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Ausgabe:

1915 Nr. 12

Spalte:

284

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schubert, Hans von

Titel/Untertitel:

Grundzüge der Kirchengeschichte. Ein Überblick. 5., verb. u. erw. Aufl 1915

Rezensent:

Krüger, Gustav

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283

Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 12.

284

Konnrmation,Jugendpflege,Trauung,kirchlicheBefi;attungs-
feier, asketifche Literatur und kirchliche Journaliftik,
apologetifche Tätigkeit. Auch das Gemeinfchaftswefen wird
kritifch befprochen. — Ich glaube, daß Verf. die aus der
gefchichtlichen Entwicklung herausgewachfene Notwendigkeit
einer verftärkten kirchlichen Organifation, wenn überhaupt
der nötige Rückhalt für ein geordnetes, charaktervoll
evangelifches Kultusleben unter den gründlich veränderten
Verhältniffen unferes öffentlichen Lebens bleiben
foll, nicht genügend würdigt, daß er überhaupt an der
Organifation zu fehr bloß den Gegenfatz gegen das aus
innerem Drang erfolgende freie ethifche Wirken der
Einzelperfönlichkeit oder freier Vereinigungen fieht. Das
ift zweifellos richtig und wertvoll, daß er fo eindringlich
vor der Gefahr, ,kirchlich' und ,chriftlich' zu verwechfeln,
warnt. Deshalb find die geiftvollen Ausführungen auch
für die beherzigenswert, die die grundfätzliche Stellung
W.s zur Frage der kirchlichen Organifation als folcher
nicht teilen. Auch mit der Forderung hat er Recht, daß
man dem Wefen der empirifchen evangelifchen Kirche
forgfältiger grundfätzlich nachdenken müffe, als es vielfach
gefchieht: daß viele angefehene Lehrbücher der
praktischen Theologie von Behandlung der ideellen Kirche
alsbald zu den Betätigungen der empirifchen Kirche übergehen
, ohne den Wandel des Subjekts zu empfinden, ift
tatsächlich ein Mangel. Die in die Tiefe gehende Schrift
kann fehr gut Anregung zu folchem grundfätzlichen Durchdenken
des ,Kirchen'problems geben, auch wenn man
fich vielfach zum Widerfpruch genötigt fieht.

Halle a. S. K. Eger.

Referate.

Piatons Dialog Gorgias. Überfetzt u. erläutert v. Dr. Otto Apelt.
(Philofophifehe Bibliothek, 148. Bd.) (184 S.) 8". Leipzig,
F. Meiner 1914. M. 2.40; geb. M. 3 —

Der Verlag der philofophifcben Bibliothek ift mit erfreulichem
Eifer beftrebt, feine zum Teil veralteten Überretzungen antiker
Schriften durch neue zu erfetzen. Theaetet, Philebus und Phaedon
reiht fich nun der Gorgias von demfelben Überfetzer an. Die
Bedeutung des Dialogs für Piatos Entwicklung und feine Stellung
der gefamten griechifchen Kultur gegenüber, ift fo groß, daß diefe
Ergänzung nur mit Freude begrüßt werden wird. Die Überfetzung
ift lebendig und lieft fich gut. Eine kurze Einleitung gibt eine
allgemeine Charakteriltik und Inhaltsüberficht. In der chrono-
logifchen Frage wird keine fichere Entfcheidung getroffen. Knappe
Anmerkungen, die nirgends das Maß überfchreiten, bieten die
nötigen Erläuterungen. Ein Regilter ift beigefügt.
Straßburg Elf. Max W u n d t.

Goofrens, Stiftsrekt. D. E.: Die Frage nach makkabäifchen Pralmen.

(Altteftamentliche Abhandlungen. V. Bd. 4. Heft.) (X, 72 S.)

gr. 8°. Münlter i. W., Afchendorff 1914. M. 2.10

Die mit umfallender Literaturkenntnis in durchaus wiffenfchaft.
Echem Geilt gefchriebene Differtation verfucht die alte Streitfrage,
ob es im Pfalter makkabäifche Lieder gibt, kanongefchichtlich
zu entfcheiden. Sie befchränkt fich im Beweisverfahren auf die
Pfalmen 44, 74, 79,83, die bekanntlich von vielen Exegeten mit
Sicherheit oder größter Wahrfcheinlichkeit dem 2. Jhdt. zugewiefen
werden. Da es G. auf grundfätzliche Entfcheidung der Streitfrage
ankommt, ift gegen diefe Befchränkung nichts einzuwenden. Aber
der Verfuch, das Problem nur durch Gründe aus der Gefchichte
der Pfalmenfammlung zu löfen, kann m. E. nicht auf allgemeine
Anerkennung rechnen. Sicherlich ift er nicht imftande, die Frage,
ob es überhaupt makkabäifche Lieder im Pfalter geben kann,
endgültig zu erledigen. Wir willen über die literarifchen Prozente
, aus denen die in unfere kanonifche Sammlung aufgenommenen
kleinen Liederbücher hervorgegangen find, viel zu
wenig, als daß wir daraus Folgerungen ziehen dürfen für die Entfcheidung
jener Streitfrage. Was in Einleitungen, Pfalmenkom-
mentaren und Monographien über die Entltehung des Elohimpfal-
ters und feiner Beftandteile, im befonderen die Asaph- und Korach-
Sammlung, gefagt worden ift und immer wieder geragt wird, find
doch fchließlich nur Vermutungen, die die Tatfache nicht verdunkeln
können, daß wir eigentlich darüber fogut wie nichts
wiffen. G. hat über diefe Lücke in unfrer wiffenfchaftlichen Erkenntnis
zu fchnell hinweggefehen. Das fcheint mir der Hauptfehler
feiner Arbeit zu fein. Daneben fällt es weniger ins Gewicht
, daß er die Beweisgründe für die urfprüngliche Zugehörigkeit
der genannten 4 Lieder zur Asaph- refp. Korachgruppe über-
fchätzt, doch ift auch das ein verhängnisvoller Fehler in der von
ihm angeftellten Rechnung. Trotz G.'s fleißiger und gewiffenhafter
Unterfuchung wird man weiterhin mit der Möglichkeit rechnen
dürfen, daß einige Lieder aus der großen Zeit des Glaubenskampfes
im 2. Jhdt. im Pfalter enthalten find. — In dem reichen
Literaturverzeichnis hätten auch Gunkel's Ausgewählte Pfalmen
und des Ref. Pfalmenerklärung Erwähnung finden follen.
Jena. W. Staerk.

Schubert, Geh. Kirchenrat Prof. D. Dr. Hans von: Grundzüge
der Kirchengefchichte. Ein Überblick. 5. verb. u. erweit. Aufl.
(XI, 332 S.) 8». Tübingen, J. C. B. Mohr 1914. M. 4 —;geb.M. 5 —
Für eine ausführliche Würdigung diefes trefflichen Buches
darf Ref. auf feine Befprechung in dieferZeitg. 1905, Nr. 26, Sp.699ff.
verweifen. Die neue Auflage unterfcheidet fich von den früheren
vornehmlich dadurch, daß das Kapitel über die religiöfe und
kirchliche Regeneration und das Ringen der Gegenfätze in der
neueften Zeit in drei Kapitel (Religiös-kirchlicher Neubau, die
Entftehung der modernen Gegenfätze, Vor großen Entfcheidungen)
zerlegt und dementfprechend erweitert worden ift. Für die Darfteilung
der Zeit um 1530 find des Verfaffers eindringliche For-
fchungen nutzbar gemacht worden. Einer befonderen Empfehlung
bedarf das im Inland und Ausland eingebürgerte Werk nicht mehr.
Gießen. G. Krüger.

Hardeland, Superint. Aug.: Der Begriff der Gottesfurcht in Luthers
Katechismen. Erwiderung auf die Erörterung diefer Streitfrage
durch Herrn Prof. D. Joh. Meyer in Göttingen in der Neuen
Kirchlichen Zeitfchrift, Jahrg. 1913. (45 S.) 8». Gütersloh,
C. Bertelsmann 1914. M. — 80

Hardeland wendet fich gegen Joh. Meyer, der in der Neuen
kirchl. Ztfchr. 1913 zu zeigen gefucht hatte, daß die Furcht vor
Gottes Zorn und Strafe in Luthers Kleinem Katechismus als Beweggrund
bzw. Hauptbeweggrund zur Erfüllung der Gebote und
als die rechte Erfüllung des 1. Gebotes hingeftellt werde. Mit
Recht betont H., daß hier viel auf dem Spiel ftehe, daß beim
Durchdringen diefer Meinung im Religionsunterricht die Lehre
von der Rechtfertigung allein aus dem Glauben gefährdet fei, da
der Kern derfelben doch eben darin beftehe, daß hier die Furcht
vor dem Zorn des Weltrichters durch das Vertrauen auf den ver-
föhnten Vater überwunden fei. Mit Recht wirft er ferner Meyer
vor, daß er feine Erörterung auf zu wenig Äußerungen Luthers
gründe und insbefondere die (übrigens ja auch nicht ganz zuver-
läffig überlieferten) Katechismuspredigten von 1528 in ihrer Bedeutung
ftark überfchätze. Unter Heranziehung eines viel um-
fangreicherenMaterials, viel weiter rückwärts und vorwärts greifend,
weift H. vielmehr nach, daß der timor Dei bei Luther nicht in
einem Sichhüten vor der Sünde aus Furcht vor Gottes Zorn und
Strafe, wobei ein Wohlgefallen an der Sünde bleiben könnte,
fondern im Abfcheu vor der Sünde aus demütiger Erfurcht vor
dem heiligen und durch feine Wohltaten uns zu Liebe und Dankbarkeit
verpflichtenden Gott beftehe. Nur vorübergehend fei infolge
des Antinomismus Agricolas und der niederdrückenden Erfahrungen
bez. der fittlichen Zuftände in den Gemeinden bei den
Kirchen- und Schulvifitationen (vielleicht wirken auch die Erfahrungen
des Bauernkrieges nach) in den (von Melanchthon verfaßten
, aber von Luther approbierten) Unterricht der Vifitatoren
und von da auch in Luthers Katechismuspredigten und Katechismus
ein anderer Ton und ein gewifTes Schillern hineingekommen.
Zwickau i. S. O. Clemen.

Die Kirchen des Kantons Schaffhausen. Hrsg. vom Schaffhaurer
Kirchenboten. (202 S. m. 31 Abbildgn.) 8». Zürich, Art. Inftitut
Orell Füßli 1914. fr. 2.50; geb. fr. 3 —

Die 31 Auffätze über die reformierten Kirchen des Kantons
Schaffhaufen, die 1908—1912 im Schaffhaufer Kirchenboten er-
fchienen, find mitRecht zu einem Büchlein mit31 Federzeichnungen
vereinigt, um auch in weiteren Kreifen zu zeigen, daß in dielen
,einfachen alten Kirchlein und Kirchen viel Liebe der unvergänglichen
Güter fteckt, auch viel Opferfinn und Heimatliebe der
Vorfahren'. Obwohl volkstümlich gefchrieben und zunächft für
das Volk beftimmt, ift doch das Büchlein auch für den Theologen
manchfach belehrend. Man bekommt ein Bild des Umfangs
der Urpfarreien und des allmählichen Ausbaues des Pfarrfyftems
in den Tochterkirchen bis in unfere Zeit herein. Man hört von eigen-