweden natürlich im Grunde diefelben wie bei uns.
Der Einfluß der deutfchen Theologie ift, wie der Verf.
auch hervorhebt, fehr ftark, wenn auch durchaus
nicht alleinherrfchend. Auch englifchfreikirchliche Ein-
flüffe machen fich geltend. Dagegen fehlt der Machteinfluß
der römifch-katholifchen Kirche. Ritfchls und
befonders Wilhelm Herrmanns Einfluß hat fich feit 1890
ftark geltend gemacht; es ift aber befonders auf hifto-
rifchem Gebiet auch eifrig felbftändig gearbeitet worden.
Die Fühlung der Profefforen mit dem praktifchen kirchlichen
Leben fcheint enger zu fein, als es bei uns im
Durchfchnitt der Fall ift. Darauf führt es der Verf. zurück
, daß ,Fälle' fehr feiten find und der Gegenfatz
zwifchen Theologie und Kirche mildere Formen einhält.
Vielleicht nicht mit Unrecht beklagt er es, daß in Deutfch-
land die Kenntnis der fchwedifchen Theologie und Kirche
nur eine dürftige fei. Es wäre fehr zu wünfchen, daß
diefe treffliche kurze Darftellung dazu anregte, fich ausgiebiger
mit der uns fo naheftehenden Schwefterkirche
zu befchäftigen.

Greifswald. Ed. von der Goltz.

Referate.

Benamozegh, Rabbin-Pred. Elie: Israel et l'Humanite. Etüde sur
le probleme de Ia religion universelle et sa Solution. Prö-
face de Hyacinthe Loyson. (XLIII, 735 S.) gr. 8°. Paris, E.
Leroux 1914. fr. 12—

Was der Livornefer Rabbi und Prediger im Laufe feines
fehr langen Lebens (1823—1900) über die Trefflichkeit und Uni-
verfalität des Judentums fich in gemäßigt reformerifcher Weife
gedacht und ungemein breit zu Papier gebracht hat, erfcheint
hier, vierzehn Jahre nach feinem Tode, in franzöfifcher Bearbeitung
; warum und wozu, ift nicht recht verftändlich.

Leipzig. Erich Bifchoff.

Lietzmann, Hans: Symbole der alten Kirche. Ausgewählt. (Kleine
Texte f. Vorlefungen u. Übgn. 17.18.) 2. Aufl. (40 S.) 8". Bonn,
A. Marcus & E. Weber 1914. M. 1 —

Lietzmanns dankenswerte Sammlung ,Symbole der alten
Kirche', die 1906 zum erften Male erfchien, um die Behandlung
diefes nach allen Seiten der kirchengefchichtlichen Bildung fruchtbaren
Gegenftandes im Seminar zu ermöglichen (Hahns bekannte
,Bibliothek' ift dazu leider zu teuer), liegt jetzt in neuer Auflage
vor. Sie dringt hoffentlich rafcher durch, als es unverdientermaßen
der erften befchieden gewefen zu fein fcheint. Der Umfang
ift nur wenig erweitert: das Athanaflanum, das auf Papyrus
überlieferte Bruchftück eines ägyptifchen Symbols und die traditio
symboli desSacramentarium Gelaflanum find willkommeneZufätze.
Weitergehende Wünfche werden immer an dem möglichft niedrig
zu haltenden Preis des Heftes eine enge Begrenzung haben und
mögen deshalb auch hier unterdrückt fein. Man kann fleh mit
ergänzenden Diktaten oder Hektogrammen helfen. Die die Sammlung
eröffnenden patriftifchen Exzerpte ,die älteften Nachrichten
über Tauffymbole' würden den Kultus als den urfprünglichen
Ort des Symbols noch deutlicher hervortreten laffen, wenn fie
etwas weniger knapp ausgefchnitten wären. Zur Rekonftruktion

des Cyriilifchen Symbols hat Kattenbufch 1 234ff 276ff Anmerkungen
gemacht, die im Apparat berückflehtigt fein follten. Etwas
vermehrte Literaturangaben und durchlaufende Numerierung der
Stücke fcheinen mir praktifche Bedürfniffe zu fein.
Berlin-Dahlem. H. v. Soden.

Boehmer, Prof. Heinrich: Luther im Lichte der neueren Forfchung.
Ein krit. Bericht. 3. verm. u. umgearb. Aufl. (Aus Natur
und Geifteswelt. 113. Bdchn.) (VI, 170 S. m. 2 Bildniffen.)
kl. 8". Leipzig, B. G. Teubner 1914. M. —90; geb. M. 1.25
Über die zweite Auflage des Böhmerfchen ,Luther' habe
ich in diefer Ztg. 1911, Nr. 16, berichtet. Die Änderungen der
nunmehrigen dritten Auflage gegenüber der zweiten find nicht
fo durchgreifend wie f. Z. die der zweiten gegenüber der erften;
fie betreffen zumeift Luthers Jugendentwicklung. Genau fetzt
I fich B. z. B. mit Grifars Thefe, Luther habe urfprünglich zur
[ Obfervantenpartei des Auguftinerordens gehört, auseinander und
findet hier die Löfung fo: die Romreife Luthers fällt in den
Winter 1510/11, der defectus ad Staupitium ift erfolgt, aber es
handelte fich bei der ganzen Kontroverfe nicht um die Prinzipien
der klöfterlichen Disziplin, fondern um eine rein praktifche
, eher politifche Frage, über die man bei aller Überein-
ftimmung in den monaftifchen Grundfätzen wohl verfchiedener
Meinung fein konnte. Von einer grundfätzlichen Oppofition gegen
die Auguftinerobfervanten ift keine Rede. Luthers inneres Werden
faßt B. unter ftarken Abweichungen von feiner früheren Anficht
jetzt fo auf: die Erleuchtung, von der Luther fpäter redet, fällt
Ende 1512 oder Anfang 1513, Rom. 1,17 muß für Luther wirklich
eine befondere Bedeutung gehabt haben, er kennt den
Römerbrief fchon im Sommer 1513 recht genau. Eingewirkt
haben auf feine Theologie vorab die Okkamiften, dann Auguftin,
deffen Myftik und Gnadenlehre ihm Eindruck machten, Bernhard
v. Clairvaux und Joh. v. Staupitz, endlich Tauler und die ,Theo-
logia deutfeh'. Ob B. mit diefer Anfetzung Recht hat, fcheint
zweifelhaft; eine Auseinanderfetzung mit Scheel, deffen Arbeiten
zwar in der Literaturüberficht genannt find, konnte wohl nicht
geboten werden. In der Darfteilung des Ketzerprozeffes gegen
Luther ift im Anfchluß an Kalkoff Einiges geändert worden;
mit Barge wird etwas fchärfer ins Gericht gegangen. In die
dankenswerten Ausführungen über das Luther-Porträt ift das
jüngft von dem Schloßhauptmann der Wartburg, H. v. Cranach,
entdeckte Ölbild aufgenommen worden. Nicht geändert hat B.
feine grundfätzliche Stellung zu dem Problem: Reformation und
Kultur. Die billigen, neuen Scherze S. 33 ff über die Profefforen
der Theologie wären beffer unterblieben.
Zürich. Walther Köhler.

Kant: Ausgewählte kleine Schriften. Für den Schulgebrauch u.
zum Selbftftudium m. e. ausführl. Einleitung in die Kantifche
Philofophie u. in das philofoph. Denken überhaupt hrsg. v. Dr.
Hermann Hegenwald. (Meiners Volksausgaben Bd. I.) (LVI,
125 S.) 8«. Leipzig, F. Meiner 1914. Geb. M. 1.40

Descartes, Rene: Meditationen über die Grundlagen der Philofophie
. Überfetzt v. Artur Buchenau. (Meiners Volksausgaben,
Bd. II.) (78 S.) 8». Ebd. 1914. Geb. M. 1.40

Hume, David: Eine Unterfuchung über den menfchlichen Verltand.
Hrsg. v. Raoul Richter. (Meiners Volksausgaben Bd. HL)
(VIII, 223 S.) 8". Ebd. (1914). Geb. M. 1.40

Kant, Immanuel: Kleinere Schriften zur Gefchichtsphilorophie, Ethik
und Politik. Hrsg., eingeleitet u. m. Perfonen- u. Sachregifter
verfehen v. Karl Vorländer. (Philofophifche Bibliothek, Bd.
47.) (LXII, 226 S.) 8». Ebd. 1913. M. 3-; geb. M. 3.60

Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft. Neu hrsg. v. Thdr.
Valentiner. 10., um e. Sachregifter verm. Auf 1. (Philofophifche
Bibliothek, Bd. 37.) (XI, 861 S.) 8«. Ebd. 1913. M. 4.60;

geb. M. 5 —

Porten, Dr. M. v. der: Die Grundlagen der Kantrehen Philorophie.

(26 S.) 8". Leipzig, Unesma 1914. M. —50

Der rührige Verlag von Felix Meiner, der von der Dürrfchen
Verlagsbuchhandlung 1911 die bekannte Kirchmannfche ,grüne',
fpäter philofophifche Bibliothek übernahm, hat außer dem Ausbau
diefer Sammlung auch eine Ergänzung durch neue Sammlungen
begonnen. Er plant eine Herausgabe der Hauptwerke der Philofophie
in originalgetreuen Neudrucken, er hat als erftes Bändchen
einer fehr dankenswerten Bibliotheca Philosophorum Descartes
Meditationen bereits herausgegeben und zwei Leibnizbände vorbereitet
; in Schriften zur Einführung in die Philofophie, betitelt
Wiffen und Forfchen, will er der Nachfrage des Publikums nach
Erläuterungen der philofophifchen Klaffiker und nach Einführung