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Ausgabe:

1914 Nr. 15

Spalte:

451-453

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Knudson, Albert C.

Titel/Untertitel:

The beacon Lights of Prophecy 1914

Rezensent:

Gressmann, Hugo

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 15.

452

xaivov, dXX' ctJtEQ dei xai dXXore(l) xai kv xm xagEXr/Xv-
&6xi Xoycp ovöhv jrsjcav/iai Xtycov (ioob), früher gefchrie-
ben haben follte als den, in dem es heißt: xoXfirjxsov ydg
ovv to ys aXrjireq eljtelv (Phädr. 247 c), und will im übrigen
nur eine m. E. irrtümliche, aber für die richtige Anfetzung
und Beurteilung des Phaedo keineswegs unbedeutende,
Auffaffung (317f.) zurückweifen: ötvxeQog xXovq bedeutet
für Plato, wie nicht nur die Phaedoftelle (99d) felbft, fondern
auch Pol. 300c und Phil. 19c zeigen, nicht den
befferen, fondern den fchlechteren Weg, und fteht nicht
im Gegenfatz zu der materialiftifchen Naturphilofophie,
fondern zu der Theorie, die Plato erft in der Republik
und im Timäus gewinnt. Auch das ift für mich ein Grund,
der es mir unmöglich macht, mich mit der Auffaffung
Pohlenz' zu befreunden. Aber bis zu einem gewiffen Grade
find das alles dogat. Und auch P. felbft ift fich darüber
völlig klar.

Um fo weniger find aber dann die Schärfen zu verliehen, die er
hier und da anbringt — nicht einmal überall mit der erforderlichen Vorficht
. So ift es z. B. keineswegs nötig, .Scheuklappen vorzuhaben' (153, l),
um Gorgias 508 a nicht — wenigftens nicht allein — an die Pythagoreer zu
denken; eine Erinnerung an Soph. 242 de läßt den Gedanken an Empe-
dokles als völlig berechtigt erfcheinen.

Indeffen, mag man auch in diefem oder jenem Punkte
von Pohlenz abweichen, überall hat man das Gefühl, eine
durchaus gediegene Arbeit vor fich zu haben, die viel
Neues bietet und an allen Punkten zur Nachprüfung eigener
Anfchauungen anregt.

Königsberg. Goedeckemeyer.

Causse, D. theol. A.: Les Prophetes d'lsrael et les Religions
de l'Orient. (330 S.) gr. 8°. Paris, E. Nourry 1913. fr. 7.50

Hölfcher, Guft.: Die Profeten. Unterfuchungen zur Reli-
gionsgefchichte Israels. (VIII, 486 S.) gr. 8°. Leipzig,
J. C. Hinrichs 1914. M. 9—; geb. M. 10.20

Knudfon, Albert C.: The beacon Lights of Prophecy. (XII,
281 S.) gr. 8°. New York, Eaton & Mains [1914].

Alle drei Bücher über die Propheten flehen auf der-
felben wiffenfchaftlichen Höhe. Knudfon hat für die
breitefte Öffentlichkeit gefchrieben, ohne Anmerkungen
und ohne gelehrten Ballaft, aber doch nicht an der Oberfläche
haftend. Er verflicht, feine Lefer über die gegen- I
wärtigen Probleme zu orientieren; gelegentliche Andeutungen
zeigen, daß er die Literatur beherrfcht und einen
felbftändigen Standpunkt gewonnen hat, den er in Kürze l
rechtfertigt. Eine längere Einleitung (S. 1—55) über die
allgemeine Gefchichte und die Eigenart der Prophetie ift
vorangefchickt. Dann folgen die einzelnen Geftalten der
großen Propheten. Charakteriftifch find fchon die Über-
fchriften: Arnos the prophet of moral law; Hosea the
prophet of love; Isajah the prophet of faith; Jeremiah
the prophet of personal piety; Ezekiel the prophet of in-
dividualism; Deutero-Isaiah the prophet of universa-
lism. Die Linien werden fcharf umriffen, die Hauptzüge
klar herausgehoben und feffelnd dargeftellt. Überall fieht
man die gewaltigen ,Leuchtfeuer', die erft Israel und dann
der Menfchheit den Weg wiefen. Der Kritik wird ihr
volles Recht, wenngleich fie maßvoll bleibt und die Echtheit
der meffianifchen Weisfagungen anerkennt. Die Form
Jehovah' könnte wohl mit gutem Gewiffen aufgegeben
werden; für die Zurückführung der Prophetie auf Mofe
und die angeblich alte Vorftellung eines ,kingdom of Jehovah
' fcheint es mir an ftichhaltigen Beweifen völlig zu
fehlen. Aber von diefen und anderen Kleinigkeiten ab-
gefehen, wünfche ich dem Buche, daß es für Amerika
das werden möge, was uns ,der Cornill' bedeutet.

Causse ift infofern gelehrter, als er auf wiffenfchaft-
liche Anmerkungen nicht verzichtet. Dadurch hat er den
Haupttext entlaftet, fodaß man fich ganz dem Genuß der
feinen Stilifierung hingeben kann —-..und wir Deutfchen
find jetzt auch verwöhnt! Reiche Überfetzungsproben,

mit Gefchmack ausgewählt und in Stichenform gedruckt,
bringen die Propheten dem Verftändnis des Lefers noch
näher. Die fie begleitende Darfteilung befchränkt fich
überall auf die Hauptfachen und hebt das Charakteri-
ftifche fcharf hervor. Die meffianifchen Weisfagungen
gelten als echt und werden gebührend gewürdigt. Im
übrigen werden die Refultate der Literarkritik anerkannt
und als felbftverftändlich vorausgefetzt.

Das befondere Endziel, das Causse verfolgt, ift, die
Urfprünge des univerfalen Monotheismus aufzuhellen. Alle
feine Ausführungen find zu diefem Zweck ftraff konzentriert
. Er beginnt mit einem einleitenden Kapitel über
die volkstümliche Jahvereligion, die in wefentlichen Punkten
mit den anderen femitifchen Natur- und Stammesreligionen
übereinftimmt und nichts Monotheiftifches hat. Aber
trotz der heidnifchen Überlebfei und trotz der immer
neueinftrömenden fremden Einflüffe hat man kein Recht,
von einem Polytheismus Iffaels zu fprechen; ja man kann
fagen, daß die Jahvereligion von Anfang an eine Tendenz
zum Monotheismus gehabt hat. Denn Jahve ift von jeher
ein ftarker und eiferfüchtiger Gott gewefen, der niemals
einen Bund mit andern Göttern eingegangen ift (S. 47f.).
Und nun zeigt Causse, wie zuerft mit Elia die Morgendämmerung
des Monotheismus anbricht. ,La foi au Dieu
unique n'est pas le produit d'une laborieuse speculation
philosophique, mais l'aboutissant d'une lutte pour la con-
servation nationale, d'une reaction violente contre le syn-
cretisme' (S. 62). Und weiter, wie fich eine Knofpe nach
der andern entfaltet und wie mit Deuterojefaja die volle,
reife Blüte des Monotheismus gekommen ift. Die Jahvereligion
ift zur Weltreligion geworden und Israel der Welt-
miffionar (S. 239). Die Schlußkapitel (S. 254—321) fetzen
fich auseinander mit dem angeblichen Urmonotheismus
der Semiten, wie ihn vor allem Renan behauptet hatte,
und mit den monotheiftifchen Strömungen im modernen
Orient, auf die Winckler, Jeremias, Baentfch und die Pan-
babyloniften überhaupt hingewiefen hatten. Causse urteilt
fehr befonnen; er erkennt die tiefe Frömmigkeit und
Ethik an, die uns in Ägypten und Babylonien entgegentritt
, aber er leugnet das Vorhandenfein eines klaren
Monotheismus, im großen und ganzen gewiß mit Recht.
Nur die Reform Ämenophis IV. fcheint er mir nicht
ganz richtig eingefchätzt zu haben, da er den politifchen
Faktor zu ftark betont gegenüber dem religiöfen Empfinden
und die gedankliche Reinheit des Monotheismus
leugnet. Philofophifch-abftrakt betrachtet, war der Monotheismus
und Univerfalismus des ,Ketzerkönigs' vielleicht
deutlicher als der eines Deuterojefaja, aber es fehlte ihm
die innere Wärme und die Fähigkeit zum Leben wie
aller,Aufklärung'. Im übrigen aber hat Causse das Problem
des orientalifchen Monotheismus fcharf herausgearbeitet
und fo gelöft, daß er der allgemeinen Zuftimmung ficher
fein kann.

Hölfcher hat die Propheten hauptfächlich von drei
Seiten her zu erfaffen verflicht. Er behandelt 1. die reli-
gionspfychologifchen Fragen (S. 1—188), 2. die großen
Prophetengeftalten (S. 189—358) und 3. dieliterarkritifchen
Probleme (S. 359—460). Von diefen drei Teilen ift der
letzte am fchwächften, obwohl er eine Reihe wertvoller
Beobachtungen (z. B. S. 382 Anm. 2. ,Satiftik ftereotyper
Wendungen der Redaktoren im Jeremia-Buch'), anregender
Vermutungen (z. B.. S. 373 ff. die Herkunft van Jefaja
40—55 und 55—66 aus Ägypten) und guter Konjekturen
enthält. Aber die verfchiedenen Prophetenfchriften werden
fehr ungleichmäßig berückfichtigt; auf Jefaja 40—55
werden nur 12 Zeilen verwendet. Selbft wenn man fich
auf den Boden der herrfchenden Anfchauung ftellt, kann
man fragen, ob das berechtigt ift. Wer aber die übliche
Literarkritik der Schule Wellhaufens, wie fie innerhalb
der Prophetenfchriften betrieben wird, als einen einzigen
großen Irrtum ablehnt, wird diefen Ausführungen Höl-
fchers nicht zu folgen vermögen Das Buch würde fehr
gewinnen.wenn diefer Teil völlig fehlte. Vollftändig find