Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1915 Nr. 8

Spalte:

185-187

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nutting, M.

Titel/Untertitel:

Geschichte der Krankenpflege. I. und II. Band 1915

Rezensent:

Zimmer, Friedrich

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

i85

Theologifche Literaturzeitung 1915 Nr. 8.

186

Ethik das fubjektive Glücksgefühl nichts bedeutet, folgt
daraus, daß es überhaupt nichts zu bedeuten hat, daß es,
wie K. fagt (S. 39), ganz irrelevant ift, daß man es tot-
fchweigen oder wenigftens nicht müde werden foll zu

natürlich, daß bei der Verfchiedenartigkeit der benutzten
Vorlagen die Darftellung ungleichartig und ungleichwertig
fein muß.

Auch daß es im einzelnen an allerlei kleinen Verfehen oder Miß-
Verfichern, daß es mit dem Sinn des Lebens einfach verftändniflen nicht fehlt, darf nicht wundernehmen; fehlerhafte Schreinichts
711 tun hat? flpnipflpn ift arprhrhtlirh' eifert K hangen wie Uyonifms (I, 126), Hypokratifche ärztliche Lehre (I, 132) oder

. veracntlicn , eitert IV Angaberl| wie die, daß Caefaria und ihr Bruder Caefarius 542 vor Chriftus

eine klöfterliche Gemeinfchaft begründet hätten (I, 165) hätten aber doch
unterbleiben follen.

Das eigentliche Verdienft des Werkes ift, daß es, fo
weit mir bekannt, der erfte Verfuch ift, die Gefchichte
der Krankenpflege im ganzen zu behandeln. Aber zu

auf S. 49. Das muß natürlich auch vom äfthetifchen
Genuß gelten. Aber K. preift ja felbft die Kunft als
Kulturideal! Darf es etwa nur künftlerifches Produzieren
geben und das Kunftwerk weder vom Künftler felbft
noch von andern genoffen werden? Das wäre doch ab-

furd. Ift aber der äfthetifche Genuß zugelaffen, fo ift j einer abgerundeten Darfteilung, wie fie Uhlhorn in feiner

auch Raum für den Genuß der Freundfchaft, für Heldenverehrung
, für das frui Deo, Raum für das mit diefem
Begriffe keineswegs erfchöpfte religiöfe Gemütsleben
überhaupt, aus dem, nebenbei bemerkt, auch das für K.
üb wichtige Idealwertgefühl hervorquillt. Kurz, die teil-
weife unerhört fchroffen Einfeitigkeiten korrigieren fleh
fo eine nach der andern. K. fchilt über die Ethiker, die
unvermerkt in die Metaphyfik hinübergleiten; an ihm
felber aber kann man am beften ftudieren, wie verhängnisvolle
Folgen diefes Mißgefchick haben kann.

Iburg:. W. Thimme.

Nutting, Dir. Oberin Prof. M., R. N., und Lavinia L. Dock,
R. N.: Gelchichte der Krankenpflege. Die Entwicklung
der Krankenpflege-Syfteme von Urzeiten bis zur Gründung
der erften englifchen und amerikanifchen Pfle-
gerinnenfchulen. Überfetzt von Schwefter Agnes Kar 11.
I. und II. Band. (XX, 580 S. m. 59 Bildern u. 483 S.
m.21 Bildern). Berlin,D.Reimer 1910.11. Geb.jeM. 10—

Der 3. Band erfchien unter dem Titel:

Dock, Lavinia L., R. N.: Gelchichte der Krankenpflege von

Urzeiten bis jetzt m. befond. Berückf.cht. der Arbeit j ncht.gen Gedanken daß die Krankenpflege ihrer Natur

Gefchichte der chriftlichen Liebestätigkeit gegeben hat,
ift es dabei nicht gekommen. Nicht eine wirkliche Gefchichte
, nur Materialien zu einer Gefchichte der Krankenpflege
haben die Verfafferinnen geboten. Das ift an fleh
lehr dankenswert, aber die eigentliche Aufgabe ift noch
nicht gelöft; fie wird jedoch durch diefe Vorarbeit we-
fentlich erleichtert werden.

Eine Gefchichte der Krankenpflege hätte zeitlich
(chronologifch), räumlich oder fachlich gegliedert fein
können. Das Werk verfolgt keinen diefer Gefichtspunkte
und wird dadurch fehr unüberfichtlich. Über die Afepfis
der letzten Jahrzehnte z. B. handelt ein Abfchnitt über
Hospital- und Krankenpflegegeräte, der zwifchen dem
Kapitel ,Eine Gruppe Heiliger' (der h. Franziskus, die h.
Elifabeth u. a.) und dem Kapitel ,der Beginn der weltlichen
Orden: die Beguinen ufw.' flieht. Wenn nicht der
Schlußband, was zu erwarten und dringend zu wünfehen
ift, ein Sach- und Namenregifter bringt, ift das Buch als
Nachfchlagebuch, wofür es hauptfächlich benutzt werden
dürfte, fchlecht zu gebrauchen.

Große Gefichtspunkte fehlen. Die Verfafferinnen ertrinken
im Stoff. Die mannigfachen, oft überrafchenden
gleichartigen Entwickelungen und die Entwicklungsgefetze
muß fleh der Lefer felbft herausfuchen. Nur den an fleh

, , . t ' tt ' r , • , nach Prauenfache ift, erkennt man als beherrfchenden Ge-

der letzten 30 Jahre. Hrsg. u. teilweife gefchrieben fichtspunkt der Kritik und gelegentlich des Spottes, auch

als Leitfaden für immerhin zweifelhafte Vermutungen.
Wo Männer mit Frauen auf diefem Gebiet zufammen
gewirkt haben, nehmen die Verfafferinnen als leitende
und geiftige Kraft regelmäßig die Frauen an. Das entfpricht
ficherlich oft nicht der Wirklichkeit. Auch macht es

v. D., überfetzt v. Schwefter Agnes Karll. III. Bd.
(XVI, 484 S. m. 48 Bildern.) 8°. Berlin, D. Reimer
1913. Geb. M. 10 —

Der letzte (vierte) Band diefes überaus umfaffend angelegten
Werkess fleht noch aus und ift des inzwifchen I fo^cht feften "auffölTig bemerkbar^ daTdas Tdeiü"dw

ausgebrochenen Wel^ die amer!kanifche, in ' Deutfchland durch

die Berufsorganifation vertretene ,freie Schwefterfchaft' ift.
Das verhindert vielfach eine objektive Beurteilung, ja felbft
die richtige Auffaffung anderer Beftrebungen. So werden
das Victoriahaus, eine freie organifierte Mutterhaus-
Schwefternfchaft, die Hamburger ftädtifche Schweftern-
fchaft, die Roten-Kreuzvereine, der Ev. Diakonieverein,

zu erwarten. Andererfeits tritt gerade in Folge des Krieges
, der zahllofe Kräfte für die Pflege Verwundeter und
erkrankter Krieger mobil macht, die Gefchichte der
Krankenpflege mehr als je in den Gefichtskreis auch der
Theologen, fodaß ein kurzer Hinweis auf das genannte
Werk auch fchon vor feiner Vollendung am Platze ift.

Kur um einen Hinweis kann es fleh dabei in der ,Theo- die jöhanniterfchweftern und die Landpflegerinnen, ohne
ogifchen Literaturzeitung' handeln; denn der wefenthehe die Jwefentlich anderen Ziele diefer Organifationen auch
Inhalt des Werkes hat mit der Theologie nichts zu tun; nur anzudeuten, als unvollkommene Vorftufen der von
nuch die Kirche wird durch das meifte was in ihm be- der fjberfetzerin eingerichteten Berufsorganifation der
fjandelt wird, nur mittelbar berührt, und wo es fleh um ! Krankenpflegerinnen Deutfchlands eingeführt; jeder Verfuch
, fie aus fleh felbft heraus, aus den Bedürfniffen, die
fie befriedigen wollen, und aus ihren Grundfätzen heraus
zu verliehen, fehlt. Daß die dienenden Schwertern des
Johanniterordens freie, aber leidlich gut ausgebildete
Krankenpflegerinnen für freien, unvergüteten Dienft im

Schilderung kirchlicher Veranftaltungen handelt, gibt das
Werk doch nur Darftellungen aus zweiter und dritter
Hand, mit denen kritifch fleh auseinanderzufetzen, fleh erübrigt
, dem Referenten auch nur teilweife möglich wäre.
Auf das Ganze gefehen ift das Werk ein unleugbarer

und warm anzuerkennendes Verdienft, an dem auch Über- öffentlichen Notftande fein follen, kann aus der Darftel-
etzerin und Verleger ihren nicht zu vergehenden Anteil j hing Bd. III, S. 422 niemand entnehmen; der leitende
üaben. Es ift ein ungeheueres Material mit großem Fleiße j Gefichtspunkt bei der Begründung und auch noch bei
verarbeitet worden. Ein Literaturverzeichnis im 2. Bande I der gegenwärtigen Leitung des Ev. Diakonievereins —
•on über 20 Seiten ift dafür kennzeichnend. Die Schil-
erung beginnt, noch über Adam und Eva hinausgehend,

die Anbahnung des allgemeinen vaterländifchen Dienftes
der weiblichen Jugend nach Art des männlichen Heeres-
dienftes — bleibt völlig im Dunkel; der Zweck der Land-
-■, 11 ■ 1 .v.llllciaL ,lUL uui iicuciicn jriugnui au» 1 pflegerinnen — die Befeitigung der Landflucht durch
St "ff ^eb'et Ber Krankenpflege. Daß ein fo gewaltiger j umfaffende Volkspflege — wird nicht einmal angedeutet,
off nur zum kleinften Teil nach Quellen unmittelbar j Über den Ev. Diakonieverein 1 Seite, über die Berufs

S»t der .erften Hilfe bei Tieren' (nicht an fondern von
Ueren!) und fchließt mit den neueften Arbeiten auf
c/f"!. Gebiet der Krankenpflege. Daß ein fo gewaltiger

ort nur zum kleinften Teil nach Quellen unmittelbar 1 uun uui j-,v. uiaKomeverem 1 ocilc, uuci uic oeruis-
ehandelt werden konnte, ift felbftverftändlich, und es ift | organifation 23 Seiten — das ift keine objektive Raum-