Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1914

Spalte:

609-611

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Söderblom, Nathan

Titel/Untertitel:

Natürliche Theologie und allgemeine Religionsgeschichte 1914

Rezensent:

Troeltsch, Ernst

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Lic Hermann Schuster

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich 10 Mark

*3Ci T_l_ tv nn 1 /-»«-» Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlich an _ _T , ir)1 ,

*5y. Jahrg. Nr. 22/23 Profcflbr D. Titius m Güttingen, Nikolausberger Weg 66, rufenden. 7. NOVeillDer 1914

° Rezenfionscxemplare ausfchließlich an den Verlag.

Söderblom, Natürliche Theologie und allgemeine
Religionsgefchichte (Troeltfch).

Jeremias, Handbuch der altorientalifchen
Geifteskultur (Bifchoff).

Wiener, The Pentateuchal Text (Holzinger).

König, Die moderne Pentateuchkritik (Derf.).

Peters, Das Buch lefus Sirach oder Ecclesia-
sticus (Beer).

The Cambridge Bible for Schools and Colleges,
Ecclesiasticus (Derf.).

Moe, Paulus und die evangelifche Gefchichte
(Vifcher).

Weber, Die Vollendung des neuteftamentlichen
Glaubenszeugnifles durch Johannes (W. Bauer).

Ghrift, Gefchichte der griechifchen Literatur
(Krüger).

otählin, Die Chriftliche Griechifche Literatur
(Derf.).

Miracula S. Georgii, ed. Aufhaufer (Kern).
Beimond, Stüdes sur la Philosophie de Duns

Scot. I. (R. Seeberg).
Klein, Der Gottesbegriff des Johannes Duns

Skotus (Derf.).
Schäfer, Johannes Sander v. Northufen (Barge)

Die Feftpredigt des Freien Chrifteutums, 9. bis

15. Band (Schian).
Die Kafualrede des freien Chrifteutums, 4. und

5. Band (Derf).
Steinmetz, Heilige Stunden (Cohrs).

i>-.r ui rs r u- u. j r> . n. i Blau, Praktifche Seelforge (Bornemannl.

Ritlchl, Dogmengefchichte des Proteftantis- ** v

mus. II. Bd. 1. Hälfte (Kattenbufch).
H out in, Histoire du Modernisme catholique

(W. Köhler).
Gogarten,Fichte als religiöfer Denker (Scholz).
Hocking, The Meaning of God in Human

Experience (E. W. Mayer).
Aulen, Till Belysning af den lutherska Kyrko-

iden (Schmidt).
Hadorn, Zukunft und Hoffnung (Lobftein).
De oude kerkelijke Kunft in Nederland (Hennecke
).

Referate: Scheftelowitz, Das Hörnermotiv
in den Religionen. — Benzinger, Bilderatlas
zur Bibelkunde. — Baedorf, Unter-
fuchungen über Heiligenleben der weltlichen
Normandie. — Ude, Ethik. — Schmidt,
Sind wir noch Proteftanten?

Mitteilung: (19) Beiträge zur Kriegsethik in
praktifch-theologifchen Zeitfchriften.

Erklärung von Holzmeifter.

Wichtige Rezenfionen — Neuefte Literatur.

Söderblom, Prof. Nathan: Natürliche Theologie und allgemeine
Religionsgefchichte. (Beiträge zur Religions-
wiffenfchaft. Hrsg. v. der Religionswiffenfchaftlichen
Gefellfchaft in Stockholm, i. Jahrg. (1913/14) Heft I.)
(VIII, 112 S.) gr. 8°. Stockholm, A. Bonnier — Leipzig
, J. C. Hinrichs 1913. M. 6 —

(der Jahrg., 2—3 Hefte, M. 12—)

Der Religionshiftoriker der Leipziger theologifchen
Fakultät, inzwifchen zum Erzbifchof von Upfala ernannt,
gibt einen Beitrag zur Gefchichte der chriftlichen Begriffe,
genauer zu der Frage der Nebeneinanderftellung einer
natürlich-rationellen und einer übernatürlich-geoffenbarten
Religion. Er macht auf Vorftufen diefer Unterfcheidung
in der rabbinifchen Lehre aufmerkfam und ebenfo auf
folche bei Paulus. Für die chriftliche Antike konftatiert
er die Abwefenheit einer folchen Unterfcheidung, wobei
die Tatfache ficherlich richtig beobachtet, die Erklärung
aber fchwerlich richtig ift. Die Entftehung der offiziellen
Formel führt er dann auf die Ariftotelifchen Theologen
des Hochmittelalters zurück, denen feit Alkuin gewiffe
Vorläufer vorangehen. Auch hier ift das Paktum richtig,
die Erklärung aber jedenfalls nicht erfchöpfend. Darauf
folgt dann die Aulklärungsperiode, in welcher die Formel
als Auffaugung der übernatürlichen Theologie in die
natürliche fortdauert. Das Ende der Formel bedeuten
dann Hume, Schleiermacher und die moderne empirifche
Reli gionsforfchung. Die letztere hat zugleich mit dem
Begriff der .natürlichen Religion' auch den des .Heidentums
* und der wefentlich gleichartigen außerchriftlichen
Falfch-Religion zerftört. Die Parallelifierung diefer beiden
Begriffe .natürliche Religion' und .Heidentum' und ihre
gemeinsame Auflöfung durch die empirifche Religions-
forfchune- führt dann den Verf. dazu, die eigentliche Bedeutung
des erftgenannten Begriffes zu zeigen: er ift in
Wahrh eitderphilofophifcheMonotheismusderGriechen, aus
deren pofitiver Volksreligion — unter Mitwirkung ,per-
fönlicher religiöfer Erfahrungen' der antiken Denker
(S. 59) — herausgebildet und damit felbft eine hiftorifch-
pofitive Erfcheinung, wie das Gleiche vom chinefifchen,
609

brahmanifchen ufw. Monotheismus gilt. Damit ift der
Gedanke der natürlichen Theologie als Orientierungsmittel
für die Religionswiffenfchaft und Vorausfetzung der
Würdigung des Chriftentums endgültig ausgefchieden.
An feine Stelle tritt der Gedanke der prinzipiellen Gleichartigkeit
aller pofitiven Religionen, das Chriftentum ein-
gefchloffen, als konkret-hiftorifcher Ausgeftaltungen des
Spezififch-Religiöfen, d. h. des Glaubens an verpflichtende,
heilige Offenbarungen, der in allen Religionen das Reli-
giöfe ausmacht. Soweit ftimmt der Verf. mit den auch
von mir entwickelten Gedanken völlig überein, wobei ich
nur freilich das Verhältnis der pofitiven Kultreligionen zum
philofophifchen Monotheismus nicht ebenfo einfach zu erledigen
vermag.

Die beiden letzten Abfchnitte handeln dann von der
hieraus fich ergebenden Folgerung für die Geftaltung
einer wiffenfchaftlichen chriftlichen Theologie. Hier ift
nach S. die alte Grundlegung in der natürlichen Theologie
durch eine folche in der allgemeinen Religionsgefchichte
zu erfetzen. Damit aber ftehen wir vor dem Problem
der .Abfolutheit des Chriftentums' oder wie Verf. S. 80 fagt:
der .Sonderftellung des Chriftentums' oder .derPhilofophie
der Religionsgefchichte', S. 88. Hierauf antwortet S. mit
Hinweifen auf die rein tatfächliche Sonderbedeutung des
Chriftentums als unferer alten hiftorifchen Religion,
auf eine Reihe relativer Eigentümlichkeiten und auf
die große hiftorifche, viel umfaffende Stellung. ,Für die
Kirche, fährt er fort, fteigerte fich das . zu der Erfahrung
, daß fie in Chriftus und keinem Anderen das Heil
befitzt . . Für die Kirche ift das Chriftentum nicht nur
anderen Heilswegen überlegen, fondern fogar im Prinzip
die Wahrheit und fomit der unvergleichliche Gegen-
ftand ihrer Forfchung. Da wir es hier mit einer Schätzung
zu tun haben, die nicht ohne weiteres jedem Menfchen
einleuchtend zu beweifen ift, werden wir diefen Gefichts-
punkt in unferer Darftellung, wo es rein wiffenfchaft-
liche Erkenntnis gilt, außer Acht laffen', S. 87. Das ift
die eine Antwort. Daneben aber hat S. noch eine andere,
die er aus dem Tatfächlichen und Relativen herausarbeitet,
aus dem Gegenfatz der myftifchen, antiperfonaliftifchen,
gefchichtslofen und der theiftifch-perfonaliftifch-offen-

610