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Ausgabe:

1914

Spalte:

545-548

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Helm, Karl

Titel/Untertitel:

Altgermanische Religionsgeschichte. I. Band 1914

Rezensent:

Kauffmann, Friedrich

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf Harnack
Fortgeführt von Professor D. Arthur Titius und Oberlehrer Lic. Hermann Schuster

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Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Halbjährlich IO Mark

rr -r - , ^ ,Manufkripte und gelehrte Mitteilungen find ausfchließlichan , _ . «, 1 Ol r

OÜ. JahrS. Nr. 18/19 Profeu-or D. Titius in Göttingen, Nikolausbergcr Weg 66, rufenden. £. bepteiTlDer 1^14

D Rezenfionsexemplarc ausfchließlich an den Verlag.

Helm, Altgermanifche Religionsgefchichtc

(Kauffmann).
Prockfch, Die Genefis (Gunkel).
Loify, L'Evangile selon Marc (M. Dibelius).
Weinel, lefus (Derf.).
Gilbert, Jefus (Derf.).

Lübkers Reallexikon des klaffifchen Altertums

(Lietzmann).
Palacios, Abenmasarra y su escuela. (Horten).

Little, James, Bannifter: Collectanea Fran-

ciscana (Lempp).
Franziskanische Studien (Derf.).
Neerlandia Franciscana (Derf.).
König, Peutingerftudien (Brandi).
Ihm eis, Das Dogma in der Predigt Luthers

(Scheel).

Goetz u. Theobald, Beiträge zur Gefchichte
Herzog Albrechts V. u. der fog. Adelsver-
fchwörung von 1563 (Schornbaum).

Zeitfchrift der Gefellfchaft für niederfächfifche
Kirchengefcbichte. 18. Jahrgang (Boffert).

Scholz, Schleiermacher und Goethe (Eck).

Vinet, Philofophie morale et sociale (Lobflein).

Hill, The Interregnum (Dorner).

Brewfler.The Philofophy of Faith(Mackintofh).

Parifer, Einführung in die Religionspfychologie
(Wobbermin).

Seeberg, Der Geburtenrückgang in Deutfchlnnd
(Kübel).

Müller, Von Weihnachten bis Pfingflen (Nieber-
gall).

— Wegweiser (Derf.).

Referate: Wilke, Beiträge zur Lebensgefcbichte
des Andreas Pankratius. — Külpe, Immanuel
Kant. — Henfel, Rouffeau. — Schellings
Briefwccbfel mit Niethammer. — Hashagen,
Perfönliche Schrift- u. Kirchenftudien zur Bekämpfung
der modern-rationaliflifchen Schrift-
Kritik. — Beck, Die kirchliche Katechi-
fation. — Engert, lefus im Banne des
Modernifteneides; — rewpyidöqs;. Tu xw-
).vuaza rov yd/tov. — Hinrichs' Halbjahrs
-Katalog. — Schriften zur Einführung in
die Benutzung der Berliner Lniverfitäts-Biblio-
thek. — Stimmen aus Maria-Laach.

Mitteilung (iS) betr. Preisaufgabe.

Erwiderungen von Raufchen und Brüne.

Verlags-Notiz.

Wichtige Rezenfionen. — Neuefle Literatur.

Helm, Karl: Altgermanifche Religionsgefchichtc i. Bd.

i Religionswiffenfchaftliche Bibliothek. 5. Bd.) (X, 411 S.
DL 51 Abbildgn.) 8°. Heidelberg, C.Winter 1913. M. 6.40

Der Verf. lehnt die ältere fyftematifierende Behandlung
, wie fie in der deutfehen Mythologie noch heutzutage
populär zu fein fcheint, ab und will fie durch eine rein
niftorifche Betrachtung der religiöfen Zuftände und Anschauungen
der Germanen erfetzen. Er legt Wert
auf eine chronologifch möglichft klare Scheidung
unferes Quellenmaterials und fetzt vier Perioden an,
in die er die Kultentwicklung zerlegt: I. Die vorge-
fchichtliche Zeit, 2. Die vorrömifche und römifche Zeit,
3. Die Religion der Weftgermanen bis zu ihrer Bekehrung
, 4. Die Religion des germanifchen Nordens
Jede Periode wird auf Grund der gerade für fie zur Verfügung
ftehenden Ouellenzeugniffe umfehrieben und reli-
gionsgefchichtlich ausgefchöpft, um die Stufen erkennen
zu laffen, in denen fich die religiöfen Vorftellungen und
Gebräuche der Germanen unferem analytifch verfahrenden
Autor darfteilen. Im vorliegenden erften Band werden
wir in die ,vorgefchichtliche' fowie in die .vorrömifche
und römifche Zeit' eingeführt (S. 126ff. 246ff), nachdem über
Aufgabe und Methode, Urfprung und Wefen der Religion,
über die religiöfen Vorftellungen (S. I7ff.) und Äußerungsformen
(S. 44 ff) und Schließlich über die Quellen der
germanifchen Religionsgefchichtc (S. 63 ff) einleitungsweife
gehandelt iß.

Nach dem von S. Müller gegebenen Beifpiel verfährt
der Verf. bei der vorgefchichtlichen Zeit. Er fand,
daß das archäologifche Material bisher faß ganz ungenützt
geblieben fei, und legt den heutigen Stand der
prähißorifchen Forfchung dar, um auf Grund einiger
(auffallenderweife meiß fkandinavifcher nicht deutfeher)
Ausgrabungsergebniffe, die durch Abbildungen veran-
fchaulicht werden, Anfchluß an die religiöfen Volksvor-
ßellungen zu gewinnen2. Das Früheße was wir vom
Leben der alten Germanen kennen, find ihre neolithifchen

') Vgl. den Bericht über altgermanifche Religionsgefchichte im
Jahrbuch des Freien deutfehen Hochftifts zu Frankfurt a. M. 1912, 2Öff.
J) Vgl. hierzu Fr. Kauffmann, Deutfche Altertumskunde I. München

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Gräber: die Religionsgefchichte hat deshalb nach der Anficht
von Helm mit dem Totenkult und den damit zu-
fammengehängenden Denkmälern bezw. Vorfiellungen
(S. 132 ff) zu beginnen (.nicht etwa weil diefen Vorfiellungen
abfolut genommen die Priorität vor andern religiöfen Vorftellungen
zukäme, fondern weil die prähifiorifche Hinter-
laffenfchaft der Germanen auf diefe Seite ihres religiöfen
Lebens am früheften Licht fallen läßt'). Der primitive
Zauberkult (S. 164 ff), mit dem wir andern gern die Darftellungen
hätten eröffnet gefehen, wird vom Verf. leider
zurückgeftellt, ,weil er nicht im gleichen Umfang belegbar
ift', wozu zu bemerken wäre, daß die Belege nicht bloß
gezählt, fondern auch gewogen werden müffen und daß
zu den prähiftorifchen Belegen nicht bloß gerechnet werden
darf, was die .Wiffenfchaft des Spatens' ans Licht gebracht
hat, fondern auch das was wir der prähiftorifchen Linguiftik
und der Erforfchung des Folklore zu verdanken haben.
Vom Zauber fteigt Helm auf zu den Göttervorftellungen
der vorgefchichtlichen Zeit, die er auf Naturverehrung
(S. 172 ff: Sonne, Gewitter u. a.) zurückführt, aber doch auch
fchon für kultmäßig (S. 231 ff) gebunden erachtet. Die
ältere Anficht, daß der Gottesdienft der Germanen aus
einer fog. Naturreligion1 hervorgegangen fei, glaubte
Helm beftätigen zu können mit der Maßgabe, daß nunmehr
die vorhifiorifche Religion der Germanen in einigen
wefentlichen Zügen ihrer Entwicklung — dank der archäo-
logifchen Funde — erkennbar geworden fei. Mit dem
zweiten Teil (.vorrömifche und römifche Zeit') gelangen wir
zu den Berichten von Cafar und Tacitus, neben denen
die Ausgrabungsergebniffe nicht vernachläfligt, fondern
ebenfalls auf gemeingermanifche Erfcheinungen geprüft
werden (Seelenglaube und Totenkult S. 246ff; Götterglaube
S.255ff; Wahrfagung S. 279ff; die höheren Kulje
S. 286ff). In einem befondern, intereffanten Abfchnitt
fpricht Helm über Stammeskulte und Kultverbände
(S. 298 ff). Der vorliegende Band fchließt mit einer
dankenswerten Überficht über römifch-germanifche Beziehungen
(S. 342 ff), über keltifche wie keltoromanifche
Einflüffe (S. 390—411).

•j Diefer Begriff erfcheint mir in fich widerfpruchsvoll; er wäre
fchon feiner Unklarheit wegen in einem hiflorifchen Werke beffer vermieden
worden.

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