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Ausgabe:

1915 Nr. 10

Spalte:

220-222

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Haupt, Walther

Titel/Untertitel:

Worte Jesu und Gemeindeüberlieferung. Eine Untersuchung zur Quellengeschichte der Synopse 1915

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 10.

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allem Dalman angeregt hat, vgl. z. B. Mispah, Mahanaim. | Hebräern Jofuas = Chabiri, worüber,heute kaum ein Zweifel

Doch wird dadurch der Wert diefer Neuerung nicht wefent- j befteht', und beftätigen das Alter des Namens Jerufalem.

lieh eingefchränkt, weil es fich dabei ja nicht immer um ge- Erwähnt fei noch, daß der Verf. von dem Jofuakommentai des

ficherte Refultate, fondern vielfach nur um wohlbegründete Kurzgefaßten exegetifchen Handbuches nur die 1 Auflage von Knobel

■K/r ' i___aii a t- 1___r 1 j (iboi) benutzt, desrzleichen von Schräders Keilinfchnften und das Alte

Meinungen handelt Auch abgefehen von dem topogra- J VeftaL„t nur'die irfte Aufl. (1872) und von der Zeitfchr. d. Deulfchen

phlfchen Material ift der Inhalt des Buches vermehrt. So ! Paläftina-Vereins nur den einen Jahrgang 1913. Auch fonft zeigt das

find im erften Paragraphen der Einleitung, der die Ge- ! Verzeichnis der benützten Literatur (S. VIII), daß der Verf. fich um die

fchichte des hebräifchen Alphabetes behandelt, das Fak- Literaturbefchaffung nicht fonderlich bemüht hat.

fimile der in Gezer gefundenen Kalendertafel und das I ?Är4ftik der' Wiffenfchaftlichkeit fei brifpidwdfe noch

.... , „ & , o t e-t. t-jv angeführt, daß bS^n ,uach Oppert das akkadifche egal, affyrilch ekallu

eines aramaifchen Papyrus der Sachaufchen Edition hin- 1
zugefügt, und der Inhalt beider ift behandelt. Im Übrigen
find die Ergebnifle der Eorfchung feit 1890 verwertet, auch

die Ergebnifle deutfeher Arbeit, diefe freilich nicht voll-
ftändig. So fehlt, was Greßmann in feiner populären und
doch zugleich wiffenfehaftlich wertvollen Erklärung der
Bücher an Verbefferungen und Vermutungen geboten hat.
Die Abficht des Buches ift diefelbe geblieben, nämlich

hohe Pforte, v/bs"1 = faffen, mit dem Nebenbegriff vi el faffen, darum
ein großer Raum' ift (S. XVII), und daß der Amtstitel Öi"BVÖ von
"MHB =* "inD = ordnen herzuleiten ift (S. 44).

Breslau. C. Steuernagel.

Haupt, Waith.: Worte Jelu und Gemeindeüberlieferung. Eine
Unterfuchg. zurQuellengefchichtederSynopfe. (Unter-
Texterklä^ | Rehungen zum Neuen Teftament. 3. Heft.) (IV, 263 S.)

des Lernenden in das Verftändnis hebräifcher Philologie. ! 8n. Leipzig, J. C. Hinrichs 1913. M. 7.50; geb. M. 8.50
Demgemäß ift auch der Charakter des Buches der alte j Das Werk ftellt einen energifchen und nicht ohne

geblieben. Es weht darin ein milder, befonnener Geift, i Geift und Scharffinn unternommenen Verfuch dar, über

der gleich weit entfernt ift von wildem Konjizieren wie ! die üblichen in der fynoptifchen Quellenkritik gewonnenen

von ftarrer Ablehnung jeder nicht durch die alten Über- ; Refultate hinauszudringen. Er berührt fich, wie der Ver-

fetzungen geftützten Textänderung. Die Grundfätze, die j faffer in feinem Vorwort hervorhebt, bis zu einem gewiffen

im VorwortS. Xlf. hinfichtlich der Konjekturalkritik aus- j Grade mit den Verfuchen Spittas, bleibt aber doch ihnen

gefprochen und hernach im Buche, foweit ich fehe, durch- j gegenüber in völliger Selbftändigkeit. Eher könnte man

geführt werden, verdienen volle Billigung. — Der nur j fagen, was der Verfaffer freilich nicht felbft hervor-

zwei Seiten umfaffende Index der erften Auflage ift durch I hebt, daß der Geift Wellhaufenfcher Radikalkritik hinter

drei getrennte, die Sachen, die hebräifchen Wörter und
die Ortsnamen behandelnde Regifter auf 10 Seiten erfetzt,
und dadurch ift das Buch auch für gelegentliche Benutzung
fehr viel brauchbarer geworden.

Daffenfen, Kr. Einbeck. Hugo Duenfing.

Schenz, Hauspräl. Lyz.-Rekt. Prof. D. Wilhelm: Das Buch
Jofua, erklärt. (Kurzgefaßter wiff. Kommentar zu den
hl. Schriften des A. T., hrsg. v. B. Schäfer u. E. Nagl.
Abt. I, Bd. 2.) (XXVII, 135 S. m. 1 färb. Karte.) gr. 8°.
Wien, Mayer & Co. 1914. M. 4 —

Der Verf. bietet auf S. 1—41 eine Überfetzung des

Vulgatatextes, die ein Mufter von fchlechteftem Über- j älteren Quelle vieles fortgefallen haben,vas zu feinem Zweck, eine Chronik

diefem Buche fteht, und daß fich überall die Anregungen
von dorther deutlich zeigen. Gleich der erfte kritifche
Satz, mit dem der Verfaffer beginnt, berührt fich mit
einem Wellhaufenfchen Grundfatz. Behauptete Wellhaufen
, daß zur Zeit als das Markus-Evangelium entftand,
es nicht viel mehr Herrnwortüberlieferung gegeben habe,
als im Markus-Evangelium aufgenommen fei, fo läßt
W. Haupt zwar Mk. von Q abhängig fein, aber behauptet
daneben doch, daß Mk. nahezu alles gebracht
habe, was er in Q vorgefunden.

Daher ift nach ihm zum minderten die ältefte Schicht von Q durch
die Redeftücke repräfentiert, die alle drei fynoptifchen Evangelien ge-
meinfam haben. M. E. arbeitet der Verfaffer fchon hier mit einem Axiom,
das keineswegs fo ohne weiteres feftfteht. Warum könnte denn nicht
Mk., wenn feine Abhängigkeit von Q einmal zugeftanden ift, aus der

fetzungsdeutfeh ift (z. B. ,der Auftrag, den gegeben euch j Lebens Jefu. zu fchreiben, nicht recht paßte, auch wenn wir ihm im

l/r r V„„kt lo uLn (Y^XhAnrl< AnfC: .,_, ,r ! Elnze"ien nicht überall nachrechnen können, weshalb er gerade diefen

Mofes, der Knecht des Herrn fprechend ) Aul S. 42—135 Stoff übernahm und jenen fortließ? Haupt ift aber von feinem Axiom fo

folgt die Auslegung. In dieler tritt das pnilOlOgllcne fehr überzeugt, daß er fogar jene Urquelle noch im einzelnen herzuftellen

Element ganz in den Hintergrund. Der Verf. befchränkt
fich auf die notwendigften Erläuterungen der Realien und
auf die Beleuchtung der Einzelzüge der Erzählung aus
den Umftänden. Daneben nimmt das praktifch-erbauliche
Element einen breiten Raum ein, wobei der Typologie
befonderes Intereffe gewidmet wird (zahlreiche Zitate
typologifcher Deutungen der Kirchenväter). Der Standpunkt
' des Verf. ift ftreng katholifch-traditionell. Für
literar- und hiftorifch-kritifche Probleme hat er keinen
Sinn. Das ganze Buch ift mit Ausnahme von 24,25fr.
von Jofua verfaßt (Einl. S. XIII—XXIII) ;^ ein paar ganz
vereinzelte Gegeninftanzen werden auf S. XVI ff. leicht
abgetan. Desgleichen wird die volle gefchichtliche Glaubwürdigkeit
der Erzählung behauptet (S. XXIII—XXVI).
Als Beweis dient die Mitteilung des Prokopius (6. Jh. n.
Chr.), er habe bei Tigifis in Algier zwei Säulen mit der
punifchen Zufchrift ,Wir find Flüchtlinge vor Jofua, dem
Sohne des Nave' gefehen; ferner legen ägyptifche und
affyrifche Funde Zeugnis ab, z. B. werden die Namen
mancher fonft unbekannter Städte Pälaftinas durch fie
beftätigt. Die fteinernen Meffer Jofuas (5,2), die nach LXX
(21,40 24,30) in Jofuas Wohnort niedergelegt fein follen,
find 1870 durch Richard in dem von Guerin 1863 entdeckten
Grabe Jofuas wirklich gefunden; freilich find fie
von Lartet für prähiftorifch erklärt, aber fie können .durch
die bloße .Meinung' eines Lartet nicht verungültigt
werden'. Endlich die Amarnabriefe berichten von den

unternimmt und uns reinlich präpariert auftifcht. Was wir erhalten ift
eine Jünger- oder Miffionsrede Jefu, eine Kombination der meiden Stellen
von Mtth. 10, wozu fich dann der Grundbeftand der eschatologifchen
Rede Mk. 13 gefeilt. Ich glaube, daß diefe Konftruktion, namentlich
die Verkuppelung der Jüngerrede und der eschatologifchen Rede wenig
überzeugte Anhänger finden wird. Außerdem foll nach dem Verfaffer
zu Ql eine Rang-Streitrede gehört haben, deren Präparat wir S. 43 ff. finden
, endlich weiß er, daß von Q2 ein Nachtrag zur Jüngeirede flammt,
der ungefähr diejenigen Worte der Bergpredigt enthielt, zu denen fich
Parallelen hie und da zerftreut im Mk.-Evangelium fiuden (S. 18). Wiederum
weiß der Verfaffer ganz genau Zufätze aus Q3 zu nennen, die dann
wiederum nachträglich zur Rang-Streitrede hinzugefügt fein follen.

Doch ich übergehe diefe Minutien und wende mich
der Konftruktion von Q - zu. Der Verfaffer geht dabei
von der Beobachtung aus, daß auch eine Anzahl von
Erzählungsftücken neben den Redeftücken in der Quelle
Q geftanden hätten. Dahin rechnet er die Beelzebub-
Epifode, die Zeichenforderung, die Rede gegen die Phari-
fäer. Was diefe Stücke anbetrifft, ift es mir zunächft fehr
fraglich, ob die Zeichenforderung bei Mk. die durchaus
urfprünglicheren Charakter trägt, überhaupt von ihm aus
Q entlehnt ift. Im Übrigen haben wir hier doch eigentlich
keine Erzählungsftücke, ficherlich nicht im letzten
Fall, und auch im erften Fall (Beelzebub-Epifode) liegt
doch ein ausführliches Redeftück mit einer kurzen ge-
fchichtlichen Einleitung vor. Ich gehe fo genau darauf ein,
weil der Verfaffer aus diefen dürftigen Beobachtungen
den Anlaß gewinnt, fämtliche Konflikts-Gefchichten des
Lebens Jefu und dazu die antipharifäifchen Streitreden