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Ausgabe:

1914 Nr. 2

Spalte:

59-60

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fiebig, Paul

Titel/Untertitel:

Die synoptischen Evangelien. Texte u. Untersuchgn. zur Einführg. in ihre wissenschaftl. Beurteilg. f. Schüler u. Schülerinnen höherer Lehranstalten u. f. die Gebildeten der Gegenwart 1914

Rezensent:

Clemen, Otto

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59 Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 2. 60

tereffe. Unfere deutfche Miffionsliteratur findet dagegen,
entfprechend der geringen Kenntnis unterer Sprache in
England, nur eine recht dürftige Erwähnung, wenn auch
die grundlegenden Werke genannt find. Vermißt habe
ich doch, um nur einige zu nennen, die Arbeiten von
Grundemann, Büß, Oldenberg, Faber, Haas, Wilhelm und
Mirbt.

Frankfurt a/Main. W. Bornemann.

Referate.

Wernly, Pfr. Rud.: Die hebräilche Sprache als Gymnafialfach u. ihre
kulturhiftorifchen Beziehungen zum alten Orient. Progr.
(41 S.) gr. 8«. Aarau, H. R. Sauerländer & Co. 1912. M. 1.20
Der Verf., feit 1881 Lehrer des Hebräifchen an der Kantons-
fchule Aarau, tritt mit großer Wärme dafür ein, daß das Hebräifche
in feinem Wert für die allgemeine Gymnafialbildung anerkannt
werde, indem er diefe Sprache als den Schlüffel zum Verftändnis
des israelitifchen Geifteslebens würdigt, das der Menfchheit die
wichtigfte Gabe, feine Religion, gefchenkt hat, und weiter als
Schlüffel zum Verftändnis altorientalifcher Kultur überhaupt, die
auf Schritt und Tritt Beziehungen zur griechifch-römifchen Kultur
und durch fie hindurch auch zur modernen Kultur aufweift.
Darin wird man ihm zuftimmen müffen, und es ift mit Dank zu
begrüßen, daß er auch Nicht-Theologen an einer Fülle von Bei-
fpielen gezeigt hat, wieviel Förderung fie aus der Kenntnis des
Hebräifchen gewinnen können. Im einzelnen freilich bedürfen
feine Ausführungen vielfacher Korrekturen, da fie auf hiftorifchem
und befonders auf etymologifchem Gebiet doch oft recht veraltete
Anfichten und Methoden vertreten. Aus einer fehr großen
Zahl von Beifpielen feien nur ein paar angeführt: Hethiter und
Phiiifter dürfen nicht mehr als Kananiter bezeichnet werden
S. 12); die affyrifch-babylonifche Kultur kann nicht mehr als älter
als die ägyptifche gelten (S. 38); Aramäa ift nicht = Hochland, Sa-
mos hat mit samajim flcher nichts zu tun, Astarte kann nicht
mit 'aeser — Glück kombiniert werden (S. 31 ff.); ganz befonders
fchlimm ift die Gleichfetzung von Muslim mit moselim — die
Herrfcher (S. 34).
Halle a. S. C. Steuernagel.

Die heilige Schrift des Alten Teftaments, hrsg. v. E. Kautzfeh.
3. Aufl. Regilter, bearb. v. Prof. D. H. Holzinger. (IV,
143 S.) Lex.-8". Tübingen, J. C. B. Mohr 1912. Geb. M. 5 —
Das forgfältige, reichhaltige Regifter Holzingers fammelt
alles, was das Bibelwerk in Text und Noten über die alttefta-
mentliche Literaturgefchichte, die Gefchichte des Volkes Israel,
die Gefchichte feiner Religion und über die wirkenden Perfön-
Iichkeiten bietet. Die religiöfen und fittlichen Begriffe und die
gefchichtlichen Gegenftände bekommen den Hauptanteil, aber
auch das wichtigere archäologifche Material ift berückfichtigt.
Die teilweife recht umfangreichen Artikel (Eschatologie, Fromme,
Judentum, Religion, Propheten u. dergl.) find nach fachlichen
Gefichtspunkten in Unterabfchnitte gegliedert; der größte Artikel
, über Gott, ift alphabetifch angelegt. Die im Alten Te-
ftament verwendeten Bilder dürften noch zahlreicher angeführt
fein. Bei manchen Artikeln, wie z. B. den einzelnen Propheten
fleht man den Zweck des Regifters nicht recht ein. Der Kautzfch'
fchen Bibelüberfetzung ift nun durch diefes bedeutfamfte Inhaltsverzeichnis
zum Alten Teftament vollends der Charakter
eines ganz neuen, die verfehiedenften Gebiete des Alten Teftaments
umfaffenden Werkes gegeben. Befonders nützlich denke
ich mir das Regilter für Referate in Seminarübungen.
Tübingen. Volz.

Fiebig, Gymn.-Ob.-Lehr. Lic. Paul: Die rynoptirchen Evangelien.

Texte u. Unterruchgn. zur Einführg. in ihre wiffenfchaftl. Be-

urteilg. f. Schüler u. Schülerinnen höherer Lehranftalten u.

f. die Gebildeten der Gegenwart. (47 S.) 8». Tübingen, J. C. B.

Mohr 1912. M. — 90

Mit diefem Hefte möchte F. Schüler der Oberklaffen von |
Gymnafien und Realgymnafien, aber auch andrer höherer Lehranftalten
, endlich auch Erwachfene, die fleh dafür intereffieren, in |
die ,fynoptifche Frage' einführen. Ich glaube auch, daß es gegen- !
wärtig nötig ift, die Primaner in diefes Problem einzuweihen,
überhaupt in Gymnaflalprima auf weite Strecken (trotz entgegen-
flehender behördlicher Kundgebungen) in rein wiffenfehaftlichem
Geilte zu arbeiten.

Pädagogifch fehr richtig ift es, daß F. vom Einzelnen zum
Allgemeinen vorwärtsgeht, einige ihm befonders inftruktiv fchei-
nende Texte vorlegt, eingehend behandelt und dann allerlei Betrachtungen
anknüpft. Gegen die Verwendung des Fleftes im
Schulunterricht habe ich nur das eine Bedenken: es ift zu
fubjektiv und zu gelehrt. Beffer dürfte es fleh für Übungen in
einem Univerfitätsfeminar eignen.

F. will die Unzulänglichkeit der ,Zweiquellentheorie' be-
weifen. Dabei fcheint er. mir aber den Anhängern diefer Theorie,
wenigftens der Mehrheit derfelben, unrecht zu tun. Es fällt
ihnen doch gar nicht ein, zu denken und zu behaupten, daß mit
diefer Hypothefe alles erklärt fei; fie wollen vielmehr damit nur
aus der Fülle des Problematifchen das, was nach langer, inten-
fiver Arbeit genügend geklärt erfcheint und mit ziemlicher Be-
ftimmtheit gefagt werden kann, herausheben und zufammenfaffen.
Daß die mündliche Überlieferung, auf die F. immer wieder hinweift
, als Quelle bezw. Entwicklungsfaktor immer mit in Betracht
zu ziehen ift, leugnen fie mit nichten. In feiner rabiaten Abneigung
gegen die Zweiquellentheorie macht nun aber F. Dinge, die die
Forfchung glücklich abfchließend 'geklärt hat, erft wieder fleh und
andern unnötig kompliziert. Z. B. legt er die drei Paralleltexte
für das Petrusbekenntnis vor und ftellt für das Verhältnis der
drei Texte zu einander und zu möglichen weiteren Vorlagen eine
ganze Reihe von Möglichkeiten auf. Möglichkeit a: Mc. Vorlage
von Mt. F. verabfehiedet diefe Möglichkeit fehr bald: es fei
,nicht ftrikte zu beweifen, daß dem Mt. der Mc.-Text vorgelegen
hat'. Ich glaube doch, daß fleh das fo beweifen läßt, daß jeder
es annehmen muß. Dann aber braucht man eben die weiteren
z. T. ziemlich abftrufen Möglichkeiten gar nicht erft noch ernft-
lich zu erwägen. Andrerfeits enthält gerade diefer Abfchnitt über
das Petrusbekenntnis vieles auch für den Forfcher fehr Beachtenswerte
. Dazu gehört z. B. die Zufammenftellung der vielen jü-
difchen Wendungen, mit denen Mt. 16, 17—19 durchzogen ift.
F. folgert: ,Das fpricht auf alle Fälle für ein hohes Alter diefer
Verfe'. M. M. n. kann man aber daraus fchließen, daß Mt. fleh
den Stoff gründlich affimiliert hat. Woher er den Stoff genommen
hat und wie alt diefer ift, dafür bietet die ,Fülle jüdifcher Wendungen
' kaum einen Anhalt.
Zwickau i. S. O. Clemen.

Rohr, Prof. Dr. Ign.: Griechentum und Chriftentum. 1. u. 2. Aufl.
(Biblifche Zeitfragen, V. Folge, 8. Heft.) (40 S.) gr. 8». Mün-
fter, Afchendorff 1912. M. - 50

Der Verf., der mit der modernen Literatur vertraut ift, wenn
er auch meine Kultur S. 4—5 keiner Erwähnung für würdig hält,
behandelt, nach einer Skizze der Stimmungen der helleniftifchen
Zeit, das Chriftentum in feiner Verwandtfchaft und in feinem
Gegenfatz zu Philofophie und Religiofltät der Umwelt. Die Dis-
pofition ift locker, S. 7 der innere Zufammenhang der Entwicklung
etwas künftlich konftruiert. In Einzelheiten (z. B. S. 23 leidender,
fterbender, auferftehender Gott, S. 39 hermetifche Schriften, S. 31
das ungerechte Urteil über Hatch) urteile ich anders, öfter würde
ich anders nüanciren. Aber im Ganzen zeigt diere populäre Schrift,
daß der den verfchiedenen Richtungen der Forfchung und den
Konfefflonen gemeinfame Befitz an Erkenntniffen fleh mehrt.
Göttingen. P. W e n d 1 an d.

Benziger, P. Auguft, O. S. B.: Beiträge zum katholifchen Kirchenlied
in der deutfehen Schweiz nach der Reformation. Diff.
(IV, 207, VIII u. 24 S.) gr. 8». Samen 1910. (EinfiedelnJ. J. Iten.)

M. 2.40

Diefe ,Beiträge' find die Vorarbeit zu einer geplanten umfaffenden
Sammlung deutfeh-fchweizerifcher katholifcher Kirchenlieder
. Vf. macht mit dem vorhandenen Material bekannt und
bietet einige Proben. Eine Einleitung orientiert, fehr kurz und
fummarifch, über das fchweizerifche Kirchenlied vor der Reformation
, deffen Anfänge im Klofter S. Gallen zu fuchen find.
Dann folgt ein Überblick in das deutfche fchweizerifche Kirchenlied
bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Es ftehen die Marienlieder
im Vordergrund; in den Gefangbüchern der Katholiken begegnen
auch ,manche allgemeine chriftliche und fromme Lieder der
Proteftanten', deutfche Singmeffen finden fleh nicht vor der
Mitte des 18. Jahrhunderts. Vf. zählt nun unter Mitteilung einzelner
Strophen die Lieder auf Maria und die Heiligen auf, bei
denen natürlich die fpezififch-fchweizerifchen überwiegen; dann
folgt die Aufzählung der Pilgerlieder, vorab nach Maria Ein-
fiedeln, eine kurze Orientierung über die Gefchichte der einzelnen
Wallfahrtsorte ift beigegeben. Den ,Liedern polemifchen und
dramatifchen Charakters' folgen die Nachrichten über die Kirchen-