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Ausgabe:

1915 Nr. 13

Spalte:

307-308

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Krohn, A. E.

Titel/Untertitel:

Quellenhefte für den Religionsunterricht. Heft 1 - 5 1915

Rezensent:

Kabisch, Richard

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Seite 1

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307 Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 13. 308

dem wird das Thema nur fehr kurz und obenhin behandelt
. — Dichterifch anfchaulich, feelforgerlich tief und begrifflich
fein hat Philippi feinen Gegenftand angefaßt.
Indem er als Ziel des Chriftentums die Verfittlichung der
gefamten Welt durch die Perfönlichkeit aufftellt, fleht er
in der Wirtfchaftswelt kein fittlich felbftändiges Gebilde,
fondern den vom Menfchengeift zu fchaffenden erweiterten
Leib der Menfchheit. Kapitalismus und Sozialismus, an
denen Ph. ihr Berechtigtes und Wertvolles durchaus anzuerkennen
weiß, bedeuten Revolution gegen die Perfönlichkeit
und führen zur Verneinung ihres Ewigkeitsrechtes,
dem Materialismus. Der Abwehrkampf des inneren Men-
fchen dagegen muß durch Ausbau der Solidarität zu
einer umfaffenden Schutzorganifation des inneren Menfchen
führen.— Ernft und gediegen redet Lueken den miffions-
fernen freien Proteftanten unter offner Anerkennung der
für fie im älteren Miffionsbetrieb gelegenen Hinderniffe
von der Verpflichtung zur Miffion, wie fie aus dem freien
Drang wirklicher Überzeugung entfpringt angefichts der
Ungeheuern Krifis, in die unfere Kultur die nichtchrift-
lichen Völker bringt, und des erwachenden religiöfen
Suchens draußen. Die Miffion des freien Proteftantismus
foll chriftliche Religion, nicht liberale Theologie verbreiten,
ihr Ziel Durchdringung der Völker mit dem Chriftentum
fein, weniger Einzelbekehrung, ihre Methode Verftändnis
für und Anknüpfung an das Gute in den nichtchriftlichen
Religionen — wie es denn die Praxis des Allgemeinen
evangelifch-proteftantifchen Miffionsvereins anftrebt.

Stolberg (Rheinland). Alfred Zilleffen.

Referate.

Baulteine für den Religionsunterricht, hrsg. v. A. E. Krohn
u. U. Peters. 8°. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht.

Je M. — 50

I. Reihe, 4. Heft: Peters, Oberlehr. Dr. Ulrich: Die Umwelt Jefu.
(39 S.) 1914.

II, 3: Kotier, Paft. Arnold: Luthers Glaube in feiner Erklärung
des 2. Artikels, auch f. den Konfirmanden-Unterricht behandelt. (47 S.)
'913-

II, 4: Peters, Oberlehr. Dr. Ulrich: Der Glaube Jefu. 1—4.
Taufend. (38 S.) 1914.

III, 2: Tank, Lehrerin Sufanne: Israelitifche Vätergefchichten
für die Kleinen. 2. TL: Jofephgefchichten. (35 S.) 1914.

Quellenhefte für den Religionsunterricht, hrsg. v. A. E. Krohn
u. U. Peters. 8°. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht.

Je M. —40

1: Köder, Päd. Arnold: Quellendücke zu Luthers Glauben in
feiner Erklärung des 2. Artikels. (56 S.) 1913.

2: Peters, Ob.-Lehr. Dr. Ulrich: Quellendücke zur Umwelt Jefu.
1—4. Taufend. (48 S.) 1913.

3: Peters, Oberlehr. Dr. Ulrich: Quellendücke zum Leben des
heil. Franziskus. (40 S.) 1914.

4: Krohn, Lehr. Aug. E.: Außerbiblifche Quellendücke zur Mofe-
zeit. (46 S.) 1914.

5: Krohn, Lehr. Aug. E.: Außerbiblifche Quellendücke zur
Richterzeit und zu den Urgefchichten. (51 S.) 19 '4'
B II, 3: Ein fehr eigenartiger und vortrefflich gelungener Vertuen
, den von Voigt, mir u. a. empfohlenen Gedanken, den Katechismus
Luthers alsQuellenftück aus derReformationsgefchichte
hervorwachfen zu laffen, zunächft für den 2. Artikel auszuführen.
Aus den Ängften Luthers bei Stotternheim und in Erfurt, aus
feinen Gefprächen und Kämpfen mit Staupitz, Tetzel, dem Worm-
fer Reichstag, aus feiner friedlichen Weihnachtsfreude im eigenen
Heim, endlich aus feinem Auftreten gegen die foziale Revolution
von 1525 wird Luthers Erlöfungsglaube, wie er ihn im 2. Artikel
gedeutet hat, überaus eindringlich gewonnen.

B 1,4 zeichnet die Herodäer, die Landpfleger, die Priefterfchaft,
die Schriftgelehrfamkeit, die Apokalyptik, den Pharifäismus, die
Synagoge, die Volksfrömmigkeit: 8 Einheiten in 8 Lehrftunden,
was mir für das bloße Verweilen im Vorhof des Tempels etwas
viel zu fein fcheint.

B II, 4: Im Anfchluß an die voraufgegangenen Hefte über Jefu
Umwelt und Gefchichte (I 4 und II 1) wird in der Lehrform tief-

fchärfenden Lehrgefprächs Klarheit gewonnen über den Glauben
Jefu an Gott (in feiner Einzigartigkeit gegenüber jüdifch-phari-
fäifcher Theologie einerfeits, heidnifcher Religion und Spekulation
andererfeits), über feinen Glauben an fleh felbft (in feinem inneren
Gehalt und feiner zeitgefchichtlichen Formulierung), über feinen
Glauben an das Reich Gottes (Zeit, Art und Glieder) und über
Jefu Perfönlichkeit in ihrer allgemein menfehlichen Bedeutung
und doch fo fcharf ausgeprägten individuellen Eigenart.

B III, 2: Das Erzählertalent der Verfafferin bewährt fleh auch
in diefem Teil aufs befte, ja das feine Gefühl für die fo leicht
überfchrittene Grenze des Ausmalens tritt noch fchärfer hervor.
Für den Lehrer wird gewinnbringend fein, forgfältig zu ftudieren,
wo S. T. Neues, Eigenes — meift nur mit wenig Worten — hin-
zuretzt, und warum fie es tut. Nach meinem Gefühl hat fie dabei
der Takt für das Richtige — diesmal auch in den Andeutungen
der religiös-fittlichen Verwertung — nirgend verladen. — Aber
warum (S. 8) der Kummer, das Kunffwerk der Jofephsgefchichte
durch Zerteilung in einzelne Erzählungen zerreißen zu müffen?
Wäre das Wagnis zu groß, beim erften Mal den aufhorchenden
Kindern die ganze Kette der erfchütternden und beglückenden
Ereigniffe in einem Atem zu erzählen?

Q 4 enthält teils Quellenftücke im eigentlichen Sinne, die
an die Fähigkeit des Benutzers, Tie aufzufaffen und zu verarbeiten,
ziemlich hohe Anforderungen Hellen, z. B. aus Greßmanns Texte
und Bilder, aus Kittels Beiträgen u. a., teils Darftellungen aus
größeren modernen Gefchichtswerken, z. B. Breafted-Ranke, Gefchichte
Ägy ptens, Steindorff, die Blütezeit des Pharaonenreichs u. a.
Die Auswahl beleuchtet die Kultur des alten Ägypten, die Ein-
und Auswanderung Israels nach und von Ägypten, feinen Aufenthalt
dort, die Entftehung der Jahvereligion in Israel und den
Kultus der Bundeslade.

Q 5: Die Stücke find noch fchwieriger als die im 4. Heft
und wohl nur für die Fortbildung des Lehrers, kaum noch für
Primaner und Seminariften benimmt. Sie find aus Greßmanns
Texte und Bilder und erläutern die Beziehungen Kanaans und
Syriens zu Babylon und Ägypten, ferner die Schöpfungs- und
Flutfage und die Erzählungen der Genefis.

Q 3: I. Aus den opuscula S. Franzisci. II. Aus Thomas
von Celano. III. Aus den Fioretti di San Francesko (beforgt von
Pafferini, deutfeh bei Diederichs), IV. Aus der neueren Franziskus
-Literatur. V. Anhang: Aufriß der Gefchichte des Franziskus.

Vorläufig wohl mehr geeignet, Lehrer zum Studium und zur
Verwertung von Quellen anzuleiten, allmählich gewiß beftimmt,
auch in den Höheren Schulen famt Seminaren fich den Platz zu
erobern.

Über Q 2 ift dasfelbe zu fagen und die Bemerkung über den
dazu gehörigen Bauftein zu wiederholen.

Q 1 ift viel reicher als der zugehörige (für den Konfirmandenunterricht
beftimmte, aber auch für jeden Schulunterricht brauchbare
) Bauftein. Die Rechtrehreibung der Erlanger Ausgabe er-
fchwert den Schulgebrauch und macht zurammen mit dem Inhalt
auch dies Heft zu einem Gegenftand des Studiums nur für gereifte
Jünglinge und Männer.

Bromberg. f Kabifch.

Ljunggren, Lic. Olof: Bönen i Gatnla Terfameniet. (XI, 458 S.)
gr. 8". Lund, Gleerup (1914).
Die Schrift behandelt nur die erfte Hälfte des Zeitraums,
den die Aufgabe nennt, und zwar die vorexilifche Zeit. Sehr ausführlich
berichtet der Verf. über 1. Invocation, 2. Subjekt, 3. Gegenftand
, 4. Begründung, 5. Form des Gebets, 6. das Gebet begleitende
Umftände, 7. Hebräifche Ausdrücke des Gebets, —- dies alles in
der vorprophetifchen Zeit. In Bezug auf die nachprophetifche
Zeit wird dasfelbe Schema gebraucht. Durch das Verfahren des
Verf.s, feine Aufgabe fo zu difponieren, waren Wiederholungen
nicht zu vermeiden. Die Freigebigkeit des Verf.s betreffs hebräifcher
Zitate ift zwar unbegrenzt, wegen Entftellung der Lettern aber
nicht zu loben. Diefe Umftände fowie eine überaus breite Ausdrucksweife
haben dazu mitgewirkt, daß der Verf. 439 S. braucht,
um das zu fagen, was er Tagt. Und dies ift, genauer berehen,
zwar vieles, nicht aber viel. Man fpürt niemals den Geift ,des
Gebets im Älten Teftament' — keinen Geift, wozu denn fo viele
Worte?

Fulltofta i. Schweden. H. Scholander.

Kern, Prof. Fritz: Dante. Vier Vorträge zur Einführung in die
Göttliche Komödie. (149 S.) gr. 8°. Tübingen, J. C. B. Mohr
1914. Geb. M. 3—

,Das Büchlein, entftanden aus einem Vortragszyklus, der