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Ausgabe:

1914 Nr. 2

Spalte:

40-42

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Charles, R. H.

Titel/Untertitel:

The Apocrypha and Pseudepigrapha of the Old Testament in English with Introductions and Critical and Explanatory Notes to the Several Books Edited in Conjunction with many Scholars Vol. I: Apocrypha, Vol. II:

Rezensent:

Beer, Georg

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 2.

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trauen. Die durch G B verfchieden gegebene Überfetzung
von 'TS glaubt H. auf verfchiedene Hände zurückführen
zu können. Hölfcher fucht zu zeigen, daß der Nebiismus
kanaanitifchen Urfprungs und von Anfang an den Heilig- !
tümern des Landes heimifch war, Israel hat ihn mit den
Kulten und der Kultur Kanaans übernommen. Lohr ver-
fucht eine Rekonftruktion der Texte Jef. 17, 1—11. 28,
1—4, 7—13, 14—22 und 29, 1—7, er vermeidet möglichft
mit metr. und ftroph. Argumenten zu operieren, glaubt
aber, daß die von ihm aufgezeigte metrifche und ftroph.
Gliederung feinen Aufftellungen als Stütze dienen kann.
Prockfch will mit Hilfe der LXX und der freien Konj.
den urfprünglichen Text von 2. Sam. 23, l ff gewinnen, er
erhält fo ein Gedicht, das in fechs Vierzeilern aus drei-
hebigen Stichen abgefaßt ift. Da nach Pr. David als
Verfaffer anzunehmen fei, fo fei das Lied von Bedeutung
für die meffian. Idee, erft fo erkläre fich die wunderbare
Kraft, die diefer Gedanke bei den Proph.Judas gehabt hat.
Puukko unterfucht Jer.'s Stellung zum Deut: die gewöhnliche
Erklärung von Ter. 11, 1 ff fei aufzugeben, vielmehr
war Jer.'s Stellung eine ablehnende, was wir zuerft im
Anfang der Regierung Jojakims genau beobachten können.
Von Anfang an war feine Stellung mindeftens paffiv und
abwartend, und allmählich geftaltete fie fich kritifierend
und ablehnend. Rothftein unterfucht die poetifche Form
der Klagelieder Davids 2 Sam. 1, 19 ff und 3, 33 f: jenes
urfprünglich vier regelmäßige Zweizeiler, das Versfchema
ungleichhebig 4 : 3 bzw. (2 : 2) u. 3, dies ein Zweizeiler nach
dem gleichen Schema (2:2): 3.

Sellin gibt das Zelt von P. als hiftorifch preis, fucht
aber auf Grund von Ex. 33, 1 ff, 2. Sam. 7, 6. Am. 5, 26.
Hof. 12,10. 9,5.6 Dt. 33. 12 zu beweifen, 1. daß in der
Zeit der Wüftenwanderung ein Zelt als Stätte der Offenbarung
den gottesdienftl. Mittelpunkt gebildet und 2. daß
dasfelbe auch in Paläftina noch zum eifernen Beftand
des Kultus der vorfalomonifchen Zeit gehört habe. Er
fucht nach dem Vorgang von Volz das Zeltfeft in diefem
Sinne zu verwerten, was er durch die Bileamfprüche und
Dt 33 zu erhärten fucht. Jedenfalls fei das Zeltfeft, wenn
nicht der Geburtsort, fo jedenfalls die immer erneute An-
regungsftätte für die Entwicklung der eschatolog. Erwartung
Israels gewefen. Staerk befchäftigt fich mit der Frage,
ob Rothfteins Theorie von der formalmetrifchen Gleichheit
der Strophen eines lyrifchen Gedichts mit den Tatfachen
, die uns gute, alte Texte an die Hand geben,
übereinftimmt. Im Gegenfatz zu R. tritt St. nach wie
vor für die Mifchmetra als das Normale in der hebrä-
ifchen lyrifchen Poefie ein.

Steuernagel zeigt, daß 1. Sam. 2, 27—36 keineswegs
in Baufch und Bogen der deuteron. Redaktion zugehört,
fondern ein fehr kompliziertes Gebilde ift. Nach St.
handelt es fich um die urfprüngliche Drohweisfagung
von Sa. 2,27—3la32a«b 34, die durch 2,31b 32. 33 aß
umgebogen wurde, fo daß die einmalige Kataftrophe
nun zu einem dauernden Verhängnis für das Haus Eli
wurde. Nach der jofian. Reform erfolgte eine neue Bearbeitung
2, 35. 36. Zugleich fah man in der Verbannung
Ebjathars nach Anathot ein Vorfpiel des gänzlichen Aus-
fchluffes der Eliden vom Prieftertum und fügte deshalb
an 1. Reg. 2, 26 die Bemerkung 2, 27 an.

Wilke tritt der feit Eichhorn weitverbreiteten An-
fchauung entgegen, daß die älteften Reden des Jer. die
Skythen als Vollftrecker des Gerichts im Auge haben,
und beftreitet, daß die Stützen für diefe Skythenhypo-
thefe wirklich tragfähig find. Das gilt von der durch
Herodot übermittelten Erzählung (103—106). Sind die
Skythen mit den Afchguzaeern zufammenzuftellen, ft> ift
bei den engen Beziehungen derfelben zu den Affyrern
ein Raubzug nach Paläftina im letzten Drittel des 7. Jahrhunderts
höchft unwahrfcheinlich. Nicht beffer fieht es
mit der zweiten Stütze, der Prophetie des Zeph. aus,
wahrfcheinlich falle fie in die Sturmzeit nach dem Tode
Jofia's. Auch die den Reden des Jer. entnommenen i

Argumente find nicht beweiskräftig, ja es finden fich
Stellen, welche diefe Auffaffung wenig wahrfcheinlich
machen oder ihr gar widerfprechen vgl. 241 ff 247. 257.

In eine Kritik diefer Aufftellungen hier einzutreten
verbietet fich von felbft. Die kurze Skizzierung des Inhalts
wird genügen um zu zeigen, welch eine Fülle von
Anregungen diefe Studien geben.

Straßburg i. E. W. Nowack.

Charles, R. H., D. Litt., D. D. Fellow of Merten College,
Oxford, Fellow of the British Academy: The Apocrypha
and Pseudepigrapha of the Old Testament in English with
Introductions and Critical and Explanatory Notes to
the Several Books Edited in Conjunction with many
_ Scholars Vol. I Apocrypha, Vol. II Pseudepigrapha. (XII,
* 684. XIV, 871 S.) 4° Oxford, Clarendon Press 1913. 63 sh.

Das unter der Führung von Charles herausgegebene
und äußerlich gediegen ausgeftattete große Werk über
die Apokryphen und Pfeudepigraphen des A. T. ift das
englifche Seitenftück zu den von Kautzfeh unter Mithilfe
anderer Gelehrter i. J. 1900 veröffentlichten alttefta-
mentlichen Apokryphen und Pfeudepigraphen. Auch hier
hat wieder einmal die deutfehe Wiffenfchaft der englifchen
die Wege bereitet und das Vorbild geliefert.

Die Engländer konnten keinen befferen Apokryphen-
und Pfeudepigraphen-General wählen als Charles, der
durch feine Editionen und Kommentare (Henoch, Jubiläen,
Baruch, Ascensio Jefajae, Assumptio Mosis und die Tefta-
mente der XII Patriarchen) feine Meifterfchaft in der Behandlung
der außerkanonifchen israelitifch-jüdifchen Literatur
bekundet hat. Unter den 26 Mitarbeitern begegnen
Namen wie z. B. Ball (Brief Jeremiae), Box (Sirach zu-
fammen mit Oesterley und 4. Esra), Conybeare und
R. Harris (Achiqar), Gray (Pf. Salomos), Herford
(Pirqe 'Abhoth), Moffatt (2. Makkabäer) ufw., die auch
in Deutfchland beften Klang haben. Die bekannte gelehrte
Dame Agnes Smith Lewis hat für Achiqar die
arabifche Verfion verarbeitet. Den größten Anfpruch an
das philologifche und theologifche Können machen die
Pfeudepigraphen. Den Löwenanteil hat hier Charles,
der mit Baruch II, Henoch I u. II, Martyrium Jefajae,
Jubiläen, Assumptio Mosis, Testamente der XII Patriarchen
und dem Fragment eines zadokitifchen Werkes vertreten ift.

Das deutfehe Beifpiel hat auf das englifche Werk im
Ganzen und im Einzelnen vielfach gewirkt.

Der Generaleinleitung von Kautzfeh über Begriff
der Apokryphen und Pfeudepigraphen, ihre Wertung in
Synagoge und Kirche, Gliederung und Inhalt, Literatur
S. Xlff. entfprechen bei Charles die einleitenden Paragraphen
zu den Apokryphen § 1—6, bzw. zu den Pfeudepigraphen
§ 1—3. Da das Vorwort von Charles vom März
1913 flammt, teilte man meinen, daß auch die allgemeine
Literatur bis zum Jahr 1913 berückfichtigt fei — wenigftens
bibliographifch. Sie reicht aber, Band I S. X/XI, nur bis
19IO und auch bei diefer fehlen wichtige Erfcheinungen,
wie z. B. ein Blick auf das vollftändigere Verzeichnis bei
Steuernagel, Lehrbuch d. Einleitung in d. A. T. 1912
S. 771 zeigt. Das deutfehe Standwerk für die Apokryphen
und Pfeudepigraphen, Schürer, ift nach der vorletzten
Auflage 1898 —1901, nicht nach der letzten von 1901 bis
1909 zitiert!

Wie bei Kautzfeh find bei Charles die Apokryphen
geteilt in 1. Gefchichtsbücher (3. Esra, 1.—3. Makkabäer);
2. was bei K. ,religiöfe Unterweifungen in Erzählungsform'
heißt, hat bei Ch. den Titel: Quasi historical books written
with a moral purpose (d. h. Tobit und Judit); 3. während
nun bei K. ,Zufätze zu kanonifchen Büchern des A. T.'
(d. h. Gebet Manaffes, Zufätze zu Daniel, Zufätze zum
Buch Efther) folgen, find unter 3 bei Ch. Wisdom lite-
rature d. h. Sirach und Weisheit Salomos gebracht, die
bei K. mit unter 4 flehen. Als 4 folgen bei Ch. Additions