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Ausgabe:

1915 Nr. 14

Spalte:

325-326

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wetter, Gillis P:son

Titel/Untertitel:

Phos. Eine Untersuchung über hellenistische Frömmigkeit, zugleich ein Beitrag zum Verständnis des Manichäismus 1915

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Seite 1

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325

Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 14.

326

fchloffen fich ganz naturgemäß den Vorftellungen diefer
Myflik an und fanden darin Formeln, in welche fie die
Wahrheit des Evangeliums Chrifti gießen konnten'. Ja er
fühlt fich feiner Sache fehr ficher, er meint, der Beweis
ftehe denen zu, die die gefchichtliche Abhängigkeit des
Chriftentums von dorther leugnen wollen. Wenn ich hier
zuftimme, fo glaube ich doch hervorheben zu müffen,
daß fich der Verfaffer in feinen Ausführungen fehr ftark
im Allgemeinen hält, es kommt doch nicht nur darauf
an nachzuweifen, daß für den Verfaffer der Johannes-
fchriften das Leben eine metaphyfifch-phyfifche göttliche
Unfterblichkeitsfubftanz fei. Die Frömmigkeit der Johan-
neifchen Schriften kann noch ganz anders und eindringender
im Licht der helleniftifchen Frömmigkeit verftanden
werden. Endlich aber möge fich der Verfaffer diefer
fleiß igen und als eines erften Verfuches doch lobenswerten
Arbeit die Frage vorlegen, ob er die Fäden, die
er für die Johannisfchriften fo energifch knüpft, für Paulus
gänzlich zerreißen darf, ob nicht Johannes und Paulus in
religionsgefchichtlicher Beziehung eine Einheit gegenüber
dem Evangelium Jefu darftellen.

Göttingen. Bouffet.

Wetter, Gillis P:fon: Phos {0ioq). Eine Unterfuchg. über
helleniftifche Frömmigkeit, zugleich e. Beitrag zum Ver-
ftändnis des Manichäismus. (Skrifter utgifna af K. Hu-
manift. Vetensk.-Samfundet iUppfala. 17: 1.) (IV, 189 S.)
gr. 8°. Uppfala (1915). Leipzig, O. Harraffowitz. M. 3.75

Auf der primitiven Stufe zahlreicher Religionen ift
Gott = Sonne = phyfifches Licht. Wenn dann die große
Spaltung im Bewußtfein eintritt und die gegenwärtige
Welt als ideale noch einmal gefetzt wird, fo ift das Cha-
rakteriftikum diefer zweiten höhern Welt das Licht als
Prinzip, Energie und Causatum, als Gott, Logos, Weisheit,
Nus, Gnofis, als obere Welt und als Wertbeftandteil der
diesfeitigen Welt. Wenn die genauer beobachtende Philofophie
nunmehr eintritt, fo hält fie, fei es als Bild, fei es
als Sache, das Licht feft. Wenn endlich Religionen und ,
Kulturen, die diefe Entwicklung erlebt haben, aufeinander : Aucn .der Anlchluß an einige platonifche Sätze gegen die
ftoßen fo erkennen fie fich alsbald an der Licht- und «.utontat des Staginten bedeutet nicht viel. Denn den
Überlichtreligion und -philofophie als verwandt, fließen -Naturalismus' des echten Anftoteles ertrug der Katho-
ineinander über, und es verwifchen fich im Einzelnen die ' »Zlsm.us begreiflicher Weife nicht. Im kirchlichen Art

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der wie ein lichter Nebel alles Höhere in lieh verfchlingt,
für jene Welt religiöfen Lebens und Denkens charakteri-
ftifch. Der Verfaffer hat fowohl dies gut zum Ausdruck
gebracht, als auch Einzelnes, was fich hier fefter faffen
läßt, fcharf beftimmt (f. befonders das 3. Kapitel). Die
Frage aber, wie viel von dem .Licht,' das in der alten
chriftlich-kirchlichen Religion (Gedanke und Kultus) eine
Rolle fpielt, helleniftifch ift und wie viel aus der alttefta-
mentlich-jüdifchen Entwicklung flammt, hat der Verf. im
Eingang zwar geftreift, fie aber dann nur noch feiten
berührt. Er fcheint geneigt, auf diefem Boden vom A. T.
(LXX) abzufehen, das aber wäre ein fchwerer Fehler. Das
Johannes-Evangelium wurzelt im A. T. und Spätjudentum,
nicht im Hellenismus, den es freilich auch vorausfetzt.
S. II ift ftatt Marcion .Marcus' zu lefen.

Berlin. v. Harnack.

Gaul, Dr. Leopold: Alberts des Großen Verhältnis zu Plato.

Eine literar- u. philofophiegefchichtl. Unterfuchg. (Beiträge
zur Gefchichte der Philofophie des Mittelalters,
XII, 1.) (IX, 160 S.) gr. 8°. Münfter, Afchendorfif 1913.

M. 5.40

Der Verfaffer will in diefer Unterfuchung Alberts
Kenntnis von Piatos Leben und Schriften feftftellen und
fodann fchildern, wie er fich mit Plato auseinanderfetzt.
Die unmittelbare Kenntnis der platonifchen Schriften ift
außerordentlich dürftig. Wohl finden fich viele Zitate aus
den verfchiedenften Schriften Piatos: aber ficher nachweisbar
hat er nur den Timäus in der lateinifchen Über-
fetzung des Chalcidius gelefen. Was ihm fonft an Ausführungen
des Plato bekannt wurde, flammt in der Regel
aus den ariftotelifchen Schriften. Der Refpekt vor Plato
ift recht groß. Das ift: aber weniger auffallend, als es G.
offenbar erfchienen ift, der mit Nachdruck auf die .Hochachtung
' hinweift, die Albert Plato entgegenbringe. Einer
Theologie, die unter der Autorität Auguftins ftand, war
der Name Piatos ehrwürdig. Ihn hoch zu rühmen zeugt
nicht von einem befonderen inneren Verhältnis zu ihm.

genetifchen Vorftufen hoffnungslos. Soll man nun eine
Monographie über das .Licht' in der Religionsgefchichte,
fei es auch nur in der helleniftifchen, die aber fo Vieles

ftotelismus war er ausgemerzt. Wenn darum Albert in
der Darftellung des Wefens der Seele, ihres Verhältniffes
zum Körper, des Fortlebens nach dem Tode Plato folgt,
fo berechtigt auch dies nicht zu der Annahme tief grei-

eine Sifyphusaufgabe und ift dabei langweilig. Lockender
erfcheint es, den ganzen Stoff, woher er auch (lammen
mag, zu integrieren oder vielmehr in einer Kurve feine

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in fich hineingezogen hat, fchreibenr Ich geltene, oaU len fender Einwirkungen der platonifchen Philofophie. Albert
mit einigem Schrecken das Buch Wetters über dieies leicht fie im übrigen gern dem kirchlichen Ariftotelismus
Bp Xai jiäv in die Hand genommen habe. Wer ein ^ Schwerlich werden alle wie Gaul über den großen
-Licht' kennt, kennt fie a e, und ayer alle kennt kennt ; Einfluß ftauneI1) den der überfliegende Idealismus des
eines, und wiederum: Alles ilt ^c™>^?£? ^ Griechentums noch bei dem Philofophen unmittelbar
Sinnlichen und Gemeinen fleht alles Metapnyincne anes | u d acht hat der es als fein Lebenswerk betrach-
Religiöfe, alles Pfychologifche, alles Erkeimtnistheoretifche j ^ durf* die Vermahlung des chriftlichen Denkens mit
Jedem einzelnen Licht pünktlich nachzugeben m 101 , ^ nuchternen Gdft des Arifloteles angebahnt und zum

guten Teil felbfl durchgeführt zu haben*. Denn der Refpekt
vor dem Philofophen Plato erklärt fich auch ohne
I unmittelbare Einwirkungen, und der Einfluß Piatos ift
mmer gleiche Entwicklung ein für alle ^J^U™«J : weniger groß, als er G. erfcheint. Das auch von G. feft-
Lennoch wird man fich durch d* M°™8™Ph*^*Xat : geftellte oft fehr dürftige Verftändnis Piatos und der
der feine Kenntnis auf diefem Gebiet fchon bewahrt hat wirklich erhebKch von G&fcharfgenug gezeichnete Mangel
angenehm enttäufcht fehen, zunächlt dfdu,rcd'.üaV'e originaler Lektüre Piatos warnen vor einer Überfchätzung
nicht mehr als 189 Seiten umfaßt (denn fie konnte zenn , feinea Einfluffes und der Annahme einer fonderlich felb-
mal f0 groß fein), fodann durch die Auswahl daamw Händigen Verarbeitung der platonifchen Philofophie. Etwas
erftreckt fich auf wichtige Einzelprobleme), endlich durch anderes ift allerdings die Frage, wie weit der Auguftinis-
die gründliche Behandlung. Freilich — vieLAuf kiarunö, mus und def Jn Jhm enthaltene Neupiat0nismus auf Albert
»0 paradox das erfcheint, kann das helleniftifche Relimons- : eingewirkt hat Aber diefe F e wollte G weder ftellen
wefen sub specie .Licht' nicht erhalten; denn dazu ilt das nQch löfen Die ^ nkht und dje jüngft erft durch den
Licht' ein zu allgemeiner Begriff; fchon unter dem Begrm Dfuck zu än Hch „emachten Schriften Alberts hat G.
-Sonne' treten die verfchiedenen Konturen der verlerne- , nicht unterrudlt

denen Religionen beffer hervor. Aber andrerfeits ift eben '_

die Verfchwommenheit, welche an dem Licht-Begriff haftet, lubingen. Otto Scheel.