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Ausgabe:

1914 Nr. 14

Spalte:

422-423

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Monnier, Henri

Titel/Untertitel:

La Mission historique de Jésus. 2 éd. revue et corrigée 1914

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 14.

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Von dem Infinitiv-Schema fa'äl leitet er nicht nur die hebräifchen
Adjektive und Subftantive der Form fä'öl, fondern auch das aramäifche
nomen agentis — nicht actionis, wie S. 6 unten fleht — la öl ab. Des
gleichen Urfprungs follen fein die arabifchen Nomina der Form faal (=
hebr. fä'äl), indem behufs befferer Unterfcheidung zwifchen Abftraktum und
Konkretum das ä der zweiten Silbe des Infinitivfchemas faäl verkürzt
wurde. Durch eine andere Art lautlicher Abänderung läßt er — allerdings
zweifelnd — aus fa al das arabifche fi äl entliehen, das im Hebr.
einerfeits als fe'öl f. z. B. bekhör, andererfeits — durch die in dem Buche
eine große Rolle fpielende .Senkung des ö* — als fe'ül erfcheint (S. 7 f.).
Auch Worte wie hebr. zeqünim find für den Verfaffer Infinitive, deren
I ebenfo zu beurteilen fei wie in arab. nazäli und in den Endungen der
Beziehungswörter (S. 13 ff".).

Das geht m. E. fchon ins Afchgraue.

Wie der Verf. S. 4 unten bemerkt, hat er faft alle
Beifpiele aus J. Barths Semitischer Nominalbildung übernommen
. Es ift aus mehr als einem Grunde aber fehr
zu bedauern, daß er fich mit diefem Buche und den
anderen denfelben Stoff behandelnden Werken nicht mehr
auseinander gefetzt hat. Der Rezenfent ift nicht dazu da,
diefe Arbeit dem Autor abzunehmen.

Königsberg i. Pr. Fr. Schwally.

Mayer, Paft. Lic. Dr. Gottlob: Die Pfalmen in religiöien

Betrachtungen f. das moderne Bedürfnis. (Das Alte
Teftament, hrsg. v. G. Mayer. 7. Bd.) (XI, 526 S.) 8°.
Gütersloh, C. Bertelsmann 1913. M. 7.20; geb. M. 7.80
Dunkmann, Prof. D. K.: Das Buch Hiob in religiöfen Betrachtungen
für das moderne Bedürfnis. (Das Alte
Teftament, hrsg. v. G. Mayer. 6. Bd.) (VIII, 222 S.)
8°. Gütersloh, C.Bertelsmann 1913. M. 3.60; geb.M.4.20

Pfalm für Pfalm wird von Mayer hinter einander behandelt
, ohne daß allzuviele Wiederholungen auffielen. Es
wird den altteftamentlichen Gefangen das Gedankengut der
gewöhnlichen kirchlichen Verkündigung untergelegt, wobei
die lyrifch-perfönliche Eigenart der Lieder ftark hinter
dem lehrhaft-erbaulichen Beftreben des Auslegers zurücktritt
. Nur fehr vorfichtig wird mitunter eine kritifche
Andeutung gemacht, im Ganzen herrfcht die herkömmliche
Auffaffung über die Verfafferfchaft. Die meffianifche
Beziehung auf Jefus ist, wo es herkömmlich ift, ftets wenn
auch auf einem Umweg wieder hereingetragen. Das
,moderne Bedürfnis' wird vor allem polemilch berück-
fichtigt, wobei die moderne Theologie auch ihr reichliches
Teil mit bekommt.

Einen etwas andern Ton fchlägt Dunkmann an.
Ift praktifche Auslegung in der Regel der Vernich, einen
biblifchen Schriftfteller ungefähr fagen zu laffen, was man
felbft für richtig hält — das merkt natürlich immer nur
einer am andern — fo entfpricht es der Gefamthaltung
von D.. wenn er in feinen Erläuterungen zu den einzelnen
Kapiteln des Hiobbuches folgenden Weg geht: er läßt
der kritifchen Auffaffung z. B. in bezug auf die Elihu-
reden, das Schlußkapitel und andere angefochtene Stellen
mehr Recht wiederfahren; er ftreitet ebenfo ftark wider
eine tote ftreitluftige Kirchlichkeit und Orthodoxie wie
gegen den modernen Geilt, und die Werturteilstheologie.
Das tut er, indem er einmal die Perfonen des Buches
typifch faßt, wobei etwas gewaltfam Bildad als Biblizift
zu ftehn kommt; indem er dann allgemeinere Erörterungen
theologifcher, apologetifcher und erbaulicher Art
an einzelne Stellen anhängt. Im Ganzen ift die Aufgabe,
das Einmalige des Buches mit der Gegenwart in Beziehung
zu bringen, gefchickt gelöft. — Ich fehe das
Gute diefer Auslegungsarbeit darin, daß fie behutfam
die ,Gemeinde' vom alten Infpirationsglauben praktifch
löft und ihr die unerläßlichen kritifchen Erkenntniffe von
einer ihr vertrauenswürdig erfcheinenden Seite zukommen
läßt.

Heidelberg. F. Niebergall.

Vogels, Heinrich Jofeph: Codex Rehdigeranus. (Die vier
Evangelien nach der lateinifchen Handfchrift R 169 der
Stadtbibliothek Breslau hrsg.) (Collectanea Biblica
Latina. Vol. II.) (XLVI, 300 S. m. 3 Tafeln.) gr. 8»
Rom, F. Pultet 1913. L. 12 —

Das zweite Heft der Collectanea Biblica Latina, einer
vom päpftlichen Bibelinftitut herausgegebenen Textpublikation
, die fich von ihrem englifchen Vorbild, den Old
Latin Biblical Texts, durch den wefentlich billigeren Preis
höchft vorteilhaft unterfcheidet, bringt den Codex Rehdigeranus
der Evangelien, der im Apparat unferer Ausgaben
das Siglum ,1' führt. Derfelbe war bisher nur in
fechs Breslauer Univerfitätsprogrammen von F. Haafe
gedruckt, zuverläffig, aber vielen Intereffenten (z. B. auch
den Editoren der Oxforder Vulgata) unzugänglich. Der
mit drei Lichtdrucktafeln ausgeftattete diplomatifche Abdruck
von Vogels übertrifft den Haafefchen durch noch
größere Genauigkeit in der Beobachtung verfchiedener
Hände, der Rafuren ufw. Trotz ihres faft durchweg
geringen Intereffes hätten vielleicht noch die gelegentlich
begegnenden Gloffen in den Apparat aufgenommen werden
können — er füllt ohnehin den ihm zugewiefenen Seitenraum
faft niemals aus —, um die Reproduktion der Hf. in
ihrem gefchichtlichen Zuftand vollftändig zu machen; auch
die Einleitung geht nicht darauf ein.

Die die Evangelien faft vollftändig überliefernde Hf.
ift wahrfcheinlich um 700 in Italien nach einer Vorlage,
die bereits diefelbe Seiten-, Kolumnen- und Zeilenabfetzung
aufwies, gefchrieben worden. Leider wurde fie in fehr
alter Zeit nach einem anderen Text durchkorrigiert, und
die dabei meift durch Rafur getilgten altlateinifchen Lesarten
laffen fich nur zum Teil wiederherftellen. Die dem
Abdruck vorausgefchickte Einleitung bietet nach der Be-
fchreibung der Hf. eine Skizze ihres Textcharakters. Er
zeigt eine Mifchung von vetus latina und vulgata, deren
Entftehung ja an den Rafuren z. T. noch zu verfolgen ift,
die aber fchon in die Vorgefchichte der Hf. zurückreicht;
wenigftens erklären fich mehrere der von Vogels S. XX VI f.
ausgehobenen Beifpiele m. E. nur aus einer Vorlage, die
Doppellesarten in der Art aufwies, wie wir fie im Sangal-
lensis der Evangelien (d) und im Boererianus der Paulinen
(g) noch vor uns fehen: vgl. Mt. 14,8 dixit da mihi in-
quit, 18,12 nonne non relinquet, Lk. 12,54 et Ha fit
sie u. a. (die Dublette sie -f- ita hat auch d; Vogels übernimmt
aus Wordsworth-White eine falfche Kollation). Der
Herausgeber fammelt weiter Beifpiele für Berührungen von
1 mit den fogenannten irifchen Handfchriften der Vulgata,
die ebenfalls aus Mifchung altlateinifcher mit Hieronymustexten
zu erklären find, und zeigt fodann an einigen mit
der Vulgata und den altlateinifchen Texten kollationierten
Probeftücken aus 1, wie deffen Text partienweife zwifchen
beiden fchillert. Eine vollftändige Analyfe des Textes 1,
die natürlich hier nicht zu leiften war, aber nunmehr ermöglicht
ift, würde vielleicht mit Vorteil bei einer Unter-
fuchung der oben aufgezeigten Doppellesarten einfetzen
können. Daß wir diefen aus mancherlei und darunter
feltenen und wertvollen Quellen gefpeiften Text jetzt in
einer fo zuverläffigen und bequemen Ausgabe befitzen,
verflichtet uns zu lebhaftem Dank gegen feinen Herausgeber
.

Berlin-Steglitz. Hans von Soden.

M onnier, Henri: La Mission historique de Jesus. 2. ed. revue
et corrigee. (XXXIX, 381 S.) 8°. Paris, Fischbacher
1914. frs. 5 —

Das fchöneBuch, das Prof. H. Monnier als reife Frucht
feiner Lehrtätigkeit an der theologifchen Fakultät zu Paris
der Föderation des Etudiants chretiens widmet, erfcheint
nach acht Jahren in zweiter Auflage. Da Grundriß und
I Standpunkt des Verf. fich gleich geblieben find, gilt das,