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Ausgabe:

1915 Nr. 12

Spalte:

270

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meyer, Johann Jakob

Titel/Untertitel:

Das Weib im altindischen Epos 1915

Rezensent:

Oldenberg, Hermann

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Seite 1

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269

Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 12.

270

bietung von Gedanken, in der Durchleuchtung der mit I werden. Es hat ganz ohne Frage neben der Arper-Zil-
dem Krieg zufaminenhängenden Glaubensfragen. Freilich, 1 leffenfchen Kriegsagende (Theol. Lit.-Ztg. 1915, Nr. 7 Sp.

er hielt diefe Predigten beim akademifchen Gottesdienft
in Prag, und zwar als ,apologetifche' Predigten. Da er
felbft damit rechnet, daß andere Prediger feine Predigten
.benützen' werden, und ihnen rät, fie nach der Maßgabe
ihres .Publikums' ,etwa noch populärer zu geftalten', liegt
der Schluß nahe: es werden nicht allzuviele katholifche
Predigten diefe geiftige Höhenlage innehalten. Aber je

148 f.), die auf die Kriegsbetftunden verhältnismäßig wenig
Raum verwenden konnte, feine praktifche Bedeutung.

M. Schian, Gießen.

Meyer, Johann Jakob: Das Weib im altindifchen Epos. Ein

Beitrag zur indifchen u. zur vergleichenden Kultur-
denfalls bedeuten fie für fich einen ftarken Fortfehritt, j gefchichte. (XVIII, 440 S.) Lex. 8». Leipzig, W. Heims
Nicht bloß hinfichtlich der Form, die fich jeder Rückficht s v ' M 7 °' M

auf ein Schema begibt, ohne die Rückficht auf die Kanzel I

zu vergeffen, fondern gerade auch hinfichtlich des Inhalts,
Es begegnen Erzählungen aus der katholifchen Tradition;
auch ift mancher Satz fpezififch katholifch (Letzteres gilt
übrigens von nicht allzuvielen Sätzen, und z. B. die Marienverehrung
wird jeder Kraßheit entkleidet S. 85 f.). Aber
das Wefen der Predigten befleht darin, daß fie Fragen

Ein überaus erfreuliches, gehaltvolles Buch. Daß die
beiden großen Epen des alten Indien an Inhalt, der fich
auf das Weib bezieht, reich find, war ja ohne weiteres
klar. Daß aber eine folche Überfülle fowohl konkret
lebendiger Bilder und Daten aller Art wie abftrakter
moralifierender Sentenzen und Betrachtungen aus ihnen

der allgemein-chriftlichen Weltanfchauung, die der Krieg 1 zu gewinnen fein würde, mag manchen doch überrafchen,
lebendig macht, fo gründlich durcharbeiten, wie einePredigt j wie es mich — ich bekenne es offen — überrafcht hat.
es kann: Gottes Weltregierung und der Krieg; das Gebet Auf der einen Seite die heiße indifche Sinnlichkeit, auf
im Kriege; Der Krieg ein Weltgericht; Religion, Kultur | der andern die extreme Anfpannung indifchen Asketen-
und Krieg; Chriftentum und Vaterlandsliebe ufw. Die tums, hier zarte, feelenvollfte Poefie, dort zynifche Heiter-
Art, wie fie diefe große und fchwere Aufgabe anfaffen, j keit, daneben auch eine oft ins Pedantifche verfallende
hchert ihnen nachhaltige Beachtung. Sie gehören zum Lehrhaftigkeit: alle diefe Elemente haben zufammenge-
Beften. was die katholifche Predigtliteratur unferer Zeit wirkt, um das widerfpruchsvolle und doch innerer Einhervorgebracht
hat. heit nicht entbehrende Chaos hervorzubringen, das die
5. Andachten und Betrachtungen. Eine Art energifche und gefchickte Hand des Verfaffers hier vor
.geiftliches Kriegstagebuch' gibt Juft", dem Gange der uns ausbreitet Er verfolgt die Lebensftadien, Lebens-
Ereigniffe folgend, in etwa 40 Betrachtungen zu durch- ! beziehungen, Charaktere des Weibes: das Mädchen, die
fchnittlich 2 Druckfeiten, deren jeder ein Bibelwort zu- ! Frau, Mutter, Witwe Hetäre — die ideale Frau wie Sita
gründe gelebt ift. Es find reichlich mit Bibelworten, aber und die leidenfchafthche, willenskraftige Frau (ein Kreis
auch mit Dichterworten durchfetzte, die wichtigeren Mo- von Beziehungen, der vielleicht eingehender fich hätte
mente im allgemeinen glücklich heraushebende und im ! behandeln laffen, ift derjenige der Frau zur Götterwelt,

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Sinne ernfter chriftlicher Frömmigkeit nichtmoderner
Färbung beleuchtende Stücke, von denen manche recht
anfprechend wirken, andere in Zitaten etwas zu viel tun.
Einige eigene Gedichte find eingeflreut; das auf S. 34f.
(Um die Zukunft) hätte, weil formell unzureichend, fort-

zu Kult und Riten). Die Anmerkungen breiten eine
überaus reiche Belefenheit auf vielen Gebieten aus, fo in
der indifchen Rechtsliteratur, in Ethnologie und Folklore.
Überall wird die Darfteilung belebt von der hellen Freude
daran, eine folche Fülle von Lebensinhalten anzufchauen,

bleiben follen. — Conrads15 drittes Bändchen bringt nachzufühlen, fie in große Zufammenhänge einzuordnen
48 Andachten zu je 1 Seite. Auch in diefem Bändchen j Daß der Verf. von Prüderie nicht befchwert wird, verlieht

knüpft C. oft geradezu an den Krieg an; irgendwie an die
durch den Krieg gefchaffenen Stimmungen wendet er fich
natürlich immer. Im übrigen tragen diefe Andachten den
gleichen Charakter knapper Kürze, die doch ein Bibelwort
wirklich fruchtbar zu machen fucht, wie die früheren

fich von felbft; andernfalls hätte er beffer getan, nicht dies
Themä zu wählen. Zuweilen will mir Rheinen, als ließe
feine Sympathie mit indifchem Wefen ihn manches in
allzu rofigem Licht fehen. Beifpielsweife aus der Erzählung
von Astävakra (Mahäbhärata XIII, I9ff; Meyer S. iooff.)

desfelben Verfaffers kann 'cn Deim bellen Willen keinen .tiefen, ernft fittlichen

6. Sonfti-es. Koehler'* bietet Hilfe für Kriegs- ! und fchönen Sinn' hervorblicken fehen, fondern nur

betftunden. Voran fleht eine liturgifche Ordnung: Lied,
kurzes Eingangsgebet, Pfalm, Schriftlefung, Hauptlied, Ansprache
, eins der alten Cantica, Gebet, VU, Dankfagung
«nd Segen, dazwifchen immer Antworten der Gemeinde.
Es folgen 19 Entwürfe, die jedesmal Lieder, Pfalmen und
Schriftlefungen nennen und ein Schlußgebet ganz mitteilen
. Den Schluß bilden kurze Skizzen für die Ansprachen
in gleicher Zahl. Jeder Entwurf führt einen
beflimmten Gedanken durch: Betet! Unfer Vaterland ift.
Gottes Gefchenk, Nutzt die Gnadenzeit 1 ufw. So wird die
Einheitlichkeit diefer Gottesdienfte fchön gewahrt. Die
dargebotenen Materialien find trefflich gewählt. Freilich
wjrd felbft das befcheideneMaß von liturgifchemZufammen-
vvirken des Pfarrers und der Gemeinde, das diefe Entwürfe
vorausfetzen, nicht überall erreichbar fein. Aber
Wo man ejne wejtere Vereinfachung eintreten laffen zu
muffen meint, kann das Heft doch mit Vorteil gebraucht

82 (-J4! luft> Pfr. Fr.: Gottes Kriegsglocke. Kriegsbetrachtungen. (VIII,

W. 80. Leipzig, G. Strübig 1914. M. —80
da b Conrad. Geh. Konf.-Rat. Pfr. Dr. (P.): Kelch des Heils. An-
kl So f' die Krie8sze>t Mit Berückf. der Paffions- u. Ollerzeit. (48 S.)

Berlin, M. Warneck 1915. M. — 40
bete Irf.'.Koehler, Gen.-Superint. D.: Kriegsbetftunden. Liturgie, Ge-
Ra„k kl,zen f- Aufprachen. (36 S.) gr. 80. Hamburg, Agentur des
Uften Haufes 1915. M. —80

hölzerne und glatte Tugendfchulmeifterei.

Ängftliche Sorgfalt der Kleinarbeit liegt nicht in M.s
Art, der mit kräftigem Schwung fein Füllhorn ausfehüttet.
Zum Textkritiker beifpielsweife ift er kaum gefchaffen;
manches von dem, was er auf diefem Gebiet hervorbringt,
ruft den Wunfeh nach einer andern Arbeitsweife befon-
ders dringend hervor. Doch nein, man follte diefen
Wunfeh zurückdrängen. Ohne feine Schwächen würde der
Verf. fchwerlich die feltenen Vorzüge befitzen, die wir an
ihm bewundern und denen wir dies fchöne Buch danken.

Göttingen. H. Oldenberg.

Weidner, Ernft F.: Alter und Bedeutung der babylonifchen
Aftronomie und Altrallehre neblt Studien über Fixtternhimmel
u. Kalender. (Im Kampfe um den Alten Orient, 4.) (VIII,
96 S. m. 1 Tafel.) 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1914. M. 2 —

In diefer Schrift hat W. mehrere Artikel gefammeit,
die fich auf Aftronomie beziehen. Im wefentlichen wendet
fie fich gegen P. Kugler, der die meiften der früher von
W. gefundenen Refultate fcharf bekämpft hat.

In dem erften Kapitel fucht der Verf. das Alter der
babylonifchen Aftronomie zu verteidigen, die nach Kugler
erft gegen Ende der affyrifchen Herrfchaft beginnt. Ich