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Ausgabe:

1915 Nr. 14

Spalte:

319-321

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Festschrift, Ernst Windisch zum 70. Geburtstag am 4.9.1914 dargebracht von Freunden und Schülern 1915

Rezensent:

Wackernagel, Jakob

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319 Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 14. 320

Verftändigung anzubahnen. Daß eine folche Zeitfchrift
fich vor wichtige Aufgaben geftellt fieht, zeigen Auffätze
über den Beruf der Neutralen (Prof. Lammafch), die
Pfychologie der Ausfage (Frau Dr. Hoech-Ernft), der Weg
zum Frieden (R. Macdonald) [Engl], Parlament und auswärtige
Politik (A. Ponsonby), aber auch die vorhandenen
Schwierigkeiten haben fich den Herausgebern fchon vor
der erften Veröffentlichung fehr ftark aufgedrängt.

Göttingen. Titius.

Feftlchrift, Ernft Wi nd ifch zum 70. Geburtstag am 4.9.1914
dargebracht v. Freunden u. Schülern. (VIII, 380 u. 16 S.
m. lTaf.)Lex.-8°. Leipzig, O. Harraffowitz 1914. M. 15 —

Die Feftfchrift zeugt von zweierlei, von der großen
und wohlverdienten perfönlichen Wertfehätzung, die dem
bekannten Leipziger Akademiker aus weiten Kreifen entgegengebracht
wird, und mittelbar zugleich von dem l (s- 85—97) 1 — Lüders ,Setaketu' (S. 228—245) [mit wert

Anfang von Kälidäsa's epifcher Dichtung ,das Gefchlecht
der Raghufürften' (S. 43—51) [metrifche Übertragung der
erften 31 Strophen eines der gefeiertften indifchen Gedichte
]; — Cappeller ,Ein medizinifches Sanskritdrama'
(S. 107—115) (Analyfe des allegorifchen Dramas eines
gew. Makhin, worin das menfehliche Leben, als König
Dfchiwa dargeftellt, in feiner Stadt, dem Leibe, von einem
Heere von Krankheiten unter der Führung des Jakshman,
der Schwindfucht, belagert wird, fich derfelben aber mit
den durch die Huld der Götter erworbenen Heilmitteln
erfolgreich erwehrt]; — Lindenau ,Spuren griechifchen
Einflußes im Schaufpielbuch (Nätyasäftra) des Bharata
Muni?' (S. 38—42); — Abegg ,Die Lehre vom Sphota
[etwa = Wortvorftellung] im Sarvadarsanasangraha'
(S. 188—195). — In die kanonifche Literatur des Buddhismus
führen Franke ,Die Zufammenhänge der Nachbar-
Sutta9 vonSuttanipätaI' (S. 196—204); — Konow .Bemerkungen
über die Kharosthl-Handfchrift des Dhammapada'

weiten Umfang feiner wiffenfehaftlichen Intereffen und j XoIlen Nachweifen übe.r den Zufammenhang des urfprüng-

Studien

Ein Gelehrter, der zu Anfang feiner Laufbahn binnen
weniger Jahre mit einer Arbeit über die homerifchen
Hymnen (1867), mit einer Unterfuchung über die Quellen
des Heliand (1868), mit der erften vollftändigem Sammlung
keltifcher Etymologien (1873), mit der Ausgabe eines
philofophifchen Sanskrittextes (1874), endlich mit einer
auf die Anfänge fyntaktifcher Entwicklung zurückgreifenden
Erörterung des indogermanifchen Relativums (1869)
hervortrat, war dazu berufen, nach vielen Seiten zu wirken
und feine Schüler einmal zu weitausgreifendem Betrachten
und Vergleichen, befonders aber und noch mehr zu liebendem
Verfenken in die Denkmäler und Überlieferungen
einzelner großer Völker anzuleiten. Ein folcher Gelehrter
hatte auch Anlaß, mit Forfchern der verfchiedenften Gebiete
in Beziehung, etwa auch in gemeinfame Arbeit zu
treten und ihre Hochfehätzung zu gewinnen.

Unaufhörlich uud ohne in den letzten Jahren nach-
zulaffen hat Windifch lehrend und fchriftftellernd ins-
befondere auf dem Gebiete der Keltologie, deren Kontinuität
nach Ebels Tode ohne ihn in Deutfchland fall
abgeriffen wäre, und auf dem der Indologie gearbeitet.
Dem entfprechend treten unter den im Feftbande zu-
fammengeftellten 33 Arbeiten diefe beiden Disziplinen
in den Vordergrund. Mehr als den vierten Teil des Bandes
füllt die Abhandlung von Mühlhaufen ,Die lateinifchen
germanifchen romanifchen Lehnwörter des Cymrifchen'
(S. 249—348). Die Lefer diefer Zeitfchrift mache ich
befonders auf die Nachweife aufmerkfam, die der Verf.
auf S. 336, 343 fr. über die fprachlichen Wirkungen der
Einführung des Chriftentums in Großbritannien und Irland
gibt. — Daneben treten zwei weitere, kleinere Abhandlungen
: Thurneyfen ,zu Cormacs Gloffar' (S. 8—37),
enthaltend eine tiefbohrende Unterfuchung der Überliefe-
rungsgefchichte und zwei von Überfetzung begleitete
Proben eines literaturgefchichtlich wie fprachlich wichtigen
irifchen Textes, als ,Gruß des Bonner Sprachwiffenfchaft-
lichen Seminars an den Senior der Keltologie in Deutfchland
', und Kuno Meyer .Eine verfchollene Arturfage'
(S. 63—67), worin eine kleine Ergänzung zu Windifchs
letzter großer Arbeit ,Das keltifche Britannien bis zu
Kaifer Arthur' (Leipzig 1912) geboten wird.

Viel zahlreicher find die indologifchen Beiträge. Zu-
nächft zwei kleine Vedica: Oldenberg .Zwei vedifche
Worte' (S. 116—122) bespricht die bis jetzt verfchieden
gedeuteten Nomina pravät-und meni-, Geldner ,vi duk-
sah in RV. VII 4,7' (S. 173—179), eine Verbalform, bei
der man fchwanken kann, ob fie eher zu altind. duh-
.melken' oder zu lat. ducere gehört. Die nachvedifche
indifche Literatur und deren Stoffe befchlagen Jacobi
.Über die ältere Auffaffung der Upanisad-Lehren' (S. 153
—157). — Hopkins .Gleanings from the Harivansa'
(S. 68 — 77) (Sagengefchichtlich.es] —; Leu mann ,Der

liehen poetifchen Teiles des Dfchätakabuches mit der
nicht-buddhiftifchen ältern indifchen Literatur]. — Über
eine neuindifche Rezenfion des bekannten Erzählungsbuches
Sukafaptati berichtet unter Mitteilung einiger über-
fetzter Stücke Hertel .Über die SaväbahuttarTkathä' (S.
138—152). — Gew. Seiten der indifchen Vorftellungswelt
behandeln Göffel .IndifcheStrafrechtstheorien' (S. 78—84),
■—Jolly ,Der Stein der Weifen'(S. 98—106), — Bloom-
field ,on talking birds in Hindu fiction' (S. 349—361). —
Etymologifches gibt Krcek ,Zu ai. phalgü—'(S. 246—248).
— An die Peripherie der Indologie gehört einerfeits
Geiger ,Zur Kenntnis der Sprache der Väddäs' (S. 59—62)
[fchließend mit der Aufforderung, das noch erreichbare
Sprachmaterial bei der rafch ausfterbenden Urbevölkerung
von Ceylon wiffenfehaftlich zu fammeln, ehe es zu fpät ift]
und Jackfon .Notes and allusions to ancient India in Pahlavi
literature and in Firdaufi's Shäh-Nämah' (S. 209—212).

Bezeichnend für die heutige Indologie im Gegenfatz
zur frühern faft nur auf literarifchen Texten beruhenden
ift der in dem Feftband gebotene reiche Beftand an epi-
graphifchen und archäologifchen Arbeiten: Gawronski
,The date of the Allahabad stone pillar inscription of
Samudragupta' (S. 170—172); — Hultzfch .Mutfili'
(S. 1—4) [Abdruck und Überfetzung eines Edikts betr.
Einfuhrzoll in der füdind. Stadt Motupalli, die um die-
felbe Zeit bei Marco Polo unter der Namensform Mutfili
erwähnt ift]; — Thomas ,A greek official title in a
Kharosthl inscription'(S. 362—365) [dashelleniftifche (auch
I Makkab. 10,65 und m der Ableitung auf -ia in I Esdr.
belegte) fieQiöaQxrjg Titel eines Theodoros, der auf einem
etwa dem III. vorchriftlichen Jahrhundert angehörigen
Gefäß mit Reliquien des Buddha als deffen Befitzer genannt
ift] —; Foy .Indifche Kultbauten als Symbole des
Götterbergs' (S. 213—216); — Macdonell ,The develop-
ment of early Hindu iconography' (S. 158—169).

Dazu kommen aus dem Gebiete der allgemeinen und
der indogermanifchen Sprachwiffenfchaft: Sommer .Konträrbildungen
' (S. 123— 126); — Flensburg .Etymologifche
Miszellen'(S. 205—208) [darunter eine Deutung von zrpd-
ßarov, die durch Lommels Behandlung des Wortes in
Kuhns Zeitfchrift 46,46ff. hinfällig wird]; — Brugmann
,Zum altitalifchen Konjunktiv' (S. 52—58); — Streitberg
,Zur gotifchen Grammatik' (S. 217—227).

S. 5—7 gibt Leskien nach Juskevic's großer Sammlung
litauifcher Volkslieder die Überfetzung einer Totenklage
, worin eine Mutter um ihre Tochter klagt und zwar
in der Form, daß das Begräbnis als Hochzeit dargeftellt
wird mit kurzen Hindeutungen auf Hochzeitgebräuche und
mit Anwendung der dabei gebräuchlichen Ausdrücke; —
S. 127—137 befpricht Stumme die Liften arabifcher und
türkifcher Wörter, die der fprachlich ftark intereffierte
Ritter Arnold von Harff aus Köln in feiner 1860 gedruckten
Befchreibung der von ihm 1496—1499 unternommenen