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Ausgabe:

1915 Nr. 9

Spalte:

196-197

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wetter, Gillis Peterson

Titel/Untertitel:

Charis. Ein Beitrag zur Geschichte des ältesten Christentums 1915

Rezensent:

Goltz, Eduard Alexander

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Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 9.

196

Bedenken unterliegt. In diefer Weife die Religion durch
das Schlagwort ,Prinzip des Lebens' zu erläutern, kommt
dem etwa gleich, als wenn man meinte das Wefen der
Mufik durch den Satz feftzuftellen: alle Mufik fei ein
Geräufch. Große und gewaltige Tatfachen in der Religion
haben fich dem Blicke D.'s ganz und gar entzogen,
vor allem die eine fundamentale Tatfache, daß uns überall
in der Religion das Gefühl begegnet, daß das Heilige,
auf das fie in Glaube und Kult tendiert, etwas gegenüber
dem ,Leben' im allgemeinen Sinn des Wortes Fremdes,
Störendes, faft Feindliches ift. Das Heilige ift immer das,
was ganz anders ift als das uns bekannte Leben, das
Außergewöhnliche, das Furchtbare und das doch wiederum
in aller feiner Furchtbarkeit den Menfchen Anziehende,
wie das Licht den Schmetterling anzieht. Von diefem
geheimnisvollen Rätfeicharakter der Religion hat D. bei
feiner Wanderung durch die Religionsgefchichte nichts
gefehen und nichts empfunden. Es geht nicht an, die Religion
auf biologifche Prinzipien und das religiöfe Gefühl
auf den biologifchen Inftinkt zu reduzieren. Die Religion
ift mehr als das.

Göttingen. B o u f f e t.

Snijman, Philippus Chriftoffel: De Profetie van Zefanja.

Academifch Proefschrift. (XI, 226 S.) gr. 8<>. Rotterdam
, T. de Vries Dz. 1913.

Wie die in diefer Zeitfchrift 1913 S. 166 f. angezeigte
Erklärung des Habakuk von van Katwijk fo ift auch diefe
des Zephanja zur Erlangung des theologifchen Doktorgrades
an der freien Univerfität zu Amfterdam gefchrieben. Der
größere Teil des Buches S. 47—226 ift der eigentlichen
Exegefe gewidmet, während in der Einleitung fich S. mit
der Perfon des Propheten, feiner Zeit und dem Buch des
Propheten befchäftigt. Im erften Paragraphen befpricht
er kurz die Frage, ob der als Großvater genannte Hiskia
der König diefes Namens ift, und die nach der Heimat.
Im zweiten nimmt er zu den verfchiedenen Hypothefen
über die Zeit des Propheten Stellung. Er unterfcheidet
drei: die erfte, welche das Buch in die Zeit bis 627, die
zweite, welche es in die Zeit bis 621, und die dritte, welche
es in die letzten Jahre des Jofia fetzt, welcher S. felbft
fich anfchließt. S. wird zu diefer feiner Anfchauung teils
durch Nachrichten der Chronik, teils durch Zeph. 1,4 M. T.
beftimmt. Er erwähnt bei diefer Gelegenheit auch kurz
das Problem des Scythenzuges als des von Zephanja
angeblich ins Auge gefaßten Ereigniffes, was er als auf
unficherer Grundlage beruhend ablehnt. Im dritten Paragraphen
gibt S. zuerft eine kurze Charakteriftik des
Buches, um fich dann eingehender mit der Echtheitsfrage
der von der Kritik angefochtenen Stellen zu befchäftigen.
Das Refultat feiner Darlegungen ift die Behauptung, daß
das ganze in unferem Text uns überlieferte Buch auf den
Propheten zurückgeht.

Was die Erklärung des Buches angeht, fo ift auch
bei diefer Arbeit wie bei der von Katwijk die Sorgfalt
in der Heranziehung der gefamten Literatur hervorzuheben
. Das ift aber auch das Einzige, was Ref. loben
kann. Denn diefe Erklärung könnte ebenfo gut ein Rabbiner
des Mittelalters gefchrieben haben. Diefelbe kon-
fervative Stellung, welche S. dem Buche als Ganzem
gegenüber einnimmt, beftimmt ihn auch bei der Erklärung
des M. T. Er zieht zwar die LXX bei der Erklärung
heran, aber doch nur um den von ihr bezeugten Text
fofort als für ihn bedeutungslos abzuweifen, auch kommt
es S. gar nicht in den Sinn, Erwägungen über die in den
verfchiedenen Familien der LXX überlieferten LAA und
ihr Verhältnis zu einander anzuflehen. Es ift die Advokatenart
vergangener Zeit, die uns hier entgegentritt:
das Refultat der Unterfuchung fteht dem Verf. im Wefent-
lichen feft, und wenn er die verfchiedenen exegetifchen
verfuche, fchwierigen Stellen gerecht zu werden, Revue

paffieren läßt, fo gefchieht es doch nur um den Einen
gegen den Andern auszufpielen mit dem Refultat: es
bleibt beim Alten. Davon, daß auf dem Gebiet der ge-
fchichtlichen Arbeit die Wahrfcheinlichkeit ihr Recht hat
und das, was wahrfcheinlich richtig ift, immer beffer ift
als das, was ficher falfch ift, fcheint S. keine rechte Vor-
ftellung zu haben. Hätte er jemals verfucht, die in doppelter
Rezenfion uns überlieferten Texte des A. T. zu
vergleichen, fo würde fein blindes Vertrauen in den MT.
fchnell erfchüttert fein. Es geht auch nicht an, bei einer
Erklärung der prophetifchen Texte die Frage des Rythmus
völlig unbeachtet zu laffen. Man mag immerhin in Bezug
auf einzelne fo gewonnene Lesarten fkeptifch fein, im
Großen und Ganzen kann nur der Blinde heute noch
leugnen, daß die Frage des Rythmus für die Erklärung
der prophetifchen Texte bedeutfam fei. Es fehlt mir
leider hier der Raum, das im Einzelnen nachzuweifen: wer
nachprüfen will, dem empfehle ich z. B. Erklärungen wie
die von 1,3. 4—6 (was fpeziell das höchft künftliche logifche
Schema betrifft); 15 f. 18 b. 2,2. 5. 6. 3,18—20 ufw. zu vergleichen
. Nach allem, was ich kurz berührt, kann ich
leider nicht anders urteilen, als daß diefem D. theol. die
notwendige hiftorifche und exegetifche Schulung fehlt, fo
daß von einer Förderung unfcrer Erkenntnis des Buches
durch S. keine Rede fein kann.

Straßburg i. E. W. Nowack.

Di er, Mag. P. Oeslaus, O. P.: Genefis überfetzt u. erklärt.
(III, 386 S.) 8°. Paderborn, F. Schöningh 1914. M. 5.60

Das Buch ift eine große Naivität. Nicht darin, daß
es bei guter Bekanntfchaft des Verfaffers mit der kritifchen
Arbeit aus dogmatifchen Gründen antikritifch ift, fondern
in der Art und Weife, in der es antikritifch ift. Ein
Hauptbeweis gegen die Quellenfcheidung ift die Verschiedenheit
der Ergebniffe, als ob die chemifche Einfachheit
einer Maffe bewiefen wäre, wenn die Chemiker über
die Art ihrer Zufammenfetzung nicht ganz ins reine
kommen. Indeffen D. ftellt eine Einleitung in den Pen-
tateuch in Ausficht, in der er die traditionelle Meinung
begründen will. Übrigens ift er felber von kritifchen
Anwandlungen nicht ganz frei: er rechnet nicht nur mit
unheilbaren Textverderbniffen, fondern begibt fich mit der
Annahme eines ,Redaktors' der Genefis (S. 33 zu Cap. 2 f.)
auf den Anfang der fchiefen Ebene. — Die Einzelheiten
find zum Teil recht merkwürdig.

Nur wenige Stichproben. S. 25: die Zufammenftellung Jahwe-Elohini
in cp. 2 f. ,wird einem beflimmten, außergewöhnlichen, uns aber unbe
kannten Zweck dienen'. S. 180: In 21, 17ff. findet der Gottesname lilohim
feine Erklärung: die Entladung Ifraels aus dem Haufe Abrahams ift auch
Entladung aus' dem Zufammenhang mit dem liundesgott (Jahwe) — obwohl
v. 12 zu Abraham nicht Jahwe, fondern Elohim redet und zwar in
Bundesangelegenheiten. S. 39: ,Ift das Weib wirklich aus einer Rippe
des Mannes erfchaffen worden? Wir feheu keine Schwierigkeit, eine wirkliche
Rippe anzunehmen'. S. 46 wird feftgeftellt, daß fiin bedeutet
,fenkte fich'. S. 178 hält D. neben der vorausgefchickten Überfetzung
die Anmerkung für nötig, daß 1|5B ,heimfuchen' heißt, S. 246, daß ~iüfl
von 1>iO herkommt und .entfernen' bedeutet. Wenn D. für Anfänger im
Hebräifchen gefchrieben hat, fo durfte die Korrektur der hebräifchen
Worte nicht fo mangelhaft fein, wie fie bleibt, auch wenn die nachgemerkten
Korrigenda alle vollzogen find.

Eine Weiterführung der Probleme leiftet das Buch nicht. Zu per-
fönlichem Dank verpflichtet mich ein Zitat. Ich erfahre von D., daß
Hetzenauer zu 48, 15 die Anmerkung macht: Angelus non est Angelus
custos sed ipse Deus quemadmodum S. Chrysostomus, Dillmann, Hummelauer
, Holzinger aliique. docent. Diefen Satz rechne ich zu dem Erfreulichen
, das mir die liefchäftigung mit diefen Dingen eingetragen hat.

Stuttgart. H. Holzinger.

Wetter, Lic. Gillis Peterfon: Charis. Ein Beitrag zur Ge-
fchichte des älteften Chriftentums. (Unterfuchungen
zum Neuen Teftament, 5. Heft.) (VII, 224 S.) 8°.
Leipzig, J. C. Hinrichs 1913. M. 7—; geb. M. 8 —

Etwas verfpätet durch mannigfaltige Abhaltung des
Recenfenten erfcheint diefe Anzeige der Wetterfchen