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Ausgabe:

1914 Nr. 13

Spalte:

412

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rait, Robert S.

Titel/Untertitel:

Life in the Medieval University 1914

Rezensent:

Scheel, Otto

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4ii

Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 13.

412

ift außerdem fehr umfangreich. So gehört nach baye-
rifchem Staatskirchenrecht das kirchliche Vermögensrecht
zu den rein weltlichen Gegenftänden. Das ift auch die
formale Grundlage, auf der Bayern durch die Kirchengemeinde
-Ordnung vom 24. September 1912 das Vermögensrecht
der katholifchen und proteftantifchen Kirchengemeinden
und Kirchenftiftungen einfeitig von Staatswegen
regeln konnte. Diefes umfangreiche und fchwierige, aber
auch grundlegende Gefetz mußte natürlich in einem Handwörterbuch
des Staatskirchenrechts reiche Verwertung
finden. Auch der Kreis der Gegenftände ,gemifchter
Natur' ift in der II. Verfaffungsbeilage weit gezogen.
Die Verfaffer haben daher mit Recht den Umfang nicht
zu eng bemeffen. So finden fich unter den Artikeln folche,
die man anderwärts zum Kirchenrechte im Allgemeinen
rechnen würde; ich nenne z. B. die Artikel .Diözefan-
fynode, Generalfynode, Kirchenzucht, Patronat. Denn
auch bei diefen liegen überall Anwendungsfälle derStaats-
aufficht vor. — Die einzelnen Artikel find klar, fachver-
ftändig und, wie man überall erkennen kann, mit voller
Beherrfchung des Stoffes gefchrieben. Auf Einzelheiten
kann hier nicht eingegangen werden. Das Buch erfüllt
feinen Zweck auf das Allerbefte. Es wird dem baye-
rifchen Juriften und Verwaltungsbeamten ein kaum entbehrliches
Elilfsmittel werden. —

Erlangen. Sehling.

Referate.

Obbink, Dr. H. Th.: Over oud-aegyptifche Voorftellingen aangaande
Dood en Leven. Rede bij de Aanvaarding van het Hoogleeraars-
ambt aan de Rijksuniverfiteit te Utrecht, uitgefproken den
22en September 1913. (35 S.) 8». Nijmegen, H. ten Hoet 1913.
In feiner akademifchen theologifchen Antrittsrede befpricht
der Verfaffer von einem philofophifchen Standpunkte aus ägyp-
tifche Unfterblichkeitsvorftellungen, wie fie an Ofiris anknüpften.
Es fei nicht richtig, Ofiris als Gott des Niles oder des Ozeans,
der Erde, des Korns, des Nachthimmels, des Mondes aufzufallen.
Er habe von dem Allen an fich und (teile die Idee der fchlum-
mernden Lebenskraft der Natur dar, ähnlich wie der Ka die per-
fonifizierte Lebenskraft des einzelnen Menfchen fei. Ofiris fei
der Gott des Todes und damit des Lebens, denn was lebt ftirbt
und was ftirbt lebt wieder auf. Eine große Rolle fpiele dabei die
vegetabile Seite und die Vorltellung der Wiedergeburt aus der
Tierhaut. Während dieOfiris-Religiondie volkstümlicheGlaubens-
form fei, fei die Rä-Religion die mehr offizielle, dabei wurde
dann aber Ofiris mit Rä identifiziert, indem Rä als fterbender
Gott ein Ofiris werde. Auf diefem Wege gewinne Ofiris die
ganze Welt. Ein Hinweis auf die Fortfehritte, welche das Chri-
ftentum in den Vorftellungen von Tod und Leben gebracht habe,
befchließt die Ausführungen.

Bonn. A. Wiedemann.

Pick, Rabb. Dr. Ludw.: Die Weltanfchauung des Judentums. (93S.)

. gr. 8". Berlin, C. Boas Nachf. 1912. M. 1.50; geb. M. 2.25
Eine der feit längerer Zeit in Mode gekommenen Schriften
zum Thema vom ,Wefen des Judentums', das in der üblichen
Weife auf Kotten des fchief gezeichneten Chriftentums verherrlicht
wird, was den Verf. nicht abhält, über ,Fahrläffigkeit im Urteil
über Juden und Judentum' zu klagen (S. 51). Befonders der
.Bekehrungseifer gegen Juden' (S. 53) kommt fchlecht weg (S. 48 ff.).
.Diffionar' (ftatt Miffionar, S. 49) ift hoffentlich Druckfehler, wie
,Otimismus' (Optimismus, S. 23), ,San (!) Hedrin' (S. 83) u. a. m.

Leipzig. Erich Bifchoff.

Lazarus, M.: Aus meiner Jugend. Autobiographie. Mit Vorwort
und Anhang herausg. von Nahida Lazarus. (VIII, 137S.)
8°. Frankfurt a/M., J. Kauffmann 1913. M. 2.50; geb. M. 3.50
Die von der Witwe herausgegebene Autobiographie des bekannten
, am 13. April 1903 verdorbenen Berliner Pfychologie-
profeffors Moritz Lazarus (er felbft nannte fich laut S. 125 ftets
Mofes' L.) umfaßt die Jugendzeit von 1824—1850 und gibt in
drei Hauptabfchnitten (Im Elternhaus, In der Fremde, Wahl des
Berufs) intereffante anekdotifche Bilder aus dem Lebensgange
des Gelehrten und aus feiner jüdifchen und nichtjüdifchen Umgebung
. Wertvoll find die von Rabbiner Dr. A. Tänzer beigefügten
biographifchen und bibliographifchen Fußnoten, ebenfo auch die
Ergänzungen der Herausgeberin S. 125 ff.
Leipzig. Erich Bifchoff.

Rait, Robert S., M. A.: Life in the Medieval University. (The Cambridge
manuals of science and literature. Vol. 38.) (VIII,
164 S. m. 1 Abbildg.) kl. 8". Cambridge, University Press 1912.

s. 1 -

Rait fchildert das Leben an den mittelalterlichen Univerfi-
täten nach folgenden Gefichtspunkten. Im erften, einleitenden
Kapitel werden die Perioden der Univerfitätsgründungen und die
Begriffe Universitas, Collegium, Studium generale erörtert. Das
zweite Kapitel befchäftigt fich mit der Universitas der Studenten
(vornehmlich Bologna), das dritte Kapitel mit der Universitas der
Lehrer (vornehmlich Paris). Im 4. Kapitel wird die College Dis-
cipline charakterifiert, in der Rait den Beginn eines neuen Sy-
ftems des Univerfitätslebens erblickt. Das Vorbild der College-
Statuten find Mönchsregeln; Walter Merton war der Gründer
diefes Syftems, das nur in England fich ganz entwickelte, während
die Parifer Collegia, weder das ganze Univerfitätsleben noch eine
Selbftverwaltungsgemeinfchaft darfteilend, die Tendenz hatten,
Teilglieder der Nationen zu fein. Kapitel 5 behandelt die Ge-
fchichte der Univerfitätsdisziplin (Einfluß der College-Disziplin),
Kapitel 6 die Aufnahmezeremonien (the ,jocund advent'), Kapitel

7 die Beziehungen zur Bürgerfchaft (town and gown) und Kapitel

8 die Vorbereitung auf das Univerfitätsftudium, die Unterrichtsbücher
, die Vorlefungen, Repetitionen, Disputationen und Prüfungen
. Die Darftellung, die befonders Rashdall viel verdankt,
wird durch viele Einzelbilder belebt, die Rait in den Quellen gefunden
hat.

Tübingen. Scheel.

Martens, Wilhelm: Das Kirchenregiment in Wefel zur Zeit der
letzten klevifchen u. der erften brandenburgifchen Fiirften.

Göttinger Differtation. (Sonderabdr. aus der Zeitfchrift d.

Bergifchen Gefchichtsvereins.) (109 S.) 8«. Elberfeld.
Die forgfältige, überall auf eingehenden literarifchen und
archivalifchen Studien fußende Untersuchung zeigt, wie es unter
dem Einfluß der wallonifchen Flüchtlingsgemeinde in Wefel zu
einer eigentümlichen Einheit kirchlichen und bürgerlichen Lebens
kommt, Mark felbftändig gegenüber Landesherrn und Synode. Der
Rat übt, im Anfang als Notepiskopat, das ausfchlaggebendeKirchenregiment
, hat aber in der von der Sondergemeinde entlehnten
Einrichtung des Stadtpresbyteriums (1612) das Grundelement cal-
vinifcher Kirchengeftaltung aufgenommen, das nun feinerfeits fich
felber eine Ordnung gibt und die fpezififche Tätigkeit der ,Sekten-
kirche' in der Kirchenzucht durch den Rat ausübt, alfo im K.Regiment
des Rates die Kirchenjuftiz hat. Die Differtation geht
den mannigfachen, aus diefer Polarität fich ergebenden Kreuzungen
auf den einzelnen Gebieten des Kirchenwefens bis zum letzten
Drittel des 17. Jahrhunderts nach und fchließt mit einem Blick
auf die beginnenden Separationen. Ein höchft intereffanter und
wertvoller Beitrag zur Gefchichte der niederrheinifchen Kirchen-
verfaffung, den man lebhaft wünfehte, in breiterer Ausführung
feiner Einzelheiten zu lefen — eine Art Grundriß für eine Erneuerung
der entfprechenden Partien des Woltersfchen Werkes,
für den dem Verf. feine Studien ficher eine Fülle lebendigen,
dem engen Rahmen einer Differtation leider verfagten Stoffes
boten.

Lobberich. Alfred Zilleffen.

Repke, Superint. Johs.: Pantheirtircher und theiftircher Monismus

5. Taufend. (Biblifche Zeit- und Streitfragen VII, 8.) Lichter-
felde-Berlin, E. Runge 1913. M. — 50

Dem Verf. diefes Heftes fehlte es an Überblick und Durchblick
, dem Inhalte fehlt infolgedeffen Gedankenführung und
Klarheit. Geradezu erftaunlich ift es, wenn nach einer Über-
fchau über ,die Arten des Monismus' mit einer fchiefen Darfteilung
der Spinoziftifchen Auffaffung der Hauptbegriff ,panthei-
ftifcher Monismus' mittels alleiniger Beziehung auf E. v. Hartmann
und einem Hinweis auf A. Drews auf anderthalb Seiten befprochen
wird. Eine wirkliche Auseinanderfetzung, über die berichtet werden
könnte, ift nicht vorhanden, die lockeren Einzelbemerkungen
find durch äußerliche Brücken miteinander verbunden. Daher ift
auch die Frage nach dem Verhältnis eines pantheiftifchen und eines
theiftifchen Monismus weder beantwortet noch gefördert.
Wien. K. Beth.